Chilchalphorn 3039,8 m - auf der Suche nach dem Gletscher


Publiziert von Ivo66 Pro , 21. August 2010 um 19:52.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Hinterrhein
Tour Datum:21 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1430 m
Abstieg: 1430 m
Strecke:Hinterrhein - Nügädemli - Chilchalp - P. 2306 - Chilchalpgletscher - Nordostgrat - Chilchalphorn
Kartennummer:1:25'000 Hinterrhein

Das Chilchalphorn ist ein beliebter Skitourengipfel. Dieser prächtige Berg soll im Winter an schönen Tagen von hunderten Tourengängern überrannt werden. Nicht so im Sommer; dann ist man hier alleine unterwegs. Während der Tour wird auch bald klar warum: Etwa 1200 der insgesamt 1430 zu bewältigenden Höhenmeter und etwa 90 % der Strecke müssen weglos in zum grossen Teil sehr unwegsamem Gelände zurückgelegt werden. Dominieren im unteren Teil steindurchssetzte steile, wilde Grashalden, ist der kurze Mitteilteil von gemässigtem Alpgelände gekennzeichnet, während einen ab einer Höhe von ca. 2500 m.ü.M. buchstäblich immer mehr Steine in den Weg gelegt werden. Dies alles zerrt sehr an den Kräften. Hinzu kommt, dass der Chilchalpgletscher sich derart stark zurückgezogen hat, dass er kaum mehr als geeignete Aufstiegshilfe taugt. Zu oft sind seine kümmerlichen Reste von zertrümmerten Schutt- und Geröllhalden unterbrochen, die man mühsam durchsteigen muss.

Im Winter liegt dieser ganze Trümmerhaufen unter einer dicken Schneeschicht und die Beschaffenheit des Geländes lässt erahnnen, welchen Genuss den Skifahrer an diesem Berg erwartet. Dies soll aber niemanden davon abhalten, diesen Berg auch einmal im Sommer zu begehen. Wir haben die Tour jedenfalls in vollen Zügen genossen. Eine gute Kondition ist Voraussetzung, ebenso wie Trittsicherheit in unwegsamem Gelände. Der Gletscher, bzw. was von ihm noch übrig ist, kann gefahrlos betreten werden, er hat keine einzige Spalte. Wir benötigten nicht einmal die (mitgeführten) Steigeisen, derart griffig war er an den aperen Stellen. An den steileren Gletscherpassagen lag noch eine dünne Neu- oder Altschneeschicht (?) die für gute Tritte sorgte. Wie lange wird sich der Chilchalpgletscher noch halten? 10 Jahre? oder weniger? Nun dieser Sommer hat sicher nichts zu seinem baldigen Sterben beigetragen, dennoch dürften seine Jahre gezählt sein. Und irgendwann werden wir zu den Leuten zählen, die den jüngeren Berggängern sagen können: "Damals als es am Chilchalphorn noch einen Gletscher hatte, usw. ..."

Die von uns begangene Route kann ich mit gutem Gewissen als gefahrlos empfehlen; allerdings nur bei guter Sicht, denn bei Nebel wäre man hier oben hoffnungslos verloren. 

...ah und hier noch die Routenbeschreibung. Der SAC-Clubführer "Bündern Alpen 2" stammt aus dem Jahre 1996. Seither hat sich vieles geändert: Route 791 "Den Gipfel erreicht man in einem nach rechts ausholenden Bogen über den Chilchalpgletscher", das funktioniert heute nicht mehr...

Von Hinterrhein auf die Chilchalp (T3)

Von Hinterrhein (kleiner Parkplatz kurz nach der Ausfahrt der Autostrasse, von Thusis herkommend - gleich rechts) steigt man auf dem Fahrsträsschen entlang des Bachs in nördlicher Richtung hoch (zuerst rechts, dann über eine Brücke links des Bachs). Nach der zweiten Brücke (die man nicht überquert...) bei P. 1701 m weiter dem Fahrsträsschen entlang und in einer Kehre nach rechts kommt man bald zu einem Wasserreservoir (siehe auch Landkarte).  Kurz darauf, am Ende der Strasse, steigt man in westlicher Richtung zur Chilchalp hoch. Mit etwas Gespür findet man immer wieder eine Lücke durch das dichte Gestrüpp.

Weiter oben ist das Gelände mit Alpenrosen und Heidelbeersträuchern durchsetzt, man findet aber gut eine mehr oder weniger angenehme Aufstiegsroute. Man kann sich immer etwa am Räppierbach orientieren, den man aber etwas auf Distanz hält. Die Chilchalp erreichtn wir etwas nördlich der Hütte, bei der Brücke über den Räppierbach. Die Route zwischen Strassenende und Chilchalp für den Abstieg unbedingt gut einprägen!

Von der Chilchalp zum "Chilchalpgletscher" (T3)

Südlich der Brücke über den Räppierbach stiegen wir weiter in ziemlich genau westlicher Richtung über die Chilchalp auf. Man gelangt bald zu einem kleineren Bach, dem man entlang aufsteigt (öfters die Seite wechselnd, je nach Gefühl für die angenehmste Route...). Dieser Bach ist allerdings in der Landkarte 1:25'000 nicht eingetragen. Man hält sich weiter westlich bzw. westsüdwestlich und folgt dem nächsten Bach aufwärts (Trösbach). Man gelangt an eine Stelle, wo kurioserweise zwei Bäche parallel zueinander von Norden herabfliessen (Trösbach und Plattenbach). Der Plattenbach fliesst dann allerdings fast südlich in Richtung Tal. Wir folgten weiter dem Plattenbach. Das Gelände wird hier steiler und immer gerölliger. Auf etwa 2730 m. ü. M. erblickt man dann den ersten Rest des Chilchalpgletschers.

Über den Chilchalpgletscher via Nordostgrat zum Gipfel (T4)

Den völlig spaltenlosen Gletscher überquerten wir in nordwestlicher Richtung. Immer wieder ist er von Schutt und Geröll unterbrochen. Vor der Chilchalplücke entschieden wir uns, auf einem Firn- oder Gletscherfeld steil hinaufzusteigen, was ordentlich gut ging. Oben erwartete uns jedoch Gelände mit übelstem rutschigen Schutt und Geröll, so dass wir uns glücklich schätzen, bald auf dem Nordostgrat zu stehen.

Der Nordostgrat ist über weite Strecken gutes, nicht ausgesetztes Gehgelände. Nur ganz oben am Gipfelaufbau muss hin und wieder etwas (leicht) geklettert werden. Etwas unangenehm ist der Schlussaufstieg über eine rutschige Wegspur.

Abstieg

Mehr oder weniger auf gleicher Route. Wir nutzten einige Firn- bzw. Schnee- oder Gletscherfelder (wer weiss das so genau?) zum Abrutschen.  Aber auch auf diese Weise wird man immer wieder mühsame Schuttfelder queren müssen.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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