Wildhuser Schafberg, 1908 m - "Schafbergkante"


Publiziert von roko Pro , 4. September 2010 um 22:39.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 4 September 2010
Klettern Schwierigkeit: V+ (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Aufstieg: 400 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wildhaus
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Wildhaus
Unterkunftmöglichkeiten:Wildhaus
Kartennummer:Säntis - 1115

Margits Wunsch als Geburtstagstour war dieses Mal nach dem Klettersteig auf den Piz Mitgel im letzten Jahr, die Schafbergkante an der Wildhauser Schafbergwand
In Begleitung von kaltem Nordwind ging es von Wildhaus in mässiger Steigung gegen Gamplüt hinauf. Von dort Richtung Alp Fros und auf guten Wegspuren an den Beginn der  Schafbergkante. Man steigt um einen Turm herum, ein Stück die Rinne hoch und klettert direkt auf den Grat wo man den ersten Stand hat. 
Nach der zweiten Seillänge stiegen wir irrtümlich in eine Variante ein die in die Nordseite der Westkante führt und sehr alpin eingerichtet ist. Die Absicherung mussten wir fast vollständig selbst anbringen. Nach einem Stand mit drei rostigen Haken und einigen Aufschwüngen in denen alte Reepschnüre von ehemaligen Rückzügen hingen, querten wir wieder auf die Kante zurück.  
Diese Variante durch die nordseitige Westkante empfehle ich wirklich nur alpinen Fans, für andere ist die Kante wesentlich attraktiver. 
Nach der sechsten Seillänge gibt es eine erste Ausfluchtmöglichkeit gegen Norden. 20 m in die Schlucht abseilen und anschliessend den gegenüberliegenden Sattel übersteigen. Nun folgt die Schlüsselstelle mit einer schönen, steilen Wand die sehr gut abgesichert ist. Beim Durchstieg kam mir eine längst vergangene Geschichte in den Sinn. Die 80er Jahre stellten sozusagen einen Uebergang vom technischen Klettern mit Trittschlingen und Trittleitern zum freien Klettern, dem klettern ohne Hilfsmittel dar. Sauberes, freies Klettern war von nun an angesagt. Die Geschichte die mich damals so amüsierte war eine Tourenbeschreibung die in der SAC-Zeitschrift  "Die Alpen" in den 80er Jahren von einem "Schafbergkantengänger" geschrieben wurde und aus meiner Erinnerung heraus sich etwa wie folgt zugetragen hat:

" Ich ordnete meine Sachen, legte meinen Sitzgurt und meinen Brustgurt an und befestigte zum Schluss noch meine Trittleiter am Sitzgurt. Von den umstehenden Kollegen und Kolleginnen erhaschte ich nur ungläubige und abschätzende Blicke nach dem Motto: Einer von vorgestern, einer dem die Zeit davongelaufen ist und der eigentlich hier nichts mehr zu suchen hat. Besser er bliebe unten, bevor man ihn noch aus der Wand herausholen muss.
Gut! Ich ignorierte die abfälligen Blicke und machte mich mit meinem Kameraden auf den Weg. An der Schlüsselstelle angekommen, klinkte ich meine Trittleiter und stieg locker und mit genug Reserven durch die kommende Passage. Als ich die Trittleiter wieder ausklinken wollte, hörte ich zu meinem Erstaunen von unten den Ruf: `Lass doch bitte die Trittleiter hängen, vielleicht ist es doch ein wenig einfacher...ich bringe sie dann zum nächsten Stand hinauf nach`.
OK! Ich liess die Trittleiter hängen mit dem wohltuenden Gefühl, nicht der Einzige zu sein dem so ein veraltetes Hilfsmittel ein wenig Erleichterung bringt. Als ich dann am nächsten Stand auf die Seilschaft mit meiner Trittleiter wartete und sie in Empfang nehmen wollte, bekam ich nur zu hören: `Nach uns kommt eine Seilschaft mit einer Frau die sich nicht so sicher fühlt und auch gerne die Hilfe der Leiter in Anspruch nehmen würde`. Warten war angesagt...auch die besagte Frau brachte die Trittleiter nicht...noch eine Seilschaft war sich nicht so sicher...ich wartete und wartete und musste sämtliche Seilschaften vorbeiziehen lassen, bis ich meine ach so verschmähte, veraltete und als Relikt aus vergangenen Tagen eingestufte Trittleiter wieder in Empfang nehmen durfte".


Diese Erzählung kam mir wieder in den Sinn als ich die besagte Stelle kletterte und ein "Schmunzeln" überzog mein Gesicht...ein Schmunzeln das immer stärker und zu einem hellen "Lacher" wurde.

Die zehnte Seillänge birgt noch eine etwas abgespeckte Verschneidung, die elfte einen kurzen steilen Aufschwung, dann kann alles am kurzen Seil gegangen werden.
Abgeseilt wird vom Gipfel in einen Sattel auf der Nordseite (etwa 10 m), anschliessend um einen mit Legföhren bewachsenen Kopf herum, durch Legföhren hindurch abklettern in eine Scharte und abseilen (22 m) auf die Schafweiden die vom Schafberg herunter ziehen.

Tourengänger: roko

Galerie


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