Über den K2 auf den Piz Murtel Trigd 2901 m


Publiziert von Ivo66 Pro , 31. Juli 2011 um 19:49.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Albulatal
Tour Datum:31 Juli 2011
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 920 m
Abstieg: 920 m
Strecke:Albulapassstrasse P. 2077 - Crap Alv Lajets - Lai Alv - K2 (P. 2845 m) - Piz Murtel Trigd
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz bei einem Felsblock an der Albulapassstrasse P. 2077 m (Wanderwegweiser) westlich unterhalb der Passhöhe.
Kartennummer:1:25'000 Albulapass

Bergtouren in einsamen Gegenden sind immer beeindruckend und geprägt von wunderschönen Landschaften. Doch diese Tour hatte es ganz besonders in sich und übertraf alle meine Erwartungen. Kein einziger Meter ist langweilig oder nicht sehenswert. Man durchwandert verschiedene Vegetationsstufen, vom dschungelähnlichen Tälchen mit einem rauschenden Bach und Wasserfällen, streift durch herrlich duftende Arvenwälder und später über sanfte Alpweiden. Man kommt an idyllischen Bergseen vorbei, in denen sich die gigantisch scheinenden schwarzen Geröllberge spiegeln und erreicht schliesslich liebliche, gut zu begehende Geröllhalden.

Als krönenden Abschluss gilt es, ein extrem ausgesetztes Grätchen zu überwinden, wo die Tritte oft nur wenige Zentimeter breit sind und es darunter auf beiden Seiten fast schnurrgerade und weit in die Tiefe geht. Hier gilt es, die Nerven stets zu bewahren, man ist hier nur auf den nächsten Tritt oder Griff fixiert und nimmt die Umgebung kaum mehr wahr. Die Felsqualität auf dem Grat ist gut bis sehr gut, was dem Nervenkitzel dann gerade noch kurz vor dem Übergang ins Unerträgliche ein Ende setzt. Dies wohlverstanden immer aus meiner persönlichen, subjektiven Sichtweise.

Endlich erlebten wir heute wieder einen richtigen Sommertag. Die vielen Restwolken am Morgen verzogen sich auf beeindruckende Weise; praktisch den ganzen Tag über beobachteten wir ein beeindruckendes Schauspiel der vielen Nebelschwaden und Quellwolken. Die Route verläuft vorwiegend in weglosem Terrain, welches aber meist angenehm begehbar ist, selbst die Geröllhalden erlauben ein ziemlich bequemes Auf- und Absteigen. Unübertroffen war die Ruhe, die wir vorfanden. Hat man den markierten Wanderweg (ein Übergang vom Albulatal ins Val Bever) einmal verlassen, bewegt man sich in einer menschenleeren Gegend. Wir waren heute in einem grossen Raum die einzigen Menschen weit und breit.

Noch etwas zum Namen des Vorgipfels "K2": Gemäss Skitourenführer endet auf diesem Gipfel die Skitour. P. 2945 m wird offenbar offiziell auch K2 genannt. Mit seinem Namensvetter im Himalaya hat er indessen nichts gemeinsam. Ob der grosse K2 aber auch über derart ausgesetzte Stellen verfügt wie der Schlussaufstieg auf den Piz Murtel Trigd ist eine andere Frage. Die Schwierigkeiten werden dort wohl woanders liegen ;-).

Routenbeschreibung:

Parkplatz Albulapassstrasse P. 2077 m - Crap Alv Lajets (T2)

Der markierte und ausgeschilderte Bergweg ist gleich ab Beginn recht ruppig und verläuft durch eine dschungelähnliche Vegetation. Der Pfad ist im unteren Teil sehr schmal. Nach einem kurzen Flachstück teilt sich der Pfad scheinbar - ein Pfosten mit Markierung weist den Weg nach rechts. Weiter oben überquert der Steig den Bach und führt sogleich wieder nach oben, wo man bald den Wanderwegweiser bei den hübschen Bergseen erreicht.

Alleine schon dieser kurze Aufstieg ist landschaftlich ein absolutes Highlight.

Crap Alv Lajets - Lai Alv (T2)

Man folgt nun zunächst weiter dem markierten Bergweg in Richtung Fuorcla Crap Alv. Auf einer Höhe von ca. 2430 m. ü. M. zweigt der Wanderweg nach links ab. Hier geht man einfach gerade aus, dem Bächlein folgend. Als Orientierungshilfe im allerdings sehr übersichtlichen Gelände dienen auch die gelb-roten Farbstriche, welche die Grenze der Wildschutzzone markieren. Teilweise findet man auch Wegspuren vor. Man erreicht bald einen Sattel, wo der Weg steigähnlich durch das Geröll hindurch führt und in einem steilen Abstieg den langgezogenen Bergsee Lai Alv erreicht (einige Steinmänner).

Lai Alv - P. 2845 m "K2" (T3)

Vom Bergsee folgt man zunächst dem breiten Bach, der den See speist. Man steigt weglos über zunächst sanfte Alpweiden, später über Geröll und geröllbedeckte Rasenhänge südlich von P. 2568 m auf und erreicht zuletzt über recht steiles, aber gut begehbares Gerlände einen kleinen hochebenartigen Sattel. 

Von hier aus führt die Route durch Geröll, welches jedoch recht gut zu begehen ist, über einen breiten Rücken, nur mässig steil in südwestlicher Richtung. Der Vorgipfel P. 2845 m, eben der K2, ist gut erkennbar; einfach ein Schutthaufen mit Gipfelsteinmann. Gegen Schluss wird der Anstieg steiler.

Schlussaufstieg auf den Piz Murtel Trigd über den Grat (T5+)

Vom K2 geht man in den Sattel vor dem Grat. Wir umgingen die ersten Zacken in Aufstiegsrichtung gesehen links. Man tut aber gut daran, baldmöglichst zum schmalen Grat aufzusteigen, da später ein Aufstieg zu steil würde.

Die luftigsten Stellen folgen gleich bei Beginn. Ein erster scharfer Abschnitt liess sich mit Hilfe von einem wenige Zentimeter breiten Felsband auf der Westseite bewältigen, wobei der scharfe Grat selbst als Griff diente. Es geht dort allerdings mehrere hundert Meter in die Tiefe. Die Stelle ist beim Abstieg dann noch nervenaufreibender. Auch die folgenden zwei Abschnitte sind sehr ausgesetzt, lassen sich aber dank solidem Fels gut bewältigen. Dieser luftige Gratabschnitt ist insgesamt jedoch recht kurz, nach gut 50 Meter hat man die Sache hinter sich und steigt entspannt über Geröllblöcke zum Gipfel auf.


Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (6)


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alpstein Pro hat gesagt: Hallo Ivo
Gesendet am 31. Juli 2011 um 21:24
Schöne Tour mit Nervenkitzel habt Ihr heute absolviert und bei gutem Wetter dazu.

Viel Spass noch am morgigen Feiertag.

Beste Grüße
Hanspeter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Hallo Ivo
Gesendet am 31. Juli 2011 um 21:36
Danke Hanspeter. Es hat wirklich an den Nerven gekitzelt. Und morgen macht es wohl Spass, Schweizer zu sein ;-)

Beste Grüsse

Ivo

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. August 2011 um 06:47
Ich habe mir schon gedacht, dass bei Euch ein verlängertes Wochenende ansteht. Wäre mir auch lieber, als heute ein 8-stündiges Seminar über den Umgang mit suchtgefährdeten Mitarbeitern zu absolvieren ;-)

Viel Spass heute auf der Tour, Ivo.

Beste Grüße
Hanspeter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. August 2011 um 17:29
...hoffentlich handelt es sich bei den Suchtgefährdeten nicht um Bergsüchtige. Dann wärst Du nämlich ein hoffnungsloser Fall (wie ich übrigens auch...) ;-)

Ich hoffe, Du hast den Tag gut überstanden. Wir hatten heute etwas mehr Wolken als erwartet, aber dennoch einen tollen Tag in den Bergen erlebt.

Eine gute Woche noch. Herzliche Grüsse auch an Esther

Ivo

alpstein Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. August 2011 um 18:09
Ich habe heute gelernt "Sucht ist das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet."

In den Augen mancher, die nichts mit den Bergen am Hut haben, werde ich schon manchmal als Bergsüchtiger bezeichnet, aber damit kann ich sehr gut leben.

Gratuliere Euch zum Gipfelerfolg heute am Bundesfeiertag.

Beste Grüße, auch an Lena
Hanspeter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. August 2011 um 20:53
...also was das Bergsteigen anbelangt, trifft diese Definition haargenau auch auf mich zu ;-). "...des Verstandes untergeordnet". Herrlich!

Viele Grüsse, Ivo


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