vollständige Breithorn-Überschreitung Ost-West incl. Pollux


Publiziert von garaventa , 7. Oktober 2010 um 06:40.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:28 Juli 2008
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 1 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit der Seilbahn auf das Klein Matterhorn

Pollux & vollständige Breithorn-Überschreitung von Ost nach West

Besteigungsbericht:

Pollux & vollständige Breithorn-Überschreitung von Ost nach West am 28 07.2008

Gipfelziele: Pollux, Rocia Nera, Breithorn-Zwillinge Ost & West, Ostgipfel, Westgipfel


Als Eingeh- und Akklimatisationstour machten wir eine Woche vor der Monte Rosa Ostwand-Tour die vollständige Breithorn-Überschreitung incl. des Pollux als Tagestour vom Klein-Matterhorn aus.

Wir starteten am frühen Morgen des 28.07.08 in Saas-Fee und fuhren mit dem Auto hinüber ins Mattertal.

Die erste Bahn hinauf zum Kl. Matterhorn geht um kurz vor 7 Uhr ab Zermatt und so erreichten wir die Grossbaustelle Klein-Matterhorn gegen 7.30 Uhr.

Das Wetter war zunächst nicht sensationell aber es wurde Besserung im Verlauf des Tages versprochen. Ab dem Nachmittag jedoch drohten bereits wieder neue Gewitter von Süden.

Wir folgten zunächst der ausgetretenen Spur über den Breithorn-Pass hinweg in Rtg. Schwarztor bzw. Pollux.

Da wir zügig voran kamen, überholten wir etliche Gruppen von Zermatter Führern mit ihren Gästen und waren am ersten Aufschwung des kleinen Pollux bereits recht weit vorne in der Schaar derer, die dort hinauf wollten.

Nach der Kletterpassage im Couloir mit den Ketten ging es direkt hinauf über den hübschen Firngrat zum Gipfel, welchen wir um 9:45 Uhr erreichten.


Um Warterei und Gedränge beim Abstieg zu vermeiden, wählten wir als Abstiegsroute die sehr steile Firnflanke westlich des üblichen Aufstiegs.

So kamen wir einerseits sehr schnell wieder hinab auf den Verra-Gletscher und brauchten bei unserem Abstieg keinen aufteigenden Bergkameraden auszuweichen.

Wir querten das Schwarztor unterhalb der Jochkante und hielten dann direkt auf die Felsinsel zu, auf der sich das Biwak Rossi e Vollante befindet.

Wir schwitzten wie die Saunagänger und legten sehr bald Jacke und Pullover in den Rucksack.

Beim Erreichen des Biwaks warnte Gabriel mich rechtzeitig zu grosser Vorsicht. Auf den Felsen lagen (leider) zahlreiche Hinterlassenschaften von Biwakbesuchern, die sich offenbar nicht die Mühe machen, ihr Geschäft ein wenig Abseits des Biwakplatzes zu verrichten.

Danach ging es im Schnee steil hinauf zur Rocia Nera, welche wir um 11:00 Uhr erreichten.

Inzwischen hatten sich am Breithornfirst erste dünne Wolken angehaftet, sodass die Aussicht hier nicht wirklich gut war.

Zügig ging es nun weiter Rtg. Breithornzwilling-Ost, welchen wir über den einfachen aber stark verwächteten Firngrat schon nach weiteren 20 Minuten betraten.
Dann begannen die interessanteren und felsigen Passagen dieser Tour:
 Zunächst das Abseilen auf der Rückseite des Ostzwillings in zwei Stufen hinab auf den folgenden Firnsattel, immer wieder mit eindrücklichen Tiefblicken in die steile stark überwächtete Nordflanke des Breithorns, denn die Sicht wurde nun wieder zunehmend besser und mir wurde gewahr, wie exponiert wir uns zum Teil hier oben bewegten.

Danach hinüber über den Firnsattel und hoch zum Westzwilling, auf welchem wir um 12:15 eintrafen.
Es folgte erneutes Abseilen in 2 Steilstufen, ganz hinunter in den grossen Schneesattel.


Von hier kam nun der schwierigste Abschnitt unserer Tour in Reichweite. Die Ersteigung des dreistufigen Aufschwunges hinauf zum Ostgipfel. Dieser Aufschwung ist je nach Routenwahl nicht zu unterschätzen.
Wir wählten den direkten Weg über die Gratfelsen, wo an einigen Stellen ein Schwierigkeitsgrad von (IV-) im SAC-Führer ausgewiesen ist.
Kurz vor dem Übergang in den Firngrat hinauf zum Ostgipfel war noch ein äusserst exponiertes Gratstück zu überschreiten, welches wirklich nur einem Paar Schuhe Platz bot.

Rechts und links steile Abstürze mit reichlich Tiefblick. Ich ging hier wie auf Eiern und hatte ehrlich gesagt ein richtig mulmiges Gefühl im Bauch.
Danach erreichten wir um 14:15 Uhr problemlos den Breithorn-Ostgipfel über den scharfen Firngrat.

Das Wetter verschlechterte sich wieder und Gabriel zog es zunächst in Erwägung, die Überschreitung hier abzubrechen, um sofort zum Kl. Matterhorn zurückzukehren.

Ich konnte ihn dann aber doch noch überzeugen den Westgipfel noch mitzunehmen, da dieser von unserem Standort aus so greifbar nahe lag.

Also schnell hinunter in den Sattel und auf der anderen Seite in Gabriels Marschierschritt wieder hoch zum Hauptgipfel, den wir nur 15 Minuten später sicher erreichten. (ich hier kurz vor Vollanschlag)

Von Süden kam nun deutlich hörbar ein Gewitter auf und wir liefen hinunter Rtg. Breithornpass und zurück zum Kl. Matterhorn, wo wir in Begleitung von Graupel und Donnergrollen um 15:10 eintrafen.

Leider wird dieser Felsen immer weiter vergewaltigt. Hier oben ist für die nächsten Monate eine Grossbaustelle eingerichtet worden, da eine Unterkunft für Bergsteiger gebaut werden wird.

Fazit:
Eine schöne, sehr abwechslungsreiche Tour, von der ich vor ihrer Begehung viel weniger erwartet hatte als sie letztendlich bot. Der Grat über das Breithorn ist stellenweise äusserst exponiert und bietet sehr eindrückliche Tiefblicke in die wilde Nordflanke des Berges.

Wer zügig unterwegs ist, kann diese Tour locker als Tagestour ganz ohne Hüttenaufenthalt meistern. Wer weiter Rtg. Liskamm gehen möchte, findet hier auch Gelegenheit, sich auf die folgenden Tage vorzubereiten.

Gruss garaventa
 


Tourengänger: garaventa


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