Deno 2790m, Ireček 2852m, Malka Musala 2902m und Musala 2925,304m


Publiziert von Sputnik Pro , 6. Oktober 2010 um 21:29.

Region: Welt » Bulgaria
Tour Datum:27 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: BG 
Zeitbedarf: 11:30
Aufstieg: 1850 m
Abstieg: 1850 m
Strecke:zirka 25km (total)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von София (Sofija) halbstündlich mit dem Bus nach Самоков (Samokov). Von dort stündlich mit einem Kleinbus nach Боровец (Borovec).
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Хижа Мусала (Hiža Musala; 45 Plätze) und Заслон Еверест (Zaslon Everest; 30 Plätze).
Kartennummer:Рила 1:50000 - Туристическа карта

HÖCHSTER BULGARE: МУСАЛА (MUSALA) 2925,304m.

Wie schon letztes Jahr gönnte mir ich auch im 2010 wieder zwei Europareisen mit Wanderungen oder Bergtouren auf Landeshöhepunkte. Für den Frühherbst sollte es nach Südosteuropa gehen da dort im Frühherbst das Wetter meistens hochdruckbestimmt ist. So reiste ich eine Woche nach Bulgarien und Serbien, beides interessante Länder welche ich bisher noch nicht kannte.

Der höchste Berg von Bulgarien, ja sogar von der ganzen Balkanhalbinsel, ist der Мусала (Musala) welcher nach exakten Messungen im Jahr 2006 genau 2925,304m hoch ist. Der Berg liegt 80km südlich der Hauptstadt София (Sofija) im Рила (Rila), einem kleineren Gebirge das in der letzten Eiszeit von Gletscher geformt wurde. Dadurch wurden zahlreiche Bergseen gebildet welche die Landschaft einzigartig machen weshalb das Gebiet zum Nationalpark erklärt wurde. Als historisch gesichert erster Besteiger gilt Philipp II. von Makedonien (Φίλιππος Β') welcher den Musala ums Jahr -350 bestieg. Drei von Bulgarien grösste Flüsse entspringen rund um den Musala, es sind dies der Искър (Iskăr), Марица (Marica) und die Места (Mesta). Der Musala ist der kälteste Ort auf dem Balkan mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von -3°C und am Gipfel liegen während acht Monaten im Jahr Schnee. Zudem ist der Berg oft von Nebel umhüllt. Die Messungen auf dem geräumigen Gipfel übernimmt ein Umweltobservatorium. Auf dem Nord- und Südgrat lässt sich der Berg über gut ausgebaute Bergwege (T2) einfach besteigen, alpinistich interessanter ist dagegen der Aufstieg über den Ostgrat (T4-5; Fels bis I+) der über die Vorgipfel Maлкa Mусала (Malka Musala; 2902m) und Иречек (Ireček; 2852m) führt. Die Flanken vom Musala sind alle eher mühsam begehbar (T5) denn sie sind steil, weglos und im Gipfelbereich mit sehr viel losem Geröll bedeckt. Im Norden liegt der Wintersportort Боровец (Borovec) der meistens als Ausgangsort dient, dabei kann man mit der Bergbahn zum Ястребец (Jastrebec; 2369m) hochfahren und so die Tour deutlich abkürzen.

Reisebericht Bulgarien:

TAG 1 (25.9.): Zürich - Sofija

Ein erste Überraschung erlebte ich schon am Flughafen Zürich als ich auf meinen Abflug wartete, denn mein HIKR-Freund "chaeppi" besuchte mich spontan in seiner Mittagpause da er am Flughafen arbeitet. Doch bald ging es bei strömendem Regen ins Flugzeug, schön wenn man bei dem misslichen Wetter die Schweiz verlassen kann! Der Flug verlief ohne Probleme und so landete ich bei angenehmer Temperatur und leichter Bewölkung in Sofija. Der Zöllner blickte kritisch in meinen Pass und schon war ich in Bulgarien. Nachdem ich mein Gepäck abgeholt hatte fuhr ich mit Bus 284 in Richtung Zentrum. Da am südlichen Ende des Zentrum endetete und das von mir gewählte Хотел Мая (Hotel Maja) direkt in der Stadtmitte lag musste ich noch etwa zwanzig Minuten zu Fuss gehen. Dabei konnte ich schon einige der historischen Bauwerke Sofijas bestaunen. Da Hotel ist in einem Altbau gelegen und die Zimmer waren wie in Grossmutters Zeiten eingerichtet. Da es bald eindunkelte sah ich mir nur nie Umgebung an und ass auf der Terrasse vom "Happy" ein feines Nachtessen - das Restaurant ist nicht nur wegen den süssen Girls die das Menu servieren ein Besuch wert, das Essen dort ist absolut köstlich!

TAG 2 (26.9.): Sofija - Samokov - Borovec

Um von Sofija nach Samokov zu gelangen muss man von der kleinen Busstation Aвтогара Юг (Avtogara Jug) gelangen die etwas Ausserhalb des Zentrums im Süden liegt. Um noch etwas von der Stadt zu sehen wollte ich zu Fuss gehen. Leider wurde aus dem Spaziergang wegen einer autobahnähnlichen Strasse sowie meinem schlechten Stadtplan in meinem Bulgarienbuch eine zweistündige Wanderung durch Vorstadtsiedlungen. Schlussendlich fand ich diese Busstation unter einer Brücke versteckt wo ich mich bei einem Kaffee mit Imbiss stärkte. Die einstündige Fahrt nach Самоков (Samokov) war ein dann besonders schön da sie durch das enge Tal des Iskăr und vorbei am grössten See Bulgariens, dem Stausee Езерото Искър (Ezeroto Iskăr), führt. In Samokov fuhr nach einem Bierchen ein Minibus nach Borovec weiter. Den modernen Wintersportort auf 1340m erreichte ich nach kurzer Fahrt durch tiefen Wald und ich wunderte mich dass dort bei meiner Ankunft die grauen Wolken so tief hingen obwohl eigentlich besseres Wetter vorausgesagt wurde. Da Nebensaison war, war mein ausgewähltes Hotel geschlossen, so musste ich in anderes Quartier suchen was sich aber mit dem Хотел Алпин (Hotel Alpin) als Glücksfall erwies. Das kleine Viersternhotel war für schweizer Verhältnisse billig und sehr gemütlich eingerichtet. Da es am nächsten Tag früh losgehen sollte, legte ich nach einem üppigen Nachtessen in einem der vielen köstlichen Restaurants bald ins Bett.

TAG 3 (27.9.): Borovec - Deno - Ireček - Malka Musala - Musala - Borovec

Einen sternenklaren Himmel leuchtete als ich um sechs Uhr morgens mein Hotelzimmer verlies, der Wettergott hat's wohl gut gemeint an meinem wichtigsten Tag in Bulgarien. Auf einer Strasse erreichte ich bald die Abzweigung Бистрица (Bistrica) wo der eigentliche Aufstieg zu den Hütten Хижа Мусала (Hiža Musala) beginnt. Stetig steil wanderte ich auf den breiten, gerölligen Forstweg talaufwärts während es langsam begann hell zu werden. Nach knapp zwei Stunden erreichte ich die Brücke Велчево мостче (Velčevo mostče) auf 1950m Höhe. Hier rastete ich kurz doch wanderte bald weiter da es im engen Tal doch ziemlich kühl war. Die Schotterstrasse führte weitere 200 Höhenmeter bergauf bis zu einer Skistation wo endlich ein echter Wanderweg zur Hiža Musala ausgeschildert war. Der Pfad schlängelte sich durch dichte Legeföhren zu einer Weide. Hier überquerte ich wieder den Bach und stand bald bei der schön an einem Bergsee gelegenen Hütten auf 2389m. In der Sonne war jetzt endlich eine gemütliche Rast möglich, denn der Weg zum Musala wird noch lange sein! Frisch gestärkt ging ich mein erstes Gipfelziel an, dafür folgte ich zuerst ostwärts einem grün markierten Bergweg hinauf zu einem Bergrücken den ich auf 2500m erreichte. Hier geginnt die interessante, oft weglose Grattour zum Musala. Zuerst wanderte ich den breiten Grasrücken hinauf bis zum Vorgipfel des breiten Grasberges Дено (Deno).  Durch ein Blockfeld erreichte ich alsbald den mit 2790m höchsten Punkt mit einem riesigen Steinhaufen. Gegenüber wanderte ich über Grashänge hinab in einen breiten Sattel mit der auffälligen Felsformation Сфинкса (Sfinksa). Vom Sattel querte ich zu einem kurzen Gratstück mit einem kleinen Steinmann und Wegspuren, danach ging es meist weglos auf den Nordgipfel des Ireček von wo ich eine prächtige Aussicht auf meine bisher zurückgelegte Strecke hatte. Der südliche Hauptgipfel war von dort über Geröllblöcke schnell erreicht. Dort zeigte sich der Musala mit seiner Nordostflanke besonders eindrücklich, doch zuerst lag noch der Malka Musala auf meinem Gratweg dazwischen. Etwas östlich vom Grat stieg ich auf Wegspuren in den Sattel zwischen den Gipfel Ireček und Malka Musala hinab. Nun könnte man den Wegspuren zum Malka Musala etwas östlich vom Grat aufsteigen, ich zog es vor in lechter Kletterei über den Granitfels direkt dem Grat zu folgen was riesigen Spass machte und ich so bald auf meinem dritten Gipfel der Musalarunde stand. Hier machte ich nochmals eine Rast, doch bald zog es mich weiter. Zuerst ging es einfach den Wegspuren die Flanke hinan, danach am zackig-felsigen Grat entlang in eine tiefe Scharte zwischen den beiden Musalagipfel in der bizarre Felstürme stehen, die Granittürme heissen Трионите (Trionite). Für den Aufstieg folgte ich wieder meistens dem felsigen Grat, einige Stellen waren sogar mit einem Drahtseil gesichert welches aber bei den trockenen Verhältnissen nicht benötigt wird. Sowiso machte es hier mehr Spass dem Grat in netter Kletterei direkt zu folgen - nur einmal stand ich auf einem Turm und musste einige Meter wieder zurück steigen. Zum geräumigen Gipfel hin wurde das Gelände immer einfacher zu begehen und so erreichte ich den höchsten Berg der Balkanhalbinsel nach 7½ Stunden ab Borovec. Leider waren inzwischen einige Quellwolken aufgezogen und raubten mir so die Fernsicht, dennoch war es ein super Erlebnis auf diesem schönen Berg zu stehen. Da das Wetter nicht so klar war und es noch frühen Nachmittag war entschied ich mich am gleichen Tag abzusteigen obwohl ich den Schlafsack für ein Gipfelbiwak dabei hatte. So wanderte ich in etwa vier Stunden über den einfachen Normalweg zurück nach Borovec, zuletzt wollte der Schotterweg im tiefen Tannenwald einfach nicht enden und ich staunte dass mir die Strecke im Aufstieg nicht besonders lange vorkam. Im Hotel nahm ich erst erholsames Bad, danach verköstigte in einem der zahlreichen Restaurants in Borovec mit einem deftigen Schäfersalat, gebratenen Kartoffeln und zwei dicken gegrillten Koteletts. Einfach herrlich nach einer langen Bergtour!

TAG 4 (28.9.): Borovec - Samokov - Sofija

Nachdem ich ausgeschlafen habe packte ich gemütlich mein Gepäck und fuhr danach zurück nach Sofija um so sicherlich genügend Zeit für die Reise nach Serbien zu haben. Die Rückfahrt von Samokov nach Sofija war nun wegen dem herrlichen Wetter noch viel schöner als die Hinfahrt. In Sofija nahm ich diesmal von der kleinen Busstation Avtogara Jug die neue U-Bahn zurück ins Stadtzentrum. Dort quartierte ich mich ins "Интернет Хостел София" (Internet Hostel Sofija) ein. Das Hostel befindet sich direkt im Stadtzentrum und hat gemütliche Einzelzimmer sowie ein Computer mit Internetanschluss der von allen Gästen benutzt werden kann. Für den Rest des Tages informierte ich mich wegen der Weiterreise nach Serbien, sah mir die Stadt genauer an und verköstigte mich im "Happy".

TAG 5 (29.9.): Sofija - Pirot

Heute musste ich wieder einmal früh aufstehen da mein Bus schon um 7 Uhr  nach Serbien fuhr und ich noch kein Ticket hatte. Kurz vor sechs verliess ich das Hostel und lief bei Regen in zwanzig Minuten zum grossen Busbahnhof von Sofija. Das Ticket hatte ich bald in der Tasche und konnte so bei einem starken Kaffee auf den Bus warten.  Wegen dem starken verkehr dauerte es etwas bis unser Bus aus der Stadt kam, danach ging es aber zügig zur Grenze nach Serbien.

TAG 5-7 (29.9.-1.10.): Serbien

Für den Tourenbericht vom höchsten Berg Serbiens siehe Bericht "Midžor / Midžur 2169m": http://www.hikr.org/tour/post28726.html

TAG 7 (1.10.): Pirot - Sofija

Sehr früh am morgen überquerte ich die Grenze von Serbien her wieder zurück nach Bulgarien. Die Zollabfertigung ging rasch und bald fuhr unser alter Bus aus jugoslawischer Bauart in Richtung Sofija. Kurz nach Sonnenaufgang verwandelte das Licht die Talebenen und Geländesenken wegen dem Bodennebel in eine mythische Landschaft. Doch die landschaftliche Idylle hielt nich lange denn bald hatte mich der Trubel von Sofija wieder. Ich stieg erneut im Internet Hostel Sofija ab und spazierte am Nachmittag in der bulgarischen Hauptstadt umher. Abends ging es wie gewohnt ins "Happy" und danach liess ich den letzten Abend im Irish-Pub, welches sich im gleichen Gebäude wie das Hostel befindet, bei einigen Bierchen ausklingen.

TAG 8 (2.10.): Sofija - Zürich

Der letzte Tag verlief sehr ruhig, so ging ich den Tag gemütlich an und flog am Nachmittag zurück nach Zürich.

Meine genaue Gipfelroute: Боровец - Бистрица - Велчево мостче - Хижа Мусала - Дено - Сфинкса - Иречек - Maлкa Mусала - Трионите - Mусала - Заслон Еверест - Хижа Мусала - Велчево мостче - Бистрица - Боровец.

Links zum Musala:

Info Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Musala
Wetter Musala: http://www.mountain-forecast.com/peaks/Musala/forecasts/2925
Bergsteigerinfo Summitpost: http://www.summitpost.org/mountain/rock/155169/musala.html

Tour im Alleingang.

Tourengänger: Sputnik


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Kommentare (10)


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trainman hat gesagt:
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 00:47
Hallo Sputnik
Wieder einmal eine Traumreise mit schönen Bildern von einem jahrzehntelang verbotenen Gebiet.Gratuliere!
Grüsse trainman

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 06:59
Salü Trainman,

Viele Dank für den Kommentar. Im Gegebsatz zum höchsten Serbe war wärend der sozialistischen Zeit Bulgariens der Berg immer zugänglich. Es brauchte dazu einfach ein Visa und Hotelreservationen in Sofija und Borovec, . natürlich musste man damals auch Zwangsgelbwechseln. Das Gebirge Rila war in der Volksrepublik Bulgarien ein Wandergebiet und Borovec Wintersportzentrum.

Viele Grüsse, Sputnik

chaeppi Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 10:38
Hoi Andi

Sehr schöne Touren hast Du da unternommen.

Grüsse, chaeppi

Wolfgang Schaub hat gesagt: Musala
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 20:34
Sehr schöner und für Nachahmer sehr brauchbarer Bericht eines sehr schönen und für Wildwanderer sehr attraktiven Gebirges!

Früher hieß der Musala mal eine Weile lang "Stalin". Gut, dass diese Zeiten vorbei sind.

Das mit dem Philipp II. als Bergsteiger kenne ich zwar, dass es aber historisch "gesichert" sei, ist mir neu. Daran kann ich nicht glauben, wenn ich die Präzision antiker Historiker kenne. Hast du dazu eine Quelle?


Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. Oktober 2010 um 09:31
Danke Wolfgang.

Nun natürlich bin ich auch nicht sicher ob das stimmt mit der Erstbesteigung von Philipp II., ist ja schon ewigs her. Möglicherweise könnte er oben gewesen sein, da aber Grasflanken von Südosten bis fast zum Gipfel reichen, glaube ich eher dass schon früher Schäfer bis zum Gipfel aufstiegen.

Viele Grüsse,

Andi

--- hat gesagt:
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 22:01
hoi andi

sehr schöne und interessante touren hast du da!! schade das ich nicht mitkommen konnte :-(

glg montain_spirit ayla

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. Oktober 2010 um 07:44
Hi Ayla,

Kommste einfach das nächste Mal mit;-) Also bis zum HIKR Treff ! Ich schreib Dir dazu noch...

glg Andi

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 31. März 2015 um 17:28
merk ich mir - evtl. in Verbindung zum Olympos ...

Danke und lieber Gruss, Felix

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 22. September 2015 um 22:09
und nun war ich auch oben - eine geniale Tour konnte ich machen!!

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. September 2015 um 06:58
Gratuliere nochmals, bin gespannt auf den Bericht!

LG, Andi


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