Von Elm über sechs Pässe zur Pizolhütte
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Endlich wieder einmal ein freier Tag, endlich wieder einmal anständige Wetterverhältnisse! Eigentlich war eine geführte Tour auf's Vrenelis Gärtli mein Favorit - ein lang gehegter Wunsch - doch musste ich abschlägigen Bescheid von der Organisation erfahren, da die Gruppe ausgebucht war. Dann wäre natürlich noch der "Swiss Alpine" ein Thema gewesen, doch ärgert mich die Organisation bzw. die Abzockerei dort schon länger... also Zeit um ein weiteres "Projekt" endlich abzuhaken; ein Berglauf von Elm zur Pizolhütte via Calfeisental. Da ich von meinem Wohnort aus keine Möglichkeit habe mit den ÖV zu einer anständigen Zeit im Glarnerland zu sein, bewältige ich den ersten Teil der Anreise bis Ziegelbrücke mit dem Auto, wo man am Bahnhof für den bescheidenen Obulus von sFr. 5.- 24h parken kann. Sodann fahre ich mit dem "Glarner Sprinter" bis Schwanden und von dort mit dem Bus nach Elm wo ich um ca. 07.00 Uhr eintreffe. Bis zum "ready for takeoff" geht's dann aber noch ein Weilchen und so laufe ich erst kurz vor halb acht in Richtung Foopass los, denn heute soll's über sechs Pässe zur Pizolhütte gehen. Der Weg auf den Foopass bietet bereits einige schöne Ausblicke auf die Glarner Berge im erwachenden Morgenlicht und gestaltet sich für's Berglaufen sehr angenehem, da der Abschnitt bis zur Raminer Matt auf 1897m weitesgehend auf Alpsträsschen verläuft. Man beachte, dass der Wanderweg ab Elm bis Zündli zur Zeit wegen Hangabrutsch gesperrt ist und die Fahrstrasse benützt werden muss. Danach wird's dann ganz kurz schlammig, aber sowas schreckt einen rechten Bergläufer selbstverständlich nicht! Natürlich bringe ich trotz Wegweiser das Kunststück fertig, mal wieder einer falschen Fährte zu folgen, welche mich in ein Blockschuttfeld führt und den Laufschritt brutal bremst, aber die richtige Spur ist rasch wieder gefunden und so erreiche ich ohne Probleme das erste Zwischenziel, den Foopass (2223m), welcher Teil der Via Alpina ist. Es bietet sich eine herrliche Rundsicht auf die umliegenden Berge und auch bereits auf das nächste Zwischenziel, das Muetertalerfürggli oder je nach Sichtweise den Muotatalsattel. Das Wetter passt und es scheint ein super sonniger Tag zu werden! Im weitern Verlauf der Route gebe ich zur Alp Foo wieder gut 350 Höhenmeter preis, welche bis zum Muetertalerfürggli (2409m) erneut erkämpft werden müssen. Das Muotatal (nicht zu verwechseln mit jenem im Kanton Schwyz) kenne ich bislang noch nicht und bin begeistert von der Wildheit und der wunderbaren Flora! Anfangs (nach der Alp Foo) ist der Weg nicht immer eindeutig markiert und im hohen Kraut sind auch keine durchgehenden Wegspuren sichtbar, aber gemäss Karte führt der Trail über den namenlosen Bergbach und das Ziel liegt (fast) immer in Sichtweite. Beim queren dieses Baches fehlt dann ein Teil des Wanderweges und ich muss beinahe so etwas wie eine kleine Klettereinlage geben um meine Wampe auf der andern Seite wieder hochzuhieven... Der Schlussanstieg durch den Flysch (?) ist dann recht steil und nach kurzer Anstrengung ist das zweite Zwischenziel erreicht. Es tut sich ein ganz neues Bild auf, wiederum bietet sich ein prachtvolles Panorama auf die Berge - es grüsst der Fanenstock. Praktisch ohne Höhenmeter wird in kürze über einen flotten Grat - auch für alte "Höhenschwindler" wie mich kein Problem - das dritte Zwischenziel, der Heubützlipass (2468m) erreicht. Es überrascht mich, in dieser recht einsamen Gegend bereits einigen Wandergruppen begegnet zu sein. Auf halbem Weg zum Heubützlipass kommt mir ein deutsches Trio entgegen. Die beiden Damen bekunden etwas Mühe mit dem nassen und rutschigen Gestein und so darf ich noch mit meinen Stöcken eine kleine Hilfestellung leisten, auf dass alle gut weiterkommen. Auf dem Heubützlipass freilich trifft mich beinahe der Schlag; Nebel so weit das reicht (oder eben nicht!). Das Calfeisental scheint eine einzige Nebelsuppe zu sein! Schnell eintauchen in diese Brühe in der Hoffnung, dass sich die tiefliegenden Wolken bald verziehen! Tatsächlich bessert die Situation unterwegs etwas, jedoch zeigt sich die Sonne nicht von ihrer besten Seite und so verliere ich nicht viel Zeit auf diesem Abschnitt. Auch das Plattenseeli ladet heute nicht zum Bade. Lediglich den Damen mit Hörnern welche auf den Weiden friedlich grasen scheint die Situation am Allerwertesten vorbeizugehen - Hauptsache Gras, fast wie bei den den Hippies. Ich strebe nun dem vierten Zwischenzeil, dem Heitelpass entgegen. Auch er weist kurz unterhalb dem Kulminationspunkt eine giftige Steigung auf, welche mir aber von einer früheren Tour her bekannt ist. Auf 2387m (Passhöhe) dann ist eine weitere Rast fällig. Die allzu sparsam eingepackten Riegel gehen mir langsam aus! DAS ist wiedermal "Organisation by Runner" - naja! Nach einem kurzen Schwatz mit einer weitern Wandergruppe und dem obligaten Foto trete ich den Weg ins Tal an, denn die Zeit bleibt nicht stehen, das letzte Bähnli ab Pizolhütte fährt bereits um 16.00 Uhr und es warten noch etwas über 1000 Höhenmeter auf mich und meine Muskeln, welche sich lieber im Biergarten strecken würden... (oder ist das nur Einbildung?). Der Weg runter ins Batöni ist teilweise recht steil, verläuft aber immer auf guten Wegen oder Wegspuren. Man geniesse die nach wie vor wildromantische Natur. Die hat selbst (oder erst recht?) bei diesem Wetter ihren Reiz. Ab und zu sind auch Kuhzäune als fast natürliche Hindernisse zu passieren. Vielenorts sind sie nicht mit Griffen versehen sondern müssen überstiegen werden - immer schön vorsichtig, sonst gibt's Strom in die Hose und einen Kurzen, gelle. Auf Säss (1813m) dann "muss" ich vor versammeltem Publikum einen Poserspurt mit Überspringen des Zaunes hinlegen und zu meinem Glück geht's auch gut aus... wäre ja noch schöner, wenn's mich ausgerechnet hier hingehauen hätte ;-). Sehenswert sind dann im Talgrund die Batöni Wasserfälle! Ein wahres Naturschauspiel! Mein Weg führt nun auf zwar steiler aber guter Spur immer aufwärts bis Stofel auf 1909m. Ab hier ist für mich definitiv Schluss mit "Berglauf" und ich plage mich (ja, die Muskulatur protestiert jetzt) weiter über Kuhweiden und durch die wieder hackedichte Nebelsuppe. Faszinierend: unten hört man die Glocken der Kühe und vor einem im Nebel taucht plötzlich eine Steinbockkolonie auf! Hätt' ich nicht erwartet, so Nah an Alphütten und Seilbahnen. Irgendwann und irgendwie erreichen wir - ich und mein Hungerast, denn die Riegel sind längst alle - den Lavtinasattel und damit das fünfte Zwischenziel. Hier oben hat's auch noch Schneereste, welche sich hartnäckig halten. Der Blick wird aber trotz der tiefhängendn Wolken frei auf den Wildsee. Durchs Geröll und über Blockschutt laufe ich nun dem letzten Pass, der Wildseeluggen (2493m) entgegen um in die Pizolhütte und zum lange ersehnten Kaffee mit Nussstange zu gelangen. Alles in Allem war's eine schöne Tour in einer sehr schönen Gegend welche viele Varianten mit Abkürzungen oder Ergänzungen bietet und allgemein auf sicheren und auch für nicht 100% schwindelfreie Bergläuferinnen und -läufer bzw. Wanderer absolviert wird. Zur Bewertung: das T3 bezieht sich auf die Passage vom Muetertalerfürggli zum Heubützlipass. Ansonsten eher T2.
Hike partners:
Runner



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