Vom Rheintal über die Steilflanke auf den Mutschen 2122 m


Publiziert von alpstein Pro , 6. November 2010 um 19:14.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 6 November 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 1374 m
Abstieg: 1374 m
Strecke:Gams/Ord 748 m - Hardegg - Alp Loch -Uf de Better - Fälen - Mutschen und retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:über Kreuzlingen - Romanshorn - Rheintalautobahn bis Ausfahrt Haag - Gams - Chrezibach - Eichlitten - Ord
Kartennummer:map.geo.admin.ch und Kümmerly & Frey Säntis-Alpstein

Den Hohen Freschen in Vorarlberg hatten wir uns für heute eigentlich als Gipfel ausgeguckt. Der gestrige Blick auf die Wetterkarten von meteocentrale.ch mit Bewölkung und sogar Niederschlag am Säntis ließ aber gewisse Zweifel aufkommen, ob der nördliche Alpenrand die ideale Tourenregion ist, zumal es gestern schon am Bodensee doch ziemlich stark bewölkt war. Da musste für den Notfall ein Plan B her und da kam mir der Mutschen (2122 m) mit dem Aufstieg aus dem Rheintal in den Sinn. Wir waren zwar erst vor ein paar Wochen über den Normalweg dort oben, aber die Route von Gams aus haben wir noch nie angegangen.
 
Bei der Anfahrt heute Morgen dann starke Bewölkung am Bodensee und Wolken und Nebel Richtung Hoher Freschen. Beim Blick das Rheintal hinunter zeigte sich im Hintergrund die Sonne und es war klar, dass wir heute auf den Mutschen steigen werden.  In Gams angekommen lachte die Sonne, an den Abhängen des Alpsteins hatte es zwar Nebel, aber dazwischen kam auch schon der Gätterifirst zum Vorschein.

Das PKW parkten wir an einer Scheune bei Ord (748 m). Wie wir feststellen konnten, kann man sich auch noch ca. ½ Stunde Aufstieg ersparen und am Ende der geteerten Straße parken. Nach etwa 1 Std. 20 Min. haben wir über Wander- und Alpwege die Alp Loch (1232 m) erreicht (T1). Die einzige Gefahr bis hierhin bestand darin evtl. in den Kugelhagel von Jägern zu kommen, die in der Gegend herumballerten.
 
Der Schwierigkeitsgrad sollte sich nun aber ändern. Blaue Markierungen weisen nun die Richtung, wobei man nicht von einem Weg, sondern allenfalls von Wegspuren sprechen kann. Sehr häufig begangen scheint diese Route, die im SAC-Führer mit BG- bewertet wird, nicht zu sein. Bald einmal stellt sich eine Felsstufe in den Weg, die über einen steilen Pfad überwunden wird, der mit vielen Blättern überdeckt war und im Abstieg daher entsprechende Vorsicht erforderte. Danach quert die Route in nordöstlicher Richtung "Uf de Better" unter dem nächsten Felsband entlang.
 
Das Gras war hier relativ hoch und die Markierungen nicht immer auf den ersten Blick zu sehen. Hat man aber auf etwa 30 m keine blauen Pinselstriche mehr gesehen, ist man wahrscheinlich auf einer falschen Fährte, die alle paar Meter in Form von horizontalen Schafwegen lauert, die meist sehr viel besser ausgeprägt sind, als der eigentliche Aufstiegspfad. Das setzt sich bis zu den Felsen unterhalb des Grates so fort.
 
Etwa auf der halben Höhe des steilen Abhanges bei "Fälen" begegnete uns ein älterer Berggänger, der im Abstieg begriffen war. Es stellte sich heraus, dass er für das Gipfelbuch auf dem Mutschen verantwortlich zeichnet und heute wieder mal nach dem Rechten schauen wollte. Wir staunten nicht schlecht, als er uns verriet nun schon 78 Jahre alt zu sein, und dass er dieses Jahr schon um die 10 Mal am Gipfel gewesen ist. Jeden Morgen halte er sich nach dem Aufstehen, auch bei Eiseskälte, draussen mit 20 Liegestützen fit. Vor seiner Fitness kann man nur den Hut ziehen.
 
Mit ein paar Tipps zur Route und dem Verhalten in den Bereichen, wo noch Schnee liegt, stiegen wir weiter bergauf. Das letzte Stück vor dem Grat hatte es dann wirklich in sich, aber auch diesen äußerst steilen Abschnitt brachten wir gut hinter uns. Waren wir bis hierher im T-Shirt unterwegs, war es am Grat  (2048 m) bei eisigem Wind gefühlte 25 Grad kälter. Über den Grat gingen wir dann noch zum Gipfel, wo wir uns allerdings nicht lange aufhielten. Der Wind hatte den Nebel nun vollständig vertrieben. Ein paar Fotos gemacht und der Eintrag in das Gipfelbuch und schon ging es wieder bergab. Die Brotzeit haben wir besser vom Wind geschützt dann weiter unten eingenommen.
 
Über den Abstieg, der über die Aufstiegsroute ging, gibt es nur zu sagen, dass man auch hier wieder sehr aufpassen muss, dass man nicht auf einen Schafweg abdriftet. Trittsicherheit ist auf dieser Route oberstes Gebot. Bei Nässe, Schnee oder sonst schlechten Wetterverhältnissen kann ich nur von dieser Route warnen. Beim Abstieg sind auch bei trockenen Verhältnissen Stöcke sehr hilfreich. Die Bewertung T4+ von Wolfenstein halte ich für den Abschnitt Alp Loch – Mutschen, der immerhin fast 900 Hm aufweist,  trotz kaum vorhandener technischer Schwierigkeiten nicht für übertrieben.

Außer dem Gipfelbuchbetreuer haben wir sonst nur einen Bergläufer in Turnschuhen getroffen, der sich am Grat wohl selbst auch gefragt hat, ob er für die spätherbstlichen Bedingungen in seinem kurzhosigen Radleroutfit nicht fehl am Platz war. Den selben Pfad wieder abzusteigen hielt er für heikel und schlug dafür den Weg über die schneebedeckte Roslenalp zur Saxer Lücke ein.

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass bei Touren im Spätherbst auch Gummistiefel im Gepäck gute Dienste leisten können, wenn man, wie wir gestern beim Abstieg, einen während des Tages gegüllten Wanderweg durchschreiten muss. 


 

Tourengänger: alpstein, Esther58


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Kommentare (2)


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kurzhosig hat gesagt:
Gesendet am 8. November 2010 um 21:48
der bericht ist gut geschrieben, keine frage. nur hat sich der autor wohl selbst nicht gefragt, ob sein bericht vom kurzhosigen radler, der da oben fehl am platz war und sich offensichtlich nicht getraut, nicht doch gelesen wird. aber es war ja nur ein bergläufer in turnschuhen…

alpstein Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. November 2010 um 06:45
Schön, dass Du auch zu Hikr gefunden hast, wo Bergläufer ja sogar eine eigene Community haben.

Mein Kommentar galt weniger den Schuhen, sondern der eher spärlichen Bekleidung und wenn Du es zugibst, so wurdest Du, wie wir, auch von der Eiseskälte in der Gipfelregion überrascht. Das ist es, was ich sagen wollte.

Auf weiterhin schöne Touren.

Gruß
Hp


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