Viel Berg für wenig Höhenmeter - Kraxelspass am Nufenenpass


Publiziert von 360 Pro , 11. August 2011 um 21:02.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:10 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   CH-VS   Gruppo Pizzo Gallina   Gruppo Grieshorn 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Nufenen Passhöhe
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Nufenen Passhöhe

ENDLICH wieder einmal ein Mittwoch an dem sich ein Azorenhoch in der Schweiz breitmachen sollte. Dies musste natürlich genutzt werden. Die *Pizzo Gallina-Tour von Zaza, Omega3 und Betrand ist mir schon lange aufgefallen und zusammen mit einem Start auf dem Nufenenpass sollte sogar noch etwas mehr drin liegen, insbesondere das Mittaghorn, welches im Zusammenhang mit einer Ost-West Überschreitung des Gallina auf der Hand liegt.

Der Bus von Airolo zur cff logo Nufen Passhöhe ist sehr gut besetzt und der Chauffeur kassiert in der allgemeinen Hektik nicht einmal den Alpenticket Zuschlag ein (obwohl sich einige Leute darüber sogar "beschweren"...). Auf dem Pass bin ich froh diesem Trubel im Bus zu entfliehen (fast alle fahren weiter bis zum Griespass) und laufe bei ordentlicher Kälte aber stahlblauem Himmel los Richtung meines ersten Ziels dem Pizzo Nero. Dazu gehe ich zum Teil auf Wegspuren in der Süd- später Ostflanke des Chilchhorns zum wunderschönen Quellgebiet des Ticino unterhalb der Gonerlilücke mit diversen kleinen Seen.

Von dort folge ich dem markierten Weg auf die Gonerlilücke und anschliessend entlang dem Westgrat (beziehungsweise leicht rechts davon) hinauf zum Pizzo Nero. Die letzten paar Meter hoch zum Gipfel erforden ein paar einfache Kletterzüge sind aber halb so wild. Das einzig störende sind die fast arktischen Bedingungen und die fiese dünne Schneeschicht, die alles ein bisschen rutschig macht. Vom Obergoms drücken auch immer mal wieder ein paar Restwolken über den Grat ins Tessin, was die Stimmung aber umso spektakulärer macht.

Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf den Weiterweg zum Pizzo Gallina. Die Beschreibung in Zaza's Bericht ist treffend und ausreichend: *Pizzo Gallina. Die Schlüsselstelle ist eindeutig die Steilstufe nach der westlichen Gonerlilücke, welche "leicht rechts durch eine Verschneidung überwunden wird" (diese ist im Abstieg wohl schwierig zu finden). Die erwähnte "schuttige Kuppe" könnte man links liegen lassen und direkt "zum nächsten kleinen Turm" gehen, was einem ein paar luftige Abkletterstellen ersparen, aber auch einen wunderschönen Tiefblick verwehren würde. Die von Zaza vorgeschlagen 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden zum Gipfel brauche ich sehr wohl, insbesondere deshalb, weil auch hier überall noch etwas Schnee liegt.

Die Rundumsicht auf dem Pizzo Gallina ist sehr beeindruckend und ich kann es nicht unterlassen sie in ein paar Bildern festzuhalten... Einzig störend ist der Verkehr auf der Nufen Passstrasse, welchen man hier oben erstaunlich gut hört. Auf der Südseite mache ich es mir in der Sonne gemütlich und geniesse die wärmenden Strahlen und Einsamkeit während geraumer Zeit. Danach mache ich mich auf den Weiterweg zum Mittaghorn. Vom Gallina aus sieht die Sache ziemlich gfürchig aus, insbesondere der zweite Teil, vom Sattel hoch zum Gipfel. Aber schon der Abstieg zum tiefsten Punkt zwischen den beiden Gipfeln gestaltet sich viel einfacher als es den Anschein macht. Die grössten Türme kurz danach umgehe ich in der ausgesetzten und steil abfallenden Südflanke (wäre allenfalls einfacher auf der Nordseite ?) und klettere kurz vor einer relativ ausgeprägten kleinen Schuttrinne zurück zum Grat. Von dort  kraxle ich dann rechts des Grates wieder etwas einfacher zum Gipfel. Insgesamt sind die Schwierigkeiten auf meiner Route durchaus vergleichbar mit demjenigen des Gallina Ostgrates.

Auch auf dem Mittaghorn mache ich wieder eine kurze Pause und studiere den sehr wilden Verbindungsgrat zum Galmihorn ein wenig. Da ich leider nirgends Informationen über diesen Verbindungsgrat fand und kein stolzer Besitzer eines Walliser SAC Führers bin (noch nicht), wusste ich im vornherein nicht, was der beste Weg dorthin sein würde. Eine kurze Inspektion zeigt mir aber schnell auf, dass dieser Grat eine oder zwei Ligen zu hoch ist für mich, denn er ist auf beiden Seiten steil abfallend und ich schätze es hat dort Kletterstellen drin die wohl mindestens im dritten Grad sind. Also gebe ich dieses Unterfangen auf und steige deshalb den Mittaghorn Südgrat zum Hammer ab. Dieser Grat ist dann wieder mehr nach meinem Geschmack, mit ein paar hübschen Klettereinlagen, die den zweiten Grad nicht übersteigen. Der ganze Grat ist übrigens mit genügend Steinmännchen ausgestattet, auch im unteren Teil, wo der Grat ein Stück weit auf der westlichen Seite umgangen werden muss.

Nach dem Besuch des Hammers, welcher auch gleichzeitig (!) mit mir von Steinböcken und Schwarznasenschafen besucht wird, quere ich in dessen nördlichen Lücke auf deutlichen Wegspuren in die Steinwüste des Chilchweng und von dort weiter dem gut ausgebauten Weg zum Chilchhorn. Ich hätte Lust auf diesen kecken Zahn zu klettern, doch irgendwie finde ich keine vernünftige für mich gangbare Route .(.. weil ich hikr vorgängig nicht genug studiert hatte und deshalb auch johny68's *Beschreibungen nicht kannte :-(). Zurück zum Nufenenpass gelange ich dann entlang dem gut ausgetretenen Pfad. Auf dem Pass verbleibt mir noch genügend Zeit, um mich mit Getränken einzudecken und das Treiben auf dem Pass etwas zu beobachten.

  • Diese Runde am Nufenenpass  auf den Pizzo Nero, Pizzo Gallina und das Mittaghorn bietet anregenden Gratkraxelspass in grandioser Umgebung mit relativ wenig zu absolvierenden Höhenmetern.
  • ÖV-Nachahmer sollten beachten, dass man den 18:05h Bus nach Airolo am Vortag bis 16h reservieren muss. Allerdings würde man bei der beschriebenen Tour und einem Start um ca. 9h auf dem Pass wohl gut auch den vier Uhr Bus, welchen man nicht reservieren muss, erwischen. Weniger oder kein Schnee, kein Mittagsschläfchen auf dem Gallina und keine Experimente am Galmihorn dürften die Zeitansprüche massiv drücken :-)

Tourengänger: 360


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