Klettersteigspass am Graustock


Publiziert von TomClancy , 25. August 2010 um 22:49.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:21 August 2010
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: Östliche Melchtaler Alpen   CH-BE   CH-NW   CH-OW 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 700 m
Strecke:Jochpass - Rot Nollen - Schafberg - Graustock - Schaftal - Pt 2323 - Oberi Gumm - Jochpass
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der ZB nach Engelberg, mit der Seilbahn über Trübsee zum Sessellift auf den Jochpass.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Wie Anfahrt.

Nach dem Klettersteigkurs in der Schöllenen und dem eher beschaulichen Steig auf den Saulakopf, wurde es Zeit, mich und meine Ausrüstung einer echten Herausforderung zu stellen :-)

Der Graustock erschien mir für meine Zwecke gut geeignet: moderate Anforderungen aber alpines Ambiente und mit dem ÖV gut erreichbar. So erreichte ich am Samstagmorgen gut gelaunt gegen 1015 mit der Zentralbahn Engelberg. Mit der Seilbahn nach Trübsee und nach einem kurzen Fussmarsch mit dem Sessellift auf den Jochpass. Der Zustieg zum Steig ist gut weiss-blau-weiss markiert. Der erste kurze Aufschwung ist drahtseilgesichert, aber ohne Eisenverstärkung. Die vier Russen vor mir überwinden ihn sogar ungesichert, was zwar gut möglich ist, aber mir nicht sinnvoll erscheint. Nach der ersten Stufe führt der Wanderweg zum zweiten Aufschwung, der dann mit einigen Eisen entschärft ist und schnell auf den Schafberg führt. Inzwischen haben sich die Russen doch entschlossen, die Klettersteigausrüstung anzuziehen und so kann ich sie überholen. Bereits auf dem Schafberg sehe ich, dass der Pfeiler am Graustock aussieht wie das Gotthard-Nordportal am ersten Ferienwochenende: Stau oder zumindest stockender Kolonnenverkehr. Bald schliesse ich zur Gruppe vor mir auf: drei Jungs, die zum ersten Mal überhaupt auf einem Klettersteig sind und daraus auch keinen Hehl machen. „Wau das ist mutig, so allein in die Berge! Das würde ich nie tun! Wenn Du da mal stecken bleibst!“ Um ihn nicht noch mehr zu beunruhigen, lass ich ihm die Illusion, dass ihn seine Kameraden aus der Wand führen würden, wenn er stecken bleiben würde. Während der nächsten 20 Minuten höre ich dann immer wieder motivierende Sprüche: „Mann, das wird ja immer krasser!“ „He, wenn Dich das schon gestresst hat, dann schau erst, wenn Du bei mir oben bist!“ Vor meinem geistigen Auge bauen sich unüberwindliche Wälle auf, und meine leichte Unsicherheit wird nicht gerade abgebaut. Zudem habe ich natürlich durch die Warterei genug Zeit mir alles detailliert auszumalen! So lenke ich mich mit Fotografieren ab und geniesse das Panorama. Es hat sich gelohnt, eine kurze Schlinge und einen Schraub-Karabiner am Klettergurt zu befestigen. So kann ich wenigstens beruhigt ausruhen und habe beide Hände frei.

 

Der Steig auf den Pfeiler ist nicht wirklich schwierig, braucht aber an ein, zwei Stellen etwas Kraft und Überwindung. Auf jeden Fall macht es riesig Spass, so an Felsen hoch zu kraxeln, die für mich Durchschnittswanderer sonst unerreichbar wären. Auf dem Pfeiler angekommen, müssen die Jungs ihren Erfolg auskosten und so kann ich nun ungehindert auf dem Wanderweg auf den Gipfelgrat zusteuern. Der letzte Aufschwung ist nur noch Zugabe und führt auf den Gipfel, von wo aus ich die tolle Aussicht auf die Melchsee-Frutt und die Berner Alpen geniesse. Allzu lange bleibe ich nicht auf dem Gipfel. Der letzte Aufschwung wird auf dem gleichen Weg im Gegenverkehr wieder abgeklettert. Mit etwas gegenseitiger Rücksichtnahme funktioniert das sehr gut. Danach zweigt der Weg vom Aufstiegspfad ab und führt über ein ausgedehntes Karrenfeld via Schaftal wieder zum Jochpass zurück. Die letzten Kilometer teile ich mir mit den ersten Teilnehmern des Mountainman, die jetzt die letzten Kilometer ihres „Leidenswegs“ unter die Füsse nehmen. Diese Leistung (81km und mehr als 4500 Höhenmeter in unter neun Stunden!) bewundere ich wirklich! Im Ziel erlebe ich gerade noch das Siegerinterview mit. Unglaublich, wie frisch dieser drahtige Typ die Fragen beantwortet und sogar noch Dankesworte an die Helfer und das OK richtet!

 

Ich freue mich, meinen ersten richtigen Klettersteig bezwungen zu haben und gönne mir zur Feier des Tages in Engelberg noch ein Bier. Die Heimfahrt wird dann wieder etwas besinnlicher. Exakt fünf Jahre sind es her, dass die Unwetter 2005 Engelberg und das Engelbergertal sowie natürlich noch viele andere Teile der Schweiz verwüstet haben. Heute fliesst die Aa wieder ruhig und klar in ihrem Bett, die Wiesen stehen in saftigem Grün und die über 500 sanierten Hangrutsche fügen sich nahtlos in die Landschaft ein.  


Tourengänger: TomClancy

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Geodaten
 3308.gpx Graustock

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