Die Herdubreid, Traumtour auf einen der schönsten Berge Islands


Publiziert von kardirk , 27. Oktober 2010 um 20:18.

Region: Welt » Island » Myvatn
Tour Datum:24 August 2008
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: IS 
Zeitbedarf: 14:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:ca 20km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Vom Myvatn über die Ringstrasse 1 bis zum Abzweig der F88 - ca 40km, weiter bis zur Herdubreidlindir - 60km 2 größere Furten, nur mit 4x4 zu Fahren
Unterkunftmöglichkeiten:Campingplatz (mit WC + Duschen) und Hütte des Wandervereins Akureyri.

Über die Herdubreid ist im Internet allerlei abenteuerliches zu lesen - z.B. der Bericht von Dietmar Scholz. Als ich diesen Berg 1995 bei meinem ersten Islandbesuch erstmalig sah sah, war für mir klar, da muß ich rauf. Im Jahre 2008 wars dann endlich soweit. Ich hatte  allerlei abenteuerliche Berichte über die Besteigung gelesen, anscheinend auch von Leuten, die sonst nicht viel mit Bergen am Hut haben, und so fuhren wir im August mit recht gemischten Gefühlen nach Island um die Besteigung zu versuchen.

Ausgangspunkt ist der kleine Campingplatz bei Herdubreidlindar - oder in der Hütte.
Als wir am 24.8.2008 gegen 18:00 dort eintrafen waren wir beide klitschnass von einer Askajawanderung zum Krater Viti, bei der uns so ein typischer "kleiner" isländischer Regenschauer erwischt hatte. Dazu blies auch noch ein recht kräftiger Wind und es war ziemlich kalt, also beste Voraussetzungen um jetzt ein Zelt aufzubauen. Im Windschatten einiger weniger Büsche, direkt am Bach gelang uns das dann, wir kochten schnell noch ein Abendessen und dann nichts wie weg in die warmen Schlafsäcke. DIe Herdubreid hatten den ganzen Tag über eine  Wolkenhaube getragen und bei den heutigen Wetterbedingungen sah eine Besteigung nicht allzu erfolgversprechend aus.
Umso überraschter waren wir am nächsten Morgen - strahlender Sonneschein, kaum ein Wölkchen am Himmel, Windstille, vollkomen ideale Bedingungen. Wir konnten unser Glück kaum fassen.
Dummerweise waren wir etwas spät aufgestanden und kamen erst gegen 9:15 los, eigentlich schon zu spät. Denn entgegen allen anderen Aussagen, die Wanderung nur bis zum eigentlichen Gipfelanstieg der Herdubreid dauert gut 3,5 - 4 h !!!! Die erste Hälfte dieser Wanderung ist mit gelben Holzpflöcken ca. alle 100 - 200m markiert, den Sie gehört zum Weitwanderweg zur Braedrafell-Hütte. Ab und zu gibts Steigspuren, besonders zu Beginn, dann aber gutes Orientierungsvermögen gefragt. Die Route ist bei guter Sicht nicht schwer zu finden. Zunächst gehts ca. 1h direkt über das große Laverfeld zum Fuß des Herdubreid - ständiges auf- und ab über unwegsame Lava. Am Bergfuß angelangt dann umwandert man den Berg Richtung Norden. Dabei bleibt man immer am Schnittpunkt der Schuttflanke und dem Lavafeld. Das landschaftliche Erlebniss ist einfach umwerfernd in Ihrer Größe, Einsamkeit und schierer Unendlichkeit. Keinerlei Tiere, kaum Pflanzen, eine gigantische Wüste. Nach gut 2h erreicht man einen kleinen Pass am Nordfuß, jetzt wendet sich der Weg nach Westen. Kurz danach zweigt der Wanderweg übers riesige Lavafeld nach Westen zur Hütte ab, wir blieben aber weiter am Bergfuß, wo wir nach 3,5h dann endlich einen typischen isländischen Parktplatz mitten in der Wüste erreichten - ein paar Pflöcke im Boden und ein Seil daran.

Die Fahrpiste die hier her führt, zweigt im Süden der Herdubreid von der F88 ca. 30 min von der Hütte entfernt ab. Laut diverser Aussagen braucht man um hierher mit dem 4x4 Auto zukommen einen sehr guten Wegesinn, da es eine ganze zeitlang über ein riesiges plattiges Lavafeld geht - ohne jede Fahrspuren.

Den Beginn des Aufstieges markiert auch eine große Fototafel mit dem Bild von der Anstiegsflanke und der eingezeichneten Route.
Die Route selbst ist klar vorgegeben. Zunächst gerade den Schuttkegel empor, dann links oberhalb einer nach rechts aufwärts führenden  breiten Rinne aufwärts, zuletzt wieder  nach links den Hang aufwärts.
Warum hier manche berichten, dass sie sich irgendwo im Hang verlaufen haben, war mich nicht ganz nachvollziehbar, zumal eine dicke deutlich sichtbare Steigspur im Zickzack den Hang hinaufführte.  Aber vielleicht war die auch nur so gut zu sehen,weil am Tage vorher eine 20-köpfige Wandertruppe aus Akureyri aufgestiegen war.
Zum nächsten Mythos: Geröllfelder. Die Herdubreid besteht in Ihrer Basis aus Tuffgestein, das ist zu Stein gewordene Asche. Demgemäß bestehen die steilen Hänge zunächst einmal aus Vulkanasche, d.h. man geht wie auf einer riesigen Sanddüne aufwärts. In diesem Aschesand sind kleine Lavabrocken eingelagert, die weiter oben dann mehr werden und sanddurchsetztes Lavageröll bilden. Aber nie und nimmer ist das mit einem Geröllaufstieg wie in den Alpen zu vergleichen - eher mit einer Dünenbesteigung in der Sahara. Was bleibt sind die 2 Schritte vor 1 zurück. Als Aufstiegshilfen hatten wir dazu neben unseren Wanderstecken noch Grödeln (normalerweise für Eis und Schnee gedacht) dabei, die sich als sehr hilfreich erwiesen.
Dank der  deutlichen Wegspur war der Anstieg nicht zu verfehlen. Zunächst einen großen Schutt/Sandkegel empor, dann nach links im Hang zu einer Art Scharte oberhalb eines kecken kleinen Felsturms, der miten im Hang am Beginn der Rinne steht. Kurz danach, nach 1,15 h erreichten wir die "Schlüsselstelle", ein ca 2m hohes Tuffsteinband, das man auf wenigen Tritten sehr rutschig queren muß, was aber Dank der Grödeln dann nicht allzu schwer war. Oberhalb gings dann noch etwas die Rinne entlang, dann folgte ein klarer Knick nach links steil den Hang aufwärts unterhalb einer kleinen Felsnase, die als Orientierung dienen kann - sehr mühsam und steil - bis man eine kleine Mulde erreicht. Hier steht (oder stand) ein großer Holzpfeil, der den Einstieg zum Abstieg in die Flanke markiert - sehr hilfreich bei Nebel!! Am linken Rand der Mulde steigt man direkt aufwärts auf Steigspuren und erreicht  endlich das Gipfelplateau (ca. 1,45h). Hier erblickt man zum erstenmale den Gipfel mit dem weithin sichtbar blinkenden Gipfelobelisk ( eine Messstation mit Sonnenpanels - Geologisch/Meteorlogisch). Am Plateaurand stehen jetzt im großen Abstand einige manshohe Steinmänner. Man bleibt im Aufstieg links, im Abstieg rechts von Ihnen und kann so bei Nebel und Sturm in etwa immer den Rand orten.
Noch immer hatten wir ein absolutes Traumwetter, auch wenn hier oben nun ein leichter Wind wehte. Über das Plateau gings nun über mehr oder weniger große Lavablöcke und Platten eigentlich recht bequem zum Gipfelkrater, der zuletzt sehr steil zu erklimmen ist (teilweise eisig). Am Kraterrand angelangt gehts dann mit fantastischem Blick zum tiefblauen Kratersee in wenigen Minuten zum Gipfel, ca. 45min. Gesamt 2,5h ca 1100hm (vom Parkplatz).
Das Panorama war gigantisch, besonders der kleine tiefblaugrüne Kratersee mit Schnee und Eis  waren ein fantastischer Anblick. Da einem jeder Größenvergleich fehlt - keine Bäume, fast keine menschliche Zivilisation zu sehen (außer der F88-Piste) - hat man das Gefühl förmlich über diese Landschaft zu fliegen.
Der Absteig war dann kein Problem, zunächst über das Plateau runter bis zum letzten Steinmann, dort ist die Mulde mit dem Holzpfeil. Von dort sieht man bereits den ganzen Abhang bis zum Parkplatz hinunter.
Das lose Gerölle und der Aschesand sind im Absteig ganz angenehm, man kan wie im Schnee abfahren. Man sollte allerdings aufpassen, da dadurch natürlich Steine abgehen und man Steinschlag auslöst. Da wir aber vollkommen alleine unterwegs waren, brauchten wir darauf keine Rücksicht zu nehmen. Allerdings mußte wir auf einige "Nachzügler" acht geben. Nach knapp 2h waren wir wieder am Parkplatz.
Mittlerweile hatte der Wind deutlich zugenommen und kündigte eine allerdings dann nur leichte Wetterverschlechterung an. Uns standen ja noch gut 3,5h Stunden Heimweg bevor, die sich dann verdammt lang zogen. Die Schlußquerung durch das Lavafeld zur Hütte und zum Campingplatz fanden dann auch schon in der Abenddämmerung statt. Wolken, Wind und ein paar Regentropfen machten das ganze dann nochmal etwas Spannend, da in der Dunkelheit die Markierungsstangen sehr schlecht zu sehen waren. Gott-Sei-Dank war aber Licht in der Hütte, dass wir zur Orientierung nehmen konnten und so erreichten wir dann nach fast 4h Stunden unser Zelt, wo wir sofort in die Schlafsäcke krochen und befriedigt einschliefen.

Route:
Herdubreidlindar - Fuß Herdubreid 1h
Umrundung 2-3 h
Gesamt ca.3,5 - 4 h

Parkplatz - Plateau 900Hm ca.2h
Plateau - Gipfel 45min - 1h (ca 300hm)

Abstieg: Gipfel - Parkplatz ca 2h
Parkplatz - Campingplatz 3,4 - 4h

Strecke ca. 20km

Ausrüstung:
WICHTIG: 
Viel viel Wasser mitnehmen (gut 2-3 L pro Person)- es gibt keine Quellen oder Bäche - WÜSTE!!!!! das Schmelzwasser von einzelnen Schneefeldern ist nicht zu empfehlen.

Bergbekleidung, warm und winddicht, Mütze, Handschuhe, warmer Pullover/Fleece ect. ist selbstverständlich - am Tage darauf war der Gipfel komplett verschneit!
Ebenso klar: feste Bergschuhe - keine Turnschuhe oder ähnliches.
Steinschlaghelm eigentlich nur dann notwendig, wenn mehrere Gruppen unterwegs sind, wbei Steinschlag dann eher am Bein oder Körper trifft, da das Gelände nicht extrem steil ist.
Wanderstöcke, Grödeln (sehr hilfreich), bei Schneelage wohl auch Steigeisen nötig - das Plateau vereist sehr leicht.
GPS kann bei Nebel und Wolken extrem hilfreich sein, besonders um die Einstieg in die Flanke vom Plateau aus zu finden.

Schwierigkeiten: T3, Wanderung, auch die Bergbesteigung ist bei normalen Bedigungen leicht, kann aber zu einer hochalpinen Unternehmung bei Schnee und Eis werden.
Also auf keinen Fall unterschätzen - auch nicht den Wind, der hier absolut ungehindert blasen kann.

Tourengänger: kardirk


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

T2
24 Jul 07
Herdubreid - · hofi
T2
2 Aug 07
Am Fuss der Herdubreid · Delta

Kommentar hinzufügen»