Schinhorn 3796,8m


Publiziert von Sputnik Pro , 9. Mai 2011 um 14:32.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 8 Mai 2011
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3100 m
Abstieg: 2800 m
Strecke:Zirka 35km (total)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Brig mit dem Postauto nach Blatten bei Naters. Im Sommer kann man die Tour abkürzen (800Hm) in dem man die Luftseilbahn nach Belalp benützt.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt. Anmerkung: Ich bin nur bis Egga (1647m) abgestiegen und konnte mir per Autostopp die letzten 320Hm nach Blatten bei Naters sparen.
Unterkunftmöglichkeiten:Oberaletschhütte SAC (58 Plätze); Winterraum immer geöffnet. Telefon: 027 927 17 67; Homepage: www.oberaletsch.ch
Kartennummer:LKS 1:25000 Aletschgletscher (Nr.1269)

HARTNÄCKIGKEIT HAT SICH AUSBEZAHLT!

Das Schinhorn ist nach dem Aletschhorn (4193m) und Dreieckhorn (3810,7m) der dritthöchste Berg Der Aletschhorngruppe. Mit einer Schartenhöhe von 422m ist es der Gipfel ein sehr selbstständiger Berg und dennoch wird die Pyramide nur selten bestiegen, wohl weil er im Schatten des mächtigen Aletschhorns steht. So ist man am Berg meistens alleine unterwags und kann die Spur selber suchen. Der Normalweg führt über die vergletscherte Südflanke über die ich auch auf den entlegenen Eisberg aufstieg.

Das Schinhorn war für mich lange ein verflixter Berg, denn erst im fünften Versuch stand ich auf dem Gipfel. Einige Fotos der erfolglosen Versuche habe ich dem Bericht beigefügt. Die erfolglosen Besteigungsversuche:

- 24./25.4.2010: Erster Besteigungsversuch mit extremem Nasschnee. Dabei sank ich mit Schneeschuhen in Blockfelder oberhalb vom Gletscher auf dem Hüttenweg teilweise bis zur Hüfte ein. Deshalb Abstieg am nächsten Tag bei noch hartem Schnee.

- 5./6.6.2010: Schneeschuhtour mit Matthias. Abbruch wegen feuchtem Schnee und langsamen Vorwärtskommen auf dem Beichgletscher.

- 2.4.2011: Skitour mit Abbruch da grosse Gefahr von Nasschneelawinen. Es war zu gefährlich auf den Oberaletschgletscher abzusteigen. Rückweg zu Fuss wegen Lawinengefahr über den Bärenpfad nach Blatten bei Naters.

- 8.-10.4.2011: Nach Biwaknacht auf der Moräne ohne Probleme zur Hütte. Abbruch auf 2775m oberhalb Beichgletscher da die Felle an den Ski nicht haften blieben. Tour mit Eugen.

Da ich von meiner Eigerbesteigung vor zwei Wochen wusste dass zu Fuss im Hochgebirge beste Bedingungen herrschen entschied ich mich nochmals das Schinhorn anzugehen. Schon im April habe ich gesehen, das der Schnee auf dem Sommerweg zur Oberaletschhütte grösstenteils weggeschmolzen war.  Allerdings hatte die Belalpbahn Frühlingspause so dass ich direkt in Blatten loslief und 800 Höhenmeter zusätzlich aufsteigen musste.

Am Gipfeltag stratete ich nach dem nächtlichen Abstieg von der Hütte auf den Gletscher mit dem Gipfelaufstieg um 3 Uhr. Auf hartem Schnee wanderte ich den Beichgletscher hinauf bis dieser nach links abbiegt.  Etwas mühsam im Dunkeln stieg ich dann gegen Norden einen steilen Geröll- und Schutthang über P.2804m und weiter über einige Firnfelder zum Gletscherbeginn auf etwa 3050m auf. Nun hiess es Pickel vom Rucksack schnallen und Steigeisen anlegen. Auf dem Gletscher folgte ich immer den Felsen des Schinhorn Südwestgrates um so die Spalten zu umgehen bis hinauf zur Felsinsel P.3388m. In einem grossen Linksbogen querte ich danach das obere Gletscherbecken bis südlich P.3513m so dass auch hier der zerrissene Gletscher umgangen werden kann. Sehr steil (45°) ging es weiter über guten Trittfirn hinauf zum Südostgrat. Der Grat war herrlich zu begehen und hat einige einfachere Kletterstellen im mittleren Teil. Als ich die Schneekuppe vor dem höchsten Punkt erreichte zog Nebel auf und es begann zu schneien. So machte ich ein Rucksackdepot und kraxelte auf den höchsten Punkt - nun endlich ist also das Schinhorn im fünften Anlauf bestiegen, aber leider ohne Aussicht!

Für den Abstieg wählte ich die direkte Gipfelflanke wo ich oberhalb P.3388m auf meine Aufstiegsroute traf. Vom P.3388m stieg ich auf dem Aufstiegsweg wieder zurück ins Tal bis zum Weiler Egga wo mich ein Bergführer über die letzten 300 Höhenmeter mit dem Auto nach Blatten bei Naters brachte. Auf dem Rückweg machte ich allerdings nicht den Umweg über die Oberaletschhütte, sondern stieg über den ganzen Oberaletschgletscher ab was im unteren Teil wegen dem vielen Geröll etwas mühsam war.

Genaue Route:
TAG 1 (7.5.): Blatten bei Naters - P.1410m - P.1435m - Fure - P.1533m - Egga - P.1716m - Holzji - P.1961m - Hotel Belalp - Hirmi - P.1971m - P.1978m - Walkenen - P.2075m - P.2164m - Brücke P.2727m - P.2228m - Lochegga - Z Leng Fäsch - P.2586m - Jegij - P.2688m - Oberaletschhütte. TAG 2 (8.5..): Oberaletschhütte - Oberaletschgletscher - Beichgletscher - P.2804m - P.2988m - oberhalb P.3388m - östlich P.3513m - Südostgrat - Gipfel - direkte Südflanke - oberhalb P.3388m - P.2988m - P.2804m - Beichgletscher - Oberaletschgletscher - Brücke P.2727m - P.2164m - P.2075m - Walkenen - P.1978m - P.1971m - Hirmi - Hotel Belalp - P.1961m - Holzji - P.1716m - Egga.

Tour im Alleingang.

Tourengänger: Sputnik

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Kommentare (12)


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Alpenorni hat gesagt: Top !
Gesendet am 9. Mai 2011 um 18:01
Gratulation zum Sieg der Beharrlichkeit !
Schöne Bilder, die auch die grünen Zonen beim Zustieg gebührend würdigen - damit kann ich x-mal mehr anfangen als etwa mit Gespeede oder Start an Seilbahnstationen und dergleichen mehr.
Aber dies hier ist ja auch was anderes, nämlich eine große klassische Bergtour mit allem Drum und Dran ! Von ganz unten nach ganz oben, aus eigener Kraft.
Gratulation
Martin

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 12. Mai 2011 um 07:08
Viele Dank Martin. Es hat schon etwas spezielles in der Zwischensaison wenn keine Bahnen fahren. Besonders schön finde ich dabei, dass man kaum andere Leute trifft. Auf dem Hüttenweg war ich praktisch alleine unterwegs und traf nur auf Wanderer bei der Belalp. Den Berg selbst hatte ich nur für mich und konnte sogar selbst Spuren.

Viele Grüsse,

Andi

CarpeDiem hat gesagt: Congratulation!
Gesendet am 9. Mai 2011 um 19:25
Gratuliere zu Deiner Hartnäckigkeit mit Gipfelerfolg. Von so einem Berg kann ich nur träumen...
Danke für den interessanten Bericht und die schönen Bilder aller Art.

LG
Anne-Catherine

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 12. Mai 2011 um 07:12
Danke Anne-Catherine,

Nun es gibt in der Jungfrau-Aletschregion auch einige hohe 3000er (z.B. Gross Wannenhorn, Äbeni Flue) welche ohne technischen Schwierigkeiten erreichbar und wenig steil sind. Da braucht's nur ein Seil für den Gletscher und Steigeisen, meit einem etwas erfahreneren Kollegen wären die Berge sicher auch für dich problemlos machmar!

LG, Andi

CarpeDiem hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Mai 2011 um 19:06
Na ja, wenn es keine grossen technischen Erfahrungen braucht, sind Seil und Steigeisen kein Problem.... Danke für den Tipp In der Jungfrau-Aletschregion.

Gruss, Anne-Catherine

Henrik hat gesagt: Zeitgleich purzelten
Gesendet am 9. Mai 2011 um 23:48
wir in der Region Ernen herum...und fanden, dass das Wallis unbedingt mehr Besuche nötig macht!

Ciao

silbervogel

Sputnik Pro hat gesagt: Zeitgleich purzelten wir im Wallis herum
Gesendet am 12. Mai 2011 um 07:13
Wie recht du hast, ich werde wohl bald nach meinem Urlaub wieder ins Wallis fahren.

LG, Andi

xaendi hat gesagt:
Gesendet am 12. Mai 2011 um 16:22
Was lange währt, wird endlich gut!
Gratulation und Bewunderung für deine Beharrlichkeit - ich hätte schon längst aufgegeben...
Alex

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 13. Mai 2011 um 08:57
Danke Alex,

Bei meinen ersten Versuche waren einfach die äusseren Bedingungen nicht gut oder ich hatte Materialprobleme. Da die Route auf den Berg aber nur ein "WS" ist, wollte ich sicher nicht daran scheitern - und im fünften Anlauf hat es sich ja wirklich gelohnt. Nun wartet im Juni der Nachbar vom Schinhorn, nämlich das wunderbare Nesthorn auf mich :-)

Gruss, Andi

andre68 hat gesagt: Aletsch!
Gesendet am 17. Mai 2011 um 10:43
Gratuliere Andi! Es kommen Erinnerungen an unsere Aletschhorn Tour in 2009!! Viele Grüsse A

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. Mai 2011 um 12:20
Salü :-)

Genau, das war eine superschöne Tour aufs Aletschhorn. Leider habe ich es vom Schinhorngipfel wegen Wolken nicht gesehen. Nächste Woche geht's in Urlaub für 8 Tage nach Montenegro und Kosovo, danach können wir unsere Tour genauer planen!

LG, Andi

andre68 hat gesagt: Ferien!
Gesendet am 19. Mai 2011 um 10:04
Wünsche Dir schöne Ferien. Der Kolac sieht recht mächtig aus auf Summitpost. Viel Glück und bis später! André


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