Quattro Stagioni - Tour oder "Die Schönheiten des Alpsteins"


Publiziert von alpstein Pro , 2. September 2010 um 21:47.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum: 2 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:Wasserauen - Chli Hütten - Schrennenweg - Meglisalp - Ageteplatte - Mesmer - Steckenbergsattel - Schäfler - Altenalp - Seealpsee - Wasserauen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:über Herisau - Gossau - Appenzell - Wasserauen
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Meglisalp, Berggasthaus Mesmer, Schäfler, Altenalp, Seealpsee
Kartennummer:Kümmerly & Frey Säntis-Alpstein

Von Wasserauen via Lisengrat auf den Schäfler (1925 m) stand heute auf meinem Tourenplan. Zwar hatte es die letzten Tage geschneit, aber die Tour habe ich am 02.09.2006 schon einmal bei ähnlichen Bedingungen absolviert. Als ich heute Morgen in die Zeitung schaute, sprang mir die Schlagzeile „Wintereinbruch am Säntis“ und ein Luftbild von gestern ins Auge, das einen tiefwinterlichen Säntis zeigte. Gewisse Zweifel stellten sich bei mir ein, ob ich mir die richtige Route bei diesen Verhältnissen vorgenommen habe. Unbeirrt machte ich mich aber auf in das Appenzeller Land.

 

Blauer Himmel über dem Alpstein, Schnee bis weit unterhalb der Tierwis war schon aus der Ferne auszumachen. Bei herbstlich kühlen 5°C kam ich in Wasserauen (866 m) an. Es war schattig im Tal, ein paar Abgehärtete haben in der feuchtkalten Nacht neben dem Parkplatz im Freien biwakiert. Der Parkplatz so leer noch, wie man ihn nur selten vorfindet. Die Schuhe geschnürt und los ging es hinauf durch das Hüttentobel nach Chli Hütten (1180 m). Grün war es um mich herum, schon Sonne drüben am Berggasthaus Wildkirchli-Aescher.  Ein weißer Kranz zierte die Gipfel hinten im Tal. Das beunruhigte mich noch nicht weiter, weil es ähnlich wie im Jahr 2006 aussah.

 

Bald kam ich auf den Schrennenweg, der sich hoch über dem Seealpsee (1141 m) im Schatten der Marwees dahin zieht. Die gegenüberliegenden Gipfel spiegeln sich im See. Ein Vierbeiner begegnet mir, aber von Menschen noch weit und breit nichts zu sehen. Am Wochenende sieht das anders aus. Zügig erreiche ich den Sattel, von dem man die Meglisalp (1517 m) erblickt. Ein kurzer Zwischenabstieg und ich erreiche die Meglisalp, neben dem Fälensee einer der idyllischsten Orte des Alpsteins. Der Rotsteinpass und Lisengrat darüber sehen satt eingeschneit aus.

 

Ich schlage den Weg Richtung Rotsteinpass ein. Gut 100 Hm habe ich schon zurückgelegt, als mir ein Berggänger begegnet. Natürlich fragte ich ihn nach den Verhältnissen oben. Es sähe nicht gut aus meinte er. Gut 1 m Schnee am Rotsteinpass habe ihn veranlasst nach der Übernachtung wieder abzusteigen. Weder zum Altmann noch über den Lisengrat komme man im Moment durch. Enttäuschung, aber ich war auch froh, dass ich das jetzt und nicht erst oben am Rotsteinpass erfuhr. Also Abstieg zur Meglisalp mit Einkehr.

 

 „Ob man über die Wagenlücke auf den Säntis kommt“ fragte ich die junge Service-mitarbeiterin. „Im Prinzip ja“ war ihre Aussage. Es hätten sich schon zwei Alpinisten auf den Weg gemacht, aber sie würde es mir nicht empfehlen. Wenn gespurt ist, dann sollte es ja kein Problem sein, dachte ich so für mich. Also die Ovo leer getrunken und los ging es Richtung Säntis. Die Frage, die mir dann in den Sinn kam war, ob ich  über den Blau Schnee wieder Richtung Schäfler komme. Im Neuschnee durch die Karrenfelder unter dem Hüenerberg sondieren zu müssen, wäre sicher auch nicht die reine Freude und nicht ungefährlich obendrein. Die Gefahr zur Schwägalp absteigen zu müssen und umständlich nach Wasserauen zurückzukehren, veranlasste mich dann doch, an der Abzweigung zur Ageteplatte umzudisponieren. Bald einmal im Schnee gehend kam ich so an der Ageteplatte (1896 m) an.

 
Ein herrlicher Aussichtsplatz inmitten des Alpsteins. Den Gedanken, den Grat der Rossmad bis zum Gipfelkreuz weiterzugehen verwarf ich sofort wieder, da es abseits des Weges im nassen und schneebedeckten Gras doch sehr rutschig war. Blumen schauten aus dem Schnee heraus, als wäre es Frühling. Der Blick die schattige Nordflanke runter zeigte ziemlich frostige Verhältnisse, welch ein Gegensatz. Ohne Drahtseile wollte ich da heute nicht runter gehen. Erstaunlich, dass der Schnee im Schatten trotz Plusgraden  schon gefroren war. Die aktuellen Verhältnisse rechtfertigen daher schon eine T3+.

 

Mit der entsprechenden Vorsicht, aber ohne Probleme kam ich so unten am Berggasthaus Mesmer (1613 m) an. Mir graute es ein bisschen vor dem nächsten Aufstieg, Wenn ich etwas nicht mag, dann sind das längere Zwischenabstieg- und aufstiege. Aber es blieb mir nichts anderes übrig, sonst hätte ich zum Seealpsee absteigen müssen. Bei schon fast wieder hochsommerlichen Verhältnissen, auch an dickbäuchigen, unbehemdeten Wandersleuten zu erkennen, mühte ich mich, auch hier nochmals mit einem Zwischenabstieg, zum Steckenbergsattel (1751 m) hoch. Irgendwie scheint mir die Ovo nicht so bekommen zu sein. Der Laktatspiegel muss wohl ziemlich hoch gewesen sein, weil ich mich auf einer Tour noch nie so schlapp gefühlt habe, wie auf dieser Passage. Schließlich kam ich aber doch innerhalb der Zeitvorgabe des Wegweisers auf dem Schäfler (1925 m) an.

 

Das Panorama dort oben ist bekanntermaßen grandios. Nach ausgiebiger Rast und Stärkung machte ich mich an den Abstieg. Am schnellsten, aber auch am steilsten geht das über die Altenalp und von dort runter zum Seealpsee. 800 Hm legt man ohne Eile so in einer Stunde zurück. Es folgte noch eine weitere Einkehr im Berggasthaus Seealpsee und schlussendlich der Abstieg an den Ausgangspunkt zurück.

 

Fazit: Zunächst war ich enttäuscht, dass nur Plan B zum Zuge kam. Aber auch so war es wieder ein schöner Tag in der herrlichen Kulisse des Alpsteins.

Vor dem Hintergrund des tragischen Unfalls von Zwieback, von dem ich erst nach dem Publizieren des Berichts erfahren habe, kann ich nur von Touren in Steilgras oder schattigen bzw. schneebedeckten Felspassagen abraten. Der Neuschnee sollte  aber bei Wetter wie heute, in ein paar Tagen auf südseitigen Hängen wieder abgetaut sein.


Tourengänger: alpstein

Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»