Ein Deziliter Weisswein für 12.- ....


Published by Henrik Pro , 20 August 2010, 17h01.

Region: World » Switzerland » Solothurn
Date of the hike: 5 June 2010
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BS   CH-SO 
Access to start point:ÖV
Access to end point:ÖV
Maps:map wanderland

 

....zweimal schon hatte ich dienstlich bedingt, die von der Ita-Wegman-Klinik angebotene öffentlich Führung verschieben müssen – als ich von einer erneuten Möglichkeit davon Regula erzählte, bat sie mitgenommen zu werden. Unser Samstagausflug begann am Bahnhof SBB – nach Dornach kann auch das Tram genommen werden. Die Linie 10, als eine der längsten Tramlinien in Europa gerühmt, verbindet zwei Orte des Kantons Solothurn, nämlich Dornach und Rodersdorf. Dazwischen durchquert es die beiden Basel und die Innenstadt via Theater – alle andern Linie der BLT und BVB haben nichts vergleichbares m. E. zu bieten wie eben die Linie 10! Denn auch Frankreich wird auf einer kurzen Strecke bedacht: Leymen im Elsass. Bis Ettingen in Doppelspur, die ausgebaut werden soll bis Flüh, mit Fahrplanverdichtung selbstredend – informativ auch etwas Geschichte zur heutigen BLT, die zuerst wirklich als Zug noch unterwegs war: der ÖV-geneigte Leser kann sich hier updaten!
 
Die Linie 10 als Vorortslinie kommt gleich nach Verlassen des Centralbahnplatzes (richtig mit C geschrieben) in den Genuss eines Trassees auf SBB-Grund! Stösst vor zum ThinkTank im Peter-Merian-Haus und stolziert auf Betonpfeilern vor zur Münchensteinbrücke, die eleganten Schwunges genommen wird. Dabei fällt linker Hand das eigenwillige Gebäude auf, das nun schon echte Patina aufweist – der Kasten beherbergt eine der wenigen Schaltstellen(-gehirne) der SBB. Ein paar Schienenlängen weiter wurde dem Merkantilismus der vormalige Haltestellenname geopfert: Wolfgottesacker – seit ein paar Jahren heisst es hier MParc – M steht für Migros!
 
Eine spätere Haltstelle, die Grün 80, wird zudem seit 25 Jahren von der Migros gepflegt und an Sonnentagen strömen Tausende an diese Oase am Stadtrand – Dank königlicher Einweihung 1980! Ganz in der Nähe produziert André Klein das Cola Fröschli! Eine kleine Geschichtsauffrischung soll mit diesem Satz in Erinnerung gerufen: Das Eisenbahnunglück von Münchenstein am 14. Juni 1891 war die bis heute größte Eisenbahnkatastrophe der Schweiz (die von Gustave Eiffel erbaute Birsbrücke ging dabei vollständig zu Bruch) – parallel dazu führt die Brücke der Linie 10. Geschichte wurde nur ein paar Meter weiter geschrieben – eine der ersten Einheitslokomotiven der Schweiz, die Ae 6/6 wurde im Maschinenwerk der BBC in Münchenstein elektrisch ausgerüstet: 50 Jahre Gotthardlokomotive Ae 6/6.
 
 
Arlesheim Dorf, eine weitere Haltestelle: von hier gibt es Anstiege zur Eremitage (die alleine schon einen mehrstündigen Besuch wert wäre), oder auf den Gempenstollen oder dem Kirchgänger kann der Dom wärmstens empfohlen werden – das nahe Domstübli zum Dinieren auch! Wir steigen hier aus, spazieren dem Tram entlang, und wenden uns dem Areal der  Ita-Wegman-Klinik zu. In einem weitläufigen Park mit teils sehr altem Baumbestand liegt die komplementär-medizinische Klinik mit schulmedizinischer Kompetenz – hier finden Menschen die Ruhe, die anderswo in Kliniken kaum mehr zu haben ist! Die Art der Begegnung und Wahrnehmung ist eine andere – das Haus und seine Dienste lassen den Besucher das sofort spüren. Eine kleine Gruppe hat sich nun eingefunden, die von der Klinik- und Pflegedienstleiterin Frau A. Gass durch das Haus und deren Fachgebiete geführt wird. Im Garten der ITW wird vieles hergestellt, das Linderung und Besserung bringt. Farben und Düfte, Oele und Musik spielen im Genesungsprozess eine grosse Rolle – und Zeit hat hier eine andere Textur. Man braucht nicht zwingend über Anthroposophie vorgängig sich vertraut gemacht zu haben – wer hier gepflegt und medizinisch betreut wurde, wird sich immer wieder dessen bewusst, dass fürs Werden und Wachsen viel mehr im Menschen schon besteht, dass damit angestossen werden kann. Hier gewinnt Eigenverantwortlichkeit die ihm gebührende Dimension!
 
 
 
Bereichert und innerlich gerührt verlassen wir diesen stimulierenden Ort, jetzt möchten wir noch zu Mittagessen – dazu fahren wir mit dem Ortsbus hinauf zum Goetheanum – zum Speisehaus am Goetheanum. Da die Terrasse keinen einzigen leeren Tisch bietet, setzten wir uns drinnen hin und schauen aufs rege Leben unten an der Strasse. Irgendeine Veranstaltung ist zu Ende gekommen; bunte Gruppen mit viel Gepäck stehen an der Bushaltestelle – wir haben nicht herausgefunden, welcher Event zu Ende gekommen ist. Unsere Teller sind mit Salaten gefüllt, Wasser kommt auf den Tisch – wir sind innen allein. Gegen Westen überschaut man von hier das weitläufige Leimental, ganz am Rande noch schemenhaft die Vogesen.
 
 
Zum Nachtisch spazierten wir hinunter zum Bahnhof Dornach – es ist zwischenzeitlich hochsommerlich warm (nicht nur angenehm). Die Villenbauten (anthroposophische Architektur) haben oftmals gewöhnungsbedürftige Perspektiven, wirken eigenwillig. Kurz vor Ladenschluss kommt Regula in den Genuss von Ammedysli im Sommer – ich schenke sie ihr. Unten am Bahnhofsareal eingetroffen, verbleiben noch eine gute halbe Stunde, bis der Bus zum Gempen via Hochwald wegfährt. Wir setzten uns in den Karten des Restaurant-Kloster Dornach und bestellen einen weissen Wein – bei der Bezahlung bekam ich es mit dem Schrecken zu tun: 12 Franken für ein Glas.....Es stellte sich heraus, das gerade der Service gewechselt hatte und im Garten ein Aufbau für ein Hochzeitspaar vorbereitet wurde – da geschah die Unaufmerksamkeit, und an die erinnerte ich dann auch...das Glas Hahnenwasser für Regula und mein Wein für 6 Franken! Trotzdem kullerten Schweissperlen von meiner Stirn...die wurden nicht weniger als der Bus voll besetzt aufbrach zum Gempen. Im Fahrzeuginnern versperrten vier MTB-Biker in Vollmontur die Stehplätze.....wir fuhren nach Hochwald. Am Ortsausgang die Haltestelle, von der wir hinauf spazierten Richtung Gempen. Zuerst auf Asphalt, später dann im kühleren Wald. Mächtig Cumulustürme wanden sich in die Höhe – die Hochebene zwischen Hochwald und Gempen ist meist gut besucht, wir waren heute erstaunlicherweise recht alleine unterwegs, einige Umwegen mussten eingeschlagen werden, ich wollte vornehmlich im kühlen Wald unterwegs sein, aber ich wollte Regula auch Weitsichten möglich machen: dies gelang mir nicht ganz, doch zwischen den Ästen auf der Wacht Pt. 723 sah man hinunter ins Oristal. Etwas später auf der Breitenmatt dann hinüber ins Badische, weit im Osten die Kühlfahne von Leibstadt und gleissend am Gempen der Turm. Zum Glück hatte ich Wasserflaschen an Bord, denn nun begann mir der Kopf zu dröhnen – hofften wir doch auf eine Beiz in Gempen. Doch die hatte zu, zu dem gabs nirgends eine öffentliche Toilette. Die einzigste Kühlung brachte eine Pause in der Kirche – die Toiletten fanden wir am Waldesrand bei der Kurve zum Gempenturm, im Gebüsch! Der Bus fuhr kurz vor halbsieben nach Dornach.
 
Meine Erinnerungen an das Dorf Gempen waren auch schon lieblicher – aber das ist einige Zeit her. Somit zeigen sich Veränderungen und auch Unzulänglichkeiten im Lebenslauf an. 


Die Folgetage dröhnte es noch nach ..im Kopf...ich freue mich auf weniger warme Tage!

Hike partners: Henrik

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Comments (2)


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Seeger says: Götheanum
Sent 20 August 2010, 22h02
Ciao Henrik
Mit dem "Ammedysli" musst Du mir Nachhilfestunden geben.
Dafür habe ich - und dies ist das erste Mal - einen zweifachen Tippfehler ersperbert:
"dazu fahren wir mit dem Ortsbus hinauf zum Goethanum – zum Speisehaus am Goethanum".
Ob Göthe je in Gotha war?
Im Bildtext jedoch bist Du goldrichtig.
Goldig auch Deine Ausführungen. Ein Bericht, den ich - wie oben zeigt - von A bis Z mit Interesse durchgelesen habe.
Danke, Kompliment, einfach herrlich nachvollziehbar....
Cari saluti
Andreas

Henrik Pro says: RE:Götheanum
Sent 20 August 2010, 22h42
ohalätz, wurd' me z'Basel ussriefe! Götheanum ist auch nur halb richtig - herausgesperbert! Siehe dort....
Aber Danke für die Lorbeeren hier und gleich am Delifon au, gäll...gniegend Reepschniier mitnäh!
Wär waiss am Donnschtig villicht au im Tessin?

Saluti und Ciao

silberlocke


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