Die Urbeleskarspitze, 2632m


Publiziert von kardirk , 18. Oktober 2010 um 10:11.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:14 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Die Fahrt vom Münchener Norden ins Hornbachtal ist ziemlich lang und dauert 2,30, egal ob über Füssen-Reute, oder Garmisch-Ehrwald, oder Ettal-Plansee. Am besten über die Garmischer Autobahn und über Ehrwald nach Reute, das Lechtal bis Stansach, dann rechts ab über Vorder- nach Hinterhornbach bis zum Parkplatz an der Gufelbrücke.
Unterkunftmöglichkeiten:Kaufbeurer Haus (2007m). Ist allerdings nur mit AV Schlüssel zugänglich und daher Selbstversorgerhütte oder am Wochenende, dann einfach bewirtet.

Was für ein seltsamer Name. Schon vom Hochvogel ein paar Tage vorher aus war mir dieser Gipfel aufgefallen und nachdem ich eine Beschreibung im Netz (gipfelsuechtig.de) gelesen hatte war klar, da muß ich rauf.
Von Hinterhornbach (1100m), Parkplatz Gufelbrücke, gings im morgendlichen Nebel durch den Steilwald hoch Richtung Kaufbeurer Hütte. Der Weg ist zwar manchmal etwas steiler, aber insgesamt sehr gut und bequem zu gehen. Auf fast 1600m durchstieß ich endlich die Nebeldecke und genoß den genialen Blick auf den Hochvogel im Morgenlicht. Bald war dann auch die Hütte erreicht und tatsächlich kamen trotz der N-seitigen Lage hier die ersten Sonnenstrahlen an. Eine kurze Rast nach 2h mit Blick auf das wilde Urbeleskar mit seinen Gipfel war wohlverdient.
Hier konnte ich schonmal die Anstiegslinie studieren: links der NW-Wand zieht eine steile Rinne hinab, daneben führt ein steiler  unten grasiger Rücken die Flanke hinauf, über den der erste Teil des Anstiegs verläuft. Über die steilen Schotterhalden des oberen Kares vom Bretterspitzweg querend erreicht man diesen Punkt. Oben gehts dann über Bänder in die NW-Flanke und zum Gipfel.
Also nichts wie los. Ich folgte erst einmal dem Weg zur Bretterspitze, bis dann auf ca. 2200m, deutlich mit einem roten U und Pfeil gekennzeichnet, der Steig zur Urbeleskarspitze begann. Der Weg ist nicht zu verfehlen, deutliche Steigspuren queren das Schuttfeld, dazu am Einstieg auf dem begrünten Schroffenrücken ein großes metallenes Kreuz mit Gedenktafel, das einen gleichmal an die Endlichkeit alles Irdischen gemahnt.
Der Anstieg ist auf dem Schrofenrücken mit Steinmandl und vielen kleinen roten Kreuzen und einigen roten Punkten markiert, sodaß man den Weg nichtmal bei dichtestem Nebel verpassen könnte. Zunächst gings über steile Schroffen, schließlich einige Felsen den Rücken steil hinauf, bis er in der linken Rinne auslief, nirgends schwerer als I, alles gut gangbar.
An diesem Punkt weisen ein großer roter Pfeil und dicke rote Punkte nun nach rechts auf ein Band das um eine Kante in der NW-Flanke des Gipfels führt. Und das war dann auch geleich die heikelste Stelle, nicht wegen der Kraxelstelle, sondern  da genau am Übertrittspunkt  alles mit einem a....-glatten Eispanzer überzogen war. Die Stelle mußte ich daher nun etwas schwieriger zunächst aufsteigend über steiles rutschiges Geröll und dann querend über eine kleine Hangelstelle oberhalb umgehen.
Auf dem Band wars dann wieder ein Genuss.Ab hier ist der Steig mit dicken roten Punkten durchgängig markiert.  Der Steig ging über Bändern fast wie in den Dolomiten über die NW-Flanke langsam aufwärts, immer wieder über kleinere Steilstufen hinweg, die etwas mehr Kletterfertigkeit erforderten (eine Rinne II, eine plattige Stelle II). Schließlich erreichte ich die sogenannte  Schlüsselstelle, einen Plattenaufschwung mit  2 Rissen (der linke ist der leichtere), der aber mit guten Griffen und Tritten versehen, gar nicht so schwer dann war (II). Oberhalb dann nur noch Schutt und nach 2 Stunden, nachdem mich noch ein junger Bergkamerad im flotten Tempo überholte, war ich am Gipfel.
Was für eine Aussicht, noch schöner als vom Hochvogel vor ein paar Tagen. Vom Großglockner über Großvenediger, Wetterstein, Mieminger, Stubaier, Lechtaler, Allgäuer bis hin zu den Bergen der Schweiz, Tödi und ganz in der Ferne sogar ein paar Zipfel des Berner Oberlandes - Bergsteigerherz, was willst Du mehr. Wir blieben gut 1,5h auf dem Gipfel und genoßen die grandiose Aussicht in der warmen Oktobersonne. Fantastisch der Höfats über dem Nebelmeer im Norden.
Der Abstieg erfolgte auf dem gleichen Wege, wir gingen ihn gemeinsam, denn das Gelände ist trotz allem ungemein steil, auch wenn die vielen Bänder die Ausgesetztheit etwas verschleiern, aber zu Zweit fühlt man sich doch sicherer, Dank dem jungen Kollegen, dass er mein etwas ruhigeres Tempo mitging.
Schlimmste Stelle war natürlich wieder die kleine Eispassage. Wir stellten schließlich fest, dass sie unten rum über eine kurze steile Felstufe auch zu "bezwingen" gewesen wäre.
Danach entließ ich den Kameraden dankend - er sauste dann zu Tale -  und genoß am Beginn des Aufstieges ca. 1h vom Gipfel, auf einem kleinen Rasenplatzl noch die letzten Sonnenstrahlen, bevor sie hinter dem Gipfel der Gliegerkarspitze verschwand und es sofort doch recht frostig wurde.
Zum Kaufbeurer Haus stieg ich dann das steile Schotterfeld direkt zum Karboden ab. Da das Geröll doch recht fest liegt, war dass im Abstieg nicht so ideal, man konnte kaum richtig Abfahren. Die Spur kann man daher auch für einen direkten Aufstieg von der Hütte zum Einstieg benutzten.
Der Rückweg dann wieder über das KaufbeurerHaus und in die Nebelsuppe eintauchend über den bequemen Weg hinunter nach Hinterhornbach (vom Gipfel gesamt knapp 3h).

Fazit:
Landschaftlich grandiose Tou, mit durchaus ernstem Charakter..
Aufstieg steil, aber relativ fester Fels in allen Kletterpassagen (ich bin sonst eher Karwendelbrösel gewöhnt) und sehr gut markiert. Ohne diese Markierungen wäre der Aufstieg im oberen Teil auch weitaus schwerer zu finden. Ich wäre wohl wie H.v.Barth zum Grat hochgestiegen und dann über Ihn zum Gipfel - soll laut AV-Führer auch nicht so schwer sein. So ist es aber viel schöner.
Trotz der guten Markierungen ist der Gipfel doch recht einsam für diese Gegend.
Den II.Schwierigkeitsgrad sollte man auf jedenfall beherrschen, wie natürlich auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, aber das ist ja eigentlich selbstverständlich bei so einem Gipfel.
*****Sterne-Tour.

Tourengänger: kardirk


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Kommentare (9)


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Tef Pro hat gesagt:
Gesendet am 18. Oktober 2010 um 22:38
Servus,
toller Bericht auf einen tollen Berg, gratuliere! Der steht auch noch auf unserer (unendlichen) Liste..einige Tage zuvor hatten wir noch in Hinterhornbach überlegt, links oder rechts hoch (die Lust auf Sonne hat gesiegt)...du hast es gut gelöst und warst auf beiden Seiten :-)
beste Grüße
Tef

kardirk hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. Oktober 2010 um 15:47
Danke für die Lorbeeren, in der Tat absolut Spitzentour und soviel weniger los als auf den Hochvogel. Das es etwas schattig war, war garnicht so schlimm, beim Abstieg gabs doch noch ne überraschende Menge von Sonnenlicht in der Flanke. Es warten auch noch einige schöne Gipfel in dieser Kette.
Viele Grüße
Dirk

galzusta hat gesagt: RE:
Gesendet am 31. März 2011 um 23:26
"Was für ein seltsamer Name."
Eine Ahnung wo der Name herkommen könnte?

kardirk hat gesagt: RE:
Gesendet am 10. April 2011 um 19:36
Ich denke, dass es wie in so vielen Fällen um einen Grundbesitzernamen handelt, dem das gleichnamige Kar gehörte.

galzusta hat gesagt: RE:
Gesendet am 10. April 2011 um 22:12
Vielen Dank aus Bilbao!

Wurzelsepp hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Juni 2014 um 21:16
So seltsam ist der Name nun auch wieder nicht!

An diesem Berg hatte der Bauer Urban seine Weiden.
Da im Schwäbischen -le hinter dem Substantiv die Verkleinerungs- bzw. Koseform ist, wurde aus Urban Urbele.

Maxe hat gesagt: Traumhaft!
Gesendet am 29. Dezember 2011 um 11:56
Zwei Dinge die mich an diesem Bericht sehr beeindrucken:
1. Die fantastischen Fotos mit der absolut genialen Nebeldecke über dem Hornbachtal und den Allgäuer Alpen. Ich hab das auch schon ein, zweimal erlebt, allerdings hat sich der Nebel nie gehalten und löste sich im Laufe des Tages auf...
2. In deinem Bericht und vorallem an den Fotos kann man gut den Charakter der Tour erkennen. Speziell die verzwickt angelegte Route kommt wirklich schön raus. Ich weiß von älteren Berglern, die dort in den 60er/70er unterwegs waren, dass der Urbeles noch ein anderer "Brocken" war, sprich man fürchtete Orientierungsprobleme bei Wetterumschwung. Damals gabs ja keine Markierungen, sondern nur ein paar Steinmänner. So schön freigeräumt von Geröll war es auch noch nicht...

Viele Grüße, Max

Schmiger hat gesagt: Abgeklettert
Gesendet am 7. August 2013 um 16:38
Ist das mittlerweile da wirklich so "fest" und "unbrüchig"? Also meine einzige Besteigung war irgendwann mal Ende der 90er, glaube das war das Jahr wo zum ersten Mal jemand rote Farbe in die Hand genommen hat um Kleckse hinzupinseln zur besseren Orientierung, und damals war sowohl die Zustiegsrampe als auch der komplette Steig eine Bruchpiste in Bewegung... so sehr das ein doch recht bergerfahrener Mitgeher damals gestreikt hat und erst nach gut zureden von oben aus dem Wandteil weiterkam... kann natürlich sein das die vielen Markierungen in den letzten 10-15 Jahren zu deutlich mehr Besteigungen geführt haben & deshalb vieles "freier" von Geröll ist als damals...

kardirk hat gesagt: RE:Abgeklettert
Gesendet am 8. August 2013 um 18:07
Vielleicht ist das wirklich besser geworden, da durch die Markierungen jetzt alle den ungefähr gleichen Weg benutzten und so das Geröll abgeräumt worden ist. Jedenfall fiel mir das Geröll nicht negativ besonders auf, aber vom Karwendel her bin auch ganz andere Verhältnisse gewöhnt.

VG
Dirk


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