Stössenstock 2940m


Publiziert von Bombo , 5. Januar 2011 um 21:33.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 5 Januar 2011
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: S-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-OW   CH-UR 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1420 m
Abstieg: 1420 m
Strecke:Gorezmettlen (Winterstrassen-Sperre) - Sustenbrüggli rechts - Chlialp - Wyssgand - Hohbergtal - Wichelplanggfirn - Skidepot links unterhalb Stössenstock - mit Steigeisen & Pickel sowie Fixseil hoch auf den Sattel - anschl. Fussaufstieg auf den Gipfel - Abfahrt dito
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wassen - Richtung Sustenpass - Meien - bis zur Winter-Sperre (wenig unterhalb Gorezmettlen)
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 255 S "Sustenpass"

Stössenstock 2940m - ein unscheinbares Skitouren-Eldorado


Nachdem ich gestern bei der Fluebrig-Skitour ausnahmslos nur Bruchharsch vorgefunden hatte, gab ich die Hoffnung auf frischen Pulver irgendwo in einem für mich gut erreichbaren Skitouren-Gebiet schon fast auf. Mein letzter Joker bestand noch im Besuch des Meientals, welches die letzten Tage auf anderen Touren-Homepages doch sehr viele positive Kritik erntete. Nichts wie los also auf den Stössenstock 2940m beim Grassengrat - und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Bei -4 Grad bei der Winterstrassen-Sperre wenige Meter unterhalb von Gorezmettlen gestartet, die Sustenpassstrasse hoch bis zur Brücke, dort rechts ins Chlialp-Tal bis nach Wyssgand, von wo man einen guten Einblick ins Hohbergtal hat.

Hier hat man die Möglichkeit - je nach Bedingungen - entweder direkt durch die ruppige Rinne hochzusteigen (Spitzkehren ahoi!) oder aber durch die sonnigen Südhänge südlich von Steinschlag. Aus Trainingsgründen entschied ich mich für die anspruchsvollere Variante - direkt hoch in der Rinne. Es hatte zwar bereits eine Aufstiegsspur, diese jedoch war aufgrund des mit zahlreichen Felsbrocken durchsetzten Gelände alles andere als ein Leckerbissen - aber immerhin, besser als gar nichts.

Nach diesem schweisstreibenden Aufstieg hat man's dann definitiv mit Spitzkehren gesehen - ich weiss nicht, wann und ob ich überhaupt schon einmal derart viele Kehren machen musste. Aber ein gutes Training ist es alleweil. Ende Hohbergtal dann noch ein Meter weiter Richtung Nordwesten und endlich wieder Sonne - hier lässt es sich gut eine erste Pause machen.

Weiter geht's auf schönsten Pulververhältnissen westlich vorbei an P. 2327, anschliessend wird der Gletscherabbruch westlich umgangen bevor man den Wichelplanggfirn betritt. Auch hier herrschen aktuell perfekte Aufstiegs- wie auch Abfahrtsverhältnisse. Vom Firn aus kann man auch bereits das Aufstiegs-Couloir mit der Lücke begutachten, ebenso sieht man nun sehr schön das Gipfelziel, den Stössenstock, vor Augen.

Es folgt noch der steilere Schlusshang zum Skidepot östlich des Wichelplanggstock, welcher nun wieder im Schatten ist, was aber aufgrund des bisherigen schweisstreibenden Aufstiegs keine Rolle spielt. Ich errichte das Skidepot direkt beim Ende des mit Knoten versehenen Fixseiles und entscheide mich aufgrund der Trittspuren für einen Aufstieg ohne Steigeisen, jedoch mit Pickel in der Hand. Die ersten Meter geht dies noch ganz gut, doch schon bald stehe ich auf sehr wackligen Füssen, denn der Schnee ist weicher als ich gedacht habe und so rutscht mit der Untergrund ständig unter den Füssen weg - zum Glück gibt's noch das Seil... Die Knotenabstände sind aber gerade in so einer brenzligen Situation doch eher weit voneinander entfernt - mit Glück und einem 200er-Puls erreiche ich dann mit viel Zeitverlust die längst ersehnte namenlose Lücke, von welcher es weiter zu Fuss auf den Gipfel geht.

Nach diesen Strapazen entscheide ich mich auf der Lücke für die Steigeisen, denn spätestens für den Abstieg möchte ich diese sowieso an den Füssen haben. Der folgende Fussaufstieg wird zwar als "wenig schwierig" taxiert, kann man auch gelten lassen, ein Ausrutscher hätte dennoch fatale Folgen - ich kann bei den aktuellen Verhältnissen eigentlich nur raten, Steigeisen und Pickel oder mind. 1 Skistock einzusetzen. Später nach mir ist noch eine 3er-Gruppe zum Gipfel aufgestiegen - alle ohne Eisen - es geht also auch ohne, jeder muss es für sich selbst wissen.

Den Gipfel des Stössenstock 2940m erreiche ich nach exakt 4h, alle Pausen und Zeitfressen im Aufstiegs-Couloir eingerechnet, und wie erwartet werde ich von diesem Gewaltspanorama nicht enttäuscht. Sonne pur, Fernsicht bis fast unendlich - lediglich ein leichter, manchmal fieser Gipfelwind bläst - hier könnte man wirklich stundenlang verweilen. Ich gönne mir 15 Minuten Gipfelpause und mache mich entlang der Aufstiegsspur wieder auf den Rückweg - die Lücke erreiche ich problemlos schon nach wenigen Minuten. Auch der Abstieg entlang dem Fixseil verläuft ohne Probleme, einzig die 3er-Gruppe kann es nicht lassen, noch während ich in der Falllinie meine Sachen zusammenpacke, den Aufstieg entlang dem Seil in Angriff zu nehmen und prompt gibt's ne Schneedusche von oben... ein bisschen mehr Rücksicht könnte nicht schaden.

Die folgende Abfahrt über den Wichelplanggfirn hinunter zum Hohbergtal ist schlichtwegs traumhaft. Einzige der steilere Südosthang unterhalb des Skidepots ist teilweise gedeckelt, doch kaum auf dem Firn stiebt es nur noch unter den Skiern. Ich wähle die Linie am westlichen Rand des Firnes und befahre die Südost-Flanke des Murmetplanggstockes - ein absoluter Traum. Einzig bei einem steileren Geländerücken löse ich eine kleine Lockerschneelawine aus, welche sogar mich selbst rund 5 - 10 Meter mitnimmt - ich konnte aber nach einem Absitzer wieder selbsständig aus der schwimmenden Masse rausfahren und war froh, dass mein Airbag ungebraucht im Rucksack blieb.

Es folgt ein flacheres Zwischenstück bis eingangs Hohbergtal - hier sollte man aktuell unbedingt links vom Tal, in den Südhängen Nähe Steinschlag  1915m, runterfahren, da die rechte Talseite zu wenig Schnee im Schlusshang nach Wyssgand aufweist und die Rinne selbst wegen den vielen Steinbrocken viel zu ruppig ist.

Bei Wyssgand treffe ich wieder auf Sonne, entsprechend gönne ich mir hier nochmals eine ausgiebige Pause, bevor ich dann in der Aufstiegsspur zurück zur Passstrasse und diese hinunter nach Gorezmettlen zum Auto fahre. Die "Kafi-Damen" fehlen heute, vermutlich werden sie an den Wochenenden bei schönem Wetter ihre kulinarischen Köstlichkeiten anbieten.


Fazit: Der so unscheinbare Stössenstock - auf der 50'000er Skitouren-LK nicht einmal mit Namen versehen - sollte eigentlich in keinem Skitouren-Palmarès fehlen. Ein wilder, schöner und ruhiger Aufstieg, ein Fussaufstieg mit der nötigen Würze (Pickel & Steigeisen empfohlen!), ein Gipfelpanorama, welches keine Wünsche offen lässt und eine Abfahrt, bei welcher man mehr als nur einmal ein Freudejauchzer von sich geben kann. Es ist wie's ist - das Meiental gehört vermutlich zu den schönsten Skitouren-Gebieten in den Urner Alpen.


Start Gorezmettlen: 08.25 Uhr
Erstes Mal Sonne: 10.05 Uhr (Ende Hohbergtal)
Skidepot 11.25 Uhr
Gipfel: 12.20 Uhr (viel Zeit für Couloir-Aufstieg benötigt, ginge mind. in halber Zeit)
Skidepot: 13.00 Uhr
Pause Wyssgand: 13.30 Uhr bis 13.55 Uhr
Ende Gorezmettlen: 14.05


SLF: "Mässig"


Tour im Alleingang.




Route Nr. 574b - SAC Zentralschweizer Voralpen & Alpen - M. Maier (ZS- trifft nicht zu!)
Seite 300 - SAC  Zentralschweiz / Tessin - Willy Auf der Maur



Tourengänger: Bombo

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