Altmann 2435 m - Ostgrat - herrliche Genußkletterei


Publiziert von Ovidam , 18. Oktober 2010 um 23:16.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 9 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:Wildhaus - Zwinglipass - Altmann-Ostgrat - Altmann - Rotsteinpass - Zwinglipass - Wildhaus (8h ohne den Ausflug zur Altmann-Südwand)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wildhaus im Toggenburg, Talstation der Gamplüt-Seilbahn
Unterkunftmöglichkeiten:Zwinglipasshütte, 1999 m

Eigentlich sollte es für meinen 14-jährigen Sohn und mich aus Zorneding bei München die Überschreitung von Litzner und Seehorn in der Silvretta werden. Aber wie so oft im Sommer 2010 fiel Schnee in den Tagen vor der Tour, Schneefallgrenze bei ca. 2.500 m. Klettern über 3.000 m also kein Thema. So legten wir die Tour kurzfristig 500 m tiefer. Nach Absprache mit unserem Führer Pio aus dem Montafon in den Alpstein. Wir sollten es nicht bereuen.

Am ersten Tag stiegen wir bei starkem Wind und Regen von Wildhaus zur Zwinglipasshütte auf. Zuerst mit der Gamplütbahn (unten einfach einsteigen, warten und oben bezahlen) die ersten Höhenmeter, dann vorbei am mächtigen Wildhauser Schafberg zur Alp Tesel. Hinter dieser endet der Fahrweg und der Pfad beginnt. Gleich am Anfang zur linken gibt es neugierige Murmeltiere. Nach etwa 2 h waren wir an der Zwinglipasshütte. Sehr gemütlich, es gibt Suppe, Sirup und Wein (hier muß alles von den Wirten hochgetragen werden), wenn man Glück hat (wie wir), darf man auch beim Essen der Hüttenwirte teihaben ...  köstliches Geschnetzeltes.

Am nächsten morgen war der Altmann noch in Wolken, doch gegen 9:30 verzogen sich die Wolken nach Osten. So wanderten wir vom Zwinglipass nach Norden Richtung Einstieg zum Ostgrat. Hierzu wird kurz nach der Hütte der Weg zum Rotsteinpass nach rechts verlassen. Auf der Wiese abseits des Weges unter dem Altmann trafen wir auf das sehr zutrauliche Altmann-Steinbockrudel, dies vor der malerischen Kulisse des Fälensee (die Kreuzberge blieben den ganzen Tag in den Wolken). Bis Einstieg zum Ostgrat ca. 30 Minuten ab Hütte.

Der Ostgrat ist eine herrliche Klettertour. Von Anfang an geht es steil bergauf. Die Route ist perfekt saniert und man findet in regelmäßigen Abständen (ca. 5-12 m) je nach Schwierigkeit Bohrhaken. Unser Führer Pio führte wie immer klasse. Der Fels ist griffig und es geht stetig im oberen III. Grad hinauf (unter III- wird es quasi nie), weicht man etwas von der Optimalroute nach links oder rechts ab, streift man auch mal den IV. Grad. Nach etwa 4 Genuss-Seillängen Stand auf einer Felsstufe. Auf den oberen 3-4 Seillängen wird der Grat schmaler, am Ende folgt eine kleine, ca. 10 m hohe und 50 cm breite Rippe. Dann leichtes Gelände (max. I-II), aus einer Art "Gipfelschlucht" links rausklettern, alles immer noch exponiert, bis man direkt beim Gipfelkreuz rauskommt (gut 2 h ab Einstieg). Auf diesem letzten Stück, auf dem sich die Route mit dem "Schaffhauser Kamin" vereint, kamen die eine oder andere Schlinge und ein Friend zum Einsatz.

Nach Genuß des herrlichen Rundumblickes bis zum Bodensee (wir waren alleine oben) Abstieg auf dem speckigen Normalweg (kurzes sehr schmales glattes Gratstück, dann schrofiges Abklettern unterstützt von einigen im Fels verankerten Eisenrohren) zum Rotsteinpass (Grad I, ca. 20 Minuten).

Da wir noch Zeit hatten, durfte mein Sohn mit Pio noch eine Seillänge im VI. Grad an der Altmann Südwand klettern. Die Routen sind dort allerdings sehr schwer zu finden, die Haken von unten nicht sichtbar. Zum Einstieg das zurückgelassene Fixseil an der linken Seite der Südwand suchen! Dort geht es los. Mangels Umlenkhaken blieben ein Karabiner und eine Schlinge am Altmann. dann in 30 Minuten wieder zur Zwinglipasshütte und von dort wieder nach Wildhaus.

Alles in allem eine Supertour (8 SL) in herrlichem Fels und mit herrlichen Tiefblicken! Die Absicherung ist hervorragend, aber die Routenfindung nicht ganz trivial (wir waren froh um unseren Führer). 50-m-Seil reicht, aber neben Exen sollte man 1-2 Friends, ein paar Keile und Schlingen dabei haben.

Wir haben der Silvretta keine Träne nachgeweint und kommen sicher wieder.   

Tourengänger: Ovidam


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