Piz Picuogl 3333 m - zwischen roten Steinwüsten und grauen Gletschern


Publiziert von Ivo66 Pro , 26. August 2010 um 20:09.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:26 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:Alp Flix (Tigias) - Ava da las Tigias - P. 2547 - P. 2741 - Fuorcla da Flix - Tschima da Flix - P. 3316 - Piz Picuogl
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Abendteuerliches Bergsträsschen von Sur an der Julierpassstrasse (bzw. zur Zeit Umleitung) zur Alp Flix (Gebührenpflichtige Parkplätze CHF 12.-- für 12 Stunden)
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Der Piz Picuogl - ein Berg, dessen Höhe man sich mit 3333 m. ü. M. gut merken kann - steht mitten im wilden Steinwüsten- und Gletschergebiet um den berühmten Piz d'Err, zwischen Alpennord- und südseite, bereits auf Engadiner Gebiet. Die Tschima da Flix, ein Gipfel von ebenfalls stattlicher Höhe mit 3301 m. ü. M. ist vom Oberhalbstein aus sichtbar, während sich der Piz Picuogl dahinter versteckt und über einen stellenweise luftigen Grat mit der Tschima da Flix verbunden ist. Heute war ein idealer Tag für diese lange und anstrengende Bergtour: Stabiles Spätsommerwetter und eine fantastische Fernsicht bescherten uns einen Tag in den Bergen, wie wir ihn in dieser Art bis jetzt vielleicht 3 oder 4 mal erleben durften.

Die Sicht auf beiden Gipfeln reichte heute von der Weisskugel im Südtirol, dem Ortler, über das gesamte Engadin mit seinen berühmten Bergen bis ins Bergell, weiter zum Monte Rosa-Massiv und den anderen Walliser Giganten, dahinter zum Mont Blanc und wiederum weiter zu den Berner Alpen, den Glarner Alpen mit dem unverwechselbaren Tödi und zum Säntis. Wohl mit Ausnahme von Deutschland haben wir heute alle Nachbarländer der Schweiz gesehen.

Das fabelhafte Panorama steht in einem herrlichen Kontrast zu den farbenreichen Steinwüsten (rostrot, orange, grau, schwarz, grün, weiss...) und zu den silbergrauen Gletschern in diesem sehr wilden Gebiet. Diese Berggegend ist im Sommer wenig begangen, heute sind wir immerhin 3 Berggängern begegnet. Das Gipfelbuch auf dem Piz Picuogl stammt aus dem Jahre 2004 und weiss erst von wenigen Einträgen pro Jahr zu berichten.

Die Tour zum Piz Picuogl von der Tschima da Flix ist eine sehr attraktive Gratüberschreitung, vor allem, weil man praktisch immer auf der Grathöhe bleiben kann und kaum in die Flanken ausweichen muss. Hin und wieder ist es schon etwas luftig, aber gerade an den ausgesetzten Stellen ist der Fels von hervorragender Qualität. 

Aufstieg von Tigias (Alp Flix) bis zum Sattel P. 2741 (T3)

Zunächst gilt es, die Alp Flix mit dem PW schadlos zu erreichen. Das Strässchen (zur Zeit wird wenigstens der untere Teil von Sur aus ausgebessert, daher ist eine Umleitung signalisiert) ist kurz bevor man das Hochplateau der Alp Flix erreicht in einem prekären Zustand und weist mehr Schlaglöcher als asphaltierte Stellen auf. Es ist wirklich ein sehr vorsichtiges Fahren geboten - mit einem Sportwagen kann man die Anreise vergessen. Es bleibt zu hoffen, dass das teure Geld, das in den Parkplatzautomaten geworfen werden muss, bald in eine entsprechende Sanierung investiert wird.

Bezogen auf die Möglichkeiten eines gewöhnlichen Personenwagens muss die Anreise zur Alp Flix mit T6 bewertet werden ;-)

Kurz nach dem Hotel Piz Platta auf der Alp Flix (kurz zuvor Parkplätze) folgt man nicht weiter dem Fahrsträsschen, sondern folgt bei den Holzhäusern kurz dem Bach und überquert dort das geländerlose Holzbrücklein. Man folgt einem mehr oder weniger gut sichtbaren Pfad, immer südlich des Baches (Ava da las Tigias) aufwärts. Seit diesem Jahr ist dieser Pfad neu markiert und zwar mit neongrünen Punkten. Diese - meist gut sichtbar angebrachten - inoffiziellen Markierungen führen bis hinauf zur Fuorcla da Flix.

Nach einem recht steilen Aufstieg erreicht man auf einer Höhe von ca. 2380 m. ü. M. flaches Alpgelände. Hier verlieren sich die Wegmarkierungen vorübergehend. Man steigt meist weglos, gelegentlich auf Viehpfaden, in südöstlicher Richtung ansteigend zum ersten Seelein bei P. 2547 m auf. Kurz zuvor und auch anschliessend ist ein kurzer Gegenabstieg in Kauf zu nehmen, man geht weiter zum zweiten Seelein bei P. 2540 m. Man sieht nun auch schon den Grat, der von Südwesten Richtung Piz d'Agnel hinaufführt. Den Sattel auf diesem Grat (P. 2741) erreicht man auf guten Wegspuren und wieder anhand der hellgrünen Markierungen.

Weiter zur Fuorcla da Flix (T4)

Vom Sattel bei P. 2741 m führen Wegspuren im Zickzack den ersten Hang hoch. Später hat man verschiedene Varianten zur Verfügung: Wir hielten uns meist inetwa auf der Grathöhe, mal links oder rechts in die Flanken ausweichend. Hin und wieder ist leichte Kletterei erforderlich. Man trifft aber immer wieder auf Pfadspuren. Bald gelangt man in die weite Schutt- und Geröllflanke unterhalb Fuorcla da Flix bzw Piz d'Agnel. Zur Fuorcla da Flix führt eine recht gut begehbare Spur durch das Geröll, man hält sich mit Vorteil immer an die Spuren, die linkerhand hinaufführen (auf die hellgrünen Punkte achten).

Von der Fuorcla da Flix zur Tschima da Flix (T3)

Das Gelände ist von der Fuorcla aus sehr übersichtlich, die Tschima da Flix ist leicht auszumachen. Man folgt den Steinmännchen und mehr oder weniger gut sichtbaren Wegspuren im Geröll sanft ansteigend bis zum Gipfel.

Von der Tschima da Flix zum Piz Picuogl (T5)

Der anspruchsvollste aber auch schönste Teil der Route. Man steigt von der Tschima da Flix kurz über den Grat ab und umgeht den ersten, markanten Felsturm linkerhand auf Pfadspuren. Schon steht man vor der Felsbastion P. 3316 m, auf die man hinaufklettert (eine luftige Stelle, aber gut zu bewältigen, die Kletterei übersteigt hier nirgends den 1. Grad). Von P. 3316 m geht es einfach weiter (Gehgelände) bis zur nächsten etwas schmaleren Gratstelle, die aber von weitem viel schwieriger aussieht, als sie es ist (bester Fels). Bald gelangt man zur Schlüsselstelle, wo der Grat etwas steil abfällt. Man kann dort jedoch problemlos, etwas links haltend durch eine schmale Lücke rundherumturnen und gelangt sofort wieder in harmloses Gelände (dies ist wohl die im SAC-Clubführer "Bündner Alpen 6" erwähnte kurze 2er-Stelle). Auf dem Rückweg ist diese Stelle dann ein Klacks, da man aufwärts klettert. Der Rest des Grates stellt dann wiederum keine Probleme dar, die letzten Meter geht es in einfachem Gehgelände hinauf zum Gipfel des Piz Picuogl.

Tourengänger: Ivo66, Lena

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»