Bishorn, Brunegghorn, Üssers Barrhorn


Publiziert von schimi , 20. Juli 2011 um 13:20.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 6 Juli 2009
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 

Tourenwoche Wallis, mit Bishorn als Highlight.

(Sonntag)
Wir treffen uns in Sierre im Bahnhofsrestaurant bei Hitze und bestem Tal-(Bade)-wetter. Stefan Bitriol unser Bergführer vom SummitClub, zwei Freundinnen aus München, ein junger Bursche aus dem Schwabenland, meine Frau und ich. Gemeinsam fahren wir hinein ins Turtmanntal bis ans Ende der Straße. Nach dem Verteilen der Ausrüstung machen wir uns auf den Weg ins Zielgebiet.

Mittlerweile sind wir zeitlich zwei Stunden vom Bahnhof weg, und die Wolken türmen sich bereits in beachtliche Höhe. Noch bereiten sie uns nur etwas Kühlung in Form von Schatten. Wir gehen trotz der Wolken nicht zu schnell; Stefan kennt "seine Touristen" und lotet die Gruppe gleich professionell auf ein gruppentaugliches Gehtempo ein, damit er im Laufe der Woche Ruhe haben möge vor allzu herausragenden Sportskanonen, die sich penetrant an der Spitze der Gruppe zeigen müssen (Gut so, Stefan!).

Nach ca. 2,5 Stunden erreichen wir die Turtmannhütte (2519m). Nicht jedoch ohne die letzten 1000 Meter mit einem kleinen Zielsprint vor dem aufkommenden Gewitter abzuschließen. Gerade hat es noch gereicht, damit wir nur etwas nass sind und nicht gebadet von dem Regensturm (T2).



(Montag)
Am zweiten Tag steht das Üssers Barrhorn (3610m) als Eingehtour auf dem Programm. Es gilt gemeinhin als der höchste Wanderberg, wobei mir diese künstlich scharfe Grenze zwischen Wandern und nicht mehr wandern schon immer ein Rätsel war. Als höchster "Wegeberg" muss man im oberen Teil schon etwas genauer schauen, wo dieser denn sein soll. Anderen geht es aber auch so, wie man sieht. Denn vielfältig sind die vielen Trittspuren aber alle führen in die gleiche Richtung. Egal ob man den Weg nun sieht oder nicht; man kommt eigentlich problemlos hoch; und wenn es nicht nebelt, ist die Orientierung auch nicht schwer (T4).

Ein Schneefeld und das Gässi kommen wenige Minuten nach der Hütte schon, und stellen auch schon die schwierigsten beiden Stellen auf dem Weg nach oben dar. Das Gässi ist ein Steilabschnitt, der aber mit Drahtseilgeländer versichert ist. Am Gipfel haben wir leider keine gute Aussicht. Es nebelt insbesondere vom südost aus dem Mattertal hoch. Wie der tolle Blick in die Tiefe sein könnte bleibt uns leider verborgen.



(Dienstag)
Am nächsten Morgen ist das Wetter leider immer noch nicht wesentlich besser. Wir sehen zwar unser Ziel, es sieht aber nicht so aus, als würden wir heute in der Sonne schmachten müssen. Auf das Brunegghorn (3833m) folgt man Anfangs dem gleichen Weg wie auf die beiden Barrhörner. Das steile Schneefeld das heute noch härter ist, dann das Gässi, danach zweigt der Weg dann aber rechts ab in Richtung Brunegggletscher. Diesen kann man immer geradeaus im linken Teil des Gletschers auf flacher aber nicht spaltenfreier Route erwandern. Erst relativ kurz vor dem Gipfel steilt sich der Gletscher merklich auf und wartet auch mit ein paar sichtbaren aber kleineren Spalten auf.

Wenn die Sicht es zuläßt, hat man rechterhand immer wieder spannende Ausblicke auf das Bishorn, das nach Nordost mit einem beeindruckenden Hängegletscher aufwartet. Wir haben Glück und können beobachten, wie sich ein mächtiges Stück Eis daraus löst und mit beängstigendem Getöse nach unten kracht. (Hoffentlich war da keiner!)

Kaum haben wir die Aufsteilung des Gletschers erreicht, hüllt sich der gesamte Gletscher in eine Nebelhülle. Zum Glück war er nicht so dicht, dass wir gar nichts mehr sehen konnten. Mit zunehmender Höhe haben wir aber keinerlei Blick mehr nach unten. Die Steilheit des Gletschers kann man so jetzt nicht mehr sehen sondern nur noch fühlen. Die Route dreht nach kurzer Zeit nach links und wir erklimmen die letzten Meter bis zum Gipfel und nähern uns dabei dem nach Südwest verlaufenden Gipfelgrat nur allmählich an.

Erst am Gipfel kommen wir in den Bereich der Nebeloberkante. So haben wir bisweilen die Möglichkeit einen Blick auf die umliegenden Gipfel zu erhaschen. Insgesamt macht der Nebel die Besteigung zu einer spannenden Angelegenheit, wenngleich uns eine sonnenüberflutete Aussicht auch lieber gewesen wäre.

Der Abstieg erfolgte auf der gleichen Route. (WS)



(Mittwoch)
Es hat in der Nacht geregnet, Es hat in der Nacht geschneit. Der Blickwinkel macht den Unterschied. Unsere Hütte liegt heute genau auf der Schneegrenze.

Heute steht der Transfer von der Turtmannhütte zur Tracuithütte (3256m) an. Hört sich ein bisschen "weniger spannend" an. Ist aber durchaus eine sehr reizvolle und auch nicht anspruchslose Tour. Wie schon am Vortag müssen wir über das Schneefeld (heute brauchen wir schon ein paar Hiebe mit dem Pickel dafür), dann das Gässi, zur Abwechslung mal ganz in weiß. Normalerweise wird beim Hüttentransfer der Brunegggletscher im unteren Bereich gequert, um dann im Bereich der Adlerflüe (2913m) wieder Fels zu begehen.

Da heute alles frisch verschneit ist, hat sich Stefan entschlossen, den Felsriegel auf dem Gletscher zu umgehen. Wir steigen also etwa bis auf 2900m den Gletscher hoch und schwenken dann nach rechts, um die Adlerflüe südseitig zu umgehen. Bis auf ein paar Tritte im blanken Eis, ist diese Route auch einfach zu begehen. Wir queren also hinüber zum Turtmanngletscher, während uns die Sonne mehr und mehr zulacht.

Zu Beginn macht uns der Turtmanngletscher mit einer wilden und zerklüfteten Steilstufe seine Aufwartung. Von der Hütte aus sieht diese nur für Profis begehbar aus. Insbesondere auf der linken Seite stehen Seracs kreuz und quer und ein wildes durcheinander an Spalten und Verwerfungen komplettieren das Ganze. Rechts sieht es etwas besser aus. Durch den Neuschnee ist einiges zugedeckt, das ersteigen wird dadurch aber auch etwas leichter.

Erstaunlich einfach gestaltet sicher der Weg nach oben. Nach etwa einer halben Stunde wird der Gletscher flacher und zieht sich bis zur Hütte aber noch einiges in die Länge. Wir erreichen die Tracuithütte am Rande des Turtmanngletschers am frühen Nachmittag und lassen uns bis zum Abendessen noch etwas von den Kochkünsten des freundlichen Personals verwöhnen.



(Donnerstag)
Heute steht mit dem Bishorn (4153m) unser Highlight auf dem Programm. Am Morgen ist das Wetter zwar schön, aber ein paar Nebelschwaden verhindern gerade eben noch, dass wir dieses sehen können. Wir sitzen in der Nebelsuppe und sehen, dass der Nebel fünf oder zehn Meter über uns aufhört. Man kann die Sonne fast greifen, der Nebel ist gelblich gefärbt. Wir frühstücken erst einmal.

Die Hütte war heute Nacht gut besetzt aber nicht ganz ausgebucht. Erstaunlicherweise ist die Stimmung aber ruhig und gelassen. Keine übermotivierten Superalpinisten, die am liebsten mit den Steigeisen an den Füßen zum Frühstück gehen. Alles geht in geordneten Bahnen von statten, alles easy und entspannt. Eine Gruppe nach der anderen verlässt nach dem Frühstück die Hütte, unsere gehört zu den letzten.

Der Nebel hat noch etwas weiter aufgerissen. Wir legen aber trotzdem immer wieder einige Minuten im Blindflug zurück. Mit zunehmender Höhe spüren wir einen immer mehr auflebenden Wind. Dieser sorgt einerseits für klare Sicht, jedoch aber auch für zunehmend kalte Gliedmaßen. Wir gehen in großem Zickzack den Gletscher hoch und ich freue mich immer, wenn ich den Wind wieder für ein paar Minuten (bis zur nächsten Wende) im Rücken habe. 

Wir erreichen den Gipfel ohne Schwierigkeiten und ohne jeglichen Felskontakt. Die Aussicht ist atemberaubend. Nebel und Wolken liegen bei einer Obergrenze von ca. 3800 Meter. Wir haben ungetrübten Ausblick auf das nahe Weißhorn mit seinen Gendarmen und den ganzen anderen 4000er-Majestäten. Der Abstieg erfolgt im direkten Galopp geradewegs in Falllinie. Das geht alles sehr zügig; und wir erreichen die Hütte schon am sehr frühen Nachmittag. Unsere Damen hatten sich, vor ihrem ersten 4000er aber wohl nicht mit dem Thema Hochgebirgshütte auseinandergesetzt. Die maulten schon am Vorabend über alle möglichen Dinge, die es auf anderen Hütten gebe...

Um dem nicht länger ausgesetzt zu sein, schlossen wir uns deren Meinung an, gleich weiter ins Tal abzusteigen. Uns war es egal nach dem schönen Bergerlebnis. Und Stefan unserem Bergführer war es sogar recht. So bekam er einen freien Tag von uns geschenkt. Er hat seinen Job sehr gut gemacht und hat das auch verdient. Der Abstieg von 4153 Meter bis Zinal (1675m) war deshalb lang und anstrengend. Aber unten gab es kühles Bier ein sauberes Bett und eine Dusche.

Das ist doch auch was!

Lieber Stefan, wenn Du das liest:
Danke! Wir würden jederzeit gerne wieder was mit Dir machen.

Tourengänger: schimi


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