Auf den Spuren des Yeti über die verschneite Furggele zur Glattalp


Publiziert von fuemm63 Pro , 6. Oktober 2010 um 11:07. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 4 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SZ   Glärnischgruppe   CH-UR 
Aufstieg: 730 m
Abstieg: 750 m
Strecke:Gumen - Bützi - Lauchboden - Furggele - Glattalp: 13,5 km.
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Braunwald
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Glattalp
Kartennummer:1173 Linthal

sursass58 und ich wollen von Braunwald über die Furggele in die Glattalp laufen. Als Option behalten wir den Exkurs zum Ortstock im Auge. Ein eher leichter Berglauf mit nur etwa 700 m HD und ca. 13 km Laufdistanz - so denken wir. Doch die Traversierung der zum Teil verschneiten karrigen Legerwandkante zwischen Bützi und Lauchboden sowie der Übergang über die verschneite Furggele erweist sich als Härtetest - wir holen uns Schürfungen, klamme Hände und Wädli und surfen wie Trunkene im Föhn-Gegenwind auf teigigen Schotter-Flanken zur Glattalp hinab - und lassen den Ortstock getrost links liegen. Fazit: Wunderschöne Berglauftour, aber besser ohne Schnee an der steilen Furggele (mit Schnee T3+).

Unser Lauf beginnt bei der Bergstation Gumen (1900 m) unterhalb des Eggstocks. Über ein einfaches flaches Wegstück steigen wir am Schattenstock vorbei zur (der, die, das?) Bützi (2150 m) hinauf. Dort öffnet sich vor uns gegen Westen ein riesiges Karrenfeld - anscheinend das grösste, das es in der Schweiz gibt. Ein eindrückliches Geotop! Von Bützi aus könnte man (wie von neutrino hier beschrieben und mit wunderbaren Fotos dokumentiert) auch in Richtung Erigsmatt und Charetalp weiterziehen.

Vom Bützi aus traversieren wir entlang der Kante der Legerwand am Rund Eggen vorbei in südlicher Richtung nach Lauchboden oberhalb vom  Bärentritt, über den man von Braunwald aus auch direkt über einen blauweissen Abschnitt zum Lauchboden aufsteigen könnte. Der Weg zwischen Bützi und dem Lauchboden geht auf und ab und erfordert hohe Konzentration und Trittsicherheit, da wir wegen des Schnees zum Teil schauen müssen, wo wir genau den Fuss hinsetzen. Immer wieder bleiben wir stehen und bewundern zum Teil bizarre Loch-, Rillen- und Kluftkarren. 

Der Lauchboden (2012) ist eine grosse, flache Ebene, die wie ein Fremdkörper in der verkarsteten Tektonik wirkt. Wahrscheinlich lag hier einst ein inzwischen versiegter Karsee (an der nicht weit entfernten Ostflanke des Höch Turm sind auch Gletscherreste zu erkennen). Am Ende des Lauchbodens beginnt der steile Aufstieg zur Furggele, die von P. 2012 aus fast wie eine Wand wirkt. Mitte September lag auf der Furggele noch kaum Schnee, wie dem Bericht von saebu zu entnehmen ist. Jetzt aber ist sie ziemlich eingeschneit, und es fragt sich, ob eine Traversierung Sinn macht. Wir wollen's versuchen - "Klar zum Entern" (O-Ton Haddock) überqueren wir die weisse Ebene des Lauchbodens und folgen wie Tintin auf der Fährte des Yetis einer Fussspur, die bis hinauf zur Furggele führt. Die Spur macht den Aufstieg mit Laufschuhen überhaupt möglich - sonst wäre der Abstieg über den Bärentritt nach Braunwald die schneefreie Alternative gewesen. Die oberste Schneeschicht ist gefroren, da der Hang meist im Schatten liegt. Das freut vor allem unsere nackten Wädli und Finger, die alle beide ein Gratispeeling abbekommen. In 50 Minuten (immerhin, der Wegweiser sprach von 1h10min) kämpfen wir uns den fast 400 m hohen Steilhang zur Furggele hoch.

Auf der Furggele (2402) empfängt uns der Föhn, der von Westen herüberweht, aber gar nicht so warm ist, sondern uns unangenehm um die nassen Glieder pfeift. Nur kurz das wolkenverhangene Panorama und den leichten Aufstieg zum Ortstock begutachtend steigen wir - jetzt mit Hilfe von Spikes an den Schuhen - den ebenfalls steilen Hang hinunter zur Höhenkote P. 1948 im Hinter den Steinen. Am westlichen Steilhang ist nicht der Schnee das Problem, vielmehr die "teigige" Struktur der ganzen Flanke. Mehr rutschend als laufend überwinden wir die obere Hälfte der Flanke, dann wird der rotweiss markierte Wandeweg wieder sichtbar und wir erreichen bei P. 1857 die Talsohle der langgestreckten Glattalp und den Glattalpsee (1853 m). Das Wetter wird immer garstiger, wir laufen bis zur Bergstation Glattalpbahn aus. Dort fährt ca. jede zwei Stunden ein Bähnchen hinab ins Bisistal.

PS: Die Glattalp ist mit -52,5°C vom 07.02.91 kältester Punkt der Schweiz, allerdings inoffiziell. Fast so kalt haben wir heute die Furggele gefunden ;-)

Literatur
Fridolin Walcher: Vertikale Ebenen. Felslandschaften in den Glarner Alpen. Helden Verlag, Zürich 2010.

Tourengänger: fuemm63, sursass58


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