Wenige Dinge gibt es, die das Auge und das Herz so sehr erfreuen, wie dies seine Rundsicht tut.


Publiziert von 360 Pro , 21. September 2010 um 20:25.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:14 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Barone   Gruppo Monte Zucchero 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Sonogno
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Sonogno

... so lobt Brenna die Corona di Redòrta, welche "wegen seiner Mächtigkeit einer der begehrtesten Gipfel sei". Allerdings weisst er auch darauf hin, dass bei der Corona di Redòrta "eine beträchtliche Höhendifferenz überwunden werden muss".
Da ich mir diese Tour als Tages-öV-Tour mit Anreise aus der Nordschweiz nicht wirklich zutraute, packe ich die Gelegenheit diesen Berg bei einem Aufenthalt in Tenero als Tages-öV-Tour von dort zu verwirklichen. Wenn man in Tenero mit dem ersten Bus nach Sonogno anreist, bleiben einem bis zur Abfahrt des letzten Busses immerhin 10 Stunden, oder doch nicht?...


Um 8:30h komme ich in Sonogno an und schnappe mir im Bus aus irgend einem unerklärlichen Grund (denn ich weiss eigentlich, dass ich den letzten Bus um 18:30h nach Tenero nehmen will) noch so einen kleinen gelben Busfahrplan für die Linie Locarno/Sonogno. Da ich dringend meine Blase leeren muss, wandere ich schnell los und benutze die erste Gelegenheit dies zu tun. Danach werfe ich einen kurzen Blick auf diesen eben ergatterten Busfahrplan und stelle "mit Schrecken" fest, dass der letzte Bus gemäss diesem Fahrplan schon um 16:30h zurück nach Tenero und nur an "Domenica e giorni festivi generali" auch noch um 18:30h fährt. Was nun? Schaff ich "Corona-Sonogno retour" in nur 8h oder reicht das nicht? Es wird schon reichen und sonst kann ich zur Not ja auch Autostopp machen.

Effizient wandere ich deshalb dem Wanderweg entlang zur Alp Püscen Negro, wo ich bei der Brücke über den Fluss eine kurze Pause einschalte. Etwa 100m nach der Brücke, überquere ich auch den Seitenbach, welcher von Norden herabfliesst und mache mich auf Pfadspuren auf einem Grasrücken in nördlicher Richtung den Berg hoch. Auf einer Höhe von ca. 1500m quert die schwache Wegspur ostwärts und ich gelange schon bald zur Hütte bei Cortesell. Dort folge ich weiter den immer wieder schwach sichtbaren Pfadspuren (ab und zu finde ich auch blasse, hellblaue Markierungen) wieder in nördlicher Richtung. Auf einer Höhe von ca. 1700m quere ich in nordwestlicher Richtung weiter bergauf und gelange so zu den Hütten bei Starlarisc. Auch bei dem Weiterweg zur grossen Mulde unterhalb der Corona di Redòrta - immer noch in nordwestlicher Richtung - finde ich zwischendurch immer wieder ganz passable Wegspuren und auch den einen oder anderen Steinmann.

Bei der in sich geschlossenen grossen Mulde nördlich von P. 2269 - gemäss Brenna "sehr geeignet für sinnende Betrachtungen" (kann ich bestätigen) - heissen mich mehr als 100 Geissen herzlich willkomen. Mein Blick schweift aber relativ schnell von den Geissen zu den hohen Felswänden, welche es via "eine links der Gipfelfalllinie ansetzenden Rinne" zu überwinden gilt. Diese hohen Felswände kann man wohl an verschiedenen Stellen überwinden (insbesondere gegen Westen hin scheint es den einen oder anderen Durchschlupf zu geben) und ich denke nicht, dass ich bei meiner Auf- und Abstiegroute effektiv die von Brenna beschriebene Rinne genommen habe.

Meine Route (vergleiche auch dieses Bild) verläuft in einem steilen grasigen (und leider auch sehr feuchtem Couloir). Der Einstieg ist fast senkrecht, ich kann ihn aber relativ leicht auf mit Felsen durchsetzten Grasbändern rechts (östlich) umgehen. Ein paar einfache Kletterzüge (I) leiten in weniger steiles Kraxelgelände und führen je länger je einfacher und grasiger zum Sattel nördlich von P. 2596. Von dort folge ich dem SSW Grat zum Gipfel. Grössere Abbrüche umgehe ich dort abwechselnd rechts und links. Der ganze Grat und die Ausweichstellen sind immer wieder mit Steinmännchen markiert und die Kletter-Schwierigkeiten sind einfach (T5/I).

Nach 4 1/2 Stunden stehe ich auf dem Gipfel und erfreue mich der Rundsicht, welche sich hier oben auf 2800m bietet, sie hält was Brenna verspricht. Zum Teil wird die Sonne zwar etwas von hohen Schleierwolken getrübt und die Spitzen der 4000-er sind ein wenig eingehüllt, aber von den Tessiner Bergen gibt es wohl nicht allzu viele, welche einem hier oben verborgen bleiben. Nach einer ausgiebigen Pause mache ich mich dann wieder auf den Abstieg, zuerst auf demselben Weg hinuter zur Mulde nördlich von P. 2269. Dort schlage ich dann den Geissenpfad ein, welcher zu den Hütten bei P. 1714 (Alpe della Redòrta) hinunter führt. Der Pfad holt etwas westlich zwischen zwei Abbrüchen durchführend aus und folgt anschliessend im Zickzack runter zu den Hütten. Er ist sehr gut sichtbar, aber weder markiert noch im SAC Führer erwähnt. Dort treffe ich auf den markierten Weg vom Passo di Redòrta nach Sonogno und folge diesem zurück zur Bushaltestelle, wo ich den 16:30h Bus ohne zu rennen gerade so knapp erwische.

Zurück bei der Bushaltestelle stelle ich dann fest, dass der Bus um 18:30h doch auch an Wochentagen fahren würde. Der kleine Fahrplan enthielt falsche Informationen und damit hätte ich mir für die Tour auch zwei Stunden mehr Zeit lassen können... Tja, somit sei wenigstens aufgezeigt, dass die Tour auch als öV-Tagestour aus der Nordschweiz machbar wäre. Allerdings muss ich dazu sagen, dass man dabei keine grossen Verhauer haben darf, nicht allzu viele Pausen einschalten kann und auch sonst eher zügig unterwegs sein muss.


cff logo Sonogno - Püscen Negro - Cortesell - Starlarisc - P. 2269 - Sattel nördlich von P. 2596 - Corona di Redòrta - Sattel nördlich von P. 2596 - P. 2269 - Alpe della Redòrta (P. 1714) - Püscen Negro - cff logo Sonogno

Tourengänger: 360


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