Schijenstock und Hoch Horefellistock - eine lange und zum Teil anspruchsvolle Tour


Publiziert von 360 Pro , 27. August 2010 um 09:28. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:25 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Göschenen
mit dem Velo zur Voralpkurve
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Velo von der Voralpkurve nach
cff logo Göschenen

Für den heutigen Tag hatte ich mehrere Pfeile im Köcher und war eigentlich schon ausführlich auf andere Touren vorbereitet. Als am Vorabend jedoch die Anfrage von Omega3 kam, ob ich Lust auf "Schijenstock / Hoch Horefellistock (Vorlaptal/Göschenertal) mit Velounterstützung von Göschenen bis Wiggen" hätte, konnte ich der Verlockung, wieder einmal mit Omega3 auf Tour zu gehen, nicht widerstehen, insbersondere deshalb, weil mir die Gegend um die Göscheneralp völlig unbekannt war und obwohl das für mich nun innert 2 Wochen die dritte Urner Tour werden würde. Ergeben hat sich dann eine wunderbare Tour: auf Omega3's Pläne ist halt Verlass!

Im Zug nach Göschenen treffen Omega3 und ich auf chaeppi der ebenfalls in diese Richtung unterwegs ist und wir diskutieren auf der Fahrt die hikr und reale Welt :-). In Göschenen verabschieden wir uns von ihm und schwingen uns auf unsere mitgebrachten Velos. Wir fahren Richtung Göscheneralp und bei der Voralpkurve - unserer "Wechselzone" - deponieren wir die Velos. Gemütlich wandern wir von dort dem markierten Wanderweg entlang bis kurz unter die Voralphütte und überqueren dort die Voralpreuss. Nach einer Verpflegunspause folgen wir dem nun blau/weiss markierten Weg Richtung Bergseeschijen. Nach einer kurzen Gipfelrast auf dem Horefellistock (Schartenhöhe wohl kaum 10m), verlassen wir den markierten Weg.

In etwa Höhe haltend überqueren wir den einstigen Gletscher in Schutt und Moränenfelder. Wir besteigen dann die grosse markante Moräne und folgen dieser bis auf eine Höhe von ca. 2750m. Dort überwinden wir etwas südlich der Moräne einen Abbruch in leichter Kletterei hoch Richtung Gipfel (T5, weiter südlich gäbe es wohl auch einen einfacheren Aufstieg). Von hier nun folgen wir der rechten Seite der immer steiler werdenden westlichen Schuttflanke. Kurz vor dem Gipfel turnen wir dann noch dem Ostgrat folgend hoch zum Gipfelkreuz (nördlich des Grates wäre es einfacher, aber wir können halt das Kraxeln nicht lassen...). Insgesamt wäre der leichteste Aufstieg zum Schijenstock wohl lediglich ein T4+.

Wir geniessen die imposante alpine Gletscherlandschaft, verpflegen uns nochmals, sind überrascht wie gut die Fernsicht heute ist und erfreuen uns der milden Temperaturen. Immer wieder schauen wir aber auch zum Hoch Horefellistock und dessen Südostgrat rüber, denn eigentlich wollen wir diesen heute auch noch besteigen. Von hier in der frontalen Ansicht sieht dieser aber fast unbezwingbar aus. Zudem ist auch der Abstieg in die Scharte zwischen Schijenstock und Hoch Horefellistock von ungewissen Schwierigkeiten begleitet, im Urner SAC Führer gibt es nämlich einzig den Hinweis, dass der ganze Grat nordwestwärts des Schijenstocks lohnend und mit Schwierigkeiten II-III sei. Wenn die III-er Stelle aber im Abstieg zur Scharte wäre, müssten wir die Segel wohl streichen. Aber schauen kann man ja mal...

Der Nordwestgrat des Schijenstock entpupt sich dann als eher brüchig und zwischendurch auch ziemlich ausgesetzt. Eine unangehm ausgesetzte und zu schwierig wirkende Stelle im Grat umgehen wir südlich durch ein schmales Kamin, welches wohl keinen übergewichtigen Personen Durchlass gewähren würde. Auch weiter unten, weichen wir für kurze Abschnitte ein paar Mal in die Südflanke aus. Alles in allem klappt der Abstieg aber erstaunlich gut (T6-, II).

Der Blick hoch zum Hoch Horefellistock bereitet uns aber immer noch einiges an Kopfzerbrechen, denn auch von hier sieht der Südostgrat alles andere als einladend aus. Der Urner Führer spricht zwar davon, dass man links des Grates zum Gipfel klettern kann (II), wirklich einfach sieht das jedoch nicht aus. Aber probieren kann man ja trotzdem... Die Rucksäcke lassen wir im Sattel und nehmen zur Sicherheit auch die Reepschnur mit. Wir queren etwas in die Südflanke und klettern dann immer wieder ausgesetzt aber durchaus im grünen Bereich unterhalb des Grates weiter. Die Griffe sind meist gut und solid, man kann sich aber nicht immer 100%-ig auf sie verlassen. Etwa 30m vor dem Gipfel macht eine weitere Querung in der Flanke keinen Sinn mehr und wir klettern deshalb hinauf zum Grat. Dieser Teil ist als die eigentlich Schlüsselstelle zu bezeichnen, handelt es sich doch eher um einen guten Zweier und der Blick in die Tiefe verspricht alles andere als eine sanfte Landung. Wieder auf dem nun sehr schmalen Grat, geht es dann zum Schluss verhältnismässig einfach (wenn auch sehr ausgesetzt) über die letzten Meter zum Gipfel. Wir freuen uns natürlich über den weiteren Gipfelerfolg und lassen unsere etwas weichen Knie ein wenig Ruhen, bevor wieder auf dem gleichen Weg wieder zurück zur Scharte abklettern. Dieser Abstieg klappt dann auch besser als erwartet, wir sind aber trotzdem froh wieder heil unten anzukommen.

Von hier nun steigen wir das südwestseitige Couloir zwischen Hochhorefellistock und Schijenstock hinunter zur riesigen Geröllhale unterhalb der beiden Gipfel, wobei wir am Ende des Couloirs (steil, viel loses Material, T5) zu unserer Freude sogar noch ein Schneefeld nutzen können. Der Weiterweg zum Bergsee gestaltet sich dann eher mühsam. In wechselnd groben Geröll oder gar Blockfelsen bahnen wir unseren Weg in südöstlicher Richtung durch die Steinwüste. Der Balanceakt über grosse und kleine, feste und lose Gesteinsbrocken ist etwas zermürbend, fordert aber trotzdem Konzentration. Auf etwa 2500m, kurz vor dem Bergsee treffen wir endlich auf etwas freundlicheres Gelände, welches auch ab und zu ein paar grasige Flecken aufweist. Beim idyllischen Bergsee schalten wir nochmals eine längere Pause ein und kühlen unsere heiss gelaufenen Füsse im klaren Nass etwas ab.

Der aüsserst gut ausgebaute Hüttenweg von der Bergseehütte hinunter zur Göscheneralp erscheint uns nach dem sehr mühsamen Geröll schon fast wie eine Autobahn und im Nu sind wir dort im Restaurant und genehmigen uns eine Erfrischung. Auch der letzte Abstieg zurück zu unseren Velos verläuft auf dem gut ausgebauten Wanderweg bis zum Zeltplatz bei Gwüest und den letzten Kilometer auf der Strasse. Hier nun schwingen wir uns auf unsere Velos und sausen vergnügt hinunter zum Bahnhof Göschenen, wo wir exakt 12h nach unserem Start wieder eintreffen.

Genaue Route:
Mit dem Velo von Göschenen zur Voralpkurve, dann zu Fuss: Horefelli - Voralphütte - Horefellistock - Schijenstock - Hoch Horefellistock - P. 2777 - P. 2558 - Bergsee - Bergseehütte - Göscheneralp - Jäntelboden - Voralpkurve und mit dem Velo zurück nach Göschenen

Bemerkung:
Die Velounterstützung von Göschenen bis zur Voralpkurve ist nötig, da das öV Zeitfenster zwischen der Ankunft des ersten und der Abfahrt des letzten Busses von und nach Göschenen wohl nur für schnelle Wanderer reichen würde. Man beachte auch, dass im CIS Alpino (eventueller Anschluss in Arth Goldau) keine Velos verladen werden dürfen.

Tourengänger: Omega3, 360

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Kommentare (2)


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Fenek hat gesagt: WOW!
Gesendet am 27. August 2010 um 10:41
Herzliche Gratulation zu dieser aussergewöhnlichen Tour!
Omega3 müsste noch mehr an einem Mittwoch frei haben, dann wäre eine Fortsetzung solcher Touren garantiert... :-)

Grüsse
Fenek

360 Pro hat gesagt: RE:WOW!
Gesendet am 27. August 2010 um 10:59
Danke, die Tour war wirklich ein Hammer!

>Omega3 müsste noch mehr an einem Mittwoch frei haben, dann wäre eine Fortsetzung solcher Touren garantiert... :-)

Ja definitv, wir sollten eine Petition einreichen ("Free Omega3 on Wednesdays") oder einfach für diesen guten Zweck sammeln ;-)

Gruss 360


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