Viel, mehr am meisten unter: http://www.berge-wallis.org/berichte/barrhorn/
Vom Vispertal ins Turtmanntal
An diesem Wochenende stand wieder mal ein sehr schöner Familienspaziergang auf dem Programm - wobei das mit dem Spaziergang natürlich sehr relativ ist. Da auch das Wetter hielt, was der Wetterbericht versprach, erlebten wir einmal mehr wunderbare Stunden in den Bergen. So herrschte denn zwischen meiner Frau und mir auch vollkommende Einigkeit, was den Inhalt des alten Songtextes anbelangt: Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe zu den Bergen nicht.
Fangen wir mit dem Ende der Tour an! - Nach fast neun Stunden Wanderung fanden wir uns zuhinterst im Turtmanntal wieder und fragten uns einmal mehr: Wie verlässt man dieses Tal am schnellsten und einfachsten? Und wieder war die Lösung: Autostopp. Wobei es auch diesmal nicht gleich auf Anhieb klappte - zwei-drei Kilometer mussten zuerst noch auf harter Teerstrasse zu Fuss zurückgelegt werden. Dann wurden wir aber von keinem anderen als dem bekannten Himalayabergsteiger und Bergführer Kilian Volken mitgenommen, und zwar bis mehr oder weniger vor unsere Haustür in Naters. Schon oft durfte ich in den letzten drei Jahren von ähnlich langen Mitfahrgelegenheiten profitieren. Das Thema während der Heimfahrt war natürlich gegeben. Wobei mich vor allem folgendes erstaunte (oder irgendwie bestätigte): auch Volken isst und trinkt während seiner Touren nach alter Bergführermanier kaum etwas. Er hatte beim Aufbruch zur Tour einen halben Liter Getränk gefasst, und bei unserer Ankunft zwölf Stunden später in Brig war die Flasche immer noch nicht leer. Er erzählte auch von einem Bericht in einer renommierten Fitnesszeitschrift, wonach drei Sportler am diesjährigen Boston Marathon darum gestorben seien, weil sie zu viel getrunken hätten und an dem Zuviel an Flüssigkeit regelrecht ertrunken seien.
Unsere Tour führte uns mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn von Brig nach St. Niklaus. Von dort mit der schmucken Seilbahn hinauf zum "Adlerhorst" Jungen. Dann das Jungtal hinauf, über die Wasulücke und hinab zur Topalihütte. Es handelt sich hier um einen rot-weiss markierten Wanderweg, der keine Schwierigkeiten bietet. Der Übergang über die Lücke mag damals schwieriger gewesen sein (blau-weisse Markierung). Er ist aber in der Zwischenzeit saniert worden. In Anbetracht der schönen Landschaft nimmt man es gerne in Kauf, dass nach der Wasulücke 440 Meter bis zur Hütte absteigen muss. Als Alternative würde sich der steile Direktaufstieg von St. Niklaus anbieten.
Die Topalihütte hat all meine Erwartungen übertroffen. Die Aussicht ist phänomenal. Während man das Viergangmenü über sich ergehen lässt, sitzt man im Esssaal an der breiten Fensterfront und geniesst einen unvergesslichen Blick auf Dom, Täschhorn und andere Bekannte. Gegen acht Uhr geht dort die Sonne unter, und bald hüllen sich die Täler in Dunkelheit, während in Grächen tief unten und anderswo die Lichter angehen. Spätestens jetzt weiss der Alpinist, dass er seine Bestimmung doch in den Bergen findet, und dass sich ihretwegen manch ein Verzicht und Unberechenbarkeit lohnt. Ich, der In-einem-Holzhaus-Geborene, weiss diese Holzhütte doppelt zu schätzen. Mit all der Romantik im Herzen wirft man sich später ins Bett und schläft ... nicht.
Erst um sieben Uhr ist Frühstück angesagt, und um acht geht es behutsam hinauf zur Schöllilücke. Nachdem sie lange kaum mehr passierbar war, ist sie vor ein paar Jahren mit viel Geld saniert worden. Jetzt bietet sie dem trittsicheren Bergänger kaum mehr Widerstand. Quasi klettersteigmässig überwindet man leicht die hundert Höhenmeter. Vorsicht vor von Vorsteigern ausgelösten Steinen ist auf alle Fälle geboten. Während wir anderen uns schon im Bereich der Fixseile befanden, wurde mein Kollege ganz arg von einem grossen Stein überrascht, der das angrenzende Eisfeld herunterkollerte. Seiner guten Reaktion alleine war es zu verdanken, dass er in diesem Moment nicht ganz arg erwischt wurde.
Etwas später erreichten wir mit wenig Mühe das Innere Barrhorn und dann auch noch das Äussere. Landschaftlich besonders schön war auch der Abstieg zur Turtmannhütte.
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Ich habe diesen von Jungen bis zur Hütte grob auf der Landkarte eingezeichnet. Von der Topali- bis zur Turtmannhütte habe ich ihn mit dem GPS aufgezeichnet. Daher wird er auf der ersten Teilstrecke nicht bis auf den Meter genau stimmen.
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