Damavand 5'671m


Written by Fenek Pro , 9 August 2007, 19h32.

Region: Monde » Iran
Date of the hike: 8 August 2007
Waypoints: Damāvand 5671m. 18601 ft. (2)
Time:2 days
Height gain: 2680 m. 8790 ft.
Height loss: 2680 m. 8790 ft.
Mountaineering grading: F
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Access to start point:Reineh
Access to end point:Reineh
Accommodation:Polur, Reineh, Guwsfandsara

Nach der Besteigung des Sabalan 4'811m stehe ich nun bestens akklimatisiert am Fuss des Damavand. Wer eingehende Informationen zu dieser kleinen Expedition lesen möchte verweise ich auf den ausführlichen Bericht von Sputnik.

Ein Jahr nach Andis Besteigung sehe ich mich vor völlig veränderten Verhältnissen. Es hat viel Schnee, das Wetter ist unsicher und seit Tagen tobe ein Wind um den Gipfel. Entgegenkommende Bergsteiger erzählen mir von Schneefällen und Wind-Schwefelwolken dass es kaum zu ertragen sei. Zwar habe ich genügend Zeit, aber ich gehe die Sache an und und versuche es.

In Reineh steige ich auch im Bergsteigerzentrum ab und geniesse nochmal das Bett und eine warme Dusche. Rezah, der Hauswart verwöhnt mich mit allem, was er zu bieten hat. Er erzählt mir von katastrophalen Verhältnissen am Hochlager, es habe über 200 Leute und dazu noch Militär und die Route sei kaum findbar usw. Die Lösung ist, ich solle mich ihm anvertrauen und auf einer viel besseren Route führe er mich sicher zum Gipfel. Er verlangt 100 Euro pro Tag! - Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen, auch als weitere "Guides" ihre unverzichtbaren Dienste anbieten. Schliesslich ziehe ich mich zurück, die Schlitzohren haben es regelrecht auf mich abgesehen. (am Abend wo ich im Hochlager 2 war zählte ich ca. 40 Leute.......)

Am nächsten Morgen steige ich guter Dinge in den Landrover und lasse mich nach Guwsfandsara (3'000m) fahren. Stolz und erhaben sehe ich den Damavand vor mir. Wow, da hinauf! Guwsfandsara ist etwas verkommen und Mulitreiber drängen sich auf. Wörtlich meinte einer, ich würde den Damavand nicht schaffen, wenn ich mit meinem Rucksack auf dem Buckel von hier starte. Die vielbegangene Route  scheint die lokalen Dienstanbieter dreister und unverfrorener werden zu lassen. Jedenfalls mache ich mich schnellstens aus dem Staub und wandere gemütlich den schönen Weg zum Hochlager 2 hinauf. Dieser Weg ist ausgesprochen schön, abwechslungsreich und mit vielen Blumen geschmückt. Intensiv roter Mohn blüht und blaue Disteln rascheln im Wind. Leider erreicht mich auf dem letzten Stück ein Regenschauer und Schneegraupel. Eine Stunde lang schwitze ich noch im Regen empor. Schlussendlich erreiche ich das Hochlager 2 auf 4'150m und richte mich zuerst in der Hütte ein. Ein kühler Wind und tiefhängende Wolken laden nicht ein draussen zu bleiben. Ich koche mir ein Süppchen und diskutiere mit den hier anwesenden Iranern. Es ist interessant von ihren Geschichten zu hören und auch sie beneiden mich um unsere Alpen. Den Nachmittag verschlafe ich eingemummelt in meinem Schlafsack. Vor dem Abend mache ich wie von Andi geraten einen Spaziergang auf etwa 4500m um mich noch besser anzuklimatisieren. Ich habe jedoch keinerlei Probleme, kein Kopfweh oder andere Zeichen der Höhe.

Nach meiner Rückkehr gegen 20°° Uhr sind viele weitere Bergsteiger eingetroffen, die Hütte ist hoffnungslos überfüllt. So packe ich meine Sachen so, dass ich nur noch den Rucksack in der Nacht packen kann und richte mich unter einem geschützten Felsvorspung draussen ein. Schliesslich habe ich ja den sehr warmen Schlafsack dabei. Trotzdem kann ich nicht schlafen, wohl auch deshalb, weil ich den Nachmittag schon gepennt habe und innerlich viel zu fest aufgeregt auf das Kommende. Irgendwie ist aber doch mal 00:30 und ich stehe erleichtert auf, jetzt geht's endlich los! Um 1°° bin ich startklar, niemand regt sich sonst. Alleine mache ich mich auf den Weg. Es ist kalt und der Wind schleicht schon bald überall hinein. Ruhig und sehr langsam steige ich empor. Der Weg ist gut sichtbar, meine Stirnlampe ist Gold wert.  Ich komme gut voran und erreiche bald die Felsbarriere wo man etwas klettern muss, wenigstens die Hände etwas brauchen.  Ab 5'000m verändern sich die Umstände dann sehr rasch. Angekommen auf einem kleinen Vorsprung bin ich dem Wind ausgesetzt, Schnee und Graupel schlagen mir ins Gesicht und der Weg füllt sich mit Schnee. Bald ist er nicht mehr sichtbar und Böen lassen manchen gewonnen Schritt gleich rückwärts wieder zurücktaumeln. Hinter einem Felsvorsprung ziehe ich alles an, was ich im Rucksack noch bei mir habe. Nach einigen Minuten gewöhne ich mich an den Schneesturm, aber Hände und Gesicht spüre ich bald nicht mehr. Ich stapfe unbeirrt weiter, schlussendlich lässt sich der Pfad wieder erahnen. Ich erreiche 5'300m. Hier weht der Wind vom Gipfel über mich hinweg und ich befinde mich fast wie im Windschatten des Gipfels. Nun tauchen die ersten Schwefelwolken auf. Der Wind verfrachtet sie unkontrolliert umher und ich bekomme immer wieder was ab davon. Die letzten 100Hm sind dann knüppelhart unter diesen Umständen. Weicher Neuschnee, orkanartiger Wind, die Schwefelwolken und Sauerstoffmangel lassen mich in ganz kleinen Schritten vorwärtskommen, obwohl man mehr möchte. Aber endlich stehe ich am Gipfel! Der Wind brüllt und auch meine Seele schreit vor Freude. Ich habe es geschafft, ich stehe auf dem höchsten Berg Irans auf 5'671m !

Nach den ersten Fotos mache ich eine Runde um den Krater, leider sehe ich wegen des Scheesturmes nicht viel, auch der tiefe Schnee lassen mich nur langsam vorankommen. Zurück am Heldendenkmal sind vier weitere Bergsteiger angekommen. Zwei Tschechen steigen gleich wieder ab, sie sind völlig fertig und frieren erbärmlich. Mit den beiden anderen mache ich einen Freudentanz und wir fotografieren uns gegenseitig. Die Schwefelgase vermischen sich mit dem Wind und so müssen wir bald hustend und mit tränenden Augen absteigen.

Bei 5'200m machen wir ausgiebig Pause. Hier lässt es sich aushalten und ich geniesse die Emotionen und den Tiefblick. Leider ist die Umgebung braun und dunstig, man sieht gar nicht viel. Meine kurzfristigen Begleiter steigen weiter ab, mir ist es noch zu wohl hier. Schlussendlich muss ich auch mal wieder runter und ich mache mich auf den Weg. Die Spur ist etwas eisig geworden und es heisst nochmal gut aufpassen, schliesslich ist der Berg recht steil. Nach 10 Stunden bin ich wieder am Ausgangspunkt im Hochlager 2. Grosses Hallo mit den anderen und gegenseitige Glückwünsche. Tut das gut die Freude mit anderen teilen zu können.

Ich koche mir eine Suppe und nach zwei Stunden Pause mache ich mich auf den Weg weiter hinunter. Diesen Weg geniesse ich an der warmen Sonne und mir begegnen viele Anwärter. Viele lustige Gespräche unterwegs würzen den Abschluss dieser Besteigung. Heute habe ich 1'500Hm hinauf und 2'600Hm hinunter geschafft und bin am Ende wohlauf und habe keinerlei Probleme. Die Höhe hat mir nichts ausgemacht, ausser dass ich den kurzen Atem bemerkt habe. Ich hatte nie Kopfschmerzen noch andere Anzeichen der Höhe. Darüber bin ich nicht stolz sondern froh und dankbar!

Auf dem Programm wäre jetzt noch der Alam Kuh, der 2. höchste Berg Irans. Genau jetzt beginnen aber Ferien im Iran und eine kilometerlange, stehende Blechlawine verstopft den Weiterweg. Ich komme nicht mehr weiter zu meinem Ziel. Alle Linienbusse sind hoffnungslos überfüllt, stecken im Stau und sind nicht mehr buchbar. Ich versuche alles in Teheran um weiterzukommen, aber irgendwie ist über Nacht das Chaos ausgebrochen. Alle Iraner scheinen die Berge erobern zu wollen. Unter diesen Umständen breche ich meinen Plan ab, ich buche meinen Flug um und am nächsten Tag überrasche ich meine Familie mit meiner Rückkehr.

Ich habe erreicht, was ich mir gewünscht habe. Ein grosses Ziel ist in Erfüllung gegangen und ich habe eine weitere, interessante Kultur kennengelernt.


Hike partners: Fenek

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I F
25 Aug 06
Damāvand 5671m · Sputnik

Omega3 Pro says: Wau!
Sent 9 August 2007, 23h34
Gratuliere, dass ist ja eine gigantische Höhe!
Freue mich auf den Bericht.
Viele Grüsse
Martin

Sesée says: Gratulation
Sent 10 August 2007, 16h51
Lieber Fenek,

Ganz herzliche Gratulation zu Deiner Superleistung und erst noch im Alleingang. Freue mich mit Dir, dass Du es geschafft hast.

Bin schon gespannt auf Deinen Bericht und die Föteli

Viele liebe Grüsse

Sesée

rihu Pro says: Gratulation
Sent 17 August 2007, 12h07
Hallo Fenek

ich gratuliere Dir herzlich zum Damavand. Ich habe eben auch 2 Naechte auf 5400 m hinter mir. Der Bericht wird folgen.
Liebe Gruesse, rihu


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