Ödnis an End- und andern Bahnhöfen...


Publiziert von Henrik , 28. August 2010 um 12:10.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:27 August 2010
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-ZH 
Strecke:Suburban of Rafz
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV

... es hätte einen ergänzenden Bericht geben sollen. Edith und ich wollten auf den Irchel – nicht im „Eroberungsstil“ des Sputnik oder dabuesse ...
 
... ich nahm den frühen Zug nach Arth-Goldau, den Knirps obligat im Rucksack, weniger Lesestoff als auch schon und natürlich nahm ich das Taxi zum Bahnhof!
 
 Als ich vors Haus trat, tröpfelte es schon – ja nicht einschüchtern lassen und immer ans Gute denken, auch beim Wetter. Am SBB schiffte es schon heftig, allein der Gang über die Tramgeleise vom COOP zum Osteingang des Bahnhofs reichten aus, die Haare gut nass zu bekommen.
 
 Der IR nach Locarno um 7.03 fährt ab Gleis 4 – ich setzte mich in den Pano-Waggon und bald waren alle Abteile mit mindestens einem Pendler belegt, es war ruhig. Der Regen nahm zu, die Sicht aus den Pano-Fenstern wurde zum Submarine-Gefühl und die Jacke verblieb etwas länger auf dem Rücken. Nach Olten kam die Steigerung – Submarine II. Der Sempachersee verschmolz mit dem Grau der Regenwolken und die folgenden Landschaftseindrücke versanken zusehends in diesem Einerlei.
 
 In Arth-Goldau stieg ich in die S-Bahn nach Biberbrugg um – die Szenerie hatte etwas von einem Eisenbahnmodell wie im Verkehrshaus, wirkte pittoresk und „schnuusig“, doch die Endlosbaustelle in Biberbrugg hatte nichts von dem: ich habe nicht den Eindruck, dass die dort je mal zu einem Abschluss kommen!
 
 Der „Hurdener Steg“ war, so weit ich das aus dem Bahnfenster wahrnehmen konnte, heute leer – nobody around. Grau und regnerisch. Das gleiche galt in Rappi, die gekürzte S 5 bestieg ich für die Fahrt nach Rafz. In der 1. Klasse gähnende Leere, das am Spätvormittag und an einem Freitag, ich staunte. Die Landschaft zog ohne meine Aufmerksamkeit an ihr vorbei – Wetzikon, Uster und das grosse, etwas öde Suburban wie auch das wenig mit Anmut wirkende Gewerbe und deren Hinterhöfe – da unterscheidet sich Zürich von Basel doch erheblich. Wie ein Schlund, der seinen Tribut fordert, verschwindet die S-Bahn im Tunnel unter dem Zürichberg. Stadelhofen – es regnet immer noch, die schmutzigen Pfützen und die vielen Dellen des Asphaltes fallen mir auf, und ich frage mich woher das rührt?
 
Hardbrücke – eine permanente Baustelle, irgendwann wird die Durchmesserlinie dann mal doch fertig sein. Irgendwie wirken die Reisenden in Zürich-Oerlikon anders als an allen andern Bahnhöfen, die ich kenne: kaum einer hat nicht einen Glimm-Stängel zwischen den Lippen? Die Stationen, die jetzt folgen, unterscheiden sich nicht mal mehr so namentlich: entweder ist das „-glatt“ angehängt oder es erscheint als erstes! Zwischen Niederglatt und Bülach brettern die Jets über die Bahnlinie im Minutentakt – zum Greifen nah!

Die Y-Geleiseanordnung in Bülach hat zwei Zwecke: einerseits die Verbindung nach Winti und die andere Zürich mit Schaffhausen zu verbinden. Aber auch hier eine gewisse Trostlosigkeit – nicht nur wetterbedingt. Glattfelden – man müsste mich korrigieren, aber der erste Kreisel schweizweit wurde hier in den 60er-Jahren erbaut?
 
Eglisau mit seiner beeindruckenden Eisenbahnbrücke hat nichts eingebüsst von seiner Monumentalität – dagegen erscheint die Gewissheit eher von Relevanz, dass der Kiesabbau mal in Hüntwangen zu einem Ende kommt! Auf einem Nebengeleise in Eglisau steht ein langer Kieszug – auf die Weiterfahrt wartend.

In Rafz ist Endstation der S 5 –Trostlosigkeit kann m. E. bedingt gesteigert werden. Das Bahnhofsgebäude mit seinem Holzschuppen in einem „Beinahe-Dalarna-Rød“ weckt in mir Erinnerungen, doch diese sind nach wenigen Minuten weggewischt. Seit Ende 2009 sind die Räume des Bahnhofs auf einer Inventarliste der SBB als Mietobjekte verzeichnet, so auch der Zettel, der an der Türe des Stellwerkraumes angebracht ist. Der Raum der Zollbehörde ist genau so leer, auf einem Tisch ist noch eine Warenwaage auszumachen. Die Betonaufgänge (1990) sind zwar graffiti-frei , doch die Ansammlung der Gerätschaften bzw. das Mobiliar in der Bedienzone vermag trotz Alu-Einheitstoilette nicht zu strahlen: es stehen zur Verfügung eine Toilette (Auswahl gefällig), der ZVV-Fahrplan und Touchscreen-Billet-Automat, das obligate Self-Service-Foto-Unit, ein Food-Automat wie er in seiner Nüchternheit überall in der Schweiz zu „erleben“ ist, die Zeitungsboxen des Tagi und des Blick wie der 20Minuten und last-but-not-least der alu-gebürstete Abfalleimer (auch so ein Einheitsding schweizweit bekannt). In unmittelbarer Nähe noch die Haltestellenanzeigen der Postbus AG sowie der SüdbadenBus GmbH mit drei Abfahrten pro Tag!


In Rafz endet auch die CH einige Meter entfernt – über Lott- und Jestetten auf deutschem Boden gelegen – gelangt man wieder in die Schweiz, nach Schaffhausen. In Jestetten sind wie so oft in Grenznähe Tausende von Schweizern unterwegs zum Billigkauf – was ich mit Edith am Nachmittag in der Tat dann nachprüfen konnte, die Qualität stimmt halt nur bedingt! Weit erschreckender ist die Begegnung des „Homo oeconominus“ in seiner Körperfülle, wie er die leichtrollenden Einkaufsrolli zur Kasse schiebt – voll mit viel Fett....

Auch das ist eine Form der Trostlosigkeit...steigerungsfähig....



Die Vereinten Nationen machen auf ein Missverhältnis ironischer Art aufmerksam. In Indien gibt es 366 Millionen WCs. Mobiltelefone gibt es beinahe 200 Millionen mehr.


 
 

Tourengänger: Henrik


Kommentare (2)


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chaeppi Pro hat gesagt:
Gesendet am 28. August 2010 um 17:26
Da hättest Du ja glatt bei mir für ein Glas Wein vorbeikommen können. Hätte Dir dann noch die schöneren Seiten als den Bahnhof von Rafz zeigen können.

lg,chaeppi

kopfsalat Pro hat gesagt: Umweg ;-)
Gesendet am 30. August 2010 um 10:51
Wozu über Rappi, wenn man mit der DB in einer Stunde in Schaffhausen sein könnte ... und man kommt dabei auch an jensten öden Bahnhöfen vorbei ...


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