Überschreitung Signalhorn, Egghorn, Silvrettahorn


Publiziert von windi , 25. August 2010 um 22:00.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Silvretta
Tour Datum:21 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:10 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bieler Höhe; entweder von Westen über Bludenz, Montafon oder von Osten über Landeck, Paznaun
Unterkunftmöglichkeiten:Tuoi-Hütte, 2250 und Silvretta-Hütte, 2341
Kartennummer:Landeskarte der Schweiz, Unterengadin, 1:50000

 Die Vorgabe für diese Hüttentour war: Apere Gletscher, leichte Kletterei, kein Seil! Die Überschreitung von Signalhorn und Egghorn ist bislang ja nicht so genau beschrieben worden, so daß das Gelingen der Tour (mit zwei Jugendlichen) etwas fraglich war. Schließlich paßten die Bedingungen, Schwierigkeiten und das Wetter perfekt zu unserem Können und unseren Erwartungen.

Wir wählten, um den ersten Tour-Tag möglichst interessant und einsam zu gestalten, den Weg von der Bieler Höhe durchs Bieltal und über den Radsattel.

Weil der spaltenreiche und im oberen Becken ganzjährig schneebedeckte Ochsentaler Ferner für uns tabu war, wechselten wir an der Fuorcla Vermunt einfach auf die Südseite, erlebten die beeindruckenden Nord- und Ostwände des Biz Buin und tauschten die riesengroße Wiesbadener gegen die schnuckelige, gerade umgebaute Tuoi-Hütte ein.

Über Plan Rei (aperer Gletscher beginnt erst bei HM 2800), Plan Mezdi und das amphitheaterähnliche Gletscherbecken von La Cudera gelangten wir bei 2950 ( immer noch weitgehend aper) zur untersten Spitze des SW-Grates des Signalhorns. Grödel waren angenehm, aber nicht wirklich notwendig. Anfangs mehr auf der Westseite, dann in Gratnähe, oben in leichter Kletterei ( I ) gings rasch aufwärts zum Gipfelgrat und aussichtsreichen Gipfel.

Der NW-Grat hinüber zum Egghorn enthält eine Steilstufe von knapp 50 HM. Vom Egghorn aus schaut sie fast senkrecht aus und ist dennoch auf der Nordseite in leichter Kletterei und schön gestuftem Fels (II-) schnell zu überwinden. Es folgt ein Schneefeld und ein kurzer Anstieg zum Egghorn, wobei die kleine Steilstufe wieder auf der Norseite bewältigt wird.


Der nordseitige 100 HM-Abstieg vom Egghorn ist Kletterei im ersten und zweiten Grad. In der Mitte des Nordgrates steht ein Zacken, der westseitig umgangen werden muß. Oberhalb dieses Gratzackens befindet sich eine unangenehme Stelle mit abwärts geschichtetem, geröllbelegtem Fels. Die Rinne nach NW direkt vor dem Zacken war mit Eis gefüllt und am besten im Fels zu umgehen (III-). Drei Meter nördlich der kleinen Scharte vor dem Felszacken hängt eine Schnurschlinge, in die wir zur Absicherung dieser Kletterstelle eine Reepschnur eingehängt haben. Der weitere Abstieg zur Scharte bei ca. 3040 ist einfach. Zur nächsten Scharte (3060) im zackeligen Grat und zum Einstieg in den Silvrettahorn-Südhang gelangten wir in tiefem nassen Schnee ostseitig über den hier oben spaltenfreien Gletscher.


Zum Silvrettahorn führt ein gut sichtbarer, unmarkierter Pfad, der eine Steilstelle bei knapp 3200 mit einer Querung nach links umgeht. Das letzte Stück am Südgrat zum Gipfel ist leichte Kletterei. Die Tiefblicke in die schaurige Ostwand und auf den zerrissenen Ochsentaler Ferner sind genauso phantastisch wie die Blicke hinüber zu den beiden imposanten Buins und in die Ferne.

Von der Scharte bei 3060 führt im Geröll direkt nach W ein meist gut sichtbarer Pfad hinab auf den riesigen Silvretta-Gletscher. (Die hier beschriebene Route zwischen Gipfel und Gletscher wird viel begangen und ist leicht! Insofern wundert es mich, daß Shepherd 2009 in der Silvretta-Hütte die Route über die teilweise noch vergletscherte direkte Westflanke des Silvrettahorns empfohlen bekommen hat).
Um den wenigen Schneeflächen und Spaltenzonen auszuweichen, querten wir gleich nach rechts an den Gletscherrrand, wo neben diversem Müll auch einige interessante Natur-Details zu bestaunen waren. Zwischen Hunderten von Wasserläufen gings zügig hinab, Sonne und Hütte entgegen. Leider reichte die Zeit nicht, auch noch das wunderbare Seen- und Schwemmgebiet der Gletscherausläufe zu erkunden, das östlich der Silvretta-Hütte von einem Gletscherlehrpfad erschlossen ist (Schautafel am Hütteneingang).


Am nächsten Morgen konnten wir das Gebiet beim Aufstieg zur Roten Furka aber wenigstens mit den Augen durchwandern. Der weitere Weg über Klosterpaß, Winterlücke, Sonntagspitze, Litzner Sattel, Saarbrückener Hütte, Tschifernella zur Bieler Höhe ist sehr kurzweilig. Es ergeben sich immer wieder neue Ansichten von markanten Gletschern und Felsbergen und kleinen Seen. Der kurze und leichte Aufstieg von der Winterlücke nach SO zur Sonntagspitze lohnt sich auf jeden Fall wegen der Super-Aussicht. Für den mittelsteilen Abstieg über den sterbenden, aber noch nicht toten Gletscher nördl. der Winterlücke waren Grödeln erforderlich.

Ich beschreibe die 3-Tages-Tour hier, weil sie, obwohl ohne größere Ausrüstung gut gehbar, in spektakuläre Gletscher- und Bergwelten führt. Ein Rucksack kann sehr schwer werden, wenn der Weg langatmig und das Seil naß ist. Hier bleibt er immer superleicht!






Tourengänger: windi

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Kommentare (2)


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KraxelDani hat gesagt: Wegpunkte...
Gesendet am 25. August 2010 um 22:56
Hallo windi,

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht im Silvrettagebiet. Habe nicht gewusst, dass eine solche Tour über diverse Gletscher ohne spezielle Ausrüstung möglich ist. "Im Glötter" habe ich schon mal überschreiten wollen, mich dann aber nicht getraut.

Wenn man den interessanten Bericht mit den super Fotos auch später wieder finden möchte, so geht das einfacher, wenn Du noch mind. einen Wegpunkt hinzufügst. Hier wären das "Signalhorn", "Egghorn", "Silvrettahorn" und evtl. auch Hütten (z. B. "Chamanna Tuoi CAS"), sowie einige Pässe (z.B. "Radsattel").

Die Angabe eines Wegpunktes erweitert Deinen Bericht automatisch um die Liste der ähnlichen Berichte.

Viel Spass in den Bergen,
(Kraxel-)Dani.

windi hat gesagt: RE:Wegpunkte...
Gesendet am 25. August 2010 um 23:09
Hallo! Danke für Deine Rückmeldung. Das mit dem Wegpunkt ist schon passiert (Silvrettahorn). War ja gerade noch am Bearbeiten! Die Tour hat natürlich sehr vom tollen Wetter profitiert. So was passiert einem ja nur alle 10 Jahre, wenn man sich schon lange im voraus auf ein Wochenende festlegen muß.
Viele Grüße und noch schöne Gletschertouren!
windi


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