The three Towers - und ein wehrhafter Schildknappe


Publiziert von Polder , 23. April 2011 um 17:32.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum:22 April 2011
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A   Montafon 
Zeitbedarf: 3 Tage

Während in "Lord of the Rings" zwei Türme um der Leser- und Cineastinnenschaft Gunst werben, locken an der Drusenfluh deren drei: Dri Türm. Und diese sind mindestens so zinnenbewehrt wie Tolkiens zwei - deshalb schien es angebracht, sich zunächst mal bei einem Schildknappen zu versuchen. Dieser erwies sich allerdings als ausgesprochen wehrhaft und gut gepanzert..... doch der Reihe nach:

21. April: Aufstieg Fergenhütte (900 Hm)
Mit langen Ski, Biwakzeugs und Velo zu den Vereinaer Plattenhörner? Oder etwas mit Kurzski? Oder schon ganz skilos? Schliesslich entschied ich mich für den Mittelweg und eine abendsonnige Hütte - schon wieder Fergen. Diesmal aber über den direkten Hüttenweg, der bis ganz oben gänzlich schneefrei ist. Die Hütte ist schon im Sommermodus mit fliessend Wasser, aber ebenso lauschig wie 10 Wochen zuvor und natürlich noch sonniger (bis viertel vor 8).

22. April: Fast Schildflue - Schlappintal  und St. Antönien -Carschina (1600 Hm)
Aufbruch bei Sonnenaufgang, direkt von der Hütte mit Kurzski, dies bis das Couloir enger und steiler wird, sodass es mit Steigeisen ringer geht. Kurz vor der Grathöhe staunte ich nicht schlecht, in ein ebenso staunendes Gesicht zu blicken - jemand war mit langen Skis von Schlappin aus gestartet. Von der Lücke in einbrechendem Schnee mühsam um den ersten Gratturm herum und zum Couloir, welches zum Gipfelaufbau führt. Dort eine böse Überrraschung: Wo Schnee liegen sollte, blackt uns ein gefrorener, 20m hoher Wasserfall entgegen - Frucht der Hitze vor rund 2 Wochen. Nicht gerade eisklettergewandt anerkenne ich den Sieg des Schildknappen bereits hier, während mein temporärer Partner den Eispanzer in heikler Kletterei überwindet, um dann an der von weichem Schnee bedeckten Gipfelplatte ebenfalls zu scheitern. Trost bietet dann dafür die Abfahrt: Oben noch einige Schwünge Pulver, dann nahtloser Übergang zu seidenweichem Hartschnee, der an den leicht ostwärts gerichteten Stellen bereits angesulzt ist - auch mit Kurzski ein Vergnügen! So entscheide ich mich, mit ins Schlappintal abzufahren, zumal ich mit dem 4x4-Pickup des Klosterser Schreiners (merci vielmal nochmals :-) mitfahren kann. Linard oder Carschina? Der Zug talauf- oder derjenige talabwärts? Wegen dem Wetterbericht, der plötzlich v.a. gen Süden von dichten Wolkenfeldern spricht, fahre ich talauswärts, zumal mich die Drusenfluh schon länger lockt. Etwas weniger lockt der Talhatscher von St. Antönien gen Partnun; bei Garstett zweige ich links ab und steige über die ausgedörrten Wiesen direkt zur Brunnenegg, wo 2 Autos (!!) die Idylle etwas stören. Dennoch ist der Gegensatz zu Fergen eindrücklich: Dort steile, blockige Halden vor dunklen Gneistürmen, hier weite kokusübersähte Weiden vor weissen Kalkwänden. Nur die letzte Querung zur Hütte ist schneebedeckt, aber bereits relativ gut tragend verfestigt. 3 Stunden sünnele vor der Hütte - der Sonnenuntergang um viertel nach 8 vor der Szenerie der three Towers + Sulzfuh ist einmalig! Auf Carschina haben sich der Hüttenwart + Freunde zum traditionellen Osterschlemmen einquartiert; ich bekomme aber einen separaten, ruhigen Schlafraum :-)!

3. Tag: Drusator - Dri Türm - Latschau (800 Hm)
Start in der Dämmerung - entgegen dem Wetterbericht strahlt der Mond immer noch von einem völlig klaren Himmel (wenigstens hier, im äussersten Nordosten), und der Schnee ist wiederum bestens gefroren! Dies macht die Querung zum Drusator über etliche steile Passagen etwas mühsam, und auf der anderen Seite folgen 50 Hm Steigeisenabstieg. Ich verzichte dankend auf die direkte Querung und nehme etwas Höhenverlust bis ca. 2180 m gerne in Kauf. Entlang der Sommerroute, zuletzt wiederum mit Steigeisen, zum Sporaturm - welch eindrückliche Szenerie! Wieder mit Ski - im numehr teils pulvrigen Schnee auf guter Spur (7sichtbare Abfahrtsspuren) -  das Tobel empor, vor dem Plateau zwischen den Türmen wieder direkt zu Fuss. Dort der Reihe nach zu Pt. 2722, 2814 und 2830 - leider liess der bissige Westwind nirgends eine längere Rast zu, die Tiefblicke sind allerdings auch für nur kurze Zeit höchst eindrücklich! Die Gipfelflanke ist kurz nach 9 bereits aufgesulzt und daher gut fahrbar, bereits weich ist die Fusspassage nach dem Sporaturm (bei Abfahrt Sporertobel kann man z.Zt. 200 Hm weniger weit abfahren). Dazwischen kommen mir 2 Skitüreler und - reichlich spät für den langen Abstieg - Schneeschüheler entgegen. In prächtiger Abfahrt (Schnee für Kurzski bereits einbrechend, aber eben nicht tief:-) bis zur Sporaalpe, wo 1.5 h Latsch bis Latschau anstehen.  Ein grässlicher Ort, den ich aber angenehm und gratis (!!) mit der Gondel verlasse - von oben sehe ich auch warum dies gratis ist: Alle anderen sausen mit dem "Alpine Coaster" zu Tal nach Vandans! Ich muss dann nochmals 10min zum Bahnhof auf der anderen Talseite latschen, werde aber mit optimalen Anschlüssen belohnt, sodass ich gut 2 1/4 h später schon in Zürich bin!

Tourengänger: Polder


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