Von Pilzen und Elefanten


Publiziert von laponia41 Pro , 3. September 2010 um 10:39.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Bern Mittelland
Tour Datum:24 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 600 m
Abstieg: 600 m
Strecke:15 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Bolligen

Ich sah tatsächlich viele Pilze, aber, ehrlich gesagt, nur einen Elefanten. Immerhin. Dafür war dies ein besonders grosses und schönes Exemplar, das seit geraumer Zeit stationär in freier Wildbahn lebt.

Nun aber schön der Reihe nach. Wegen der abendlichen Chorprobe begann und endete die heutige Wanderung bei meiner Haustür. Pilze suchen war angesagt, aber wegen der Schonzeit vom 1. - 7. Tag jeden Monats sollten sie nicht im Körbli, sondern auf der Speicherkarte meiner Kamera landen. Ich hatte vor, sie zu einem bekömmlichen Hikr-Pilzragout zu verarbeiten.

Ich zähle mich zu den privilegierten Wanderern. Nur zehn Minuten Fussmarsch von zu Hause entfernt bin ich im Stockerenwald, nach einer Stunde auf dem höchsten Punkt meiner Wohngemeinde, dem Bantiger (947 m ü. M.). Nach dem Aufstieg auf die Aussichtskanzel des Sendeturms liegt mir das ganze Bernbiet zu Füssen, im Süden die Berner Alpen, im Norden das Mittelland und der Jura, im Nordosten das Emmental, meine eigentliche Heimat. Heute war es leider ein bisschen trüb und die Alpen am Vormittag im Gegenlicht. Die fotografische Ausbeute blieb bescheiden.

Eindrücklich am Bantiger sind die grossen Gegensätze. Im Südwesten liegt die urbane Welt, die Stadt Bern und die grossen Vorortsgemeinden, am Nordhang fühlt man sich im tiefsten Emmental. Da tauchte ich nun ein und wanderte durch den Geristeinwald nach Geristein und wollte dort nach langer Zeit wieder einmal die Burgruine besuchen. Viele Erinnerungen kamen auf, hatte ich doch unter anderem als Feuerwehrkommandant viele persönlichen Kontakte zu den Geristeinern. Von der Burg Geristein ist zwar nur ein Turmfragment erhalten, die nähere Umgebung mit den Sandsteinfelsen und den stillgelegten Steinbrüchen ist aber spannend.

Den legendären Elefanten ging ich dann vorsichtshalber von unten an. Oberhalb Harnischhut führt eine Wegspur in den Wald. Steil geht es hinauf zu der Sandsteinrippe, die sich Richtung Burgruine hinaufzieht. Jetzt, wo die Buchen noch belaubt sind, ist es schwierig, das riesige Tier zu überblicken. Das zerklüftete und felsige Gelände macht es auch nicht einfach, einen idealen Fotostandort zu finden. Ich möchte wetten, dass der Hikr, der nur ca. 2.5 km von mir entfernt wohnt, sich hier auch schon im T6-Bereich versucht hat. Wo es Elefanten hat, gibt es ja bekanntlich auch Haasen.

Nach diesem Abstecher wechselte ich dann über die Lutzeren hinüber in den Grauholzwald. Nach dem Sädelbachhüttli erreichte ich dann mein eigentliches Pilzrevier. Schade! Am Monatsende werden die Wälder in Stadtnähe regelrecht geplündert. Trotzdem war ich zufrieden mit dem, was ich gefunden habe. Für den Hikr-Pilzragout sollte es allemal reichen, mit oder ohne Knollenblätterpilz.

Die Wanderung führte dann weiter über den Schwarzkopf zum alten Sädelbachhüttli (bei Pt. 774). Dies soll nach der Vorstellung vieler Kinder das Hüttli des einzigen echten Samichlaus sein. So ist es. Ich muss es ja am besten wissen.

Fazit:
- Warum denn in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah (Goethe)
- Für Trainingstouren ist das Gebiet Bantiger - Schwarzkopf sehr ideal


Route: Bolligen - Flugbrunnen - Bantigen - Chatzestig - Bantiger - Geristein - Ruine Geristein - Harnischhut - Lutzeren - Sädelbachhüttli - Schwarzchopf - Habstetten - Bolligen

Tourengänger: laponia41

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Kommentare (7)


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uesu hat gesagt: meine Heimat
Gesendet am 3. September 2010 um 14:04

schöner Bericht aus meiner Heimat - nur gehe ich das alles jeweils von Schoenbuehl aus an ;-)


marvel hat gesagt: Elefant
Gesendet am 3. September 2010 um 18:35
Mit dem Gedanken, einen Bericht über den Elefanten zu verfassen, habe ich auch schon gespielt. Leider fehlte mir immer ein entsprechender Touren-Kontext - den hast Du ja jetzt geliefert!

Für einen guten Fotostandort für den Elefanten bräuchte man wohl eine Zeitmaschine. Im Internet findet man diese alte Aufnahme, aus der Zeit wo noch mehr abgeholzt wurde.

(Den zugehörigen Text sollte man nicht zu ernst nehmen, Herr Dr Christoph Pfister hat zu diversen historischen Themen recht unkonventionelle Ansichten.)

mahlersilvan hat gesagt: RE:Elefant
Gesendet am 17. April 2011 um 16:14
Hallo Marvel,

kurze Frage zu dem Steinbruch grad unterhalb des Elefanten (bzw. nicht gleich unterhalb des Elefanten, sondern gleich an der Strasse nach Geristein (rechte Strassenseite)). Was war denn das für ein Verwendungszwecke, dass dort heute nach wie vor neue Schlösser und Zäune montiert sind? ich war auf dem Weg von der Ruine bzw. Elefanten darauf gestossen... ist das ne alte Militäreinrichtung?

Grüsse & merci für ne Info
silwan

marvel hat gesagt: RE:Elefant
Gesendet am 17. April 2011 um 17:57
Du meinst vermutlich den unvollendeten Bundesratsbunker K3. Informationen findest Du z.B. hier:
[www.festung-oberland.ch/Infrastruktur/Fuehrungsanlagen/Bunde...].

marvel hat gesagt: RE:Elefant
Gesendet am 17. April 2011 um 17:59
PS Die neuen Schlösser sind soweit ich weiss da, weil sich die Anlage heute in Privatbesitz befindet.

laponia41 Pro hat gesagt: RE:Elefant
Gesendet am 17. April 2011 um 19:26
Ausführliche Informationen zu den Steinbrüchen Ostermundigen, Stockeren und Harnischhut gibt es im Buch "Bolligen" von Karl Ludwig Schmalz (ehemaliger Nauturschutzinspektor des Kantons Bern). Wenn es dich sehr interessiert, könnte ich dir dieses Buch ausleihen. Es ist übrigens in der Gemeindeverwaltung Bolligen noch in rauen Mengen vorhanden.

LG
Peter

mahlersilvan hat gesagt: RE:Elefant
Gesendet am 18. April 2011 um 07:37
vielen Dank für die Infos :) bin noch nicht so lange in der Gegend, jedoch oft mitm Bike unterwegs und bin irgendwann auf die vielen interessanten Dine in der Umgebung Ostermundigen, Bolligen etc aufmerksam geworden ... da gibts einiges interessantes im Tagesausflugsbereich zu Fuss oder mitm Bike ...
Grüsse & danke für die Infos,
silvan


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