Lagginhorn 4010m & Jegihorn 3206m
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Mein Saisonziel erstmals einen Viertausender zu besteigen, sollte mit dieser Tour erreicht werden. Da ich über wenig Gletscher- und Eiserfahrung verfügte und die Tour mit einem Kollegen unternahm, der ebenso wenig Erfahrung besass, war die Auswahl dementsprechend gering. Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl aufs Lagginhorn. Ausschlaggebend war die Aussicht, kaum mit Gletschern in Berührung zu kommen. Diese Wahl sollte sich als vortrefflich erweisen.
1.Tag
Bevor es auf das Lagginhorn ging, musste der Jegihorn-Klettersteig als Eingewöhntour herhalten. Mit vielzuviel Gepäck machten wir uns auf den Weg. Bereits ab Mitte des Klettersteigs wurden meine Schritte schwerer, da ich doch mit der Last (ca. 20kg) zu kämpfen hatte. Was beim geradeauswandern noch nicht spürbar war, zog in der Vertikalen doppelt an den Schultern. Der Kletterstieg an sich war wunderschön alpin und naturbelassen, zumindest bis zur Lücke vor dem Gipfelaufschwung des Jegihorns. Eisenstifte, Hilfstritte und Leitern waren nur dort angebracht, wo sie auch nötig waren. Bei der Lücke zwischen dem Vor- und dem Hauptgipfel des Jegihorns, teilt sich der Klettersteig in zwei Varianten. Einer einfachen Variante (KS3) über den Gipfelgrat und einer luftigen Alternative über eine atemberaubende Drahtseilbrücke, die 30 Meter über dem Boden verläuft und einem anschliessenden leicht überhängenden Aufstieg über eine Netzleiter (KS4-KS5). Aufgrund meiner Müdigkeit entschlossen wir uns schweren Herzens für die einfachere Variante, da keine Ausstiegsmöglichkeiten vorhanden waren. Zeitweise fühlte ich mich wie im Himalaya, als ich für grössere Tritte zweimal Luft holen musste und wie eine Schnecke, über den Gipfelgrat kroch. Böse Zungen behaupten, dass noch heute eine Schleimspur sichtbar ist...Irgendwie und Irgendwann standen wir dann doch noch auf dem Gipfel, wo wir über den Westgrat (max. T5) in Windeseile (50min) zur Weissmieshütte hinabrannten, da das Abendessen lockte.
2.Tag
Nach einem tollen Abendessen und einer erholsamen Nacht liessen wir uns um 3.30 Uhr wecken, um dann um 4.30 Uhr Richtung Lagginhorn zu hinaufzusteigen. Glücklicherweise hielt sich die Anzahl der Seilschaften, die aufs Lagginhorn wollten in Grenzen und wir durften mit Schadenfreude auf den benachbarten Weissmies hinüberschielen, der bereits von den Leuchtketten der Stirnlampen "verziert" wurde. Das Wetter stand auf unserer Seite, nur der starke und eisig kalte Wind sollte uns zu schaffen machen. Über einen Geröllsporn (T3) stiegen wir zum Fuss des nahezu spaltenlosen "Gletschers" hinauf, der mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst ist und bestenfalls noch als Firnhang bezeichnet werden kann. Wir folgten dem Möchtegern-Gletscher bis an sein oberes rechtes Ende unangeseilt, da unnötig, aber doch sicherheitshalber mit Steigeisen. Am rechten Ende des Gletschers zogen wir die Steigeisen aus und steigen über den Westgrat in einfacher Kletterei hinauf (I-II). Schlüsselstelle ist eine 5-7m lange Platte (laut Plaisir- Führer 2b), kurz vor dem Beginn des verschneiten Schlussteil des Westgrates. Wir befinden uns auf etwa 3600m über Meer und schauen neidisch auf die andere Seite des Saastales, wo sich die Mischabelkette bereits im Sonnenlicht sonnen darf, während wir uns am Lagginhorn den A.... abfrieren. Trotz Motivationsproblemen machen wir uns an den letzten Teil des Gipfelgrates der noch eingeschneit ist, im Spätsommer aber schnee- und eisfrei sein dürfte. Eine breite Laufspur führt narrensicher auf den Gipfel, die Hangneigung beträgt maximal 40 Grad. Meiner Meinung nach, kann dieser Berg von Steigeisen- und trittsicheren Berggängern mit etwas Hochtourenerfahrung ohne wesentliche Probleme im Alleingang bewältigt werden. Trotzdem lehne ich hiermit natürlich jeglich Haftung ab ;) Auch wenn wir uns als Zweierseilschaft angeseilt hätten, wäre ein Sturz auf dem Gipfelgrat kaum zu halten gewesen. Der felsige Teil des Westgrates ist durchwegs mit Steinmännchen markiert und wenig ausgesetzt, so dass auch dort eine Seilsicherung eher psychologischen Wert besitzt. Die Aussicht ist bei schönem Wetter genial.
Da der Wind so stark bliess, hielten wir uns nur kurz auf dem Gipfel auf und begannen gegen 9.30 wieder mit dem Abstieg. Um 12.00 erreichten wir die Weissmieshütte und stiegen in 20 Minuten nach Kreuzboden hinab, der Zwischenstation der Hohsaasbahnen. Von Kreuzboden aus durften wir von der genialen Möglichkeit Gebrauch machen, mit übergrossen "Trottinetts" nach Saas-Grund zu brausen. Mein Tipp: Unbedingt die Trottinetts mit Sattel mieten, da man mit diesen viel schneller und abenteuerlicher hinabrasen kann.
Leider mussten wir unten im Tal feststellen, dass sämtliche Fotos auf meinem Natel gelöscht waren, die Ursache kann ich mir nach wie vor nicht erklären. Dummerweise hatte mein Gefährte auch noch sein Natel verloren, so dass wir OHNE Fotos nach Hause kehren mussten. Jammerschade!!! Aus diesem Grunde steht wohl eine zweite Begehung der Tour noch einmal aus.
Nachtrag vom 26.12.2007: Mittlerweile ist das Handy meines Kollegen wieder aufgetaucht, mehr als ein paar Fotos in mieser Handycam-Qualität lagen aber nicht drin...





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