Klettersteig Mittaghorn


Publiziert von TomClancy , 31. August 2010 um 00:02.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:29 August 2010
Klettersteig Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 630 m
Abstieg: 630 m
Strecke:Station Morenia - Gamsrugg - Mittaghorn - Station Plattjen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit SBB und Postauto nach Saas Fee. Mit dem Alpin-Express zur Mittelstation Morenia.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Ab der Bergstation Plattjen mit der Gondelbahn nach Saas Fee.
Kartennummer:SAC-Klettersteigführer

Nach längerer Zeit ist wieder einmal das Wallis an der Reihe! Der Wetterbericht und die Lektüre von E. Hüslers Klettersteigführer machen mir Lust auf das Mittaghorn. Das Klettersteig-Set ist noch nicht versorgt, deshalb fällt mir der Entscheid umso leichter! Mit dem ÖV bin ich um 1059 in Saas Fee. Der Alpin Express bringt mich schnell und günstig (Fr. 12.50 für das Rundreisebillett mit der Rückreise über Plattjen) nach Morenia auf eine gute Ausgangshöhe von 2550 Metern über Meer. Ein netter Bahnangestellter lässt mich auf dem Angestellten-WC meine Wasservorräte auffüllen, denn das Restaurant hat geschlossen und öffentliches WC gibt es in der Mittelstation keines!

Gut signalisiert führt mich ein weiss-blau-weisser Wanderweg mit Blockturneinlagen zum Einstieg mit der oft beschriebenen Fahne auf dem Grat. Ab hier  führt der Klettersteig immer den Grat entlang. Wo nötig sind angemessen Eisen gesetzt, so dass der Aufstieg auch geübtem Einsteigern keine Probleme bietet. Eine einzige Stelle ist etwas ausgesetzt, aber im Vergleich mit dem Pfeiler am Graustock einfacher zu bewältigen.

Während beim Einstieg der Gipfel des Mittaghorns noch im Nebel liegt, klart es im Lauf des Aufstiegs immer mehr auf. Kurz vor dem Gipfel lösen sich die letzten Nebelfetzen auf und der Rundblick auf das phantastische 4000er-Panorama zieht mich in seinen Bann.

Zu Beginn meines Aufstiegs wähnte ich mich alleine auf der Route. Als ich mich dem Gipfelaufschwung nähere, entdecke ich aber Leute im Grat. Das Tempo in dem ich mich ihnen nähere, macht mich beinahe stolz, aber… Kurz vor dem Gipfel schliesse ich zu meinen Vorderleuten auf und lasse ihnen Zeit anzukommen. Als ich zum Gipfelkreuz komme, dann das grosse Erstaunen: zwei Knirpse von vier und fünf Jahren sitzen strahlend wie die Maikäfer mit Götti und Vater vor dem Gipfelkreuz. Als ich ihnen zum Gipfelerfolg gratuliere, schwatzen die Kleinen völlig relaxt und ohne erkennbares Zeichen von Erschöpfung auf mich ein. „Wie Geissli“ seien sie geklettert und „Es isch scho s’zwöit Mol!“. Nach einer kurzen Verpflegungspause machen sich die Knirpse, von ihren Führern mittels Klettersteigset gesichert, wie Rössli am Halfter auf den Abstieg. Ich gönne mir etwas mehr Zeit auf dem Gipfel und geniesse das Panorama und die faszinierenden Tiefblicke.

Der Abstieg führt in scheinbar endlosem Zickzack erst über Blockgestein und nachher auf einem guten Wanderweg (weiss-blau-weiss) zur Bergstation Plattjen. Unterwegs sehe ich noch zwei Steinböcke. Der eine scheint ein richtiger Cervelat-Promi zu sein, er bemüht sich jedenfalls redlich, all seine Seiten im besten Licht erscheinen zu lassen. Dass er von drei Personen fotografiert wird, stört ihn nicht im Geringsten.

In Saas Fee angekommen, werde ich wieder einmal mit einem der beliebten Reservationssysteme konfrontiert. Als Einzelmaske habe ich jedoch Glück und kann im ersten Postauto mitfahren. Für Gruppen ist eine Reservation (zwei Sunden vor Abfahrt) aber zwingend. Die richtige ÖV-Freude kommt aber in Visp auf. Der IC von Brig kommt bereits voll an, auf dem Perron drängeln sich Dutzende von Leuten mit Koffern, Skiern, Snowboard und Rollstühlen. Da die SBB den Job des Pushers noch nicht eingeführt haben, dauert die Einsteigerei ziemlich laaaange. Schliesslich sind alle eingequetscht und die Fahrt geht los. Quengelnde Kinder (zahnend und deshalb mit offenem Fudi: Oxyplastin wirkt Wunder), keifende, rotweinflaschenschwingende Turnveteranen und ein bleicher, apathisch wirkender Jüngling teilen sich mit mir den knappen Platz auf der Plattform des Doppelstöckers. Die Stimmung schwankt zwischen solidarischer Heiterkeit („Wollen Sie auch von meinem Sandwich?“) und Anflügen von Panik („Wenn jetzt einer aufs Klo müsste!“). Zwischen Koffern und Rucksäcken hockt ein altes indisches Ehepaar auf der Treppe und lächelt ganz still vor sich hin. Der Mann hätte eigentlich einen Rollstuhl, aber die jungen Schweizer Eltern setzen ihre Prioritäten bei den voluminösen Kinderwagen. Der Sohn mit dem ich ins Gespräch komme, erklärt mir, seine Eltern fühlten sich ganz wie zu Hause, in Mumbai sei es in den Zügen ähnlich voll!

Ich bin aber froh, kann ich in Bern den Zug wechseln. Den direkten Anschluss habe ich zwar verpasst, aber meine Ansprüche an den ÖV sind mittlerweile nicht so hoch.

Fazit: ein toller Klettersteig, als Tagestour gut machbar, bei Inkaufnahme der möglichen Probleme ist der ÖV empfehlenswert.     


Tourengänger: TomClancy

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Geodaten
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