Lenkerstrubel (Wildstrubel-Westgipfel 3243 m), Flueseehorn (2138 m)


Publiziert von gero Pro , 2. Juli 2011 um 21:24.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Simmental
Tour Datum: 1 Juli 2011
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 2225 m
Abstieg: 2225 m
Strecke:Lenk-Oberried (Höhenhaus-Hotel Simmenfälle) - Barbarabrücke - Rezlibergli (Siebenbrünnen) - Flueseeli - Lenkerstrubel (Wildstrubel Westgipfel) - Flueseehorn - Lenk-Oberried (20,5 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Durch das Simmental über Zweisimmen nach Lenk, dort bis zum Hotel Simmenfälle. 100m östlich davon Parkmöglichkeit im Wäldchen am Campingplatz (gebührenfrei).
Kartennummer:Landeskarte der Schweiz Blatt 263 (Wildstrubel)

Schönwettertag in Sicht? Nach Konsultation diverser Wetterberichte mit teils widersprüchlichen Prognosen entschließe ich mich nach einigem Zögern, dem von Lenk problemlos zu erreichenden Wildstrubel-Westgipfel einen Besuch abzustatten.

Als ich um 5 Uhr starte, sieht das Wetter nicht gerade einladend aus: Wolken verhüllen die Berge ringsum. Auf bequemer Almstraße geht es hinauf, ich passiere die Barbarabrücke (1240 m). Nach den Regenfällen der vergangenen Tage führt der Bach enorm Wasser, äußerst eindrucksvoll sein tobendes Brausen.

Nach einer Stunde komme ich am Restaurant Siebenbrunnen (1405 m) am Retzliberg vorbei. Das Tal der stürzenden Wasser - überall mächtige Wasserfälle ! Gut beschildert und markiert geht es nun über viele steile Wegkehren durch die im ersten Moment abweisend aussehende Geländestufe hinauf Richtund Flueseeli. Etliche Passagen sind mit Ketten gesichert - eigentlich nicht wirklich nötig, aber beim Abstieg nehme ich sie später gerne in die Hand, denn das Gelände ist heute nässebedingt glitschig. Wie steil und teils auch etwas ausgesetzt der Weg ist, erkennt man auch erst auf dem Rückweg; irgendwelche Schwierigkeiten sind aber nicht vorhanden.

Und plötzlich legt sich dann das Gelände zurück - ich betrete um 7:30 Uhr die kleine Hochebene am Flueseeli (2045 m). Bei Sonnenschein sicher ein sehr romantischer Platz - leider hängen aber immer noch dicke Wolken herum, ich habe praktisch keine Aussicht. Schade - auch lohnt sich eine Rast nicht, ich marschiere also gleich weiter. Der wildstrubel ist hier nicht ausgeschildert, aber ein Wegweiser zeigt Richtung Flueseehorn, Rawilseeleni und Iffigenalp. Nach kurzer Zeit ändert die Landschaft ihr Aussehen radikal: dominierte bisher eher lieblicher Charakter mit grünen Matten, Arven und Wasserläufen, so macht sich nun schnell eine unglaublich eintönige Steinwüste breit. Es geht steil in südöstlicher Richtung eine weitere Geländestufe aufwärts, bis etwa 30 Minuten oberhald des Flueseeli der Weg Richtung Rawyl (Steinaufschrift) vom Aufstieg zum Wildstrubel abzweigt (an dieser Stelle wird der Wildstrubel das einzige Mal auf der ganzen Route als Ziel ausgewiesen). Und kurz oberhalb stoße ich auf das einzige Hindernis meiner Bergtour: ein steiles, knallhart gefrorenes Altschneefeld zwingt zu einem Abweichen vom offiziellen Weg. Auf dem Abstieg werde ich es mit Hilfe meiner Grödel queren.

So setze ich meinen Aufstiegsweg auf einer Behelfsspur fort, die das Schneefeld links (im Aufstiegssinne) auf einem großen Bogen umgeht. Mein GPS-Track führt hier nordseitig am Normalweg vorbei und trifft diesen später wieder. Ab der Wegverzweigung Rowyl - Wildstrubel ist die Markierung nicht mehr so gut wie vorher, es ist zusehends der berühmte "Blick für das Gelände" gefragt, damit man möglichst bequem durch die riesige Geröllwüste findet. Es sind zwar immer wieder verwaschene Markierungen und Steinmanndl vorhanden, aber letztere fallen in diesen Schutthalden nicht sonderlich gut auf.

Das Rottälli wird in seinem unteren Bereich gequert; es ist dies das Seitental, das aus der Gipfelregion des Wildstrubel herunterkommt. Seinen Namen hat es von den auffallend roten Gesteinsmassen, aus denen seine Flanken bestehen.

Es gilt nun, den Südgrat des Widstrubel-Westgipfels zu erreichen. Über mehrere Geländekuppen geht es aufwärts, immer hoch über dem Rätzligletscher. Schießlich erreiche ich um 10 Uhr den in der Landkarte als Kote 2912 m ausgewiesenen Fußpunkt des Südgrat; das Wetter hat sich inzwischen gebessert, ich habe von diesem sattelartigen Punkt eine tolle Aussicht über den Wildstrubelgletscher nach Süden hinüber auf die Bergriesen des Wallis. Und im Westen läßt sich über dem weitläufigen Plateau des Glacier de la Plaine Morte für einen Moment der Mont Blanc blicken. Kurz danach schließen sich dort die Wolken wieder - das war ein ganz kurzes Gastspiel des Monarchen, ich konnte ihn glücklicherweise fotografieren, noch einmal zeigt er sich heute leider nicht mehr.

Der letzte Teil des Aufstiegs besteht nun im Erklimmen der Schutthalde, die sich den Südgrat über weitere 400 Hm hinaufzieht. Noch eine Serpentine, noch eine Geröllkuppe - nimmt denn das gar kein Ende? Aber dann habe ich es geschafft: um 11 Uhr stehe ich auf der geräumigen Kuppe des Wildstrubel - Westgipfels (3243 m), der ja auch als Lenkerstrubel bezeichnet wird. Leider bläst ein unangenehm kalter Nordwind, der zum einen beim Fotografieren die finger sehr schnell taub werden läßt, zum andern auch immer mehr Wolkengebräu heranschaufelt. So ist leider die Aussicht sehr dürftig: nur ganz kurz ganz ich hinüberschauen zum Mittelgipfel, über den Lämmerngletscher zur Gemmi hinunter - und nochmals ins Wallis.

In Anbetracht der unwirtlichen Witterungsverhältnisse halte ich mich auf dem Gipfel nicht lange auf, zumal der Rückweg noch lang ist. Es erübrigt sich, diesen im Detail zu beschreiben - es ist genau der gleiche wie der Aufstiegsweg. Ich muß, wie oben erwähnt, das besagt Altschneefeld mit Hilfe meiner Grödeln queren, da ich versuche, im Abstieg dem offiziellen Weg entlang der Steinmanndln zu folgen. Und der ist eben durch besagtes eisig-hartes Hindernis unterbrochen.

Ich statte noch dem Fluseehorn (2138 m) einen Besuch ab - es läßt sich mit einem Zusatzaufwand von wenigen Minuten mitnehmen und fällt mit eindrucksvollen Abstürzen zur den grünen Matten des Retzliberges ab. Auch die Flueseehütte schaue ich mir noch kurz an (kleine, immer geöffnete Selbstversorgerhütte - Übernachtung nur nach telefonischer Anmeldung), bevor es dann den steilen Steig wieder hinunter zu den Sieben Brunnen geht. Sieben Brunnen? Nach den Regenfällen der letzten Zeit geht die Anzahl der Brunnen gegen Unendlich (um es mathematisch auszudrücken), ein gut 100m breiter breiter Wasserschwall ergießt sich eindruckvoll in das Bachbett.

Als ich später wieder beim Ausgangspunkt meiner Bergtour ankomme, hat sich das Wetter erheblich gebessert - aber so richtig sommerlich, wie es sich für den 1. Juli eigentlich gehört, ist trotzdem nicht.

Nachwort:

Die hier beschrieben Bergtour kann mit der Besteigung des Äusseren Barrhorn verglichen werden: in der oberen Hälfte ähnlich karge Steinwüste mit einem finalen Schutthang zum Gipfelkreuz. Allerdings ist das Barrhorn steiler und anstrengender.

Meine GPS-Aufzeichnung ist ein Beipsiel dafür, daß deren Genauigkeit durchaus ihre Grenzen hat: abgesehen von einigen tatsächlichen Abweichungen sind Auf- udn Abstiegsroute identisch. Trotzdem gibt es erhebliche Abweichungen zwischen beiden grad im Bereich der steilen Geländestufe zwischen Rezliberg und Flueseeli - und gerade dort bewegt man sich auf den Meter genau auf dem exakt gleichen Steig.

Woher die große Abweichung der Aufzeichnung gleich am Beginn des Tracks bei Oberried herrührt, ist mir völlig unerklärlich - dort gibt es weder Wald noch umgebende Hänge, die störend wirken können.

Also: auch GPS mit gesunder Skepsis und nicht als absolut korrekt ansehen !

Tourengänger: gero

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Geodaten
 6508.gpx Von Lenk-Oberried auf den Lenkerstrubel (Wildstrubel-Westgipfel)

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Kommentare (8)


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Mel hat gesagt:
Gesendet am 2. Juli 2011 um 23:01
hey gero,lustig dass du diese tour mit dem barrhorn vergleichst, stand ich doch gestern genau dort oben! und es bliess wohl auch der selbe saukalte wind *g*

gratulation zum lenkerstrubel und zum tollen bericht mit den schönen fotos! hoffe, diese tour auch bald absolvieren zu können, musste vor ein paar wochen leider wetterbedingt kapitulieren (kennen wir das nicht irgendwoher...?)

liebe grüsse
mel


ps: was sind denn grödeln? :D

gero Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. Juli 2011 um 23:11
Servus Mel,

ja, ich hab natürlich gelesen, daß Du neulich wetterbedingt nicht hinaufsteigen konntest. Bei mir wars gestern ja auch nicht grad berühmt. Bei Dir drüben auf dem Barrhorn war es schöner, ich hab auch hinübergeguckt (bzw. dies versucht), aber es waren zu vile Wolken dazwischen, und das Barrhorn fällt vor Weißhorn und Genossen auch kaum auf, obwohl es der höchste Wander-Dreitausender ist.

Auf dem Barrhorn hats mich am 11.09.2007 auch schier vom Gipfel geblasen!

Grödel? Ulkig, daß Ihr Schweizer diesen Begriff nicht kennt, Du bist nicht die Erste, die mich das fragt: Halbsteigeisen !

Liebe Grüße zurück .. und Du denkst noch an das Breithorn?

Gruß, Georg

MunggaLoch hat gesagt: Grödel...
Gesendet am 3. Juli 2011 um 11:26
Hahaha... Siehst Du Georg, ich bin nicht der einzige Helveter, der das nicht kennt... ;-)
Und zum GPS... Seit Deinem empfohlenen Software-Update ist es bei mir viel besser. Aber auch letzte Woche habe ich gemerkt, dass gewisse Abweichungen normal sind. Aber eben, eher bei Felsen und Wald und so...
Grüsse,
Martin

Mel hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. Juli 2011 um 17:42
haha, grödel :D schon wieder was gelernt demfall...

das wetter war wirklich klasse und wir haben ein gutes zeitfenster erwischt. später sind dann deine wolken aus dem berner oberland auch zu uns rüber gekorchen, aber da waren wir schon wieder bei der hütte unten ;-)

83_Stefan hat gesagt: Boah,...
Gesendet am 2. Juli 2011 um 23:20
...da hast du ja ordentlich Höhenmeter verbraten. Sauber ;-) !

Ursula hat gesagt: Glückwunsch
Gesendet am 3. Juli 2011 um 04:53
Lieber Georg

Wieder eine Mordstour! Ich gratuliere Dir ganz herzlich!

Liebe Grüsse,
Ursi

gero Pro hat gesagt: RE:Glückwunsch
Gesendet am 3. Juli 2011 um 07:52
Danke danke, liebe Ursi !

Dafür schnurrt nun diesmal der Muskelkater in einer Weise, daß ich kaum noch die Treppe rauf und runter komme. Aber er vergeht auch wieder!

Übrigens ist ja diese Wildstrubel-Tour von den Höhenmetern praktisch identisch mit dem Zugspitz-Aufstieg von Hammersbach durchs Höllental. Letzterer ist aber anstrengender - dafür kann man nach erfolgreichem Aufstieg mit der Bahn wieder runterfahren. Und oben gibts nen Biergarten. Beides hat der Wildstrubel nicht zu bieten ... leider, ich hätts gern in Anspruch genommen!

LG zurück, Georg

Felix Pro hat gesagt: RE: Glückwunsch
Gesendet am 3. Juli 2011 um 20:58
Hab ich doch Ursi noch gesagt, ich würde an deiner Stelle auf den Wildstrubel - möcht eben auch gern hin ...
Nun hast ihn schon bestiegen - und die Barrhörner erwarten uns an den letzten 2 Juli-Tagen.

Und dann haben wir ja noch gemeinsame Projekte ..

Und zum Schluss: Herzliche Gratulation!

glg Felix


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