Hörnli Westwand: Gesuchte Wege


Publiziert von ossi , 19. Juni 2007 um 22:18.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:19 Juni 2007
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Zürcher Oberland   CH-ZH 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 400 m
Strecke:Gfell-Heiletsegg-Bärtobel-Westwand-Hörnli-Heiletsegg-Gfell
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz Gfell oder Bus ab Bauma Bhf.
Kartennummer:1:25000 Hörnli

Bei aller Bescheidenheit: Es war wahrscheinlich wirklich ein T6. Als Bewertungsmasstab nahm ich das Gefühl der Anspannung, das ich bei meiner Glattchamm-Begehung hatte....und das Gefühl heute war mindestens gleich. Die Route führt bis weit nach hinten ins Bärtobel, wobei zwei Giessen (Wasserfälle) umgangen werden. Über einen felsdurchsetzten Grashang (Schlüsselstelle) steuert man den Hörnligubelweg an. Nach dem Hörnligubelweg geht's dann mitten hinein in die faszinierende Gipfelwand des Hörnlis und direkt auf den Gipfel. Insgesamt eine anspruchsvolle Z5-Tour in heiklem Gelände, einsam und wunderschön. Für Tösstal-Alpinisten nun der genaue Tourenbericht:

Von Gfell geht's rassig über Heiletsegg hinunter ins Bärtobel und tief in dieses hinein. Zu meiner Überraschung traf ich auf eine Frau, die im Auftrag von pro Natura einen Bericht über erhaltenswerte Urlandschaften schreiben sollte (viel eher habe ich damit gerechnet, dem guten Delta über den Weg zu laufen :)) Noch ein Stück weiter, und ich stand am Einstieg der berühmten Tour Deltas -Pionier des Bergsteigens im Tösstal und lebende Legende im Kreise der Tösstal-Alpinisten :)- und bewunderte einmal mehr die überzeugende Linie der Routenführung.

An diesem Standort verzweigen sich zwei Bäche. Man wählt im Aufstieg gesehen den Linken und folgt ihm bis zu einer hohen Giesse. Diese kann sehr dicht auf der linken Hangseite (im Aufstieg gesehen) umgangen bzw. überwunden werden. Ich wähle eine Route sehr hart am Wasserfall vorbei, so komme ich auf ein knappes und ausgesetztes T5. Der Aufschwung kann weiter unten einfacher umgangen werden. Anschliessend folgt man weiter dem Bach bis zu einer nächsten, noch höheren Giesse. Auch diese kann im Aufstieg gesehen auf der linken Hangseite über steiles Gras überwunden werden (T4 bis T5). Nun folgt man noch ein kleines Stück dem Bach und überwindet problemlos noch ein drittes, kleines Giesselein. Hinter dieser Giessen steht man mitten in einer steilen Landschaft aus Wald, Fels und Gras....wunderbar.

Dann folgt das Herzstück der Tour. Nach diesem dritten Giesselein geht man noch etwa zehn Meter dem Bach entlang weiter, bis auf der rechten Hangseite (im Aufstieg gesehen), kurz vor einem grossen Felsblock, ein kurzer Sporn unter eine Nagelfluhwand führt. Diesem Sporn wird bis zur Wand gefolgt (ca. 15m). Man wendet sich nach rechts und gewinnt über einen hohen Tritt (ein guter Meter) und dank eines Bäumligriffes ein sehr schmales Bändchen, das nach einem weiteren Schritt nach rechts in ein schmales Nagelfluhbett eines Rinnsals leitet (T6). An dieser Stelle eröffnet sich ein ganz kleines Tälchen, das links und rechts von zwei sehr steilen Graswänden und ein Stück weiter vorn durch eine weitere Nagelfluhstufe begrenzt wird. Ich bezweifle, dass da jemals einer war. Ich stemme mich einen Meter im Bett des Rinnsals hoch und gewinne über zwei Bäumligriffe eine Graskante im Grashang linkerhand. Dieser Graskante wird bis zur nächsten Nagelfluhstufe gefolgt (T6, 5m). Das eine Bäumli hält einer weiteren Belastung ev. nicht mehr Stand. Ich rate also erst wieder zu einer Wiederholung, wenn es bessere Wurzeln geschlagen hat. Nun wird das ganze Tälchen gleich unterhalb der Nagelfluhstufe auf einem Grasband gequert, bis man auf der anderen Seite ist (T6, 10m). Hier eröffnet sich dann endlich ein lehmige, feuchte Runse, die einen einfachen Ausstieg ermöglicht. In dieser Runse kämpft man sich bis auf einen Sporn hoch und klettert diesem entlang bis auf den Hörnligubelweg (T5 bzw. erstklassiges Z5 mit tollen Wurzelgriffen und schöner Kletterei).

Auf dem Hörnligubelweg wendet man sich (kommt man im Aufstieg auf den Weg zu) nach links und folgt dem Weg über ein kleines Bächlein hinweg. Etwa 5m nach dem Bach steigt man rechts den Hang hoch und gewinnt nach guten 10m einen hier ansetzenden und schwach ausgeprägten Sporn. Diesem Sporn folgt man durch steiles, gut gestuftes Gras, bis der Sporn ausgeprägter und auch schmaler wird. Nach einem weiteren Stück steht man unter der nächsten Nagelfluwand (direktes Aussteigen scheint gut möglich). Das ganze ist im T4+ zu machen.

An dieser Stelle wende ich mich (wie immer im Aufstieg gesehen) nach rechts und quere direkt in die gewaltige Gipfelwand hinein. Eine erste deutliche Rippe wird erreicht (Direktausstieg scheint möglich), doch es wird weiter gequert bis zur nächsten deutlichen Rippe. Auf dieser nächsten Rippe (sieht verheissungsvoll aus: steiles Gras, wenig Wurzeln, kleine Felsstufen!) wende ich mich nach links und steige der Rippe entlang gerade empor bis unter die letzte Nagelflustufe. Auch hier scheint ein direkter Ausstieg möglich, ich entscheide mich aber für eine etwas angenehmere Lösung (bis hierhin T5 bzw. Z5):

Unter der Nagelfluhwand wende ich mich nach links (ja,ja, im Aufstieg gesehen) und quere unter der Wand hindurch bis zu einer grasigen, lehmigen Rinne. Diese Rinne kann bis beinahe zum Aussiteg verfolgt werden (T4). Ich halte etwas links (ja,ja, im....) greife einige Wurzeln, die sich in die Luft hinaus verflochten haben und schwinge mich über eine letzte kleine Stufe auf den Wanderweg hinauf und in zwei Minuten zum Triangulationspunkt (zum Schluss hin wieder heikel, T5). Beim Ergreifen der Wurzeln hätte es mich doch beinahe noch hinausgedonnert in die Westwand...da hab ich am Schluss etwas zu sehr "gehaudert" angesichts des nahen Gipfelerfolgs. Uff, Glück gehabt.

Routenname: "Gesuchter Weg" heisst die Route deshalb, weil einige Querungen vorkommen und weil ich einige günstige Gelgenheiten zum Ausstieg ausgelassen habe. Ich war halt nunmal da und wollte diese Westwand auskundschaften. Das nächste Mal darf es gerne wieder moderater sein.....

Tour im Alleingang.


Tourengänger: ossi

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Kommentare (3)


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Delta Pro hat gesagt: sehr schöne Tour!
Gesendet am 21. Juni 2007 um 07:17
Danke für den ausführlichen Eintrag. Die Hörnli-Westwand hält noch einiges an Überraschungen bereit!

danueggel hat gesagt: Donnerwetter !!!
Gesendet am 21. Juni 2007 um 10:25
Sehr spannend...
Das mit dem "Hinausdonnern" kenne ich nur zu gut, ist mir auch fast passiert, als ich einst (natürlich von Delta inspiriert) in der Hörnli-Westwand unterwegs war und einem morschen Baumstamm mein Gleichgewicht anvertraute. Ich war aber wohl doch etwas konservativer unterwegs als du (max.T5). Ich freue mich darauf, bei meinem nächsten Abstecher das (oder den?) Hörnli von einer ebenso "wilden" Seite zu erleben...

ossi hat gesagt: RE:Donnerwetter !!!
Gesendet am 21. Juni 2007 um 12:40
Wir freuen uns auf Deinen Bericht aus der Wand....;)
Gruss
ossi


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