Schönbielhorn und Gemsspitz - die "kleinen Kraxelberge" im Reich der Grossen


Publiziert von 360 Pro , 2. September 2010 um 22:35.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:31 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Furi
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Furi

Der Anstoss für diese Tour stammt von Omega3, welcher mir anlässlich meines "go west/Wallis" Projektes eine Liste von lohnenswerten VS-Gipfel zukommen liess. Ein Vorschlag war: "Gemsspitz - Die Matterhorn-Nordwand als ständigen Begleiter - wunderbar". Wenn Omega3 wunderbar sagt, muss was dran sein! Als ich mir den Gemsspitz auf der Karte anschaute, sah ich, dass es da in der Nähe ja auch noch andere lohnenswerte Ziele gäbe. Für eine Tagestour wäre das dann (zumindest für mich) wohl ein wenig zu happig. Also reiste ich am Vorabend an und nächtigte in der Schönbielhütte.

Abends um halb 5 komme ich in cff logo Zermatt an und nehme eine der letzten Gondeln hoch nach cff logo Furi. Offensichtlich gibt es nicht allzu viele Leute die so spät mit der Gondel hochfahren, denn der Ausgang von der Seilbahn ist schon zugesperrt. Ich frage den Angestellten wie ich denn hier rauskomme und dieser sagt mir lakonisch, dass ich halt über die Abschrankungen klettern soll. Auf diese Idee hätte ich auch selber kommen können, aber an Illegales denkt unsereins halt nicht im ersten Moment :-) Allerdings frage ich mich, ob der/die Standardtourist/in dies auch so gerne machen würde wie ich...

Von Furi wandere ich dann dem markierten Wanderweg entlang zur Schönbielhütte. Dieser ist gut ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Schon jetzt verstehe ich einen Teil von Omega3's "wunderbar", denn das Spektakel, welches das Horu und andere Grössen bieten ist schlichtweg ergreifend, insbesondere mit dem schönen Kontrast der weiss verzuckerten hohen Gipfel, dem satten Grün der Wiesen und dem stahlblauen, wolkenlosem Himmel.

Da das Nachtessen auf der Schönbielhütte schon um 1/2 7h serviert wird, sind die meisten anderen Gäste schon beim Dessert, als ich dort eintreffe. Da ich jedoch bei meiner Anmeldung "angedroht" hatte, dass ich es wohl nicht schon um halb sieben schaffe, ist man auf mich vorbereitet und serviert mir mein Nachtessen auch nach sieben noch. Die Hütte ist gut besetzt, kein Wunder bei diesem Wetter und dieser Prognose.

Wie leider so oft in Hütten schlafe ich eigentlich fast gar nicht, obwohl sich das Schnarchen der anderen Zimmernachbarn heute ziemlich in Grenzen hält. Um 2h stehen die Dent Blanche Anwärter auf und dies ist halt mit einer gewissen Unruhe verbunden. Um 5h beschliesse ich, dass es keinen Sinn mehr macht weiter wach rumzuliegen und stehe auf. Leider verweigert mein Magen (wie fast immer am frühen Morgen) jegliche Nahrungsaufnahme, sodass ich das Frühstück sausen lassen muss, einen Kaffee und Orangensaft kriege ich mit Ach und Krach grad noch runter.

So wandere ich denn noch im Dunkeln mit der Stirnlampe entlang dem gut mit Steinmännchen markierten Moränenweg in nordwestlicher Richtung zum P.3052. Schon hier bemerke ich, dass ich unter diesen Umständen nicht besonders fit bin und wohl nicht all meine Pläne verwirklichen kann, insbesondere deshalb, da ich auch schon jetzt die Höhe etwas spüre (eine Akklimatisierung von gerade mal 10h ist wohl nicht allzu optimal ;-). Beim Steinmann bei P. 3052 "zwinge" ich mich nun etwas Festes zu mir zu nehmen und auch nochmlas ausgiebig zu trinken. In für mich ungewohnter Langsamkeit kämpfe ich mich nun den Südwestgrat des Schönbielhorns hoch. Dieser ist durchaus hübsch und nicht allzu schwierig und folgt meist dem Grat selbst oder etwas westlich davon. Einige ausgesetzte Kletterstellen im zweiten Grand kurz bevor man auf den Südgrat trifft, könnte man wohl auch links umgehen. Der restliche Weg über den Südgrat ist zum Teil etwas ausgesetzt, bietet aber keine nennenswerten Schwierigkeiten. Insgesamt, geht das L des SAC Führers voll in Ordnung, T5/II trifft die Sache aber mindesten ebensogut.

Auf dem Gipfel angekommen bin ich überrascht wie warm es hier auf fast 3500m ist; zudem ist es auch praktisch windstill und ich geniesse die wirklich beeindruckende Kulisse mit all den Grössen rund um mich herum. Meinen ursprünglichen Plan, von hier auch noch den Pointe de Zinal über den Südgrat zu besteigen lasse ich hingegen sausen, denn dazu bin ich heute schlichtweg nicht in Form. Allerdings läge dies an einem "normalen" Tag durchaus drin. Auf dieser Route könnte man so auf fast 3800m ohne Gletscherkontakt einen Alleingang verantworten, zumindest bis zum Südgipfel. Anstatt des Umwegs lege ich mich auf einen Stein an die Sonne und ruhe vor mich hin. Meine mehr oder weniger schlaflose Nacht macht sich eindrücklich bemerkbar und mehr als eine Stunde später wache ich wieder auf...

Zu meiner "Überraschung" bin ich inzwischen hungrig und verpflege mich deshalb :-) Auf dem Hochwänggletscher beobachte ich, wie die drei anderen Pointe de Zinal Aspiranten auf halbem Weg umkehren. Später als ich weiter unter wieder auf sie treffe, erzählen sie mir wie heimtückisch die Situation auf dem Gletscher zu Zeit sei, mit dem vielen Neuschnee seien sie meist knietief eingesunken. Als sie dann auch einige Male noch bis zu den Hüften einsanken, geben sie das Unterfangen auf, da sie befürchten allfällige Spalten nicht zu erkennen - einsichtig und vernünftig! Auch ein Einstieg zum tiefsten Punkt zwischen Pointe de Zinal und dem Schönbielhorn (P. 3358) sei wegen dem Schnee heute nicht machbar gewesen. Meine Route auf die Zinalspitze wäre deshalb heute wohl die Vernünftige und Machbare gewesen.

Ich mache mich nun langsam auf den Abstieg und folge dazu zuerst wieder dem Südgrat bis zum Punkt wo der Südwest- und Südostgrat zusammenkommen und wähle nun den Südostgrat. Dieser gestaltet sich von der Schwierigkeit ähnlich wie der Südwestgrat. Ab und zu habe ich den einen oder anderen Steinmann gesehen, die Routenfindung ist jedoch etwas anspruchsvoller, da der Grat selbst zu schwierig ist und man sich den Weg östlich des Grates suchen muss. Der Blick von der Schönbiellücke (Oberer Blausatz) zurück den Grat hoch sieht eigentlich ziemlich furchteinflössend aus und man würde nicht erwarten, dass die Route ein T5/II nicht übersteigt, auch wenn die ganze Sache zum Teil etwas unangenehm brüchig ist.

Vom Pass aus folge ich nun weiter dem Grat Richtung Gemsspitz. Der SAC Führer ist für die Route vom Pass zum Gemsspitz sehr kurz gehalten: "Man folgt dem Grat, WS". Dies ist meines Erachtens jedoch nicht ganz so simpel. Ein striktes Folgen des Grates wäre definitv nicht nur ein WS, sondern mindestens ein ZS. Die schlimmsten Abbrüche können aber verhältnismässig gut umgangen werden. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn hier ist so ziemlich alles morsch und lotterig, zudem befindet man sich auch des öfteren in ziemlich ausgesetztem Gelände. Den ersten Abbruch nach dem Pass, vor P. 3209 umgehe ich in der Ostflanke, wie auch jenen direkt nach P. 3209, wobei der Umweg in diesem Fall schon ziemlich abenteuerlich ist. Es folgen weniger grosse Abbrüche, welche ich direkt abklettere, einen weiteren relativ kurz vor dem letzten Sattel vor der Gemsspitze umgehe ich dann in der Westflanke. Die schräg nach Westen geschichtete Platten, sind kurz unterbrochen und erlauben dort das Abklettern. Der letzte Aufstieg zum Gipfel des Gemsspitz ist dann nochmals relativ abenteuerlich, da dieser noch ziemlich viel Schnee enthält. Auf der Nordostseite finde ich jedoch einen mehr oder weniger schneefreien, gangbaren Aufstieg. Wenn man all meine beschriebenen Umgehungen der Abbrüche nimmt, kommt das WS des Führers als Schwierigkeit hin, allerdings gäbe es wohl kaum Möglichkeiten vernünftig zu sicheren, weshalb wohl T6 treffender wäre.

Der Gemsspitz bietet neben dem Prachtsblick aufs Horu auch einen wunderschönen Tiefblick zur Schönbielhütte und ins Tal des Zmuttgletschers. Nach kurzer Pause mache ich mich wieder auf den Abstieg zur Schönbielhütte und wähle dazu das im SAC Führer beschriebene westseitige Couloir etwa 40m nördlich des Gipfels. Ob man im obersten Teil nun das linke oder rechte Seitencouloir benutzt, spielt wohl keine Rolle, denn ich habe das andere als im Führer beschriebene benutzt. Beide sind sau steil und mit viel losem Material bestückt (Vorsicht wenn man nicht alleine unterwegs ist) und im Aufstieg wohl äusserst mühsam (T5). Bei mir wird die Sache im obersten Teil noch etwas verschärft, da dort noch ein wenig Schnee liegt und der Untergrund zum Teil gefroren ist. Im unteren Teil wird die schmale Rinne breiter und etwas flacher und läuft in der grossen Geröllmulde des Kumme aus. Dort treffe ich auf den gut mit Steinmännern markierten Weg (von der Schönbielhütte zum Hochwänggletscher) und folge diesem zurück zur Hütte. Nach einer kurzen Pause mache ich mich dann auf den Abstieg zurück nach Furi, wobei ich dieses Mal bis zum Stausee bei Zmutt den Weg auf der nördlichen Talseite wähle.

Fazit:
Auch wenn ich heute nicht all meine Wunschgipfel erfüllen konnte, war die Tour trozdem sehr lohnenswert. Zwar liegen solche Gipfel nicht im Beuteschema des Standard-Zermatt-Beg-Touristen, gerade deshalb fallen sie aber in meines. Sie bieten durchaus anregende, interessant Kraxeltouren mit ungemein schöner Kulisse.

1. Tag: cff logo Furi - Biel - Stafel - Hohle Bielen - Schönbielhütte
2. Tag: Schönbielhütte - P.3052 - SE Grat - P. 3282 - S Grat - Schönbielhorn -S-Grat - SW Grat - Ober Blausatz - P. 3209 - Gemsspitz - Westcouloir - Kumme - Schönbielhütte - Hohle Bielen - Chalbermatten - Bodmen - cff logo Furi


Tourengänger: 360

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Kommentare (4)


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Henrik hat gesagt: Gekonnt!
Gesendet am 2. September 2010 um 23:03
Mehr ist dazu eigentlich nichts zu vermerken!

DANKE.

Henrik

akka hat gesagt: Wunderbar!
Gesendet am 3. September 2010 um 05:36
dieses Schönbielhorn und dieser Bericht über einen Berg, der seit vielen Jahren in den top five meiner "would like to do" Liste steht.
Danke für die ausführliche Beschreibung. Vielleicht passt es auch irgendwann mal für mich.

Gruss
Jörg

alpstein Pro hat gesagt: Genial!
Gesendet am 3. September 2010 um 16:34
Das gilt für Tour, Fotos und Bericht.

Gruß
Hanspeter

Vitodurum hat gesagt:
Gesendet am 16. Mai 2015 um 09:36
Merci für deinen Bericht. Vielleicht mache ich diese Tour, wenn ich das nächste Mal (wann auch immer das sein wird..?) im Wallis bin.


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