Grosses Tschingelhorn (2849 m)


Publiziert von PStraub , 25. August 2010 um 09:44.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:18 Oktober 1995
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: S
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Segnas-Vorabgruppe 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Kartennummer:1174

Vor langer Zeit floss ein kräftiger Bach durch ein Stollensystem im Kalk unterhalb der darüberliegenden, fast 1000 m dicken Verrucanoschicht. Der Bach muss während längerer Zeit bestanden haben, immerhin hat er es geschafft, ein Loch von 18 m Breite und 21 m Höhe auszuwaschen. 
Später - vermutlich während den Riss- und Würm-Eiszeiten - wurden Verrucano und Kalk weitherum wegerodiert, und nur noch ein schmaler Grat mit dem Loch des einstigen Baches sind davon übrig geblieben: Die Tschingelhoren und das Martinsloch.
Zusammen bilden sie eines der zentralen "Monumente" des UNESCO-Weltnaturerbes "Tektonikarena Sardona", denn gerade an den Tschingelhoren ist die Glarner Hauptüberschiebung mit den klassischen Schichten Quintnerkalk - Lochsitenkalk - Verrucano so klar wie sonst nirgends zu erkennen.
 
Es gibt Berge, die man immer wieder besteigt. Und es gibt solche, bei denen die Besteigung Höhepunkt und Abschluss zugleich ist. 
Das Grosse Tschingelhorn gehört für mich zur letzten Sorte: Da ich scheinbar nicht in der Lage bin, Touren vorauszuplanen, bin ich meist allein unterwegs - und dafür eignet sich das Tschingelhorn schlecht. Ich poste darum - bestärkt durch die Reaktionen auf meine diesbezügliche Anfrage im Forum - einen Bericht über meine Tour vom 18.10.1995 mit dem Bergführer Engg Marti.
 
Anreise und Anmarsch sind offensichtlich: Mit dem (bis letztes Jahr eher abenteuerlichen) Bähnli nach Nideren und auf dem Segnas-Passweg bis zur Passhöhe. Von dort auf Schutt einfach hinauf bis an den Einstieg. Die erste Kalkwand ist wirklich glatt, sie ist aber - wie die ganze Route - mit Bohrhaken gut ausgerüstet. Dann ein kurzer Stand und eine zweite Stufe in Kalk. Dann ist man im oder an der Grenze zum Verrucano. Ein paar Stufen werden überstiegen, dann kommt die zweite heikle Stelle: Ein scharfer, eher schlecht gestufter Abstieg und gegenüber gleich wieder hoch. Kurz darauf wird ein Gendarm auf der Ostseite auf einem kaum fussbreiten Band umgangen: Die Fotos zeigen, wie viel Luft man dabei um und unter sich hat. 
Der Rest ist unspektakulär. Man erreicht das Plateau über dem Martinsloch und steigt anschliessend in gutgestuftem Gelände bis zum Gipfel auf, das ist allenfalls noch ein T4.  
 
Grundsätzlich könnte man auf dem gleichen Weg zurück, doch das macht wohl keiner. In der nordwestlichen Ecke des Plateaus hat es einen guten Ringhaken (vielleicht mittlerweile sogar mehr), mit dem man auf die Glarner Seite des Martinslochs abseilen kann. 50 m Seil dürften knapp reichen, sonst macht man bei einem Haken einen Zwischenstand. Die Abseilstrecke führt zum Band in der Verlängerung des Martinslochs, wo die Route 853 beginnt.
 
Für gute Kletterer ist diese R. 853 eine valable Alternative. Ich habe sie einmal - frei - im Alleingang versucht und bin nach ein paar Metern gescheitert. Aber mit ein paar Friends und Klemmkeilen ist das zu machen, der Kalk ist dort recht gut gegliedert.
 
Als Gipfelziele spielen Tschingelhoren und Martinsloch in einer eigenen Kategorie. Nur wenige Berge der Schweiz haben einen derart hohen Wiedererkennungswert. 
Ich bin gespannt auf Berichte von "Wiederholungstätern"!

Tourengänger: PStraub

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Kommentare (2)


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ossi hat gesagt: Tschingelhoren
Gesendet am 25. August 2010 um 20:16
Familiärer Verpflichtungen wegen leider zur Zeit nicht gut machbar, aber für mich sind Touren wie diese hier Traumdestinationen. Und davon gäbe es noch viele: Frifad, Überschreitung Rossstock-Rad, Rüchigrat etc.etc.etc.......

PStraub hat gesagt: Abseilen
Gesendet am 31. August 2011 um 07:35
"In der nordwestlichen Ecke des Plateaus hat es einen guten Ringhaken .."

Gemäss Zeitung (Südostschweiz - Glarus) vom 30-08-2011 haben drei Bergführer am Kärpf und am Hausstock Sicherungsstangen gesetzt und hier die mittlerweile lotterige Abseilstelle neu eingerichtet.


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