Piz da las Coluonnas 2960 m - Nebel, Wind, Sonne, Wolken, Schneefall


Publiziert von Ivo66 Pro , 16. Oktober 2010 um 16:09.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:16 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 840 m
Abstieg: 840 m
Strecke:Julier Hospiz - Leg Grevasalvas - P. 2633 m - Ostrücken
Kartennummer:1:25'000 Bivio (1256)

Der Piz da las Coluonnas ist einer jener Berge um den Julierpass, denen vor allem im Sommer kaum Beachtung geschenkt wird. Selbst der sonst seriöse SAC-Clubführer "Bündner Alpen 6" verhöhnt ihn mit dem einleitenden Satz: "Wanderung für Leute, die sich bei einer Pause der Fahrt über den Julierpass etwas die Füsse vertreten wollen." Das steht wirklich so geschrieben und lässt die Tatsache ausser Acht, dass es sich bei der Besteigung des Coluonnas zwar um eine eher kurze, aber dennoch ernsthafte Bergwanderung handelt, die im voraus geplant werden muss und verlangt, dass man den Umgang mit der 1:25'000er Landkarte beherrscht und über guten Orientierungssinn im weglosen Gelände, sowie gute Trittsicherheit verfügt.

Vom Leg Grevasalvas, einem wunderschönen Bergsee, ist die Tour weglos und führt im unteren Teil über felsdurchsetzte Grashänge und ab ca. 2700 m. ü. M. ausschliesslich über Geröll. Es finden sich immer wieder Steinmänner, die einem anzeigen, dass man richtig unterwegs ist. Bei schlechter Sicht wird das Unternehmen aber doch recht heikel.

Ebenfalls entgegen den Angaben im eingangs erwähnten Clubführer ist die Aussicht vom Gipfel durchaus lohnend, wenn auch logischerweise nicht vergleichbar mit jener von einem Piz Julier. Beeindruckend ist besonders der Blick hinüber zum Piz Lagrev und vor allem seinem Gletscher.

Heute morgen um 09.00 Uhr starteten wir beim Restaurant am Julierpass bei -4° C im Nebel. Wenig motiviert und mit dem aufgrund der angetroffenen Wetterverhältnissen vorläufigen Ziel des Leg Grevasalvas schritten wir in unserer Wintermontur durch das karge Gelände. Als ob es nicht schon ungemütlich genug war, peitschte auch noch ein eiskalter Wind ins Gesicht. Nachdem wir P. 2449 m überschritten und beim Leg Grevasalvas angelangt waren, entschlossen wir uns im dichten Nebel zur Umkehr, denn nicht einmal vom See war viel zu sehen. Als wir die zuvor erwähnte Anhöhe erreicht hatten, tauchte plötzlich hinter dem mächtigen, dunklen Piz Lagrev die Sonne auf und es schien, als ihr der Nebel gleich Platz machen würde. Nun wurde auch die Silhouette des Piz da las Coluonnas sichtbar, verschwand aber gleich wieder in der Suppe. Nach einigem Hin und Her entschlossen wir zur Umkehr von der Umkehr und stiegen zum zweiten Mal zum Bergsee ab, der nun unter dem Sonnenlicht sehr freundlich da niederlag. Und nun schossen die umliegenden Berge wie Pilze aus dem Boden, der Himmel wechselte auf blau und die Stimmung war bei uns ebenfalls auf dem Siedepunkt. Was für ein Naturspektakel! Wir hatten nicht mehr damit gerechnet. 

Die Besteigung des Piz da las Coluonnas wurde Tatsache und der Schneefall, der während dem Abstieg einsetzte, konnte den freundlichen Gesamteindruck unserer heutigen Tour nicht trüben.

Julierpass (Hospiz) - Leg Grevasalvas (T2)

Vom Julierpass ist der gute Bergweg zum Leg Grevasalvas ausgeschildert und bestens markiert. P. 2449 m wird auf der Wanderung zum Bergsee überschritten, was auf dem Rückweg einen Gegenanstieg von 60 m mit sich zieht.

Leg Grevasalvas - Piz da las Coluonnas (T3)

Wir folgten kurze Zeit dem östlichen Ufer des Sees (weglos) und stiegen bald darauf über felsdurchsetzte Rasenhänge auf und erreichten über eine markante Rampe wieder flacheres Gelände. (ganz wenig nördlich von P. 2451 m). Dort querten wir kurz eine Geröllhalde und stiegen auf die nächste "Terrasse" im Gelände auf. Hier trafen wir auf einige Steinmänner, denen wir ziemlich genau östlich aufsteigend folgten. Den Aufstieg zu P. 2633 m bewerkstelligten wir durch eine steile, ebenfalls felsdurchsetzte breite Rinne zwischen zwei Felswänden. Dort leiten weitere Steinmänner dem Hang entlang, wenig ansteigend, bis man nach links abzweigt und durch eine breite Mulde, zum Teil auf Wegspuren, auf eine Hochebene gelangt. Das winzige auf der Landkarte eingezeichnete Seelein ist ausgetrocknet.

Von dieser Hochebene steigt man über Geröll auf den Bergrücken hinauf, wobei man sich von Vorteil links hält. Das Gelände auf dem Rücken ist sehr übersichtlich, man ist in der Routenwahl völlig frei und richtet sich nach den Verhältnissen (Schneefelder, Geröllblöcke). Nach der zweiten steileren Stufe stiegen wir am vonunten gesehen rechtenn Rand des Rückens auf, zeitweise ganz nahe beim Abgrund. Dies einfach aufgrund der zum Teil tückischen, aber ungefährlichen Schneefelder, die nicht immer tragend waren (Bruchharsch...). So mussten wir sogar eine etwas heiklere Stelle mit einigen Kletterschritten recht ausgesetzt bewältigen (T4). Bei normalen Verhältnissen bzw. wenn man sich auf dem Rücken bewegt, ist die Tour als T3 zu bewerten. Die letzten Schritte auf den Gipfel waren dann trotz des noch vorhandenen Schnees problemlos.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (2)


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bulbiferum hat gesagt: Kontrast...
Gesendet am 17. Oktober 2010 um 12:10
bei den Berichten. Vom sonnigen Herbst im Tessin in das frühwinterliche Klima des Oberhalbsteins.

Liebe Grüsse, Markus

TJack hat gesagt: RE:Kontrast...
Gesendet am 19. Oktober 2010 um 22:44
Der SAC Führer Kommentar ist ja der Hit :-D
Aber die Wanderung scheint ja bei dem Wetter doch ganz net zu sein - und hübsche Bilder hast du auch gemacht :-)


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