Gross Windgällen (Ostflanke) 3187m


Publiziert von Bombo , 5. Juni 2011 um 00:31.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 3 Juni 2011
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 2 Tage 6:15
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Golzern Bergstation - Windgällenhütte - Gross Windgällen via Ostflanke - gleicher Weg zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit PW (kostenlose Parkplatze direkt bei der Talstation) oder ÖV zur Talstation der Golzern-Seilbahn
Unterkunftmöglichkeiten:Windgällenhütte AACZ, vorbildlich freundlich geführte Hütte von Annina und Wisi - sie geben beherzt Auskunft und verleihen auch Klettermaterial. bei der Hütte hat es mehrere Brunnen mit Trinkwasser, ebenso auch fliessendes Wasser in der Hütte.
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1192 Schächental & Bl 1212 Amsteg

Durch die Ostflanke auf den Gross Windgällen 3187m


Ich hasse Nacht-Pisser und Schnarchler - selbstverständlich erst nach Lichterlöschen und auch nur solange, bis mir mein Wecker sagt, dass ich nun von dieser Qual erlöst bin, dabei aber leider immer noch kein Auge zugetan habe. Das musste ich jetzt einfach kurz loswerden, denn der 10-Minuten-Tür auf-Tür zu-Takt letzte Nacht in der schönen Windgällenhütte AACZ raubte uns auch noch die letzte Minute Schlaf. Dies war aber auch gerade das einzige Negative an diesem Tour-Abenteuer, weshalb nun nur noch positive Ereignisse folgen :-)

Die Tour auf den Gross Windgällen 3187m durch die Ostflanke stand für mich wie auch für Alpinos seit längerer Zeit ganz oben auf der Wunschliste. Wer sich mit diesem Gipfel näher befasst weiss, dass für eine erfolgreiche und mehr oder weniger entspannte Gipfelbesteigung nur ein bestimmtes Zeit- und Verhältnisfenster in Frage kommt - nicht zu viel Schnee und doch genug davon, um in geeignetem Trittschnee auf dem sonst mühsamen Schotter hinauf- und hinunter zu steigen. Dann noch eine klare Nacht und möglichst wenig andere Seilschaften, um latenten Gefahren wie Schneerutsche und Steinschlag ausweichen zu können. Heute passten diesen Verhältnisse und ich bin einfach nur glücklich, diesen prächtigen Urner Berg in mein Palmarès aufnehmen zu können.

Gestern Freitag Abend nach Arbeitschluss stiegen wir von der Bergstation der Golzern-Seilbahn 1395m bei schwülen Temperaturen und immer wieder einsetzendem Regen hoch zur Windgällenhütte AACZ 2032m, wo wir nebst der gewünschten Sonne auch noch eine Hütte voll "Chind und Chegel" vorfanden. Das erhöht zwar den Lärm-Pegel um einige Dezibel, hat aber den Vorteil, dass nach 21.00 Uhr praktisch alles am schlafen ist - bis dann eben die Sirup- und Oranginablasen sich ab 22.00 Uhr bis mindestens morgens um 04.00 Uhr bemerkbar machen - siehe erster Satz meines Tourenberichtes.

Um 04.00 Uhr verliessen wir die Windgällenhütte 2032m und folgten den zahlreichen blau-weissen Markierungen bis zum markanten Steinmann auf knapp 2300m, welchen man bei Tageslicht schon von der Hütte aus sieht. Wenn man wirklich bis ganz hoch zum Steinmann läuft, dann sieht man an der rechten Felsseite rote Markierungsstreifen (wir stiegen ein paar Meter zu früh rechts hoch, was aber auch keine Rolle spielt, denn der Verlauf ist in etwa gegeben). Diesen folgt man nun so lange, bis man auf ca. 2480m den Stäfelfirn erreicht. Bis hierher ohne Steigeisen und ohne Seil. Hier seilten wir uns aufgrund möglichen Spalten an, verzichteten aber aufgrund des guten Trittschnees auf die Steigeisen. Weiter in nördliche Richtung über das impossante Firnfeld, immer eher rechts haltend, unter dem Hölenstock durch und in einem Bogen nach Westen Richtung Bergschrund des Gross Windgällen.

Wenig unterhalb des Bergschrundes nahmen wir noch die Steigeisen zur Hilfe und kämpften uns dann in teilweise hüfttiefem "Pflüdderschnee" hoch zur Randspalte. Seit letzem Jahr wurde für diese bekannte Schlüsselstelle eine Leiter installiert, welche über den Bergschrund hilft. Diese wird jedoch in den Wintermonaten wieder demontiert, weshalb sie auch heute noch jungfräulich neben der "Problemzone" lag. Der Hüttenwirt sagte heute jedoch, dass er diese in den nächsten Tagen nun montieren möchte. Dank des frühen Startes und des mehr oder weniger guten Trittschnees konnten wir den Bergschrund ohne fremde Hilfsmittel bewältigen und mussten auch nicht in die glatten 4er-Platten ausweichen.

Es folgte nun der erste steile Aufstieg über eine Schneeflanke, ging aber problemlos. Wenig später steht man unter einem Felsturm, wo links eine Sicherungsstange ersichtlich ist und rechts ein schmales, aktuell mit Schnee gefülltes Couloir hochführt. Da wir nicht wussten, wohin genau dieses Couloir führt und wir der Versuchung der Sicherungsstange nicht widerstehen konnten, wählten wir somit die linke Variante. Bei den aktuellen Bedingungen klar ein Fehler, denn die dortige brüchige und griffarme Steilstufe bis hoch zur Stange ist alles andere als bequem - vorallem für den Vorsteiger, aber auch für die Nachsteiger, welche im Falle eines Vorsteiger-Sturzes Mühe hätten, diesen im steilen Firnfeld mangels Sicherungsmöglichkeiten (T-Anker hält bei dem weichen Schnee nur bedingt) aufzufangen. Alpinos masculinos meisterte diese Aufgabe jedoch mit Bravour und schon bald durften wir gesichert nachsteigen. Eine zweite Seilschaft - wir waren übrigens die einzigen beiden Seilschaften heute - wählte die Variante rechts (diese haben wir dann im Abstieg auch gewählt), welche ganz klar bequemer und somit auch schneller gewesen wäre.

Man könnte nun von Stange zu Stange steigen, da wir aber gute Trittschnee-Verhältnisse vorfanden, stiegen wir am kurzen Seil in einer direkten Linie hoch und querten dann beim Steinmann auf der rechten Seite hinüber auf den Fels. Auch dies hätte man sich bei den aktuellen Bedingungen sparen können, ohne weiteres könnte man noch weiter direkt bis zum Grat hochsteigen. Nach unserem Felsbesuch (Steinmänner, Sicherungsstangen) stiegen wir wieder in Trittschnee weiter, wählten wenige Meter weiter oben die rechte Variante und erreichten so in gutem Tempo den NE-Grat. Vorsicht Wächte! Nach einer kurzen Traverse nach links geht es erneut in Schnee dem Grat entlang hoch, wenig später dürfen nochmals die Hände benützt werden (Sicherungsstangen vorhanden) und schon standen wir nach 3h 50min (inkl. alle Pausen) auf dem Gipfel des Gross Windgällen 3187m. Kurz vor uns erreichte die zweite Seilschaft aus Seedorf UR den Gipfel - Gratulation auch Euch beiden, war toll, mit Euch das Gipfelerlebnis zu teilen.

Wo wir vorallem im oberen Bereich noch mit Nebelschwaden gekämpft hatten, durften wir nun auf dem Gipfel die Sonne und somit die Aussicht geniessen - der zügige Wind jedoch liess nur eine Gipfelpause von 30 Minuten zu, viel mehr wäre aufgrund der fortschreitenden Tageserwärmung sowieso nicht drin gelegen.

Runter ging es auf selben Weg bzw. immer linker Hand, da wir trotz Sicherungsstangen nicht nochmals in die oben beschriebene Steilstufe wechseln wollten. Und weil die Schneeverhältnisse noch immer besser waren als ursprünglich gedacht, konnten wir bereits nach 1h seit Gipfelaufbruch den Bergschrund überspringen und uns von den Steigeisen befreien. Mit Langseil dann entlang unseren Aufstiegsspuren weiter über den Stäfelfirn und hinunter zum An- bzw Abseilsplatz - dort sieht man nun bei Tageslicht auch ganz gut die roten Markierungen. Nochmals eine Verschnaufpause und in zügigem Tempo ging's zurück zur Hütte, welche wir nach knapp 2 1/2h seit Gipfelaufbruch erreichten.

Hier genossen wir dann nochmals reichlich Speiss, Trank und Sonne, bevor wir uns in Sommerbekleidung auf den Abstiegsweg hinunter nach Seewen (Häuser und 2 Restaurants zwischen Golzernsee und Bergstation) aufmachten und dort im Restaurant unseren Salzmangel mit Schnipo wettmachten. Mit der Gondelfahrt hinunter nach Bristen beendeten wir diese tolle und garantiert unvergessliche Tour und wie sagte Alpinos femininos so schön: "Nach der Tour ist vor der Tour..." :-)


Fazit: Heute passten die Verhältnisse. Ohne weiteren Schnee (welcher sich dann auch noch zuerst setzen bzw. erste Rutsche hinunter schicken müsste) werden die Umstände nicht besser. Wer den Gross Windgällen auf der Projektliste hat, der sollte diesen Gipfel nun lieber heute als morgen besuchen. Die Kletterschwierigkeiten liegen im II. bis III. Grad (je nach Variante), die Steilheit beträgt dafür aber nicht selten zwischen 40 und 50 Grad. Es hat genügend Sicherungsstangen und wenn dann die Leiter über den Bergschrund noch montiert ist, wird der Aufstieg nochmals ein paar Minuten weniger Zeit kosten.


Herzlichen Dank liebe Alpinos für dieses tolle Tourenerlebnis - ich denke der Gross Windgällen wird uns stets in guter Erinnerung bleiben.


Tourenzeiten:

Bergstation Golzern 1395m - Windgällenhütte 2032m: 1 1/2h (zügiges Tempo, 1 Pause)
Windgällenhütte 2032m - Gross Windgällen 3187m: 3h 50min (normales Tempo, inkl. Pausen)
Gross Windgällen 3187m - Windgällenhütte 2032m: 2h 25min (zügiges Tempo, inkl. Pausen)

Total: 6 1/4h am Gipfeltag, inkl. Pausen


Der Name des Gross Windgällen leitet sich von Gälle, gellen her, was so viel wie heulen, schrill tönen, pfeifen, dem Wind ausgesetzte Stelle bedeutet. (Quelle: Wikipedia)


Tour mit Alpinos - Hier der Tourenbericht



Route Nr. 473 - SAC Alpine Touren - Zentralschweizer Alpen - Bruno Müller
Route Nr. 361 - SAC Clubführer - Urner Alpen Ost - Toni Fullin



Tourengänger: Bombo, alpinos

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T3+ ZS II

Kommentare (5)


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MaeNi hat gesagt: Gross Windgällen..
Gesendet am 5. Juni 2011 um 15:31
....so cool! Gratulation an Euch drei!

Gruäss
Marcel & Nicole

Bombo hat gesagt: RE:Gross Windgällen..
Gesendet am 5. Juni 2011 um 19:34
Merci, han na a üch denkt uf em Gipfel - wär doch na es super Ziel für MaeNi :-)

Gruess und e gueti Wuche,

Dominik

Felix Pro hat gesagt: Tolle Unternehmung:
Gesendet am 9. Juni 2011 um 07:00
Ich gratuliere dir, euch zu diesem Erfolg - und interessanten Bericht;

lg Felix

Sputnik Pro hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 9. Juni 2011 um 11:08
Super gemacht! Gratuliere Dir herzlich zum Gross Windgällen, der Berg ist einfach einer der schönsten der schwierigeren Urner-3000er.

LG, Sputnik

Bombo hat gesagt: RE:Gratuliere!
Gesendet am 9. Juni 2011 um 17:51
Danke Euch - die Alpinos und ich hatten wirklich grosse Freude an dieser Tour und vorallem auch an diesem schönen Urner Berg.

Gruss
Bombo


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