Chöpfenberg 1896 m - Südaufstieg


Publiziert von Ivo66 Pro , 9. Oktober 2010 um 20:25.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum: 9 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SZ   Oberseegruppe 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1070 m
Abstieg: 1070 m
Strecke:Innerthal (Wägitalersee) - Schwarzenegghöchi - Trepsen - Chöpfen - Marchegg - Südrinne
Kartennummer:1:25'000 Linthebene und Klöntal

Der Aufstieg durch die Südrinne auf den Chöpfenberg ist tatsächlich eine sehr schöne Route. Allerdings wird man sie von Vorteil aus dem Schwändital angehen; die von uns gewählte Tour kann ich mit bestem Willen nicht weiterempfehlen, zu sumpfig und mühsam ist der Zustieg aus dem Wägital. Auf der Landkarte sah dies wieder einmal ganz anders aus. Man stelle sich dies einmal vor: Seit gut 2 Wochen ist kein Regentropfen mehr vom Himmel gefallen und dennoch war der Abschnitt zwischen Schwarzenegghöchi und Trepsen noch vorwiegend schlammig. Das Zückerchen sollte aber erst noch kommen, zwischen Trepsen und Chöpfen sank man zeitweise knöcheltief im Sumpf ein. Das Ganze gestaltete sich entsprechend kraft- und zeitraubend. Nein, dieser wohl kaum mehr benützte "Wanderweg" kann bestensfalls im Hochsommer begangen werden, nachdem es während mindestens 5 Wochen nicht geregnet hat.

Dennoch wird die Tour in bester Erinnerung bleiben; der wunderschöne Aufstieg zwischen den Felsen der Südwand hindurch und die herrliche Aussicht über das Nebelmeer entschädigten für die Mühen. Die Tour darf aber keinesfalls unterschätzt werden. Kurz vor Erreichen der Felswand im Aufstieg von der Marchegg sind sehr steile Grashalden zu überwinden. Das lange Gras lag durch die Schneefälle der vergangenen Zeit abwärtsgeschichtet da und bot dementsprechend wenig Halt. Die Grasbüschel mussten denn auch mangels anderer Haltemöglichkeiten zeitweise als Griffe hinhalten. Das Gelände ist nur suboptimal gestuft; es ist wirklich grosse Vorsicht geboten. Am besten begeht man diesen Aufstieg wohl im Frühjahr, wenn das Gras noch kurz, der Schnee aber schon weggeschmolzen ist. Hat man die Felsen der Südwand erreicht, ist der Spuk aber vorbei (wartet aber im Abstieg wieder...).

Die Route durch die Rinne in der Südwand ist markiert (rote Striche) und man findet fast durchgehend Trittspuren. Einzelne Stellen sind drahtseilversichert. Entgegen anderer Informationen halte ich die Drahtseile und die Verankerungen für zuverlässig und stabil (ev. wurden sie erneuert?).

Der Auf- und Abstieg wird aber durch das Nichtbenützen dieser technischen Einrichtungen erst richtig spannend. Man kann so etwa seine T5-Tauglichkeit testen.

Der Chöpfenberg scheint ein recht selten bestiegenes Gipfelziel zu sein. Wir trafen heute auf zwei weitere Bergsteiger, die sich bereits im Abstieg befanden, ansonsten waren wir alleine in dieser faszinierenden Gegend unterwegs.

Innerthal - Schwarzenegghöchi (T2)

Vom Multiwegweiser in Innerthal (grosser gebührenpflichtiger Parkplatz) geht man zunächst auf dem geteerten Strässchen in ganz kurz zu Beginn westlicher Richtung (also Richtung Staumauer) in zwei Kehren hoch und folgt bei einer ersten Abzweigung nach rechts. Immer leicht ansteigend - bei einer nächsten markanten Verzweigung nach links) - führt das Strässchen schliesslich zu einer Brücke (P. 1101 m), von wo ein Bergweg Richtung "Schwarzenegghöchi" nach links abzweigt und durch den Wald hinaufführt. Zuletzt erreicht man wieder das Strässchen und man wandert bequem zur Passhöhe hinauf.

Schwarzenegghöchi - Chöpfen (eigentlich T2...)

Weiter folgt man einer guten Spur (ausgeschildert nach Trepsen) und erreicht nach einigem Auf und Ab die gleichnamige Alp. Wie eingangs erwähnt ist der Pfad sehr schlammig und nach Trepsen wird es zeitweise noch schlimmer. Auch muss man hin und wieder darauf achten, die alten verblassten Markierungen nicht zu verlieren. Der Pfad führt nach Trepsen in einen düsteren Wald, der kaum Sonnenlicht durchlässt und den Schlamm wohl nie austrocknen wird. Bei einem Wegweiser (Richtung "Chöpfen") zweigt man nach rechts ab (Holzpfahl als Markierung beachten) und steigt, nun auf etwas angenehmerem Grund zur Alp Chöpfen hinauf.

Chöpfen - Marchegg (T3)

Von der Alphütte folgt man dem breiten Weg nach Osten. Wo sich der im Verlauf schmaler werdende Pfad verliert, steigt man in der Falllinie mässig steil auf und erreicht dort eine Art Holzsteg über eine sumpfige Stelle. Kurz darauf nach einem weiteren Aufstieg quert man eine Runse auf guter Pfadspur und erreicht durch den lichten Wald die Gratschneide die vom Chöpfenberg hinunter führt bei P. 1587m.

Marchegg - Chöpfenberg (T4, II, ohne Benützung der Drahtseile T5)

Von P. 1587 m steigt man in der Falllinie zunächst mässig steil gegen die Felswand auf. Man hält sich von grossem Vorteil rechts, stets auf der Grathöhe, da weiter links das Gelände oben sehr abschüssig wird. Mit etwas Glück trifft man hin und wieder auf Pfadspuren, über die man dankbar sein wird. Man steigt bis ganz zur Felswand auf und quert dann nach links. Meistens mehr oder weniger dicht an den Felsen führt eine einigermassen passable Wegspur - zum Teil kaum zu erkennen - weiter nach Westen.

Den Einstieg in die Rinne kann man eigentlich nicht verpassen; die Route ist offensichtlich und der Einstieg mit einem roten Pfeil gekennzeichnet. Auch weiter oben sieht man eine deutliche rote Markierung. Auf Wegspuren steigt man die erste Rinne hoch, quert nach rechts (gut markiert) und steht schon bald vor der Schlüsselstelle, einem ca. 3 m hohen Wändchen, das mit einigem Kraftaufwand überwunden werden muss (II). Ein von oben herabhängendes Drahtseil würde den Auf- und Abstieg etwas erleichtern.

Weiter oben findet man vorwiegend steiles Gehgelände vor; es sind durchwegs Tritte und rote Markierungen vorhanden. Zwei Querungen sind jeweils mit einem Drahtseil versichert; es geht aber auch ohne, der Fels ist stabil und gutgriffig und die Tritte ebenfalls komfortabel.

Kurz vor dem Gipfel steigt man erneut durch eine Rinne hoch, die mit einer Seilsicherung versehen ist; das Drahtseil stört dort aber mehr, als es nützlich sein könnte. Und schon steht man auf dem Gipfel!

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (4)


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Felix Pro hat gesagt: super - deine Einschätzung und Bericht zum Chöpfenberg!
Gesendet am 11. Oktober 2010 um 14:56
Ciao Ivo

Lange haben wir den Chöpfenberg auf dieser Route schon vor - die von dir genannten Schwierigkeiten hinderten uns stets daran ...
Also dann im trockenen Frühsommer 2011!

Wie gewohnt: ausnehmend schöne Fotos - hab Dank!

Lieber Gruss

Felix

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:super - deine Einschätzung und Bericht zum Chöpfenberg!
Gesendet am 11. Oktober 2010 um 21:18
Hoi Felix

Vielen Dank für den netten Kommentar und das Kompliment.

Vom Wägitalersee aus bereitet der Aufstieg über die sumpfigen Pfade wahrlich kein Vergnügen. Ich empfehle Dir wärmstens, vom Schwändital aufzusteigen. Man kann dort mit dem PW (anfangs gleiche Strecke ab Näfels wie zum Obersee) bis zu einem Parkplatz (CHF 5.--) auf über 1200 m hinauffahren. Unterhalb des Brücklers führt ab der Alphütte bei Stattboden gemäss Landkarte ein guter Weg in der Südflanke Richtung Marchegg. Auf diese Weise kommst Du gut ohne Sumpf zum Einstieg hoch.

Es bietet sich sogar noch eine weitere Variante an: Nämlich vom Brückler aus über den Ostgrat (SAC-Führer Glarner Alpen, Route 121). Gemäss Auskunft der beiden angetroffenen Bergsteiger ist diese Route zur Zeit gut zu begehen.

Vielleicht wird's dann sogar dieses Jahr noch etwas mit dem Chöpfenberg.

Weiterhin schöne Touren!

Herzliche Grüsse

Ivo

Felix Pro hat gesagt: RE:super - deine Einschätzung und Bericht zum Chöpfenberg!
Gesendet am 24. November 2010 um 23:57
Ciao Ivo

Na dann halt nächstes Jahr ...
ich habe mir deine Tour und diese Varianten vorgemerkt - wie auch immer, der Chöpfenberg muss her!

Wir würden uns kurzfristig melden; hebed en guete Winter, liebi Grüess

Felix

Nicole hat gesagt: dieser Chäs-Schnitz alias Chöpfenberg...
Gesendet am 25. November 2010 um 13:33
...ist schon längst ein Wunschziel von mir! Danke Lena und Ivo für die bestens beschriebene Tour und die guten Tipps!
So wird dieses Projekt definitiv 2011 angegangen.

Lieben Gruss
Nicole


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