Hoher Freschen 2004 m via Binnelgrat


Publiziert von alpstein Pro , 14. November 2010 um 18:16.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Tour Datum:14 November 2010
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 4:15
Aufstieg: 870 m
Abstieg: 870 m
Strecke:Unterfluhalpe - Binnelalpe - Binnelgrat - Hoher Freschen und retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über Dornbirn - Richtung Ebnit - vor Bushaltestelle Niedere Richtung Unterfluhalpe-Sattelalpe abbiegen und dann ca. 6 km Alpweg bis Parkplatz Unterfluhalpe
Kartennummer:austrianmap.at und AV Führer

Gleich zweifach wurde der Hohe Freschen (2004 m) in Vorarlberg heute gestürmt. Einmal zeichnete der starke Föhn dafür verantwortlich. Dann waren wir es, die es dieses Jahr doch noch schafften über den Binnelgrat auf den Hohen Freschen zu gehen.
 
Es war ein Irrtum von mir, dass es sich bei dem Hohen Freschen lediglich um einen uninteressanten Grashügel im vorderen Bregenzerwald handelt. Ein Tourenbericht von Jackthepot  hat mich eines anderen belehrt und so fand der Gipfel Eingang in meine Liste „Tourenplanung“. Die Route, die ich mir zurecht gelegt hatte, sah einen Aufstieg über den Valüragrat und Abstieg über den Binnelgrat, beide weiss-blau-weiss markiert, vor.  Angesicht des frühen Wintereinbruchs und dem Hinweis von Jackthepot, dass bei der Begehung des Valüragrates eine heikle Querung zu meistern sei, haben wir aber vom Aufstieg über den Valüragrates Abstand genommen.
 
Heute Morgen um 9.00 Uhr sind wir am Parkplatz bei der Unterfluhalpe (1180 m) gestartet. Mit einer frischen Brise, die uns schon hier unten ins Gesicht wehte, stiegen wir in vielen Serpentinen in der schattigen Nordostflanke des Alpkopfes (1788 m) bergan. Dieser Weg ist völlig unschwierig (max. T2), wenn auch nicht mehr kinderwagentauglich. Teilweise lag etwas abgerutschter Schnee auf dem Weg, was aber kein Hindernis darstellte. Am Fluhjöchle (1620 m) angekommen, sieht man in den mittleren Bregenzerwald. Fast wolkenlose Verhältnisse herrschten und die Fernsicht war genial.
 
Von nun an ging es ohne große Steigung weiter zur Binnelalpe (1724 m). Die einzige Schwierigkeit bis dorthin bestand darin, die Sumpflöcher auf schmalen, hohen Rasenstreifen zu umgehen, ein ausgezeichnetes Balance-Training. Dabei musste man auch dem immer stärker werdenden Föhnwind, der aus südlicher Richtung unablässig blies, standhalten. Zeitweise war er so stark, dass es wirklich nicht mehr lustig war und kurz vor Erreichen des Binnelgrates zog ich sogar die Umkehr in Erwägung. Die Bemerkung eines gut 100 kg schweren Berggängers, dass er am Grat 2x stehen bleiben musste, um nicht hinunter geweht zu werden, stimmte nicht gerade optimistisch. Sein Nachsatz, dass der Wind etwas schwächer geworden zu sein scheint, ließ aber Hoffnung keimen.
 
Tatsächlich war es dann so, dass es am Binnelgrat im Windschatten des Hohen Freschen fast völlig windstill war. Der Gratweg selbst beginnt erst schmal und relativ eben, wurde dann aber zunehmend steiler. Die Drahtseile benötigten wir im Aufstieg aber erst im oberen Teil. Dort im Schatten lag auch noch mehr Schnee, als ich erwartet hatte und die letzten 20 Höhenmeter unter dem Gipfel erforderten dann wegen des steil nach Norden abfallenden Hanges noch höchste Konzentration und nach 2 Std. 15 Min. standen wir am Gipfelkreuz.
 
Es wurde der kürzeste Gipfelaufenthalt, an den ich mich erinnern kann, noch kürzer als letzte Woche auf dem Mutschen. In der „steifen Brise“ war an eine gemütliche Brotzeit nicht zu denken. Ein paar Fotos geschossen, einen Eintrag in das Gipfelbuch gemacht und schon ging es wieder bergab. Praktisch am Gipfelkreuz begann der heikelste Teil des gesamten Gratweges. Tiefe Spuren im ca. 30 cm hohen, leicht gefrorenen Schnee vereinfachten die Sache zwar etwas, die Tiefe gähnte unter uns, aber wir ließen uns nicht von ihr verschlucken und erreichten wohlbehalten das Drahtseil weiter unten, von dem wir dann im weiteren Abstieg doch noch gerne Gebrauch machten. Bei diesen winterlichen Verhältnissen ist eine T4 für die letzten 100 HM unter dem Gipfel ohne weiteres gerechtfertigt.
 
Am Ende des Grates fanden wir dann auch ein relativ windstilles Plätzchen, um bei einer Brotzeit das herrliche Panorama bis zum Schwarzwald zu genießen. Der weitere Weg führte ebenfalls über den Aufstiegsweg zum Auto zurück.

Hinweis: Die Bewertung T4 ist den aktuellen Verhältnissen geschuldet. Bei trockenen Verhältnisse  sonst max. T3. Mit Start bei der Unterfluhalpe erspart man sich eine lange Hatscherei von Ebnit aus. Der Zeitvorteil wird aber durch eine notwendige Autowäsche teilweise wieder wett gemacht, da die 6 km lange Zufahrt, überwiegend nicht geteert, doch sehr dreckig ist. Aufpassen muss man dabei auch, nicht eine falsche Abzweigung zu nehmen.
 
 

Tourengänger: alpstein, Esther58

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Kommentare (9)


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Jackthepot hat gesagt: Gratuliere,
Gesendet am 14. November 2010 um 21:41
Hallo Esther & Hanspeter
wars noch ein schöner Tag heute., oder?
Na, wenigstens sind die Klamotten noch einmal durchgelüftet worden, bevor sie jetzt in die Kiste kommen ;-)
Ich hoffe mein "Hausberg" hat euch gefallen - nächstes Frühjahr -zum 'Einlaufen' ist er wieder dran.
LG Harald

PS ich frage mich immer, wie du so schnell die Berichte fertig bekommst...?

alpstein Pro hat gesagt: RE:Gratuliere,
Gesendet am 15. November 2010 um 07:00
Hallo Harald,

trotz des teilweise stürmischen Windes war es ein schöner Herbsttag. Dein "Hausberg" hat uns gefallen. Schade war, dass wir auf die Gipfelrast verzichten mussten.

>PS ich frage mich immer, wie du so schnell die Berichte fertig bekommst...?

Alles Übung ;-) Es macht einfach Spaß

Beste Grüße
Hanspeter

Ivo66 Pro hat gesagt: ...windig
Gesendet am 14. November 2010 um 22:01
Hallo Hanspeter und Esther

Gratulation zum Hohen Freschen. Da hat der Wind wohl ordentlich an Tempo zugelegt; bei uns - etwa an der Quelle des Föhns - hat er sich noch mehr oder weniger vornehm zurückgehalten.

Eine gute Woche wünschen wir Euch!

Herzliche Grüsse

Ivo und Lena

alpstein Pro hat gesagt: RE:...windig
Gesendet am 15. November 2010 um 18:16
Hallo Ivo und Lena.

Danke für den Kommentar. Ja, wenn uns der Wind auch ganz schön um die Ohren gepfiffen ist, war es ein gelungener Tag, wenn wir auch nicht beide Grate machen konnten. Der Hohe Freschen ist durch seine freistehende Lage ein toller Aussichtsgipfel.

Wir wünschen Euch auch noch eine schöne Woche.

Herzliche Grüße
Hanspeter und Esther

Felix Pro hat gesagt: das scheint beinahe ein MUSS zu sein ...
Gesendet am 15. November 2010 um 19:24
... auf den Hohen Freschen zu gehen.

Ciao Hanspeter

Da hast du mir, mit Haralds weiterer Empfehlung, ja eine gute Tourenidee geliefert - hab Dank.

lg Felix

alpstein Pro hat gesagt: RE:das scheint beinahe ein MUSS zu sein ...
Gesendet am 15. November 2010 um 20:01
Hallo Felix

Danke, es gibt auch noch den ein oder anderen Gipfel im Bregenzerwald, der würdig wäre besucht zu werden.

Beste Grüße ins Emmental
Hanspeter

monigau hat gesagt: interessante Variante
Gesendet am 16. November 2010 um 13:33
die ihr da gemacht habt. Als ich den Grat vor einigen Wochen vom Gipfel aus runtergeschaut habe, hatte ich Respekt.

Gratuliere Euch und wünsche Euch für die nächste Tour
etwas weniger Wind!

Monika

alpstein Pro hat gesagt: RE:interessante Variante
Gesendet am 16. November 2010 um 17:33
Danke, Monika.

Das war wohl eine der kürzesten Routen, die zum Gipfel führen. Respekt haben ist besser, als unbedacht an die Sache heranzugehen. Wir hatten ihn auch bei der Schneepassage unter dem Gipfelkreuz. Bei schnee- und eisfreien Verhältnissen ist der Binnelgrat überhaupt kein Problem.

Deine Sonnenuntergangfotos vom Pfänder sind toll.

Beste Grüße
Hanspeter


monigau hat gesagt: Es freut mich
Gesendet am 17. November 2010 um 07:25
dass Dir meine Fotos gefallen, ich hatte das Glück, rechtzeitig an diesem schönen Ort zu sein.

Herzliche Grüße
Monika


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