Gumpenspitze (2170 m)


Publiziert von gero Pro , 5. Oktober 2010 um 22:20.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum: 4 Oktober 2010
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1040 m
Abstieg: 1040 m
Strecke:Alpengasthof Eng - Hohljoch - Anstieg Ostgrat - Abstieg Normalweg - Eng (12,5 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bad Tölz - Sylvensteinspeicher - Vorderriß - Hinterriß - Rißbachtal - Großer Ahornboden - Alpengasthof Eng
Kartennummer:AV 5/2 (Karwendel Mitte); Freytag & Berndt WK 322 (Wetterstein - Karwendel)

Die Gumpenspitze führt neben der wesentlich imposanteren Erscheinung des benachbarten Gamsjoches ein Schattendasein - ein Anreiz mehr, sich diesem Berg zuzuwenden, der insgesamt anspruchsvoller ist, als es den Anschein hat - obwohl es keine ausgesprochenen Schwierigkeiten gibt!

Walter und ich starten gegen 6:40 Uhr am Großparkplatz des Alpengasthof Eng (1220 m) - wir haben hier zu früher Stunde mühelos einen der schätzungsweise 500 Parkplätze bekommen und hätten uns kaum träumen lassen, daß bei unserer Rückkehr gegen 14 Uhr im ganzen Rißbachtal nicht ein einziges Fleckchen mehr frei sein würde! Wegen des grandiosen Herbsttages waren sicher weit mehr als 1000 PKW im Tal zwischen Hinterriß und der Eng auf nur jedem erdenklich freien Plätzchen abgestellt worden, dazu sicher über 100 Busse -  und eine unübersehbare Masse Mensch allein am Hohljoch unterwegs. Aber ich greife meiner Erzählung vor.

Mutterseelenallein wandern wir hinein in die Dämmerung dieses Traumtages. An den Gebäuden der Engalm vorbei, die mittlerweise eher einem Dorf denn einer Alm gleichen mit ihren Läden, Gasthöfen und Bewirtschaftungsgebäuden. Danach wird es steiler, der gut beschilderte und markierte Weg strebt in west-südwestlicher Richtung hinauf zum Hohljoch (1794 m, ca. 90 Minuten ab Eng), von dem bekanntlich der Grubenkarpfeiler in den heute stahlblauen Himmel hinaufschießt.

Hier scheiden sich die Interessen der Bergsteiger: 95% wandern weiter zur Falkenhütte - wir beide gehören zum spärlichen Rest, der zunächst horizontal zum Hochleger der Lalidereralm (1786 m) weitergeht. Die Gebäude sind bereits winterfest verschlossen. Vorbei daran, weiterhin horizontal, nun in nordöstlicher Richtung auf dem Weg zum Gamsjoch etwa bis zu der Stelle, wo der Ostgrat vom Gipfel der Gumpenspitze den Weg erreicht; schon vorher jedoch queren wir, zunächst nur leicht ansteigend, pfadlos die Ostflanke unseres Berges bis zum Ostgrat. Ihm folgen wir jetzt in zunehmender Steilheit, zumeist leicht links (im Sinne des Aufstiegs), also südlich der Gratkante, wo es gerade am besten geht.

Hier am Ostgrat der Gumpenspitze sind absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und zudem der berühmte "Blick fürs Gelände" ein absolutes Muss. Nur gelegentlich sind dürftige Steigspuren erkennbar, in erster Linie sucht man sich jedoch seinen eigenen Weg in dieser Steilgrasflanke. Jawohl, Steilgras - ab und zu durchsetzt mit kleineren Kletterstellen, die zwar nie den ersten Grad überschreiten - aber die Route ist unerwartet anspruchsvoll durch die Brüchigkeit des Gesteins und vor allem dessen langhalmiger, abwärtsgeschichteter Grasbewuchs.

Deswegen empfehle ich etwaigen Wiederholern, diese Tour nur bei absolut trockenen Verhältnissen zu begehen.

Zum Vergleich: der Ostgrat ist etwas anspruchsvoller als der Normalweg auf die Vogelkarspitze!

Nach oben hin wird der Grat etwas steiler, die felsigen, (leichten) Kletterstellen mehren sich - und urplötzlich stehen wir nach einem letzten schrofigen Absatz auf dem Gipfel der Gumpenspitze (2170 m).

Und wieder eine kleine Überraschung: der Gipfel hat den Charakter einer schmalen Schneide, die nach Osten mit der eben erstiegenen Steilgrasflanke, nach Westen mit grausig brüchigen Felsabsätzen abfällt - gemütliches Hinlümmeln ist hier nur sehr bedingt möglich, ich finde noch nicht einmal ein wirklich horizontales Plätzchen, um das Stativ zum Fotografieren aufzustellen. Zudem umtost uns heftiger Föhnsturm, der uns zwar den makellos blauen Himmel beschert, aber andererseits keine rechte Gemütlichkeit aufkommen läßt.

So fällt die Brotzeitpause dort oben kürzer aus als normal - auch, weil nach dem etwas "gachen" Aufstieg die bange Frage auf uns liegt: wie wird der Abstieg auf dem Normalweg geartet sein? Zunächst geht es südwärts auf der Gipfelschneide, und kurz danach kommt wieder eine kurze Einserkletterei hinunter vom Gipfelzacken. Wieder folgen wir nur dürftigen Steigspuren, wieder gehts mit Geländeblick teils am Kamm, teils knapp darunter in der Ostflanke abwärts (die Westflanke ist nicht begehbar). Später kommen uns sogar einige Bergkameraden auf dem Normalweg entgegen, und auf meine Frage nach etwaigen "Gemeinheiten" auf dem Abstiegsweg antworten sie "Naja, geht schon so leidlich!".

Es geht dann auch so leidlich. keine technischen Schwierigkeiten, aber weiterhin Trittsicherheit und Schwindelfreiheit die grasige Ostflanke hinab zum Hochleger von Laliders. Der tatsächliche "Weg" hätte über den Sattel zwischen Gumpenspitze und dem südlich vorgelagerten Teufelskopf hinabgeführt (sein unterer Bereich ist ab Laliders-Hochleger gut zu sehen), aber inwiefern dies wirklich ein "Weg" ist, scheint mir doch fraglich.

Jedenfalls machen wir auf einem Bänkchen am Laliders-Hochleger noch eine gemütliche Spätsommer-Sonnenpause (für eine Besteigung des Teufelskopfes haben wir heute ausnahmesweise keine Zeit mehr), bevor wir schließlich wieder über das Hohljoch (man kann ganz kurz zuvor links hinunter abkürzen und erspart sich einen kleinern Gegenanstieg) und den anschließenden Wanderweg hinunter absteigen zur Eng. Dort ist es dann vorbei mit der Karwendelruhe, wir tauchen ein in das Meer von hunderten Autos und noch viel mehr Spaziergängern, die Zivilisation hat uns wieder.

Tourengänger: gero


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Geodaten
 3723.gpx Vom Alpengasthof Eng auf die Gumpenspitze

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Kommentare (2)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 5. Oktober 2010 um 23:37
Schöne Tour, gratuliere. Eigentlich hätten wir uns sehen müssen, denn ich an dem Tag war auf der Kühkarlspitze(2465m). Allerdings bei höllischem Föhnsturm! Sogar meinen schönen alten Afrikahut hat's mir auf Nimmerwiedersehen vom Kopf geweht. Wenigstens hat er jetzt im Kühkarl eine würdige Ruhestätte.
So einen Sturm habe ich selten erlebt; Bericht folgt demnächst!

Beste Grüße! Gunter

trainman hat gesagt:
Gesendet am 6. Oktober 2010 um 01:01
Hallo gero
Gratuliere zu dieser schönen Tour.1987 war ich auch da oben,ich bin allerdings etwas westlich von Deiner Route aufgestiegen und ziemlich direkt östlich nach Eng runter.Dabei gab es am Ende noch grösseren Ärger mit einem Abbruch,der mühsam umgangen werden musste bei einbrechender Dunkelheit.
Beste Grüsse trainman


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