Alu-polierte Abfallbehälter


Publiziert von Henrik Pro , 24. Oktober 2010 um 21:10.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:22 Oktober 2010
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI 
Strecke:Mit dem IR nach Ascona
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV

.... nochmals sich umdrehen, liegen bleiben dürfen... am Vorabend den Lesesack vorbereitet, die FinePix im Rucksack verstaut, gegen Mitternacht die Schlafstatt aufgesucht und trotzdem zu lange wach geblieben – die Stunden verstreichen, ich trete auf die Terrasse, der Mond wirft mich zu einem langen Schatten, Geräusche im Hinterhof, dessen Boden aus Kies besteht, der alte Kastanienbaum, der schon hier stand, wohl als die ersten Baumgartnerhäuser gebaut wurden, er verliert seine Blätter, die zwar noch nicht herbstfarben sind, aber die getreu dem Jahreszeitenlauf doch schon abbrechen – kennst du das Geräusch fallender Blätter im Herbst ... man kann das hören!

.... am Tresen am Bahnhofs-Coop ist Ellbögeln angesagt. Wer ein wenig Zeit sich nimmt, schaut sich gegenseitig an und nimmt Rücksicht... in der Schlange. Jetzt wollen alle etwas.

.... Wolle hat wieder Hochkonjunktur, sei es als Mütze oder als Shawl, die Krägen sind hochgezogen und viele Finger klamm... nur wenige Meter über Tausend schneit es schon. Auf Gleis 4 müsste gelegentlich der IR eintreffen, nur 5 Minuten vor der Abfahrtszeit schleicht er sich heran. Im Pano-Waggon sind schnell alle Fensterplätze belegt, es dampft aus den mitgebrachten Pappbechern und die ersten Krumen liegen schon am Boden. Rascheln ist aus zwei Quellen zu vernehmen: Zeitungen und das Papier vom Znüni-Brötli.

.... im Waggon haben alle ihre Positionen gefunden, es ist friedlich still, und erst wenige Meter sind gefahren. Die siebte Stunde des Tages ist nur einige Minuten alt. Ein kleiner Ausflug nimmt seinen Anfang... die Wärme kommt zurück. Das Licht beflügelt und die vor mir liegende Reisezeit auch. Die Passage, die mich als Bahnfahrer immer wieder im Baselbiet begeistert, ist die zwischen Sissach und Gelterkinden, wo die Trasse etwas erhöht über dem Land liegt und eine sanfte Kurve bestreitet – vom Fenster aus gesehen, sieht man so auf die Eleganz des Zuges. Entgegenkommende Güterzüge eingeschlossen!

.... Auf Gleis 12 drängen sich Menschentrauben an den Türen der 2.-Klasse. Die bisher genutzte Beinfreiheit ist bis Luzern ein wenig eingeschränkt, das Schnarchen allerdings nicht! Eine Sitzgruppe weiter redete sich eine ältere Dame „ruhig“, Wortfetzen wie „dä het mer dr Parkplatz vo dr Nase gstiebitzet“ ist zu hören, dann hat mich die Welt- und Regionalpolitik wieder, der Stapel der mitgebrachten Zeitungen sprichwörtlich „abgelesen“.

.... es lohnt aufzublicken, während nach Zofingen die Strassenlaternen der Dörfer das Ende der Nacht signalisieren und der neue Morgen die Landschaft mit vereinzelten Sonnenstrahlen beehrt, kündigen sich zum Sempachersee hin tiefhängende Schwaden über dem See an und verraten die Jahreszeit: der See ist wärmer als die Luftschicht darüber.

.... das Land zwischen Luzern und Arth-Goldau übt sich in Monochromie, sanfte Hügel, die ich sonst nie wahrgenommen hätte, entdecke ich jetzt: sogar auf dieser Höhe hat es nachts geschneit. Auf der Autobahn ein roter Kasten, der mit dem Licht des Zugersees kontrastiert – Denner unterwegs. Die beiden prägnanten „Zapfen“ am Rand des Sichtfeldes fallen mir heute gar nicht so auf, sie liegen wie abseits.

.... der Zug fährt in Arth-Goldau ein. Ich entledigte mich eines Stapels Zeitungen und bemerke es kurz bevor ich diese in den Schlund werfe – die SBB haben die alten Behältnisse ausgetauscht: Jetzt hängen an den Kandelabern neue alu-gebürstete Abfallbehälter wie bald im ganzen Land – weiteres unverzichtbares SBB-Mobiliar. Und gleich mehrere – recht so, gibt sicher mehr Arbeit, denn es ist wie mit den Strassen: das Mehr lockt alles an!

.... die Felsgiganten, die über dem Urnersee sich erheben, sind schon eingekleidet und werben für die kommende Saison. Kleiner Wellengang ist auszumachen auf dem See. Die Abraumhalden vor Erstfeld wirken kleiner als sonst und irgendwie ist das Gotthardloch nicht so präsent wie vor dem Durchstich...

.... Göschenen wirkt zugig und kalt. Nicht so Airolo, hier empfängt uns die Sonne und gleissendes Bedretto-Tal. Der Zug schlägt sich mit Pirouetten durch die Leventina und nach einer weitern Stunde sind die Palmen am Bahnhof in Bellinzona aus dem Zugsfenster zu entdecken, immer wieder neu!

.... den halbleeren Zeitungssack in einem Schliessfach verstaut, zuerst mal einen mundenden Espresso schlürfen, danach dem Bancomaten „Hundert Stei“ entlocken, den Bus Nummer 1 nach Ascona nehmen und die üppigen Blumenbeete bei der „Stazione Posta“ bestaunen. Ich wundere mich über die vielen Fussgänger in der Citta.

.... in wenigen Wochen wird hier die Winterstille Einzug halten, nochmals Ausgehen und Bummeln, nochmals draussen sitzen und nicht nur etwas Trinken. Seit gut einem halben Jahr, so erfahre ich später, sind an den Zufahrtswegen zur Seepromenade für fast eine halbe Million versenkbare Polder gebaut worden, um dem wuchernden Privatverkehr die Zufahrt zu erschweren – die Schlüssel dazu sind heiss begehrt.

.... der Hotelier, mit dem ich dann Mittag gegessen habe, unser Gespräch drehte sich ausschliesslich um Autos (!), als Besitzer eines nur in 200 Exemplaren gebauten Range Rovers der Grund meines Besuches in Ascona, wollte mein Fachwissen und meine Empfehlungen über den allfälligen Erhalt seines Modells in Erfahrung bringen. Wir setzten uns an die Fensterfront seines Hotels und überblickten während des Gesprächs den ruhigen See. Mein vorgängiges Ansinnen auf sein Angebot von Übernachtungen zurückzukommen, musste er förmlich „abbremsen“ – am kommenden Sonntag schliesse er für die Saison sein Unternehmen. Nach dem Essen, auch Hoteliers speisen mitunter sehr banal... eine Pizza kam auf den Tisch, ich nahm Salat vom Buffet, spazierten wir am Seeufer entlang zu seinem Appartement und Garage.

.... was ich zu sehen bekam, schmerzte mich... eine kleine Rostlaube!
 


Tourengänger: Henrik


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Kommentare (1)


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Ivo66 Pro hat gesagt: ...so herrlich
Gesendet am 24. Oktober 2010 um 22:21
...und bunt beschrieben, als wäre ich selbst dabei gewesen kam es mir vor.

Gruss Ivo


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