Hammertag auf dem Simplonpass


Publiziert von TomClancy , 20. September 2010 um 21:26.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:19 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1537 m
Abstieg: 1602 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Postauto nach cff logo Simplon-Hospiz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Von cff logo Schallbett nach Brig

Bei Nacht und Nebel ziehe ich los, das Wasenhorn zu erobern! Die gute Anbindung des Oberwallis (oder besser gesagt seine zentrale Lage dank NEAT) erlauben es mir, auch heute einen ÖV-Ausflug ins Simplongebiet zu unternehmen. Lange stand das Wasenhorn bereits auf meiner Wunschliste, beinahe noch länger habe ich immer wieder Tourenberichte und Führer gewälzt.
Kurz vor 10 erreiche ich den Simplonpass. Nebelschwaden verhüllen den Blick auf die umliegenden Berge, doch die Sonne drückt schon und weiter oben lassen blaue Fensterchen den Himmel erahnen.
Der Aufstieg Richtung „Chalti Wasser“fällt auf dem gut ausgebauten Wanderweg leicht. Ich überhole eine Gruppe von Italienern, die sich zum Glück öfters Ruhepausen gönnen. So bin ich schon bald alleine unterwegs. Gelegentlich begegnen mir vereinzelte Wanderer, die bereits im Abstieg sind. Durch die Moränenlandschaft geht’s durch das Chaltwassertäli über einen mächtigen Schotterwall in den Kessel in dem die Monte-Leone-Hütte liegt. Ich bin überwältigt von der Kargheit der Landschaft und den beeindruckenden Farben. Mir kommen die Bilder der Mondlandungen in den Sinn und ich frage mich, ob hier allenfalls die gefakten Aufnahmen der NASA gemacht wurden? Die Monte-Leone-Hütte liegt bereits im Winterschlaf. Es ist aber ein komfortabler Winterraum vorhanden. Ich benutze die Picknickpause, um eine letzte Lagebeurteilung vorzunehmen: ich bin sehr gut vorangekommen, fühle mich gut und mein Bauch sagt auch: Packmer’s!
So mache ich mich auf spärlichen Wegspuren auf die abwechslungsreiche Suche nach den reichlich vorhandenen Steinmannli. Es ist fast wie auf der Schnitzeljagd. Manchmal gibt es verschiedene, kaum ersichtliche Spuren nebeneinander, dann vereinen sie sich wieder zu einem gut sichtbaren Pfad. Über zwei Aufschwünge führt mich der Weg an den Gipfelgrat. Eingedenk der Steinschlag-Warnung des SAC-Führers warte ich noch, bis eine Dreier-Gruppe den Abstieg hinter sich gebracht hat und steige dann in die Flanke neben dem Grat ein. Nun kommen auch die Hände zum Einsatz. Ich staune über die Wärme, die die Felsen gespeichert haben: während bis jetzt ein bissiger Wind das Tragen von Mütze und Handschuhen vorteilhaft erscheinen liess, laden nun die warmen Felsen geradezu ein, sie kräftig anzupacken und Meter um Meter an Höhe zu gewinnen. Die letzten Meter verlaufen dann wirklich auf dem Grat, der aber auch für meine Fähigkeiten breit genug ist.
Oben angekommen, geniesse ich den wirklich fantastischen Rundblick. Nur der Monte Leone und das Breithorn sind auf Augenhöhe, alle anderen Berge erscheinen in der Ferne schon bedeutend kleiner. Ein Berner Oberländer erklärt mir das beindruckende Panorama mit all seinen klingenden Namen.
Zu jedem hat er auch noch eine kleine Geschichte aus seinem alpinistischen Erfahrungsschatz. So wundert es mich auch nicht, das er auf meine Bemerkung, es liege hat schon etwas viel Schutt auf dem Weg ganz trocken antwortet: „Das isch halt of dene Voralpegipfle so!“
Auf www.gipfelderschweiz.ch tönt es übrigens so: 209 Gipfel, davon 209 über 2000m, 115 über 3000m und 5 über 4000m, sind von diesem Punkt aus erkennbar, voraus gesetzt, dass die Sichtweite mindestens 50 km beträgt. Ist die Sichtweite nur 25 km, so sind nur noch 105 Gipfel, davon 105 über 2000m, 54 über 3000m und 1 über 4000m, erkennbar. Aber ist die Sichtweite 75 km, sind 231 Gipfel, davon 231 über 2000m, 118 über 3000m und 5 über 4000m, erkennbar. Bei maximaler Sichtweite sind sogar 237 Gipfel, davon 237 über 2000m, 123 über 3000m und 5 über 4000m, erkennbar!

Die Gipfelrast fällt kurz aus und ich wähle für den Abstieg die Variante via Mäderlicke nach „Unners Schallbett“. Auf der Aufstiegsroute steige ich bis zur Monte Leon-Hütte ab. Kurz nach der Hütte zweigt ein Weg Richtung Mäderlicke ab. Es gäbe sogar noch eine Querung, die unterhalb des Gipfelaufbaus des Wasenhorns unter der Wasenlicke einige Höhenmeter spart. Von der Mäderlicke geht es steil abwärts ins Bodmertälli. Im altbekannten Militärtrab verliere ich rasch an Höhe und bin schnell auch an Bodme vorbei. Nun empfangen mich herbstliche Lärchenwälder mit ihrer Farbenpracht und betörenden Geruchswolken. Im Zickzack geht es durch einen rotgrünen Blätterteppich. Rechtzeitig für den 1616-Uhr-Bus bin ich in „Unners Schallbett“,  ein Name, den ich wohl den Teilnehmern meines nächsten Kurses als Visualisierungsaufgabe gebe!
Als gebranntes Kind bin ich froh, dass ich den Zug nach Bern bereits in Brig besteigen kann. So kann ich einen Sitzplatz ergattern und freu mich, das ich bis Bern meine Beine strecken kann. Die absolvierten Höhenmeter, insbesondere die des  Abstiegs, haben ihre Spuren hinterlassen.

Tourengänger: TomClancy


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