Saisonauftakt am Fronalpstock 2124m


Publiziert von mde , 28. Oktober 2010 um 00:34.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:27 Oktober 2010
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Ski Schwierigkeit: S+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 2:30
Aufstieg: 1000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mollis - Fronalp

Eigentlich war es ein trauriger Anlass, der mir heute den halben freien Nachmittag bescherte. Immerhin gelangte ich so aber in die Nähe des bereits reichlich vorhandenen Schnees. Ursprünglich hatte ich nur vor, noch etwas die Abensonne zu geniessen und die ersten Schwünge ins Weiss der Wintersaison 2010/2011 zu legen. Es sollte aber viel besser kommen, ich konnte die Saison gleich mit einem "Späscheltour"-Knaller beginnen.

Um 15.20 Uhr war ich am Zürichsee zum Aufbruch bereit, die Fronalp bot sich als der am schnellsten erreichbare Ausgangspunkt mit den momentan nötigen mehr als 1000m Meereshöhe an. Um 16.00 Uhr war ich bei am Parkplatz etwas oberhalb der Talstation des Skilift Schilt (ca. 1120m) startbereit. Obwohl bei weitem genügend Schnee für einen Aufstieg mit den Ski lag, folgte ich bis zum Naturfreundehaus (P.1389) noch der geräumten Fahrstrasse.

Ab dort war dann Spurarbeit angesagt, die mich recht streng dünkte - vielleicht lag's aber auch an der Tatsache, dass es die erste Tour war, oder am für mich zu hohen Tempo, das ich anschlug. Auf jeden Fall, in Schattenlagen war der Schnee noch schön pulvrig, und versprach eine schöne Abfahrt. In den sonnigeren Expositionen war er etwas gedeckelt und angefeuchtet.

Bald erreichte ich die Skilift-Bergstation (P.1608). Wie weiter? Die Schneedecke hatte mich bisher derart überzeugt, dass sogar der steile Aufstieg zum Fronalpstock gut möglich schien. Also los, denn dort war ich noch nie: über einen breiten, schönen, dreieckigen Hang direkt über der Bergstation steigt man bis gegen 2000m hinauf, um dort dann nach rechts eigentlich unschwierig, aber ziemlich exponiert zur grössten Felswand zu queren. An derem linken Ende setzt der Kamin des Sommerwegs an. 

Hier muss etwa 30hm zu Fuss aufgestiegen werden. Eigentlich hätte es recht guten, trittigen Schnee gehabt, die Rinne war auch schon gut gefüllt. Irgendwie waren aber noch nicht alle Löcher ganz voll, so dass ich immer mal wieder einbrach und dann hüft- bis brusttief feststeckte. Die Ketten waren bis auf kurze Teilstücke auch bereits zugeschneit.

So kraxelte ich erst die im Aufstiegssinn rechten, dann die linken Begrenzungsfelsen hoch. Die Sommerbewertung dieser Passage mit Benützung der Ketten, ohne Schnee und ohne auf den Begrenzungsfelsen zu klettern ist T4: ich empfand es jetzt nicht als überaus schwierig, doch zumindest wie ein Hochtouren-WS, vom Engagement her auch irgendwie T6-mässig fühlte sich die Passage im verschneiten Zustand auf jeden Fall an. Bei Hartschnee besteht Absturzgefahr, und sicher sind dann  Steigeisen und ein Pickel zu empfehlen.

In weiser Voraussicht hatte ich die Ski die Rinne hochgetragen. Tatsächlich waren sie für die letzten ca. 80hm zum Gipfel dann wieder sehr nützlich, nach der Kaminrinne kann bis zum Kreuz mit den Ski aufgestiegen werden. Es war nun 18.00 Uhr, die Sonne schien wieder vom klaren Himmel unter einigen hohen Wolken hindurch und legte die Landschaft in ein zauberhaftes, oranges Licht.

Ich hielt einige Minuten inne, im Gedenken an meine im Alter von 92 Jahren, nur 3 Monate nach ihrem Mann verstorbene Grossmutter, deren Beerdigung am Vormittag stattgefunden hatte. Abschied zu nehmen fällt mir so einfacher als in der Kirche - bereits bei meinem Grossvater hatte ich ja die Gedenktour mit Flug aufs Bockmattli unternommen.

Wie auch immer, nach den Vorbereitungen zur Abfahrt und dem Eintrag im Gipfelbuch verschwand die Sonne bereits hinter dem Horizont. Zeit, um in die Tiefe zu stechen! Im Nu war ich zurück am Ausstieg der Rinne. Vage in Erinnerung hatte ich aber einen Eintrag von Dolmar, der komplett mit Ski über die NW-Abdachung des Gipfels abgefahren war. Auch die Karte zeigte einen Weg, so entschloss ich mich, diesen zu suchen.

Die Wegfindung war dann völlig problemlos, einfach leicht rechts haltend der Nase, sprich dem einfachsten und logischen Weg entlang. In einer Art breitem Couloir geht es zuerst hinunter, danach öffnet sich der Hang, und man kann nach links queren, zurück in den grossen Dreieckshang, den ich zum Aufstieg benutzt hatte. Jetzt im Nachhinein sehe ich auf Dolmars Foto, dass ich für die Abfahrt exakt dieselbe Linie wie er benutzt hatte.

In diesen, westlichen und nördlichen Expositionen war der Pulverschnee wirklich vorzüglich, und auch Schnee lag genügend - keinen einzigen Steinkontakt hatte ich zu verzeichnen. Ich hätte es im Vorfeld für unmöglich gehalten, doch die Bedingungen waren tatsächlich bis auf 1120m hinunter bestens! Ich denke sogar, dass am Froni nur selten noch bessere Bedingungen herrschen als heute, und man erst noch bis zur Talstation hinunter alles jungfräulichen Schnee geniesst!

Beim Ferienheim unmittelbar vor dem Parkplatz traf ich dann noch auf eine Schulklasse, die doch ziemlich erstaunt war, um diese Tageszeit noch einen Skifahrer zu sichten - zumal der Skilift ja nicht in Betrieb war. Woher ich denn komme - wollten sie wissen. Nun gut, den Gipfel konnte ich zeigen, hell genug war es auch noch, um die Zweifel der Kinder zu nähren. Irgendwie schien es für die Jungs und Mädels aus der Stadt unmöglich, dass ich in nur gut 2 Stunden aus eigener Kraft mit Ski auf einen solch unzugänglich aussehenden Gipfel gestiegen und wieder abgefahren war.

Mit dem Gefühl, ein kleines bisschen ein Held zu sein, verabschiedete ich mich, legte noch die letzten Meter zurück, verräumte die Ausrüstung, und startete um 18.30 Uhr bereits den Motor.

Fazit

Ein genialer Saisonauftakt, der Froni wird Ende Winter sicher weit vorne auf der Bestenliste stehen - da müssen in diesem Winter erst noch bessere Touren kommen! Mit Ski wird dieser Berg sicher nur selten bestiegen, obwohl es eigentlich gar nicht so überaus schwierig ist. Die skitechnischen Schwierigkeiten gehen wohl nicht über ein S+ hinaus. Im Aufstieg dürfte der Weg durch den Kamin bequemer sein, die Abfahrt wählt man dann aber sicher durch die NW-Abdachung, wo alles komplett gefahren werden kann. Achtung: die Tour führt in sehr steiles Gelände, wo sichere Schneebedingungen (Lawinengefahr!) und alpines Können (Absturzgefahr!) Pflicht sind.
 

Tourengänger: mde


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