Chüemettler und Schafberg - Im Bereich der Nagelfluhhochburg


Publiziert von Ivo66 Pro , 3. Oktober 2010 um 19:59.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 3 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Speerkette   CH-SG   Speer-Mattstock 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Strecke:Mittler Wengi - Ob. Bogmen - Gleiterspitz - Chüemettler - Furggen - Grappenhorn (P. 1743 m) - Chämi - Schafberg - Ob. Bätruns - Furggen - Hinter Wengi - Mittler Wengi
Kartennummer:1:25'000 Walensee

Das Gebiet rund um den mächtigen Speer ist von Nagelfluhgestein geprägt. Der Speer selbst ist denn auch der höchste Nagelfluhberg Europas. Man ist aber schlecht beraten, diesen formschönen Berg an einem Sonntag bei schönstem Wetter zu besuchen, derart überlaufen scheint er zu sein.  So wählten wir heute den Schafberg als Hauptziel aus, auf dem man Einsamkeit und Ruhe selbst an einem wunderschönen Herbsttag wie heute geniessen kann.

Der Schafberg wird wenig besucht; das winzig kleine Gipfelbüchlein stammt aus dem Jahre 2000 und ist vielleicht zur Hälfte gefüllt. Die meisten Einträge stammen von Einheimischen. So trafen wir heute den Erbauer des Gipfelkreuzes persönlich an, der sich mit seinen beiden Kindern am Seil und zusammen mit seiner Frau im Abstieg befand. Die Besteigung dieses wenig bekannten Berges ist aber sehr lohnend, nicht zuletzt wegen des spektakulären Aufstiegs durch den Kamin "Chämi" und den zum Teil recht luftigen Grat. Der Speer wirkt übrigens vom Gipfel des Schafbergs so dominant wie sonst nirgendwo. Die Ausblicke über den gesamten Zürichsee, einen Teil des Walensees und auch der Blick zum Alpstein verzaubern den Bergsteiger. Die Fernsicht zu den Glarner und Bündner Alpen sowie die prominenten Gipfel der Innerschweiz runden das Ganze ab.

Wir wählten den Aufstieg via Chüemettler durch die Nordwestflanke auf einem gut markierten und so weit möglich auch gut unterhaltenen Bergweg, der mit einigen Eisenstiften und Stangen gesichert ist, um die man auch als gewandter Berggänger recht froh ist. Der Aufstieg ist - abgesehen von den landschaftlichen Schönheiten - ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Der Pfad ist schmutzig und feucht, ebenso sind dies durch die vielen Begehungen die Nagelfluhfelsen, deren verschmutzten runde Tritte nicht besonderes viel Vertrauen erwecken. Von einem Abstieg über diese Route rate ich deshalb ab.

Da heute der Föhn ziemlich stark blies, wussten wir nicht so recht, ob der Aufstieg auf den Schafberg über den Grat eine gute Idee sein würde. Nach einem Abstecher zu P. 1743 m des Grappenhorns entschieden wir uns dann doch noch für den Schafbergaufstieg via Chämi, da der Föhn scheinbar etwas nachgelassen hatte. Wir sollten den Entscheid nicht bereuen.

Die von uns unternommene Tour ist gerade im Herbst sehr zu empfehlen. Selbst den Abstieg vom Passübergang "Furggen" unterhalb der Westflanke des Speers konnten wir aufgrund der herrlichen Farbenpracht in vollen Zügen geniessen.

Parkplatz Mittler Wengi - Ob. Bogmen (T3)

Kurz nach dem Parkplatz nach kurzer Wanderung auf dem Fahrsträsschen zweigt der Wanderweg (gelb markiert) über eine Brücke nach rechts ab. Der lehmige Pfad bereitet im unteren Teil wenig Vergnügen. Doch sobald man aus dem Wald austritt, wird der Aufstieg angenehmer. Die Alp Oberer Bogmen mit seiner kleinen Gastwirtschaft ist bald erreicht. Ein spektakulärer Ausblick über die Linthebene öffnet sich hier.

Ob. Bogmen - Chüemettler (T4)

Auch der weitere Aufstieg ist bestens markiert (weiss-rot-weiss). Wir liessen uns einen kurzen weglosen Abstecher auf den Gleiterspitz (1537 m) nicht nehmen; die Besteigung ist im gut gestuften Gelände einfach, aber kaum lohnend, der Wanderweg ist gleichermassen aussichtsreich.

Durch die Nordwestflanke steigt der Pfad steil an; es sind einige durchaus etwas heiklere Passagen zu bewältigen, wobei meistens gute Sicherungen in Form von Eisenstiften und Stangen das Ganze entschärfen. Dennoch darf dieser Aufstieg nicht unterschätzt werden.

Chüemettler - Furggen (T2)

Auf gutem Bergweg geht es entlang dem Ostgrat hinunter zum Passübergang "Furggen". Hier hinauf führt ebenfalls von Mittler Wengi der Bergweg unter der Westflanke des Speers.

Furggen - Grappenhorn P. 1743 m (T4)

Auf guter Wegspur rechts um einen markanten Nagelfluhfels stiegen wir in südlicher Richtung wenig ansteigend auf, um einen Felsriegel mit viel Gebüsch rechts zu umgehen. Bald stiegen wir auf steilem, aber gut gestuften Gras wieder Richtung "Ostgrat" auf. Nach dem Stacheldraht ist eine recht abschüssige Flanke und kurz darauf gleich noch eine zu überwinden. Es finden sich dort jedoch recht gute Pfadspuren. Schliesslich erreichten wir ohne Probleme P. 1743 m.

Eine Besteigung des eigentlichen Grappenhorns wollte dann nicht gelingen, zu heikel schien mir dort die Traverse auf den grasigen Rücken bzw. das Durchsteigen der Felswand nach Prüfen aller Optionen. Bei T6 ist bei mir eben Schluss und genau um ein solches handelte es sich hier. Aber es wartete noch der Schafberg, der diese leichte Enttäuschung mehr als wettmachte.

Grappenhorn P. 1743 m - Einstieg Chämi (T3)

Etwas westlich von P. 1743 m stiegen wir den markanten Einschnitt bzw. das Tälchen in südwestlicher Richtung ab und trafen auf etwa 1620 m auf eine gut ausgetretene Spur (etwa eine Mischung von menschlichen Begehungen und Gämspfaden). Diesem folgten wir mit wenig bis keinem Höhenverlust bis zum Einstieg des markanten Kamins, eben des Chämis, zu dem man zu Beginn auf etwas losem Schutt hinaufgeht.

Chämi - Südwestgrat - Schafberg (T5)

Der Aufstieg führt zunächst durch eine mit viel losen Steinen gefüllte Rinne hinauf, die sich dann zum Kamin verengt. Der Kamin selbst, der natürlich auch aus Nagelfluhgestein besteht, ist relativ kurz und recht eng. Eine Stelle (II) verlangt doch eine gewisse Gewandtheit und ordentlichen Kraftaufwand - an die Griffe und Tritte der Nagefluhfelsen muss man sich erst mal etwas herantasten. Nach dieser Schlüsselstelle ist der Aufstieg einfach. Im Abstieg war die Schlüsselstelle übrigens unproblematisch; man lässt sich einfach vorwärts niederbaumeln und wird bald festen Boden unter den Füssen spüren.

Der Aufstieg über den Südwestgrat zum Gipfel bietet dann keinerlei technischen Schwierigkeiten. Es ist aber ein hohes Mass an Konzentration angezeigt, da das Gelände doch recht abschüssig ist und der Grat das eine oder andere Mal etwas luftig ist. Besonders ausgesetzt ist der Grat aber nicht. Es sind durchgehend deutliche Pfadspuren vorhanden, das eine oder andere Mal quert man Nagelfluhfelsplatten mit ordentlichen Tritten.

Schafberg - Ob. Bätruns (T5)

Auf gleicher Route stiegen wir durch den Kamin ab und peilten gleich die von weit oben schon sichtbare Alphütte Ob. Bätruns an. Der Abstieg im guttrittigen Grasgelände bietet keinerlei Probleme (T3).

Ob. Bätruns - Furggen - Parkplatz Mittler Wengi (T2)

Auf gut markiertem Bergwanderweg stiegen wir zur Furggen auf und dort gleich weiter in absteigender Richtung zum Parkplatz. Bei der ersten Verzweigung nach dem Passübergang benutzten wir den linken Pfad. Zuletzt erreicht man den Ausgangspunkt auf einem Fahrsträsschen durch herrliche Laubwälder.

Tourengänger: Ivo66, Lena


Galerie


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