Dufourspitze 4633m (Dach der Schweiz)


Publiziert von Lulubusi , 1. Oktober 2010 um 09:30.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:26 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2470 m
Abstieg: 2470 m
Strecke:Rotenboden 2775m, Monte Rosa Hütte 2797m, Obere Plattje 3360m, Oberer Westgipfel 4499m, Gipfel 4633m, Silbersattel 4515m, Monte Rosa Hütte, Rotenboden
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zermatt, mit Gornergrat Bahn bis Rotenboden
Unterkunftmöglichkeiten:Monte Rosa Hütte Tel. 027 967 21 15 oder in Zermatt
Kartennummer:LK 1:25000 / BL1348 Zermatt

Höchster Gipfel der Schweiz Dufourspitze 4633.9m

 

Lang lang ist’s her, immer wieder den Bericht hinausgeschoben und andere vorgezogen. Eigentlich nicht gebührend für diese Tour.

 

Oder doch? Ein Gipfel der Superlative! Ein Gipfel der neben dem Matterhorn unscheinbar wirkt, einfach da ist, sich nicht mit einer riesigen Nordwand oder einer einmaligen Form brüsten muss. Ein Gipfel der sich mit seinem Namen und seiner Höhe zufrieden gibt. Und doch, ist er nach dem Mont Blanc der zweit höchste Gipfel des Alpenraums und somit der höchste der Schweiz.

 

Mit der Besteigung dieses Gipfels geht ein Traum in Erfüllung.

 

Sputnik suchte über Hikr.org einen Tourenpartner für genau diese Unternehmung. Spontan meldete ich mich bei ihm und nur einige Tage später trafen wir uns schon in Zermatt, bestiegen die Gornergratbahn und fuhren bis zur Station Rotenboden. Dem Wanderweg folgend der am Usser Gornerli entlang führt gelangen wir zum Gornergletscher.

Dieser Teil ist ein wahres Paradies für Freunde der Flora. So vielfältig und üppig kann die Pflanzenwelt der Hochalpen selten bestaunt werden.

Nach einem kurzen etwas steileren Abstieg stehen wir schliesslich auf dem Gornergletscher. Die Überquerung auf die andere Seite der Eismassen stellt kein grösseres Problem dar. Durch Markierungsstangen werden wir über das Eisfeld geführt. Die nötige Vorsicht ist aber trotzdem geboten! Ausflüge auf den Gletscher (abseits des markierten Wegs) ohne Kenntnisse und Gletscherausrüstung sind auch hier nicht zu empfehlen.

 

Auf der anderen Seite verlassen wir den Gletscher und steigen über Schutt und Geröll hoch zur Monte Rosa Hütte P.2795

Die Sommerlichen Temperaturen machen durstig! Darum genehmigten wir uns bei der Hüttenankunft erstmal ein kühles Bier. Anschliessend warteten wir schlafenderweise auf das Abendessen. Da wir vor hatten spätestens um ein Uhr zu starten, mussten wir irgendwie zu genügend schlaf kommen. Deshalb ging es nach dem Nachtessen auch schon wieder in die Federn. Auf den frühen Start entschieden wir uns, da wir beide am Tag nach der Tour noch eine lange Heimreise vor uns hatten.

 

Kurz vor 1 Uhr starteten wir schliesslich unser Vorhaben. Gemütlich aber regelmässig und konstant machten wir uns auf den Weg.

Der Moräne entlang über Schutt und blockiges Gelände, einige Steinmannchen weisen den Weg, geht es hoch zur Oberen Plattje. Im unübersichtlichen Gröll muss man, vor allem bei Nacht, sehr aufmerksam sein, da man schnell den Weg verliert und so unnötige Umwege in kauf nehmen muss. Am Schluss wechseln sich bis zu P.3360 Schneefelder und Geröll ab. Hier ist ein guter Biwakplatz und der Beginn des Gletschers.

Auf dem Gletscher geht es erst steil hinauf. Anschliessend hält man sich etwas links und durchquert ein Spaltensystem. Hier ist äusserste Vorsicht geboten. Gletscher ist teilweise stark zerrissen und Kreuzspalten auf etwa 3400m erschweren zusätzlich die Wegfindung. Daher besser nicht alleine begehen!

Immer höher und höher stiegen wir über den kaum enden wollenden Gletscher. Bald erreichen wir eine Gletschermulde, diese lassen wir hinter uns und steigen südliche der Felsinsel P.3827 weiter hoch. Nun wird es wieder steiler. Über einen Steilanstieg gelangen wir schliesslich auf das relativ Flache Hochplateau (Satteltole). Auf ca. 4000m holte uns die Sonne und der Tag ein. Das Erwachen des Tages und der Sonnenaufgang auf dieser Höhe ist immer wieder von neuem ein unglaubliches Erlebnis.

Auf dem Hochplateau queren wir zum Sattel P.4339 hin. Um diesen zu erreichen müssen wir einen weiteren Steilanstieg  und einen Bergschrund überqueren. Heute verursachte der Bergschrund keine Probleme. (dieser könnte unter umständen noch knifflig sein)

Über einen meist vereisten Grat der bis 40° steil ist, erreichen wir schliesslich den oberen Westgratgipfel P.4499. Kurz vor dem Gipfel sind einige Felsen (I) zu überwinden. Anschliessend gelangt man über Felsen im I.-II. Schwierigkeitsgrad auf einen kleinen Sattel von dem ein immer steiler werdendes Schneefeld (bis 40°) hoch zu Felsen führt, die in gerader Linie zu überklettern (Schwierigkeit II) sind und auf dem etwa 4600m hohen Vorgipfel enden.

Über Zacken und Blöcke erreichen wir nun die letzte Scharte (II, ausgesetzt) vor dem Gipfel. Etwas links der Gratkante haltend, gilt es nun eine Rinne zu durchklettern. Die Kletterschwierigkeit würde ich im dreier Bereich ansiedeln, sofern die angebrachten Fixseile nicht verwendet werden. Mit Fixseilen liegt die Schwierigkeit bei II. Nun sind wir auf dem obersten Gratabschnitt und folgen diesem direkt bis zum Gipfel.

 

Bis zum Westgrat kamen wir zügig voran. Ab hier harzte es. Stau, Gegenverkehr zudem war der Grat eingeschneit und jeder Tritt musst auf seine Tragfähigkeit getestet werden verlangsamten unser Vorankommen.

Nach Auskunft eines Bergführers war der Grat auf Grund des Schnees in diesem Sommer deutliche schwieriger zu begehen als üblich. Noch am Vormittag erreichten wir aber glücklich und stolz den höchsten Punkt der Schweiz die Dufourspitze P.4633

 

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Rückweg. Vom Gipfel folgt man dem Grad in Richtung Osten. Dabei muss noch mal ein Felskopf von etwa 2m Höhe im zweiten Schwierigkeitsgrad überklettert werden. Ansich nichts schweres, auf einer Höhe von 4600m aber eben doch etwas speziell. Kurz hinter dem Felskopf beginnt der Abstieg durch das ca. 80m lange Nordwandcouloir. Der Ab- bzw. Aufstieg wird durch angebrachte Fixseile, sofern diese nicht unterm Schnee oder Eis begraben sind, was bei uns der Fall war, erleichtert.

 

Um Zeit einzusparen und den Seilschaften die sich zu solch später Stunde noch immer am Aufstieg abmühten, den Weg frei zu machen, entschlossen wir uns zum Abseilen. Die Verankerungen der Seile können sehr gut dazu verwendet werden.

Nach dem Couloir erreichen wir über Schneehänge nach kurzer Zeit den Silbersattel P.4515. Vom Silbersattel führt unser Weg zwischen Séracs abwärts auf das Gletscherplateau in etwa 4100m Höhe. Der Firnhang ist etwa 35° Steil.

Auf dem Gletscherplateau querten wir etwas nach Westen um nun erneut den Monte Rosa Gletscher mit seinen Kreuzspalten auf 3400m hinter uns zu lassen. Diese Passage sollte unbedingt bis spätestens um 13:00 Uhr wegen den aufweichenden Schneebrücken hinter einem liegen.

Aber auch dies nützt nicht wirklich viel, wenn die Spur komplett falsch angelegt wird. Teilweise führten Spuren von Seilschaft längs, direkt über Spalten. Bricht die Schneebrücke verschwindet die ganze Seilschaft ins Nirvana. In diesen Regionen sollte man meinen, dass alle die sich hier Bewegen solch triviale Dinge wie Wegführung beherrschen. Tja. Eben nicht!

 

Zum Schluss über die Ufermoräne zur Hütte. Nach einer kurzen Erfrischungspause packen wir unsere sieben Sachen und machen uns auf den Rückweg. Der Abstieg auf den Gornergletscher ist noch erträglich. Der leichte aber stetige Aufstieg zum Rotenboden und somit zur Gonrergratbahn, wir befinden uns natürlich immer noch im Abstieg, erscheint ewig. Nach der nächsten Biegung sind wir am Ziel. Denkste! So geht es ewig weiter und die Zwischenstation kommt und kommt nicht näher. Für mich war dies der anstrengenste Teil unserer Tour.

 

Mit den ÖV ging es schliesslich von Zermatt weiter und nach Hause. Ohne Pausen gerechnet, waren wir an diesem Tag etwa 15 Stunden unterwegs. Hinzu kommt die Heimreise.

 

Für uns war es die erste gemeinsame Tour. Hat riesig Spass gemacht!

Die Anstrengungen sind zudem vergessen wenn man an den Ausblick von ganz oben denkt. Eine solche Aussicht hat man sonst nur im Flugzeug. Eine erneute Besteigung, diesmal aber über eine andere Route schwebt mir bereits im Kopf rum und wartet nur noch auf ihre Verwirklichung.

 

Fazit:

  • Wunderschöner Gipfel der Superlative (Dach der Schweiz)
  • Tolle kombinierte Route, Ich persönlich Stufe diese in ein ZS ein.
  • Wahnsinns Gratkletterei auf 4600m Höhe
  • Leider etwas überlaufen.
  • Hütten zustieg und Rückweg von bzw. zur Monte Rosa Hütte sehr lange
  • Als Zweitagestour sehr lange.
  • Aufstieg Nordwestgrat WS+ / Fels II+ / Firn bis 40°
  • Abstieg durch Nordwandcouloir via Silbersattel ZS / Fels III / Firn bis 35°

 

Material:

  • Eis Ausrüstung
  • Material zum Abseilen ist empfehlenswert
  • 60m Einfachseil

 

Hütte:

  • Trotz Grossandrang freundliches Personal
  • Essen genügend und gut
  • Will man früher los marschieren als üblich, muss am Abend vorher ein Sandwich geordert werden. Sonst gibt es leider kein Morgenessen.
  • Im Schlafgemach ist angemessen Platz
  • (Achtung: Wir waren noch in der alten Hütte zu Gast. Wie es sich in der neuen Hütte verhält weiss ich nicht.)

Tourengänger: Sputnik, Lulubusi


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WS+ II
26 Jul 09
Dufourspitze 4633,9m · Sputnik

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