Pizzo Ruscada: Via Stefano Sposetti


Publiziert von Zaza , 22. Oktober 2010 um 23:11.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:22 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Ruscada 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1650 m
Abstieg: 1650 m
Kartennummer:1311, 1312

...oder der geopferte Strick

Giuseppe Brenna, Autor der herausragenden SAC-Führer über die Tessiner Alpen, hat im April 2007 eine neue Route am Pizzo Ruscada begangen und sie einem Freund, dem Astronomen Stefano Sposetti, gewidmet. Brenna hat daraufhin eine Beschreibung in einem Artikel im Giornale del Popolo publiziert und sie auch in sein schönes Buch "Un mondo di bellezza e di cultura" aufgenommen. Es handelt sich um eine interessante Route in einer ausserordentlich wilden Umgebung, sie beinhaltet auch eine obligatorische Abseilstelle.

Wir starten erst um 10:30, weil Camedo mit dem Centovalli-Express in der Nebensaison nicht früher zu erreichen ist und folgen zunächst dem markierten Pfad, der bei der ersten Kurve der Strasse nach Borgnone beginnt und nach Lasa - Costa führt. Bei den unteren Häusern von Lasa verlassen wir den guten Pfad und folgen einer horizontalen Wegspur, die auf ca. 900 m verläuft und zwei Tälchen quert. Unmittelbar nach dem zweiten Tälchen (dasjenige westlich von P. 944) beginnen wir schräg nach NW zu steigen und queren einen Felsriegel (auf der LK gut zu erkennen). Nun gehen wir durch einen lichten Wald mit hohem Gras weiter aufwärts, bis wir auf etwa 1120 m am Rande des Vallone bei einer Ruine ankommen. Von hier an steigen wir steil Richtung NE an, wobei sich mit gutem Willen noch Pfadspuren ausmachen lassen. Auf ca. 1300 m könnte man links in den Wald zum Pass del Gatt und weiter zur Alpe Ruscada queren (eine alte Schmugglerroute, die auf der Siegfriedkarte noch eingetragen war). Wir halten aber unsere Richtung bei bis zu P. 1433, am Fuss der Ruscada-Wand.

Nach einer Pause beginnen wir den Aufstieg durch die Platten, der zunächst problemlos ist und auf Bändern mit Vegetation verläuft. Auf ca. 1600 m wird der Hang flach und wir können links und rechts je in tief eingeschnittene plattige Täler blicken. Der weitere Grat zu P. 1940 sieht auf den ersten Blick relativ gut machbar aus, aber vom ersten Zacken auf dem Grat gibt es ohne Abseilmanöver kein Weiterkommen. Also queren wir kurz vor dem höchsten Punkt dieses Zackens rechts auf ein aufsteigendes Grasband, an dessen Ende wir den von Brenna geschlagenen Felshaken und seine Schlinge erblicken. Aus der Beschreibung wissen wir, dass die Stelle 15 Meter hoch ist und haben demnach ein Seil von 30 Meter dabei.

Wir seilen also ab und stellen fest, dass wir auf einer schrägen, sehr steilen und grifflosen Platte gelandet sind, von der wir ohne erhöhtes Risiko nicht weiter kommen. Wir proben kurz herum, aber nach oben, nach rechts und nach unten sieht alles unschön aus. Nur ein paar weitere Meter zusätzliches Abseilen wäre nötig, aber leider hat es absolut nichts, um eine Verankerung abzubringen. Rasch findet Lorenz die beste Lösung: Der Strick wird geopfert, denn wenn wir an einem Einfachseil abseilen können, ist das Ganze gut machbar. Erst im nachhinein erfahre ich, dass Lorenz' Seil 30, vielleicht gar 40 Jahre alt ist. Naja, so wurde ihm der schwere Entschluss, das Ding auszumustern, abgenommen. Und ausserdem muss kein Freiwilliger mehr bestimmt werden, um das Seil auf dem Abstieg zu tragen.

Nun können wir wieder auf Bändchen durch die Platten aufsteigen und erreichen wieder den Grat, dem wir (ziemlich steil und felsig) folgen, bis wir nach einem kurzen grasigen Abschnitt den P. 1940 erreichen. Von hier folgen wir mit etwas Auf und Ab dem Grat bis zum Pizzo Ruscada.

Im Abstieg folgen wir zunächst der markierten Route Richtung Osten bis zum P. 1713. Hier beginnt auf der LK ein Pfad, der auf einem Rücken genau nach Süden zieht. Am Beginn hat es einen grossen Steinmann, aber der Pfad muss der fiebrigen Fantasie eines Topografen entsprungen sein. Wir sehen nämlich absolut keine Pfadspuren. Dafür ist das Gelände steil und eher mühsam, bis wir auf 1380 m zu einer winzigen Ruine kommen. Wenige Meter weiter unten sind wir dann auf dem markierten Pfad, der von Corte Nuovo kommt, und folgen ihm über Ör di Costa, Costa und Borgnone bis Camedo.

Hinweise:
Da ja nun ein ausreichend langes Seil hängt, kann man die Route vorderhand mit weniger Material begehen. Ansonsten: Auch wenn Giuseppe Brenna ebenfalls mit einem Seil von 30 Meter abgeseilt hat, wären 40 Meter doch die bessere Lösung. Alternativ kann man etwas schräg haltend abseilen, um beim oberen Ende der Platten zu landen (was aber etwas riskant ist).
Ein Hammer wäre vielleicht auch nicht schlecht, falls man dem Haken nicht traut. Alternativ kann man an diesem Punkt aber auch mit langen Schlingen eine Abseilstelle einrichten.

Tourengänger: Zaza


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Kommentare (11)


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BaumannEdu hat gesagt:
Gesendet am 23. Oktober 2010 um 13:34
Spannend!

Henrik Pro hat gesagt: Während ich Mittag ass in Ascona
Gesendet am 23. Oktober 2010 um 15:44
sprangst du offenbar keck auf Zehenspitzen über die ziselierten Grate!

Eindrucksvoller Bericht - as usual.


Zaza hat gesagt: RE:Während ich Mittag ass in Ascona
Gesendet am 24. Oktober 2010 um 10:53
tja, jedem das Seine ;-)

LG, zaza

Alpin_Rise hat gesagt: Einfach geht's!
Gesendet am 24. Oktober 2010 um 21:48
Tolle Linie! Das Seilopfer ging ohne Wiederaufstieg? Schlinge knüpfen und freies Ende durchziehen?
G, Rise

Zaza hat gesagt:
Gesendet am 25. Oktober 2010 um 07:38
ja, genau so hat es Lorenz gemacht. Das Hinaufsteigen am Seil wäre eine sehr mühsame Sache gewesen.

Gruess, zaza

MicheleK hat gesagt: Tolle Sache !
Gesendet am 22. November 2010 um 23:10
quindi finalmente il piano e' stato concretizzato - con un piccolo dazio da parete -
ora che ho un' idea oiu precisa -> posso chiedere al Prof. Sposetti se mi porta con lui... :-))

propri un bel gir - thanks for sharing :-)

Saluts.
Michele

Zaza hat gesagt: RE:Tolle Sache !
Gesendet am 23. November 2010 um 07:34
Ciao Michele,

si, era una splendida avventura! Ho previsto da provare ancora un altra via per il Pizzo Ruscada, passando dal Vallone. Se ti interesa (oppure anche altri giri nel Ticino), fammi sapere!

Cheers, Manuel

chmblum Pro hat gesagt: Stupenda
Gesendet am 16. Dezember 2011 um 22:20
Lieber Manuel

Ein eindrücklicher Weg. Und das mit Start um 1030 in Camedo unten! In der Slideshow Via delle guardie an den Rocce del Gridone ist ein gutes Bild.(je näher man ja sonst am Berg ist, um so weniger sieht man ihn). Kannst Du dort Deinen Weg einzeichnen? Du kennst mich ja: gibt es in den Platten etwas Gutes zum Klettern??
Herzlicher Gruss Christoph

Zaza hat gesagt: RE:Stupenda
Gesendet am 24. Dezember 2011 um 10:51
Lieber Christoph,

ich hab's versucht, siehe letztes Bild. Auf der Karte ist die Route aber einfacher zu erkennen, es geht einfach um den Grat zwischen P. 1433 und P. 1940. Die Platten und Wände des Pizzo Ruscada bieten sicher noch weitere Möglichkeiten. Der Anmarsch ist zwar etwas mühsam, aber das schreckt dich ja nicht ab...

lieber Gruss

Manuel

chmblum Pro hat gesagt: Merci
Gesendet am 25. Dezember 2011 um 21:16
Lieber Manuel
Danke für das Einzeichnen der Route. Bis jetzt war der Pizzo Ruscada lediglich ein Name. Deine Beiträge machen mich richtig neugierig.
Ich wünsche Dir ein 2012 mit ähnlich vielen Entdeckungen.
Herzlicher Gruss Christoph

Zaza hat gesagt: RE:Merci
Gesendet am 28. Dezember 2011 um 15:43
Lieber Christoph,

wenn du nicht allein gehen magst, komme ich gerne noch einmal mit. Ferruccio (www.in-valgrande.it) möchte diese Route auch gern mal anschauen, das wäre sicher interessant zu dritt!

Gruess und äs guets Nöis!

Manuel


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