Lebensträume am Pelmo


Publiziert von Eduard , 8. September 2010 um 08:59.

Region: Welt » Italien » Venetien
Tour Datum:21 August 2010
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Selva di Cadore kommend zum Staulanza Pass
Unterkunftmöglichkeiten:Normalerweise ;-))) das Rif. Venezia a Fusse des Pelmo
Kartennummer:Tabacco Nr. 025 - 1:25.000

Zum Sonnenaufgang auf dem Pelmo. Diese Idee kam mir vor ziemlich  genau 3 Jahren bei der Besteigung dieses Berges, als ich ca 100 Hm unterhalb des Gipfels ein perfektes Lagerplätzchen entdeckte. Wie viele meiner etwas ausgefallenen Ideen, wurde auch dieser Gedanke von den meisten meiner Bergkammeraden als Dummheit abgetan. Nur einige wenige waren davon gleich begeistert, aber dabei ist es auch schon geblieben. Als sich dann doch eine fixe Zusage bekam, begann ich ernsthaft daran zu arbeiten, um die Idee in die Tat umzusetzen.
Der Sommer scheint dieses Wochenende nochmals zurückzukommen Ein Azorenhoch ist angesagt, dadurch sind die 2 schönen Tage, die es für dieses Unternehmen braucht, gewährleistet. Wegen des einen und des anderen Grundes ward die fixe Zusage meines Bergkameraden aber leider nicht mehr zustande gekommen, und so fahre ich allein über den Karerpass, S. Pelegrinopass,  Alleghe, Selva di Cadore zum Passo Staulanza. Ein zweistündiger Fussmasch bringt mich zum Rif. Venezia am Fusse des Pelmos. Schwer drückt der Rucksack mit der gesamten Ausrüstung, Zelt, Schlafsack, Matte usw. als ich am späten Nachmittag am Einstieg des Normalweges zum Pelmo einsteige. Dieser führt zuerst in fast ebener Querung über dem Bande Cengia di Ball durch die Ostwand. Danach über viele Serpentinen über das mit Geröll gefüllte Steinkar. Kurz unterhalb des Wandfußes begegne ich den letzten talwärts eilenden Bergsteiger. Für heute werde ich niemanden mehr begegnen, ich habe den Pelmo für mich alleine. Bald erreiche den oberen Felskessel, wo der mit Steinmännern markierte Steig über Platten und letzte Schneereste nach links zum SW-Grat und über diesen weiter Richtung Gipfel leitet. Doch dieser ist heute nicht mein Ziel, ich strebe den flachen und ebenen Platz zu, der kurz unterhalb des Gipfels irgendwo sein muss. Nebelschwaden umhüllen mich immer wieder und verdecken die Sicht. Ich bin froh, als ich endlich am späten Nachmittag mein angepeiltes Ziel erreiche. Es bleibt genügend Zeit das Zelt aufzustellen und mein Lager einzurichten. Nach getaner Arbeit setze ich mich an den Rand des Grates und kann nur mehr schauen. Vollkommene Stille umgibt mich. Den Flügelschlag eines Schmetterlings hätte man hören können. Aber keiner hier, zu unwirtliche Gegend für die zarten und zerbrechlichen Geschöpfe.
Als dann gegen 20.15 die Sonne untergeht, erlebe ich den ersten, mit Worten nicht zu beschreibenden, Höhepunkt meiner Tour. Dann erobert die Dunkelheit die Schluchten und Täler der umliegenden Landschaft. Wärend im Tal die ersten Lichter angehen, werden die nebelbehangenden Gipfel und höheren Erhebungen hingegen von dem fast kreisrunden Mond in ein milchiges Licht getaucht. Eine mystische Erscheinung und wie gebannt kreist mein Blick über die unzähligen Gipfel der bleichen Berge. Die immer tiefer werdenden Temperaturen lassen mich aber doch schließlich mein Zelt aufsuchen, wo ich eine mehr oder weniger schlaflose Nacht verbringe.
Gegen 05:15 in der Früh verlasse ich mein taunasses Zelt. Der Horizont im Osten ist schon in ein tiefrotes Licht getaucht. Ein wolkenloses Firmament wölbt sich über den Pelmo, zu dessen Gipfel ich im Scheine meiner Stirnlampe aufsteige. Alleine und mit ehrfürchtigem Staunen erlebe ich den erhabenen Moment des Sonnenaufgangs. Als diese dann wenige Minuten nach 06.00 nahe dem Antelao aufging, ward der Höhepunkt meiner Tour an diesem Tag schon erreicht. Wie gerne hätte ich diesen Moment mit jemandem geteilt…..
Irgendwann steige ich zu meinem Schlafplatz hinunter, und räume meine Sachen zusammen. In der Gewissheit ein einmaliges Abenteuer erlebt zu haben und einer der Wenigen zu sein die (freiwillig) eine Nacht am Pelmo verbracht haben, verlasse ich in der leisen Vorahnung diesen Gipfel wohl nie wieder zu sehen diesen Platz und steige an den etwas verdutzt schauenden ersten bergwärts gehenden Bergsteigern vorbei hinunter zum Rif. Venezia und weiter zum Ausgangspunkt am Passo Staulanza.
Somit ist auch diese Dummheit nur mehr Geschichte.

Tourengänger: Eduard

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Kommentare (4)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 8. September 2010 um 11:22
Klasse Tour+Idee!
da wär ich auch gerne dabei gewesen.
Manche Sachen muß man einfach tun.

LG, ADI

gero Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. September 2010 um 13:33
Ich kann mich Gunters Kommentar nur anschließen - großartig!

Auch das Filmchen am Schluß vermittelt ganz toll Dein Erlebnis - die Stimmung kommt gut rüber! Als passionierter Filmemacher weiß ich, wie viel Mühe und Liebe zum Detail in diesen 5 Minuten stecken, die Du uns da präsentierst. Darf ich fragen, welches Musikstück Du verwendet hast?

ICH wäre jedenfalls dabei gewesen - für solche "Dummheiten" bin ich immer zu haben. Nur hätte ich die ganz Zeltausrüstung nicht mitgeschleppt, sondern einfach so droben biwakiert.

Herzliche Berggrüße aus Nürnberg, ich bin der Georg

Eduard hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. September 2010 um 14:25
Hallo Georg danke für Deinen Kommentar. Nun, ich muss sagen, dass ich aufs Zelt sehr froh war. Am Morgen war die Plane wirklich nass, als ob es geregnet hätte. Ohne Zelt wäre es wohl sehr ungemütlich gewesen.
Die Musik ist übrigends ein Soundtrack vom Film The Last of the Mohicans

lampbarone hat gesagt:
Gesendet am 19. November 2012 um 23:40
Ein wirklich toller Bericht und schöne Aufnahmen! Wenn das eine "Dummheit" sein soll, dann lasse ich mich gern "Dummkopf" nennen, ich mag die Stimmung abends allein oben am Berg (oder mit Menschen, die das zu schätzen wissen). Schleppe oft Schlaf- und Biwaksack mit mir rum, auch wenn ich es bisher erst einmal an einem "harmlosen" Berg gemacht habe, sonst noch mit Taschenlampe runter - werde es nächstes Jahr als Anregung nutzen.
Die Zeltwand wird übrigens durch Atemluft und Kondenswasser feucht, besonders wenn sie in einer klaren Nacht auskühlt (und physikalisch dann sogar kälter werden kann als die umgebende Luft), da ist manchmal sogar ein Biwaksack von Vorteil, wenn man nach außen atmet und er näher am Körper eine höhere Oberflächentemperatur hat.
Nur der Satz mit "der leisen Vorahnung diesen Gipfel wohl nie wieder zu sehen" macht mich etwas nachdenklich (hoffe sehr, es gibt keine ernsten Gründe!), doch mir geht es an bestimmten Plätzen, vor allem Bergen auch so.
Grüße aus dem leider zu weit entfernten Flachland


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