Bütziflue - Stockflue - Hochflue: Mini-Hikr-Treff im Rigi-Gebiet


Publiziert von marmotta , 31. Oktober 2010 um 19:08.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:30 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Rigigebiet   CH-SZ 
Strecke:Brunnen, Talstation Urmibergbahn - Stöck - Bütziflue - Stockflue via SW-Grat - Schwand (P. 1198) - Gottertli - Egg - Spitz - Rigi Hochflue - Zilistock - Grathüttli - Chäppeliberg - Rotzingel - Acher - Gersau
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Brunnen, Seilbahn Urmiberg
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Gersau, Schiffstation

Die ganze oder teilweise Überschreitung des Rigi-Kamms ist auf Hikr.org eine regelrechte Modetour geworden. Insbesondere der östliche Teil mit den felsigen Zacken "Bütziflue", "Stockflue" und "Hochflue" bietet auf (weiss-blau-weiss) markierten Wanderwegen hübsche Kraxelei in griffigem Kalk, meist klettersteigmässig durch Drahtseile und Eisenbügel abgesichert. Gerade bei feuchtem bzw. schneebedecktem Untergrund ist man auch um die zahlreichen zusätzlichen Griffmöglichkeiten froh, welche stabile Bäumchen und Wurzeln bieten. Herrliche Ausblicke auf den Vierwaldstättersee und dessen Arme sowie weit in die Urner und Berner Alpen machen die Tour, trotz der verhältnismässig geringen Höhe der zu besteigenden Högger, zu einem echten Highlight, das in keinem Tourenbuch fehlen sollte. Daher zögerte ich nicht lange, als alpstein zu einer bereits lange geplanten, jedoch immer wieder verschobenen Hikr-Gemeinschaftstour zusammen mit Esther58, Lena und Ivo66 aufrief.
 
Viel ist den hervorragenden Berichten (hier und hier) von Ivo66 und alpstein nicht mehr hinzuzufügen, jedoch erlaube ich mir, neben zusätzlichen Fotos einige persönliche Eindrücke -insbesondere zu dem von mir alleine als "Zugabe" angehängen Abstecher auf die Rigi Hochflue- wiederzugeben.
 
Bereits am Start an der Urmibergbahn in Brunnen staunten wir über die hohen Temperaturen, die uns das Föhnwetter bescherte. Glücklicherweise blieben wir bis auf wenige Momente, in denen wir an exponierten Orten dem Föhnwind ungeschützt ausgesetzt waren, von der enormen Blasekraft des "ältesten Urners" verschont.
 
Die Kraxelei auf der weiss-blau-weiss markierten Route zu den Felstürmen der Bütziflue ist sehr kurzweilig und bietet bereits tolle Ausblicke hinunter nach Brunnen und auf den Urnersee. Besonders schön ist momentan die Farbenpracht der Wälder und das sanfte Herbstlicht über dem See. Die senkrechte Felsstufe im Abstieg von der Bütziflue ist wirklich extrem exponiert. Gäbe es nicht die mit einem massiven Drahtseil gesicherte Route, käme es mir nie im Leben in den Sinn, da herunterzuklettern!
 
Die kurze Kraxelei ab der Blockhütte über den SW-Grat der Stockflue macht Spass und ist nicht schwierig. Mir persönlich gefällt es einfach, wenn es auch ohne künstliche Erschliessung mittels Drahtseilen und Eisen geht und die Felsen "naturbelassen" bleiben. Gut, an der Bütziflue geht es eben nicht anders, da ansonsten die Überschreitung nach Norden für Normalsterbliche schlicht nicht möglich wäre…
 
Ein besonders schöner Aussichtspunkt, der ohne Kraxelei auch von nicht Schwindelfreien erreicht werden kann, ist das Gottertli (1396 m). Selbstverständlich schweifte mein Blick von dort sofort zur Rigi Hochflue, die nach Südosten in abweisenden Felswänden abbricht und deren Ostgrat eine interessante Aufstiegsmöglichkeit bietet. Klar, dass es da für mich kein Halten mehr gab! Da der Rest der Truppe aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse an einer Besteigung zeigte, "erlaubte" mir Tourenführer alpstein eine Solobesteigung (danke nochmals!), während die Anderen den Gipfel nordseitig umgehen und via Gätterlipass zum Scharteggli wandern wollten.
 
Auf dem zunächst auf dem Ostgrat über den Spitz (1410 m) und dann kurzzeitig in der Nordflanke verlaufenden Aufstieg lag ab ca. 1400 m noch etwas Restschnee, der zu einer vorsichtigen Gangart zwang. An verschiedenen Stellen hätte ein Ausrutscher auf dem schmierigen Untergrund möglicherweise fatale Folgen. Technisch ist die Route -nicht zuletzt wegen der zahlreichen Versicherungen an allen kritischen Stellen- sehr einfach. Interessanter wäre der Aufstieg (bei trockenen Verhältnissen), wenn es all die künstlichen Hilfsmittel wie Eisenbügel und Drahtseile nicht gäbe. Ich persönlich fände es schöner, aber ich weiss natürlich, dass es da auch andere Meinungen gibt…
 
Die (weiss-blau-weiss) markierten Routen auf die Rigi Hochflue werden viel begangen und so verwunderte es auch kaum, dass mir selbst an diesem Tag bei vielleicht nicht optimalen Bedingungen (Restschnee) einige Wanderer entgegenkamen. So war zumindest in den schneebedeckten Querungen bereits eine Spur vorhanden.
 
Vom Gipfel genoss ich bei vorübergehend fast windstillen Verhältnissen (trotz Föhn!) die einzigartige Aussicht, von der ich mich kaum wieder losreissen konnte. Da jedoch meine Tourenpartner an der Alpsiedlung "Schwändi" warteten, brach ich dann doch irgendwann auf und eilte über die markierte Route in der Südflanke (die Föhren verströmen hier ein fast mediterranes Flair) zum Zilistock und von dort über einen (unter dem Schnee) kaum sichtbaren und ab dem Grathüttli (P. 1303) steilen Pfad (an einer Stelle Seilsicherung, was angesichts des steilen Geländes und des tückischen Laubs nicht ganz verkehrt ist) zum Chäppeliberg mit der kleinen Kapelle. Dort traf ich wieder auf die Anderen, die sich die Zeit damit vertrieben hatten, mit dem Hofhund zu spielen.
 
Gemeinsam nahmen wir dann den Abstieg nach Gersau unter die Füsse. Es war eine ganz tolle Tour, danke alpstein für die Idee und Esther58, Lena und Ivo66 fürs Mitkommen! Hoffentlich bald wieder einmal!  

Ein Mysterium gilt es noch aufzuklären: Mein (am Start auf Null gestellter) Höhenmesser zeigte am Ende kumuliert über 2000 Höhenmeter an! Ich hatte ihn während der Tour mehrfach kontrolliert und keinerlei Unregelmässigkeiten festgestellt, dennoch kann ich die Summe der im Aufstieg angeblich bewältigten Höhenmeter kaum glauben – kann dies jemand aufklären? 

Tourengänger: Ivo66, alpstein, marmotta, Esther58, Lena


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (10)


Kommentar hinzufügen

chaeppi Pro hat gesagt: Höhenmesser
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 19:24
Wir hatten gestern einen enormen Luftdruckabfall von 1027Hp auf momentan 999Hp erlebt. Da müsstest Du den Höhenmesser natürlich ständig neu justieren.

Gruss, chaeppi

felixbavaria hat gesagt: Höhenmesser
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 19:27
Hi marmotta,

ein kumulierender Höhenmesser zeigt tendenziell immer zu viele Höhenmeter an, da jeder Messfehler mit seinem Absolutbetrag in das Ergebnis eingeht. D.h. selbst wenn Du das Ding ein paar Stunden liegen lässt, hast Du einige 100 Hm gemacht :)

Vermutlich wird die Höhenkurve von Deinem Höhenmesser irgendwie geglättet (sonst wäre das Ergebnis meist völlig daneben), dann kommt es jedoch darauf an, wie stark diese Glättung ist.

Wie haben denn Deine Tourenpartner die Höhenmeter ausgerechnet? Komisch wäre es nur, wenn diese den gleichen Höhenmesser verwendeten und damit auf andere Ergebnisse kämen.

Eine Erklärung wäre, dass durch die Wetterbedingungen der Luftdruck stärker variiert als sonst (wobei ich keine Ahnung habe, ob das wissenschaftlich begründbar ist ;-))

Viele Grüße,
Felix

chaeppi Pro hat gesagt: RE:Höhenmesser
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 19:40
Ein Höhenmesser ist eigentlich nichts anderes als ein Barometer. Also wenn sich der Luftdruck auf der Membrane ändert, ändert auch die Höhenanzeige. Deshalb wird in der Aviatik mit Standardeinstellung von 1013.2Hp geflogen. So haben sämtliche Flugzeuge die gleiche Höhenanzeige, obwohl diese dann nicht der gnauen Höhe über Grund entspricht.

Gruss,chaeppi

chaeppi Pro hat gesagt: RE:Höhenmesser
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 20:06
Meinte natürlich Höhe über Meer und nicht über Grund. 1Hp Druckveränderung ergibt dann schon eine Fehlanzeige von 8m.

Gruss, chaeppi

felixbavaria hat gesagt: RE:Höhenmesser
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 19:54
Waren denn nur die Aufstiegshöhenmeter zu viel (d.h. deutlich mehr als die Abstiegshöhenmeter)? Dann wäre es hauptsächlich durch den von chaeppi genannten Druckabfall bedingt.

Und btw: schöne Tour + Fotos ;-)

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 19:49
>"erlaubte" mir Tourenführer alpstein eine Solobesteigung (danke nochmals!), während die Anderen den Gipfel nordseitig

Keine Ursache, bis zum Gottertli konnte ich Dich ausgiebig beobachten und die Tauglichkeit für den Hochflue-Ostgrat attestieren ;-)

Toller Bericht und ganz klasse Fotos hast Du geschossen.

Bis ein ander Mal.

Beste Grüße
Hanspeter

laponia41 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 20:08
Dass Höhenmesser mit dem kumulierten Total daneben liegen, habe ich schon oft festgestellt. Extrem sind die Fehler bei Multifunktionsuhren, noch grösser beim GPS. Im steilen Gelände haut die Trackfunktion mal einen Punkt zu tief, den nächsten zu hoch. Da kannst du in einer Traverse ohne nennswerte Steigungen glatt 1000 Höhenmeter machen. Bessere Erfahrungen mache ich mit Polylinien in SwissMap. Im Profil sehe ich die offensichtlichen Fehler und kann das Ergebnis entsprechend korrigieren.

Hauptsache bei den Höhenmetern ist ja aber, dass wir immer heil runterkommen!

Gruss
Peter

dabuesse hat gesagt:
Gesendet am 31. Oktober 2010 um 22:13
Super Tour. Ich hab die Tour in Umgekehrter Richtung heute gemacht. Dein Eintrag auf der Hochflue hab ich natürlich gesehen:)
Wegen dem Höhenmesser: Bei Föhn ist es so, dass der Luftdruck ständigen Schwankungen unterworfen ist, dies ein Grund für Unwohlsein (zB Kopfschmerzen )bei gewissen Leuten und vielleicht auch für die (gratis)-Höhenmeter :)

marmotta hat gesagt: Höhenmesser
Gesendet am 1. November 2010 um 09:58
Herzlichen Dank für Eure Ausführungen hinsichtlich der Messung der kumulierten (Aufstiegs-)Höhenmeter. Hatte mir natürlich schon gedacht, dass der (mögliche) Fehler in der starken Luftdruckschwankung (Föhn!) begründet liegt. Seltsamerweise hat während (soweit ich darauf geachtet habe) und nach der Tour die Höhenangabe immer noch fast exakt gestimmt. Die Schwankungen müssen also allenfalls in einem kurzen Zeitraum passiert sein und sich später wieder ins Gegenteil gekehrt haben. Schätze den Fehler auf mind. 200-300 Hm.

@laponia41: Es stimmt, mit meiner Multifunktions- bzw. Bergsportuhr (Techtrail) bin ich -was die Höhenmessung anbelangt- überhaupt nicht zufrieden. Beim Velofahren verwende ich einen sog. "intellegenten" Höhenmesser (Sigma Rox 9.0), der offenbar "merkt", ob die Luftdruckveränderung durch die (lineare) Änderung der aktuellen Höhe infolge des Aufstiegs oder (zusätzlich) durch Wetterveränderung erzeugt wird und dies dann entsprechend korrigiert.

G.
marmotta

Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. November 2010 um 22:44
da kann ich mich mit meinem "thommen altitrek" ja glücklich schätzen, hat weder batterien noch aufzeichnungsfunktionen ... ;-)))


Kommentar hinzufügen»