wahrlich anregend, die Schafnase


Publiziert von Felix Pro , 23. Juni 2011 um 16:29. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:21 Juni 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-OW   Hagleren und Giswilerstöcke 
Aufstieg: 500 m
Abstieg: 500 m
Strecke:P. 1565 - Jänzimatt - P. 1734 - Schafnase - Schafnase, S-Gipfel - Furgge - P. 1676 - Kapelle Jänzimatt - Chapf-Hütte - Abkürzung nordöstlich des Heidberihubels - P. 1565
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW via Schüpfheim nach Sörenberg und bis kurz vor die Passhöhe Glaubenbielen
Kartennummer:1189

Nun durfte auch ich, mit der grossartigen Unterstützung von Ursula, mir das Erlebnis Schafnase zu Gemüte führen - wahrlich: eines der besonderen Art für meine bescheidenen Fähigkeiten, welche v.a. wegen meiner Angst vor enormen Tiefblicken (und möglichen Abstürzen) minimiert sind ... Danke dir, du Liebe, dass du mir das Positive daran ermöglichst!

Strahlend, der Beginn beim grossen Parkplatz vor der Passhöhe Glaubenbielen, bei P. 1565: bereits hier ist die Sicht ringsum beeindruckend - wie sich die Gruppe ums Brienzer Rothorn klar und deutlich zeigt; beinahe dachten wir, es sei Herbst ob dieser Sicht. Und der Weiterweg auf dem Strässchen nach Jänzimatt beschert uns weitere Highlights - diese zwar auf Bodenhöhe. Kaum je so gesehen, die Moorwiesen, derart reich befrachtet mit Orchideen, Nelken und Margriten - ich gelange hier (noch) ins Schwärmen ...

In der Jänzimatt angekommen, umgehen wir den kleinen Teich, in welchem sich die Schafnase und Rossflue hübsch spiegeln, und wandern auf dem Alpsträsschen weiter, bis wir, noch kurz vor Erreichen des offiziellen Bergweges, eine weglose Abkürzung zu ihm hinauf nehmen. Auf ihm erreichen wir bald den Scheitelpunkt 1734, dem Sattel, welcher zur Mörlialp hinüberleietet. Spätestens hier erkenne ich, worauf ich mich eingelassen habe ... Die gesamte Flanke der Schafnase liegt noch im Schatten, ein zügiger, kalter Wind wird sich alsbald bemerkbar machen ... Unheimlich steil erscheint mir der Grat, auf welchem ich da hochkommen soll! Doch sind die ersten Meter auf Grasgelände gut anzugehen, und erste Felsabsätzchen gut zu meistern. Noch recht angenehm geht es weiter auf Gras- und Latschen-Gelände - es steilt etwas auf, der Grat wird allmählich etwas "spitzer". Die ersten Felspassagen erscheinen mir beinahe noch problemlos - auch wenn bei zunehmender Höhe auch die seitlichen Flanken immer abschüssiger wirken. Bis hier ist der Fels gutgriffig - das wird sich noch etwas ändern ... Auf jeden Fall ist beim grossen Pfeil (lila) Ende mit unbeschwertem Steigen: meine Psyche sagt ja zur "mentalen" Sicherung mittels der Reepschnur; technisch recht gut machbar, doch die doch auftretenden senkrechten Tiefblicke lassen mich gern zur angebotenen Unterstützung bewegen.
Der lange weitere Aufstieg - wie oft frage ich: "hört denn das nicht auf?" - ist "unterhaltsam": mal wieder genussvolle Abschnitte, welche mit etwas Gelände seitlich gut zu begehen sind, dann wieder problemloses Emporsteigen, dann die Tiefblicke ... Auch die zwei IIer-Stellen bewältige ich erstaunlich gut - die professionelle Führung und Anleitung meiner Vorsteigerin zeitigt Früchte. Doch: die Abstürze sind mir gar nicht geheuer, wie auch gelegentlich lockeres Gestein - da wird nicht mehr alles ein Jahrzehnt halten (ein Zweikilönner hielt zum Glück wenige Meter direkt oberhalb in einer kleinen Einbuchtung still ...). So bin ich, auch Ursi, froh, als wir kurz vor Erreichen des Gipfels endlich in die Sonne eintauchen: der lästige kalte Wind macht das Aufsteigen nicht angenehmer. Ein Wechselbad der Gefühle nimmt auf dem überaus hübschen Gipfelplateau der Schafnase sein Ende: stolz ihn erreicht zu haben - jetzt, wo ich die Länge und den Verlauf der Route kenne, würde ich sie demnächst wiederholen (Kurt wartet bereits?!)

Und dann dieses Gipfelpanorama (vom Titlis bis zum Mönch) - und diese Wärme bei prächtigem Sonnenschein! Da verweilen wir lange - und beschliessen, dereinst den Zustieg vom namenlosen Giswilerstock-Gipfel P. 1939 aus zu unternehmen; ebenso wie eine Rossflue-Überschreitung von der Chringe her ...
Die Kennerin meint bei Abschluss der langen Gipfelrast, wir könnten ja dem Grat nach zur Furgge hintersteigen - das sei interessanter ... (das bedeutet immer Verheissungsvolles). Klar nehmen wir die Gratüberschreitung zum S-Gipfel der Schafnase in Angriff.

Und dieser lohnt sich bestimmt; im SAC-Führer als BG taxiert (hochtrittig und felsig), geniessen wir die Überschreitung sehr - mit vielen atemberaubenden Tiefblicken in die Abstürze gegen W hin. Etwas Trittsicherheit ist angesagt, doch ein BG erscheint zu hoch ... Auf jeden Fall ist diese Gratwanderung eine
zusätzliche Bereicherung der an sich bereits phänomenalen Tour. Und der sehr steile Abstieg, auf guter Wegspur, von der Furgge, lässt uns auch freuen - ob der bizarren Felsenlandschaft, dem Genuss als Ganzem (eine Rundwanderung in dieser Art erscheint mir besonders beglückend) oder der Rundschau, welche wir auch wieder von hier geniessen; hier wieder zurück Richtung Schratteflue und "Trabanten". Nach einer letzten kurzen Rast mitten im Abstiegsweg, drehen wir ein ins Fahrsträsschen, welches uns, kurz vorher eine Abkürzung zur Kappelle benützend, nach Jänzimatt führt.

Hier stellen wir fest, dass die Alp Chapf-Hütte klammheimlich auch als Alpwirtschaft dient: eine kleine Speise- und Getränke-Karte lesen wir zwar, nach der Degustation des exzellenten Alpkäse kaufen wir jedoch eine rechte Menge davon ein ...
Das Schlusslaufen gestalten wir, die Kennerin weist uns auf die rechte Spur, wieder alternativ: den Weg zum Pass Glaubenbielen verlassen wir oberhalb des Heidberihubels auf direktem "Weg" (knapp erkennbare Spur, doch früher markiert und mit Durchlass versehen), zurück zu unserem Ausgangspunkt (wo sich eine Selbstbedienungsstation mit Getränken, Snacks und Alpkäse von der Alp Glaubenbielen befindet).

Auch wenn zwischenzeitlich etwas grenzlastig (für mich): insgesamt eine höchst anregende und beglückende Tour!

Tourengänger: Ursula, Felix

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Kommentare (8)


Kommentar hinzufügen

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. Juni 2011 um 16:41
GANZ GROSSES KOMPLIMENT!!!

... und auch ein wenig neid, denn das werde ich wohl nie schaffen, auch nicht angeseilt ...

bidi35 hat gesagt: tolle Leistung...
Gesendet am 23. Juni 2011 um 17:24
...und tolle Fotos. Gratuliere.

LG Heinz

lemon Pro hat gesagt: ganz toll!!!
Gesendet am 23. Juni 2011 um 18:23
und dann noch die nerven zum fotografieren haben....!!!! gratuliere!!

--- hat gesagt:
Gesendet am 23. Juni 2011 um 19:03
auch meiner Seits herzliche Gratulation! Es ist immer wieder ein Genuss eure Berichte zu lesen

freundliche Grüsse Ayla

Baldy und Conny Pro hat gesagt: mich dünkt
Gesendet am 24. Juni 2011 um 08:37
du fühlst dich von mal zu mal wohler in diesem Gelände
Gruss und grossartig
Angelo und Conny

CarpeDiem hat gesagt:
Gesendet am 24. Juni 2011 um 09:40
Herzliche Gratulation zu dieser Leistung und danke für den anmachenden Bericht mit den - wie immer - tollen Fotos

Anne-Catherine

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. Juni 2011 um 18:54
Ebenfalls herzliche Gratulation zu dieser tollen Tour.

Gut gekraxelt!!

Beste Grüße
Hanspeter

Felix Pro hat gesagt: Dank euch allen!
Gesendet am 1. Juli 2011 um 15:28
Eure Anerkennung stellt auf - und motiviert für Weiteres ...

lg Felix


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