Cristallina 2912m


Published by Bombo Pro , 4 February 2011, 18h55.

Region: World » Switzerland » Tessin » Bellinzonese
Date of the hike: 2 February 2011
Ski grading: AD
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Cristallina   Gruppo Pizzo Castello   Gruppo Pizzo San Giacomo   Gruppo Basodino 
Time: 5:15
Height gain: 1650 m 5412 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:Ossasco - Val Torta - Passo di Cristallina - Cristallina - Lago Sfundau - Lago Bianco - Cap. Basòdino
Access to start point:Airolo - richtung Nufenenpass - Ossasco (kostenlose Parkplätze nach dem letzten Haus, Info-Tafel über Cap. Cristallina & Cap. Basodino, Beginn der Aufstiegsspur)
Access to end point:Die Cap. Basodino ist im Winter nur mit den Skis zu erreichen. Im Notfall könnte man evtl. mit der Kraftwerk-Seilbahn von Robbiei zu Tale fahren - diese wird regelmässig von den Kraftwerk-Angestellten gebraucht.
Accommodation:Capanna Cristallina CAS 2575m, Capanna Basodino CAS 1856m
Maps:LK 1:50'000, Bl 265 S "Nufenenpass"

Tag 1: Cristallina 2912m - ein Klassiker im Bedrettotal


Die Bedretto-Combo "Cristallina / Basòdino" stand sicher schon über 2 Jahre auf meiner Projektliste - mal waren's die herrschenden Lawinengefahren, dann wieder das fehlende Wetterfenster, welches zu keiner Realisation geführt haben. Nun schienen die Bedingungen aber zu passen, also nichts wie los. Mit in den Rucksack gehören v.a. für den Fussaufstieg zum Basòdino Pickel und Steigeisen, auf ein Seil - wie in der Führerliteratur erwähnt - kann aber bei guter Trittsicherheit und Grunderfahrung verzichtet werden - Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel. Weiter muss für die Übernachtung in der unbewarteten Basòdino-Hütte das notwendige mitgenommen werden - eine Packung, welche man 2 Tage lang zwischen 1650 und 1800 Aufstiegsmeter mit sich trägt. 

Start um 09.00 Uhr in Ossasco 1313m - in Gedanken hoffte ich bereits auf einen Autostop von All'Acqua nach Ossasco am Folgetag - und über den teilweise vereisten und meist ruppigen Sommerweg hoch zur Alpe di Cristallina. Durch das lawinengefährdete Val Torta weiter zum Passo Cristallina 2568m, wo auch die aktuell unbewartete Capanna Cristallina 2575m steht. Aufgrund des starken Windes und der Neugier, wie der Holzklotz von innen ausschaut, genoss ich dort eine fast stündige Pause und erfreute mich über den warmen und grossen Aufenthaltsraum, die modernen sanitären Einrichtungen, die Winterküche mit den notwendigen Utensilien (direkt im Aufenthaltsraum integriert) sowie über den praktischen Eingangsbereich und die gemütlichen Schlafzimmer mit Duvets. Gerne würde ich hier anstatt "im Loch unten" bei der Basòdino-Hütte nächtigen, aber das Tourenprogramm nimmt auf den Komfort weniger Rücksicht.

Um 12.25 Uhr - 4 andere Tourengeher, welche sich ebenfalls in der Hütte aufgewärmt haben, verliessen die Gegend Richtung All'Acqua bzw. Ossasco - setzte ich meine einsame Tour fort und stieg durch die gegen den Schluss steiler werdende Nordwest-Flanke bis zum Skidepot, 13.15 Uhr. Von dort ohne Steigeisen & Pickel ohne Schwierigkeiten zum Gipfel der Cristallina 2912m, 13.35 Uhr.

Das Traumwetter liess punkto Panorama keine Wünsche offen - vorallem der Blick auf das morgige Tagesziel, den Basòdino 3272m, genoss ich sehr. Nur fegte aber noch immer ein zügiger Wind um die Ohren, entsprechend kurz hielt ich die Gipfelrast und stieg wieder ab zum Skidepot und machte mich sogleich auf die Abfahrt. Diese überraschte mich in der NW-Flanke mit einem Mix aus schönem Pulver und windgepresstem Schnee und bot in der lawinengefährdeten Traversierung entlang am Ostufer des Lago Sfundau fast schon frühlingshafte Verhältnisse. Es empfiehlt sich, aus Sicherheitsgründen die Verschnaufpause erst am südlichen Ende des kleines Sees zu machen, wo man sowieso für einen kurzen Gegenanstieg wieder anfellen muss. Ebenso warnt die Führerliteratur vom Betreten des Sees, da infolge von Kraftwerkbauten das See-Niveau starken Veränderungen unterworfen ist und sich deshalb keine regelmässige Eisschicht bilden kann.

Den Sattel nach dem kurzen Aufstieg erreicht, geht es nun steil in südwestliche Richtung (beim Sattel oben stehend rechts und nicht links!) runter, wo man schon bald die eingeschneite Zubringerstrasse zur Kraftwerk-Seilbahnstation bei Cortina zu Gesicht bekommt. Das Strassentunnel ist gerade noch von den Schneemassen befreit, nur sah ich die drohende Glatteisfläche und die folgenden Schottersteine im Tunnel zu spät - schon wieder Arbeit für meinen Skitechniker. Achtung auch vor den mächtigen Eiszapfen, welche bedrohlich von der Tunneldecke runterhängen. Vom Tunnelausgang geht es nun in einer langen Traversierung der mit meist lawinenschnee überdeckten Strasse weiter entlang dem Ostufer des Lago Bianco. Südlich davon wechselt die Strasse die Bachseite und mit Vorteil bleibt man auf der Strasse. Die Führerliteratur rät von der Benützung des Bachbettes ab. Nun heikel westlich dem Bach entlang auf der Strasse nach Robiei - heikel deshalb, weil nach der Bachüberquerung latente Lawinengefahr droht. Trotz sicher gemeinten Bedingungen hörte ich mehrmals ein Setzen der Schneemenge und da es dort kein Zurück mehr gibt (man spricht hier von der "Mausefalle") mit Vollgas raus aus der Gefahrenzone. 

Beim Hüttenwegweiser kurz vor Robiei hielt ich mich an die vorgeschlagene Richtung und fuhr so ziemlich direkt zur Capanna Basòdino 1856m - man könnte auch der Strasse bis zur Seilbahnstation folgen und von dort problemlos durch ein kurzes Tunnel die Hütte erreichen. 15.00 Uhr, Ziel erreicht.

Hier genoss ich inmitten einer Seilbahn-Maschinerie - die Seilbahn fuhr noch bis zur Dämmerung, komischerweise meist ohne Last und ohne Personal - die letzten Sonnenstrahlen (und diese verschwinden um diese Jahreszeit schon sehr bald!) und richtete mich für die bevorstehende Nacht in der Hütte ein.


Fazit:

Die Tour auf die Cristallina 2912m wird in der Führerliteratur als den meistbesuchtesten Berg im Val Bedretto erwähnt. Nachdem ich nun doch die meisten bekannten Bedrettogipfel mit Skis bestiegen habe, muss ich sagen, dass es lohnenswertere Touren gibt (Chüebodenhorn, Pizzo Rotondo, Pesciora, ...). Zugegeben, die Aussicht v.a. auf den Basòdino ist grenzenlos schön - aber diese hat man von den meisten Gipfeln im Bedrettotal. Der eher etwas langweilige Aufstieg zum Passo Cristallina wird dann dafür mit einer tollen Abfahrt bis zum Lago Sfundau entlöhnt - gute und sichere Schneebedigungen vorausgesetzt. Die Fortsetzung zur Cap. Basòdino ist dann eher schon "stressig", da man nicht zuviel Zeit in den Gefahrenzonen verbringen sollte - und diese sind eben doch über eine längere Abfahrtsdistanz vorhanden.


Capanna Basòdino 1856m

Die durchgehend offene Hütte ist im Winter meistens nicht bewartet, bei Gruppen evtl. auf Anfrage. Sie ist wie folgt eingerichtet:
  • Aufenthaltsraum: elektrischer Heizstrahler, elektrischer Strom (inkl. Steckdose) und ein Nottelefon (mit welchem man jedoch nur Notruf-Nummer und keine privaten Nummern wählen kann, Orange-Mobile hat kein Empfang!)
  • Küche: elektrische Herdplatten & Backofen, Geschirr, Lavabo ohne fliessendes Wasser (dieses kann in der offenen Toilette aus dem Wasserhahn geholt werden)
  • Toilette / Dusche: 1 Toilette mit ständig fliessendem Wasser offen, restliche Räume inkl. Dusche geschlossen
  • Schlafraum: 2 Räume offen, Duvets und Kissen. Sehr kalt, da direkt unter dem Dach, evtl. vorher Heizstrahler in den Raum stellen)


Start Ossasco 1313m: 09.00 Uhr
Cap. Cristallina 2575m: 11.30 Uhr (Pause bis 12.25 Uhr)
Cristallina 2912m: 13.35 Uhr (Skidepot 13.15 Uhr)
Cap. Basodino 1856m: 15.00 Uhr


Hier der Bericht vom Folgetag auf den Basòdino 3272m mit Abfahrt über die Kastellücke nach All'Acqua bzw. Ossasco


SLF: "Mässig"


Tour im Alleingang.




Route Nr. 406, 457a, 401 - SAC Alpine Skitouren Zentralschweiz - Tessin - Willy Auf der Maur
Route Nr. 75, 438 - SAC Die schönsten Skitouren der CH - Scanavino / Gansser / Auf der Maur



Hike partners: Bombo

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Comments (1)


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Felix says: sehr schön anzusehen ...
Sent 5 February 2011, 09h22
auch wenn es doch anstrengend und nicht ungefährlich gewesen zu sein schien!

lg Felix


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