Dent d´Hérens-4171m-Westgrat


Publiziert von garaventa , 25. September 2010 um 17:44.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:19 August 2010
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Aufstieg: 2400 m
Abstieg: 2400 m
Strecke:Prarayer, Aostahütte, Dent d´Hérens und retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit dem Auto bis zur Staumauer des Lac des Places de Moulin
Kartennummer:Blatt Matterhorn

Besteigungsbericht Dent d´Hérens 4171 m. ü. M.

 

Tag der Tour: 19 & 20 August 2010

 

 

Infolge der erheblichen Neuschneemengen, welche am vorherigen Wochenende in hohen Lagen gefallen waren, wurden meine ursprünglichen Tourenpläne total über den Haufen geworfen.

 

Oberhalb von 3500m waren im Wallis in der Region Saas-Fee & Zermatt bis zu 80cm Neuschnee gefallen und die Bedingungen hatten sich dadurch in nur 48h total zu meinen Ungunsten verändert. 

 

Eigentlich sollte es dieses Jahr ja nun endlich der Weisshorn-Nordgrat werden, doch diesen Herzenswunsch konnte ich mir (leider) auch in 2010 wieder einmal nicht erfüllen.

 

Nach vielen Telefonaten mit gut informierten Personen einerseits und taktischen Überlegungen andererseits, kamen wir dann zu dem Entschluss die Dent d´Hérens zu versuchen, wohl wissend , dass auch dort der viele neue Schnee seine Spuren hinterlassen haben würde.

 

Der Wetterbericht versprach für den Tag des Hüttenanstiegs gutes, für den Gipfeltag selbst aber nur bis zum Mittag akzeptables Wetter. Keine wirklich optimalen Bedingungen aber wir wollten es auf jeden Fall versuchen und durch zügiges Steigen bis mittags zurück zur Hütte schaffen.

 

Wir starteten also vormittags von Saas-Fee aus über den Gr. St. Bernhard, hinein ins Aostatal und von dort bis ins hinterste Valpelline.

 

Das Auto wurde ganz oben an der Staumauer des Lac des Places de Moulin geparkt und von dort bewältigten wir die ersten 7 km um den See herum auf dem Mountainbike.

 

Das verkürzte den Hüttenweg um mind. 1 Stunde und machte ausserdem viel Spass, wenn gleich nicht alle Wanderer auf dem breiten Fussweg unsere Begeisterung für das Zweirad als Fortbewegungsmittel teilen wollten.

 

Wir deponierten die Räder hinter Prarayer hinter einigen grossen Felsen und stiegen von dort in 2 1/2h zur Aostahütte hinauf.

Der Weg zieht sich weit hinein ins hinterste Valpelline und scheint kein Ende nehmen zu wollen.

 

Der Abend auf der nur mit 7 Gästen belegten Hütte war kurzweilig, das Essen sehr gut.

Nach dem knappen Frühstück brachen wir um 3:45 Richtung Glacier de Murailles auf.

 

Der Gletscher hatte einige recht grosse Spalten, die sich aber recht gut überqueren ließen. 

 

Wir wählten die Route über den Westgrat und stiegen durch die brüchige Rinne östl. des Tiefmattenjochs zur Gratschneide hinauf.

 

 

Morgenrot verheisst meistens nichts Gutes und so ahnten wir bereits früh, dass das Wetter nicht stabil bleiben würde.

Die Felsen am Westgrat zeigten sich verschneit aber machbar. Weiter folgten wir dem Westgrat um dann anschliessend in die verschneite Westflanke hinein zu queren.

 

Noch war der Gipfel frei von Nebel und Wolken, doch ich ahnte bereits, dass sich das noch ändern würde bis wir dort angekommen waren.

 

 

Wir erlebten auf diesem Abschnitt abwechslungsreiche Kletterrei mit zahlreichen Tiefblicken auf den Tiefmattenggletscher

 

Dort wo die Westflanke auf den NW-Gipfelgrat stösst wurde es dann noch einmal etwas knifflig. Der Grat ist dort sehr exponiert und infolge der Schneemengen war dort grösste Vorsicht geboten.

 

Auch der Tiefblick in die berüchtigte Nordwand war beeindruckend. Hier irgendwo war der Ausstieg der berühmten „Welzenbachroute“.

 

Hier jetzt hochkonzentriert zu sein war unser Hauptaugenmerk.

 

Oben auf dem Gipfel war dann natürlich alles dicht, keine Aussicht, kein Gipfelpanorama, aber wir hatten es in nur 4 1/2h zum Gipfel geschafft.

 

Der Abstieg war dann ganz zuoberst auf dem Gipfelgrat wieder respekteinflössend, danach ging es zügig durch die Westflanke hinunter.

 

Weiter unten nutzen wir die erst kürzlich eingeweihte Abseilpiste, die über 6 Fixpunkte verfügt und so schnell und kraftsparend die 300Hm hinab auf den Gletscher überwinden hilft. Da das Wetter sicher war, kam uns dieser beschleunigte Abstieg sehr entgegen.

 

Der Gletscher war inzwischen butterweich geworden, sodass das Vorwärtskommen schon einige Mühe machte.

 

Der restliche Abstieg zur Aostahütte und weiter hinab ins Tal verlief ohne Schwierigkeiten und um 14 Uhr waren wir bereits wieder an der Staumauer des Lac du Moulin.

 

Fazit:

 

Die Dent d´Hérens ist ein Berg, der sehr im Abseits steht und daher auch nicht so oft Besuch erhält.

Die Route ist eine schöne Kombination aus Gletscher- und Klettertour und bietet daher ein recht komplettes Anforderungsprofil.

 

Ferner fordert sie die Kondition des Bergsteigers schon spürbar, sodass eine angemessene Akklimatisationszeit zu empfehlen ist.

 

2 Tage später haben wir dann die Gipfel des Monte Rosa in 2 Tagen besucht.

 

Von dieser Tour werde ich später auch noch berichten.

 

Gruss garaventa


Tourengänger: garaventa


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Kommentare (1)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 26. September 2010 um 16:02
Gratuliere Euch im Nachhinein zum Gipfelerfolg! Dieser "weniger berühmte" Gipfel steht auch bei mir noch ganz oben auf der Liste, dann aber wahrsch. als kombinierte Skitour. Bin gespannt auf den MR-Bericht!

Gruess
Bombo


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