Ruchstock 2814m (Überschreitung), inkl. Chaiserstuel 2400m


Publiziert von Bombo , 9. Februar 2011 um 22:22.

Region: Welt » Schweiz » Nidwalden
Tour Datum: 9 Februar 2011
Ski Schwierigkeit: S-
Wegpunkte:
Geo-Tags: Chaiserstuelgruppe   CH-NW   CH-UR   Ruch- und Walenstockgruppe   Bauen - Brisen - Bürgenstock 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:mit Seilbahn von Fell zur Chrüzhütte - Chaiserstuel - Abfahrt, Traversierung & Anstieg zu P. 2245 - Ruchstock 2814m - Schwarzgraben - Urnerstafel - Chrüzhütte - mit Seilbahn retour nach Fell
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wolfenschiessen - Oberrickenbach - Seilbahn bis Chrüzhütte (Einfache Fahrt CHF 12.00 pro Person, Retour CHF 21.00, Halbtax & GA werden nicht akzeptiert). Oberrickenbach ist auch mit ÖV erreichbar.
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Berggasthaus Urnel Staffel
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 245 S "Stans"

Bannalper Klassiker: Überschreitung Ruchstock von NE nach NW


Der Ruchstock mit seiner markanten Nordwestwand hat vorallem von der Bannalper-Seite aus etwas Bedrohliches. Steile, felsdurchsetzte Schneerampen führen in Gipfelnähe - aus der Distanz sieht man hier keinen wirklichen Gipfelerfolg. Die Lösung findet man dann jedoch im Nordanstieg  via Bannalper Schonegg oder aber dann tatsächlich durch die steile Westflanke, welche ich persönlich lieber als Abfahrt zur Vollendung der Überschreitung auswähle. Beide Aufstiege vermitteln jedoch dank Portage noch ein wenig alpinistisches Feeling, wobei seit wenigen Tagen der Nordaufstieg mit der Felsstufe durch ein Fixseil entschärft wurde.

Kurz nach 9.00 Uhr starte ich bei der Bergstation bzw. Chrüzhütte 1713m und traversiere mit möglichst wenig Höhenverlust nach Räckholteren 1885m, von wo aus es ziemlich flach zur Bannalper Schonegg geht. Für den Chaiserstuel bevorzuge ich den steilen, sonnendurchfluteten Südhang kurz vor der Schonegg - dieser ist jedoch derart mit einer Schmelzharsch-Kruste überzogen, dass es keine Rolle spielt, ob man nun den längeren Weg via Schöneggeli 2250m oder eben den Südhang als Aufstieg wählt. Das Skidepot mache ich direkt am Fusse der wenig hohen Südostwand und steige um 10.35 Uhr die letzten Meter durch den brüchigen Fels zur Gipfelfläche des Chaiserstuel 2400m auf.

Das Panorama lässt sich schon hier geniessen - erschreckend die fast schneelose Südwestseite des Haldigrates mit Brisen und Hoh Brisen. Eine Gemse wird durch den Militärhubschrauber aufgeschreckt, 2 Schneeschuhläufererinnen sowie eine Skitourengängerin geniessen ebenso den Chaiserstuel-Gipfel. Mein Blick schweift Richtung Nordwand des Ruchstock - von hier lässt sich sehr gut die Aufstiegsroute studieren.

Die knappe Schneemenge zwingt mich um 11.00 Uhr, den Ruchstock-Aufstieg nicht direkt via Schöneggeli zu erreichen, sondern mittels Traverse in den von der Sonne völlig aufgeweichten Osthängen der Bannalper Schonegg. Im Nachhinein stufe ich diese Traverse wegen drohenden Nassschneelawinen als ziemlich heikel ein - mein Bauchgefühl war während der Traverse nicht sonderlich gut dabei. Vorsichtig, aber dennoch möglichst schnell aus der Gefahrenzone, fuhr ich zur Traversenspur, welche direkt vom Schöneggeli 2250m her kommt und folge dieser bis östlich von P. 2245m, von wo es nur noch aufwärts geht.

Westlich am Oberberg vorbei und schon bald erscheint die berüchtigte Felsstufe, welche infolge Ausaperung meistens nur noch zu Fuss und wohl kaum mehr mit den Skis bewältigt wird. Vor wenigen Tagen wurde hier ein praktisches (jedoch in meinen Augen überflüssiges) Fixseil errichtet - Personen, welche wieder über diese Route absteigen, können nun getrost Pickel & Steigeisen zu Hause lassen. Es folgt nun noch der Schlusshang mit der steilen Traversierung (möglichst hoch am Felsen), für welche es klar sichere Bedingungen erfordert.

Mit Erreichen der Sonnenstrahlen steht man auch bereits kurz vor dem Ziel, noch wenige Meter mit den Skis oder wie akutell infolge vielen Steinen zu Fuss und man steht auf dem Gipfel des Ruchstock 2814m. Das Panorama, wie so oft in den letzten sonnigen Hochdruck-Tagen, lässt keine Wünsche offen - immer sehr impossant der Titlis wie auch die Spannörter, heute speziell vom Ruchstock sei der Engelberger Rotstock und Wissigstock erwähnt, welche sicherlich beim einen oder anderen als nächste Tourenziele notiert werden.

Der Wind hinterlässt nach rund 30 Minuten Pause doch den einen oder anderen "Goose-Bumps" auf dem Körper, Zeit für die Abfahrt. Ich entscheide mich für die Überschreitung und somit für den steilen Fussabstieg sowie den steilen Westhang - beide Etappen erfordern absolut sichere Bedingungen. Flach fahre ich vom Gipfel ein paar Meter nach Nordwesten, von wo aus man Einblick in die erste Abstiegsetappe hat. Den zweiten Abstieg wird einem noch vorenthalten - es sieht jedoch von oben "cheibe gfürchig" aus.

Ich binde die Skis auf und entscheide mich für Steigeisen und Pickel - im Nachhinein hätte der Pickel gereicht. Über gute Fussspuren steige ich die ersten Höhenmeter hinunter und habe nun Einsicht in die weitere Etappe: zuerst über ein paar schneegefüllte Felsen und dann noch eine steile Schneerampe hinunter - hätte es mehr Schnee, könnte man dieses Stück steil mit den Skis abfahren. Dank guten Fussspuren ist dieser Abstieg jedoch problemlos - einzig die Skis am Rücken wollen beim Front-Abstieg immer im Schnee einhängen, weshalb man halbwegs gezwungen wird, den Abstieg rückwärts zu bewältigen.

Man erreicht nun den Sattel und infolge vielen Steinen steigt man besser noch ein paar Meter zu Fuss in den Westhang hinunter - aktuell gibt es dort einen praktischen Platz, wo man bequem die Skis anziehen kann. Es folgt die ruppige Abfahrt durch den steilen Westhang - unmittelbar entlang an der furcheinflössenden Nordflanke des Ruchstock. Dann die kurze Traversierung in den Schwarzgraben und von dort in einem Schneequalitäts-Tuttifrutti hinunter nach Urnerstafel 1690m (14.00 Uhr), wo sich die Sonne jahreszeit-konform bereits schon wieder verabschiedet hat und einem zwingt, sofort zum sonnengetränkten Bänkli bei der Seilbahn-Bergstation oberhalb der Chrüzhütte 1713m aufzusteigen. Um 14.20 Uhr beende ich dort meine Tour, um 14.40 Uhr beendet die verschwindende Sonne das gemütliche Ausklingen - gerade gut, dass immer stündlich die Seilbahn zu Tale nach Oberrickenbach / Fell 902m gondelt.


Fazit:

Das Schattenloch Bannalp - bekannt für die pulvrigen Abfahrten nach Neuschneefällen (sofern sich dann der Schnee gesetzt hat) - hält mit dem Laucherenstock sowie den Ruchstock wirklich zwei ganz schöne Skitouren bereit, welche unbedingt einmal ausprobiert werden sollten. Die Überschreitung wie oben beschrieben dürfte vermutlich etwas vom Schönsten im Gebiet sein - aktuell darf man infolge der schlechten Schneequalität einfach keine grossen Erwartungen an die Abfahrt haben (dafür aber herrschen sichere Bedingungen vor).


Start Chrüzhütte 1713m: 09.05Uhr
Chaiserstuel 2400m: 10.35 Uhr (Pause bis 11.00 Uhr)
Ruchstock 2814m: 12.40 Uhr (Pause bis 13.10 Uhr)
Urnerstafel 1690m: 14.00 Uhr
Ende Chrüzhütte 1713m: 14.20 Uhr


SLF: "Gering"


Tour im Alleingang.




Route Nr. 530a, 531a, 531b  - SAC Zentralschweizer Voralpen & Alpen - M. Maier
Route Nr. 301, 302a, 302b - SAC Alpine Skitouren Zentralschweiz - Tessin - W. Auf der Maur



Tourengänger: Bombo

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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt: schöne Unternehmung,
Gesendet am 17. Februar 2011 um 10:16
doch sehr "gäch" -
ich versuch dann mal erst im Sommer den Aufstieg über die NE-Flanke ...

lg Felix


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